Zurzeit lese ich gerade das Buch "Gespräche mit Marlon Brando". Der Inhalt ist quasi ein großes Interview, das Lawrence Grobel mit Brando 1979 auf Tahiti führte.
Hier mal eine interessante Passage daraus, die zu diesem Thema hier passt und worüber wir ja auch in anderen Threads gelegentlich diskutieren:
Ein kluger Mann war er, der Marlon.
Hier mal eine interessante Passage daraus, die zu diesem Thema hier passt und worüber wir ja auch in anderen Threads gelegentlich diskutieren:
Lawrence Grobel:
Sie glauben also, dass die Faszination, die von Ihnen ausgeht, vergänglich ist?
Marlon Brando:
Die Menschen neigen dazu, sich Mythen zu schaffen, ob gute oder böse. Noch während Geschichte abläuft, wird sie schon mytheisiert. [...]
Die Menschen glauben an das, woran sie schon immer glauben wollten. Sie mögen jemandem, dem sie nie begegnet sind und finden ihn trotzdem absolut wundervoll; und dann wiederum hassen sie jemanden, obwohl sie ihn persönlich überhaupt nicht kennen. Die Menschen wollen nicht auf ihre Feinde verzichten. Wir haben Lieblingsfeinde, die wir liebend gern hassen und äußerst ungern lieben. Wenn sie Gutes tun, gefällt uns das ganz und gar nicht. Mir ging es so mit Ronald Reagan. Er ist mir ein Greuel. Sobald er vernünftig handelt, stelle ich fest, dass mein Verstand versucht, es so umzuinterpretieren, dass es doch falsch ist und in mein Bild seines nationalistischen Extremismus passt.
Die meisten Menschen brauchen jemanden, der ihren Hass wert ist - auf diese Weise werden sie viel Wut los; und sie brauchen jemanden, der ihre Vergötterung wert ist. Ob das nun Farrah Fawcett oder irgendjemand anderes ist, spielt keine Rolle. Das sind leicht ersetzbare Figuren, sie lassen sich wir Karteikarten wegwerfen. Johnny Ray war einmal das Objekt dieser hysterischen Popularität und Verherrlichung, und dann war er plötzlich verschwunden. Die Beatles sind heute nichts besonderes mehr. Als sie von einer kreischenden Meute verfolgt wurden und aus Angst um ihr Leben rannten, hielt man spezielle unterirdische Fluchtwege für sie bereit. Heute können sie sich fast überall unbehelligt bewegen. Das Phantasiegebilde hat sich aufgelöst. Elvis Presley - ein aufgedunsener, ewig pubertierender Entertainer auf dem absteigenden Ast, der plötzlich die Leute in Scharen nach Las Vegas zog - hatte nichts mit Größe zu tun, nur mit seinem Mythos. Die Menschen wollen etwas bewundern, deshalb werden solche Leute wunderbar.
Kafka und Kierkegaard sind bemerkenswerte Köpfe, sie haben entlegene Orte der Psyche besucht, die kein anderer Schriftsteller zuvor zu betreten wagte - für manche Menschen ist es eben Franz Kafka, nicht Elvis Presley.
Sie glauben also, dass die Faszination, die von Ihnen ausgeht, vergänglich ist?
Marlon Brando:
Die Menschen neigen dazu, sich Mythen zu schaffen, ob gute oder böse. Noch während Geschichte abläuft, wird sie schon mytheisiert. [...]
Die Menschen glauben an das, woran sie schon immer glauben wollten. Sie mögen jemandem, dem sie nie begegnet sind und finden ihn trotzdem absolut wundervoll; und dann wiederum hassen sie jemanden, obwohl sie ihn persönlich überhaupt nicht kennen. Die Menschen wollen nicht auf ihre Feinde verzichten. Wir haben Lieblingsfeinde, die wir liebend gern hassen und äußerst ungern lieben. Wenn sie Gutes tun, gefällt uns das ganz und gar nicht. Mir ging es so mit Ronald Reagan. Er ist mir ein Greuel. Sobald er vernünftig handelt, stelle ich fest, dass mein Verstand versucht, es so umzuinterpretieren, dass es doch falsch ist und in mein Bild seines nationalistischen Extremismus passt.
Die meisten Menschen brauchen jemanden, der ihren Hass wert ist - auf diese Weise werden sie viel Wut los; und sie brauchen jemanden, der ihre Vergötterung wert ist. Ob das nun Farrah Fawcett oder irgendjemand anderes ist, spielt keine Rolle. Das sind leicht ersetzbare Figuren, sie lassen sich wir Karteikarten wegwerfen. Johnny Ray war einmal das Objekt dieser hysterischen Popularität und Verherrlichung, und dann war er plötzlich verschwunden. Die Beatles sind heute nichts besonderes mehr. Als sie von einer kreischenden Meute verfolgt wurden und aus Angst um ihr Leben rannten, hielt man spezielle unterirdische Fluchtwege für sie bereit. Heute können sie sich fast überall unbehelligt bewegen. Das Phantasiegebilde hat sich aufgelöst. Elvis Presley - ein aufgedunsener, ewig pubertierender Entertainer auf dem absteigenden Ast, der plötzlich die Leute in Scharen nach Las Vegas zog - hatte nichts mit Größe zu tun, nur mit seinem Mythos. Die Menschen wollen etwas bewundern, deshalb werden solche Leute wunderbar.
Kafka und Kierkegaard sind bemerkenswerte Köpfe, sie haben entlegene Orte der Psyche besucht, die kein anderer Schriftsteller zuvor zu betreten wagte - für manche Menschen ist es eben Franz Kafka, nicht Elvis Presley.






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