Der Zauber.

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  • gast-20110818

    #181
    Zurzeit lese ich gerade das Buch "Gespräche mit Marlon Brando". Der Inhalt ist quasi ein großes Interview, das Lawrence Grobel mit Brando 1979 auf Tahiti führte.
    Hier mal eine interessante Passage daraus, die zu diesem Thema hier passt und worüber wir ja auch in anderen Threads gelegentlich diskutieren:
    Lawrence Grobel:
    Sie glauben also, dass die Faszination, die von Ihnen ausgeht, vergänglich ist?

    Marlon Brando:
    Die Menschen neigen dazu, sich Mythen zu schaffen, ob gute oder böse. Noch während Geschichte abläuft, wird sie schon mytheisiert. [...]
    Die Menschen glauben an das, woran sie schon immer glauben wollten. Sie mögen jemandem, dem sie nie begegnet sind und finden ihn trotzdem absolut wundervoll; und dann wiederum hassen sie jemanden, obwohl sie ihn persönlich überhaupt nicht kennen. Die Menschen wollen nicht auf ihre Feinde verzichten. Wir haben Lieblingsfeinde, die wir liebend gern hassen und äußerst ungern lieben. Wenn sie Gutes tun, gefällt uns das ganz und gar nicht. Mir ging es so mit Ronald Reagan. Er ist mir ein Greuel. Sobald er vernünftig handelt, stelle ich fest, dass mein Verstand versucht, es so umzuinterpretieren, dass es doch falsch ist und in mein Bild seines nationalistischen Extremismus passt.
    Die meisten Menschen brauchen jemanden, der ihren Hass wert ist - auf diese Weise werden sie viel Wut los; und sie brauchen jemanden, der ihre Vergötterung wert ist. Ob das nun Farrah Fawcett oder irgendjemand anderes ist, spielt keine Rolle. Das sind leicht ersetzbare Figuren, sie lassen sich wir Karteikarten wegwerfen. Johnny Ray war einmal das Objekt dieser hysterischen Popularität und Verherrlichung, und dann war er plötzlich verschwunden. Die Beatles sind heute nichts besonderes mehr. Als sie von einer kreischenden Meute verfolgt wurden und aus Angst um ihr Leben rannten, hielt man spezielle unterirdische Fluchtwege für sie bereit. Heute können sie sich fast überall unbehelligt bewegen. Das Phantasiegebilde hat sich aufgelöst. Elvis Presley - ein aufgedunsener, ewig pubertierender Entertainer auf dem absteigenden Ast, der plötzlich die Leute in Scharen nach Las Vegas zog - hatte nichts mit Größe zu tun, nur mit seinem Mythos. Die Menschen wollen etwas bewundern, deshalb werden solche Leute wunderbar.
    Kafka und Kierkegaard sind bemerkenswerte Köpfe, sie haben entlegene Orte der Psyche besucht, die kein anderer Schriftsteller zuvor zu betreten wagte - für manche Menschen ist es eben Franz Kafka, nicht Elvis Presley.
    Ein kluger Mann war er, der Marlon.

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    • Elvislover76
      Posting-Legende

      • 18.02.2005
      • 9215

      #182
      Zitat von Blues Boy
      Zurzeit lese ich gerade das Buch "Gespräche mit Marlon Brando". Der Inhalt ist quasi ein großes Interview, das Lawrence Grobel mit Brando 1979 auf Tahiti führte.
      Hier mal eine interessante Passage daraus, die zu diesem Thema hier passt und worüber wir ja auch in anderen Threads gelegentlich diskutieren:


      Ein kluger Mann war er, der Marlon.

      Aber trotzdem interessant!
      Off-Topic:

      Ich liebe Brando...kannst Du das Buch empfehlen?
      Zuletzt geändert von Elvislover76; 24.09.2008, 00:30
      If it's illegal to Rock and Roll, throw my ass in jail!~Kurt Cobain~

      Kommentar

      • gast-20110818

        #183
        Zitat von Elvislover76
        Off-Topic:

        Ich liebe Brando...kannst Du das Buch empfehlen?
        Off-Topic:

        Aber natürlich! Für jeden Fan ein Muss!

        Kommentar

        • TheKing
          Board-Legende

          • 19.06.2006
          • 20721

          #184
          Zitat von Blues Boy
          Ein kluger Mann war er, der Marlon.
          Kann man so sagen. Da steckt viel wahres dran, wenn ich auch seine Sicht auf Elvis sehr abschätzig formuliert finde...das macht seine Aussage aber nicht weniger wahr unterm Strich..
          Ohne Worte!

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          • MysteryTrain
            Posting-Legende

            • 12.07.2008
            • 7260

            #185
            Elvis Presley - ein aufgedunsener, ...
            Das sagt der richtige ...

            Kommentar

            • gast-20100118

              #186
              Zitat von Blues Boy
              Marlon Brando:
              Wir haben Lieblingsfeinde, die wir liebend gern hassen und äußerst ungern lieben. Wenn sie Gutes tun, gefällt uns das ganz und gar nicht. ...Die meisten Menschen brauchen jemanden, der ihren Hass wert ist - auf diese Weise werden sie viel Wut los;
              Lebenserfahrung anderer kann bisweilen eigenes Denken erklären.

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              • Gilla
                Board-Legende

                • 05.02.2007
                • 14776

                #187
                Elvis Presley - ein aufgedunsener, ewig pubertierender Entertainer auf dem absteigenden Ast, der plötzlich die Leute in Scharen nach Las Vegas zog - hatte nichts mit Größe zu tun, nur mit seinem Mythos. Die Menschen wollen etwas bewundern, deshalb werden solche Leute wunderbar.
                Ein großartiger Schauspieler, aber dieser Satz hört sich doch aus seinem Munde etwas kurios an.

                Allerdings ist es wahr, dass die Menschen einem Mythos applaudierten, was bei Elvis nach drei Jahrzehnten des Erfolgs leicht zu erklären ist.


                Sehr kurz gedacht von Brando ist allerdings der Satz: Die Menschen wollen etwas bewundern, deshalb werden diese Menschen wunderbar.

                Falsch: Menschen werden bewundert, weil die Bewunderten etwas haben, was uns in ihren Bann zieht, uns beschäftigt. Sie haben das berühmte Charisma, das Fluidum, die Faszination - wir sind ganz einfach verzaubert.

                Was wäre das Leben doch fad, wenn wir nicht träumen könnten, jemanden anhimmeln könnten, uns einfach aus den Pflichten des Lebens wegstehlen könnten. Das hat die Natur doch klasse angelegt....
                *The genius of Elvis Presley was in his music, but the magic was in his voice*

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                • Derek
                  Gehört zum Inventar

                  • 02.06.2007
                  • 3185

                  #188
                  Entschuldigt, aber ich kann Brandos Aussage über Elvis in keiner Weise zustimmen. Elvis war weder "ewig" aufgedunsen noch pubertierend. Und wenn jemand zum Mythos wird, muss das in irgendeiner Weise mit "Größe" zu tun haben. Viele Stars werden nie zum Mythos, weil ihnen irgendetwas fehlt.

                  Brando setzt den Begriff "Mythos" so ein, als würde ihm jede Bodenhaftung, jeder Realitätsbezug fehlen. Dem ist nicht so. Mythen jeder Art haben stets auch einen festen Bezugspunkt in der Realität.

                  Kommentar

                  • Klausberlin
                    Gehört zum Inventar

                    • 10.09.2008
                    • 2763

                    #189
                    Zitat von Gilla
                    Ein großartiger Schauspieler, aber dieser Satz hört sich doch aus seinem Munde etwas kurios an.
                    Also ein literarisches Wunderwerk hat er da nicht vollbracht. Für meine Begriffe war er ein Egozentriker, der längst bekannte Lebensweisheiten auf sich gemünzt, vielleicht sogar auf dieser Basis refelektiert hat und sie in seinem Buch übernommen hat.

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                    • Lakota
                      Posting-Legende

                      • 05.09.2007
                      • 9018

                      #190
                      Ohne die schauspielerische Leistung von Herrn Brando schmälern zu wollen. Doch diese Erkenntnis kam ihm auch erst, als er leicht aus dem Leim ging und die Groupis nicht mehr sofort an seinem Hals hingen? Er blickte sicherlich auch seufzend auf die guten alten Zeiten zurück. Schönheit ist vergänglich und die Ausstrahlung bleibt. Das war bei ihm so und bei Elvis sowieso!
                      Aber im Grunde hatte er recht.

                      Ein Sprüchlein dazu:

                      Gegner bedürfen einander oft mehr als Freunde,
                      denn ohne Wind gehen keine Mühlen.

                      (Hermann Hesse)
                      Du bist zeitlebends für das verantwortlich, was du dir vertraut gemacht hast.

                      * Antoine De Saint-Exupéry *

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                      • gast-20100125

                        #191
                        Zitat von Derek
                        Entschuldigt, aber ich kann Brandos Aussage über Elvis in keiner Weise zustimmen. Elvis war weder "ewig" aufgedunsen noch pubertierend. .

                        Ganz meiner Meinung. Brando war zwar ein absolut klasse Schauspieler, aber letztendlich in den letzen Lebensahren irgendwie "ad acta" gelegt.
                        Vielleicht spielt da ein klitzekleines bisschen Neid auf Elvis auch eine Rolle bei dieser Aussage?
                        So nach dem Motto: Enrsthafter, fabelhafter Schauspieler "abgehalftert" - seichter Rockstar - lebende Legende...... wer weiß?

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                        • Lakota
                          Posting-Legende

                          • 05.09.2007
                          • 9018

                          #192
                          Nein, Neid war es bestimmt keiner. Er hatte nur den ganzen Rummel schon hinter sich und warf einen Blick auf Erfolg und das Warum und Wieso zurück. Daraus machte er sich dann einen Reim und weil Elvis gerade passend da war, flocht er ihn gleich mit ein.
                          Worauf sollte er denn bei Elvis neidisch sein? Er hatte seinen Erfolg zu der Zeit sicher in der Tasche, da konnte er sich schon eine gewisse Sicht auf die Dinge leisten. Er hätte auch jeden anderen nennen können, doch er war zeitnah und erschien ihm in dem Zusammenhang passend.
                          Du bist zeitlebends für das verantwortlich, was du dir vertraut gemacht hast.

                          * Antoine De Saint-Exupéry *

                          Kommentar

                          • Derek
                            Gehört zum Inventar

                            • 02.06.2007
                            • 3185

                            #193
                            Stimmt, Neid war es sicher nicht, denn Elvis war damals gerade zwei Jahre tot ... und Brando lebte noch. Dass er gerade Elvis und die Beatles erwähnte, zeigt meines Erachtens wieder einmal, wer die wirklich Großen jener Zeit waren, die Mythen, die Stellvertreter.

                            Kommentar

                            • gast-20110818

                              #194
                              Zitat von Derek
                              Entschuldigt, aber ich kann Brandos Aussage über Elvis in keiner Weise zustimmen. Elvis war weder "ewig" aufgedunsen noch pubertierend.
                              Okay, der Aussage würde ich so auch nicht zustimmen, aber ich kann sie nachvollziehen.

                              Und wenn jemand zum Mythos wird, muss das in irgendeiner Weise mit "Größe" zu tun haben.
                              Nein, das sehe ich anders. Mythen entstehen auf die unterschiedlichste Weise und mit der Person, also dem Menschen, um den es sich dreht, hat das am wenigsten zu tun. Hier hat Brando vollkommen recht: Die sind völlig austauschbar.

                              Viele Stars werden nie zum Mythos, weil ihnen irgendetwas fehlt.
                              Ja, es fehlt irgendwas, aber das liegt nie an ihrer Person selbst.

                              Dass Elvis Presley ein Mythos ist, liegt doch nicht in erster Linie an dem Menschen, der dahinter steht. Da kommen Unmengen von Faktoren zusammen, und zu guter Letzt wird hinter den Kulissen auch mächtig dran gedreht.

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                              • gast-20110818

                                #195
                                Zitat von Derek
                                Dass er gerade Elvis und die Beatles erwähnte, zeigt meines Erachtens wieder einmal, wer die wirklich Großen jener Zeit waren, die Mythen, die Stellvertreter.
                                Ob ihre Leistungen letztendlich so groß waren wie ihr Mythos, darf aber doch bezweifelt werden, oder?

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