GBE 2|2010

Einklappen
X
 
  • Zeit
  • Anzeigen
Alles löschen
neue Beiträge
  • Circle G
    Board-Legende

    • 04.11.2007
    • 11634

    #136
    Zitat von Gilla
    Als ich mir dann die Stücke anhörte, ja, da gebe ich dir recht, "hörte ich mit dem Herzen", ohne von Verliebtheit zu meinem Idol zu sprechen. Ich höre Elvis meistens mit dem Herzen und selten mit dem Verstand. Wenn es passt und er mich anspricht, ist es für mich gut und daran ist auch nichts verkehrt.
    Diese Einstellung ist völlig okay, aber dann sollte man es sich konsequenterweise gar nicht erst antun, Hintergrundinformationen zu lesen, die dazu geeignet sind, die eine oder andere Illusion zu zerstören oder gar den Genuss an sich zu verhageln, wenn man sowas nicht verkraften kann.
     
    Nur zum Verständnis, man kann seine Musik in der Zeit kritisieren, aber warum das Thema immer wieder aufs Trapez bringen ?
    Michael hat auch wesentlich spätere Werke von Elvis schon besprochen, ohne das Thema zu erwähnen. In seinem Artikel über die "Good Times" im letzten Heft (zweieinhalb Jahre nach "Now" aufgenommen) wirst Du die Worte "Drogen", "Medikamente", "Pillen" o.ä. kein einziges Mal lesen, obwohl Elvis da noch dichter war als 1971. Elvis stand bereits seit den Aufnahmen zu "Elvis Is Back" 1960 bei jeder Session unter Medikamenteneinfluss, doch niemals hat Michael das Thema Drogen auch nur ansatzweise erwähnt. Er hat es in diesem speziellen Fall nur deshalb getan, weil es bei diesen Aufnahmen zum ersten Mal hörbar war, weil Elvis' Arbeit zum ersten Mal spürbar darunter gelitten hat. Wenn das der Fall ist und dann auch noch anhand konkreter Anhaltspunkte begründet wird, spricht nichts dagegen, es auch zu erwähnen. Ja, es wäre sogar unehrlich, so zu tun, als sei alles noch genauso in Butter wie wenige Monate zuvor, wo man es Elvis halt nicht an seiner Leistung anmerkte.
     
    Michael ist bestimmt ein großer Fan seiner Musik, aber nicht seiner Person.
    Das ist zutreffend. Er steht der Person aber auch nicht ablehnend gegenüber, wie oft behauptet wird, sondern lediglich gleichgültig. Für ihn zählt nur die Kunst; diese ist es, was wir auf den Aufnahmen hören. Und darum geht es in den Besprechungen.

    Wo steht denn, dass man zwingend auch ein "Fan" eines Menschen sein muss, nur weil einen seine Kunst berührt? Michael vertritt halt die Ansicht, dass man sich mit seiner Art von Einstellung Enttäuschungen erspart, wenn man feststellen muss, dass Mensch und Werk nicht immer unbedingt im Einklang miteinander stehen. Deshalb kann er mit Elvis' Schattenseiten auch so locker umgehen. Wenn morgen herauskäme, dass Elvis ein Mörder oder ein Kinderschänder war, wäre ihm das völlig egal und er hätte weiterhin die gleiche Freude an seinen Platten, während die meisten anderen Fans dann wohl die Enttäuschung ihres Lebens verkraften müssten. Andere blenden die negativen Seiten lieber aus, weil es ihren Kunstgenuss trübt, und reagieren auf die bloße Erwähnung dieser Dinge dann so wie Du. Er hingegen kann mit seiner Einstellung Elvis' Musik auch im vollen Bewusstsein der Tatsache, dass Elvis am Ende als Drogenwrack starb, ungetrübt genießen, eben weil es ihm einfach egal ist. Außerdem kann er nicht nachvollziehen, wie man ein Bewunderer eines Menschen sein kann, den man noch nicht einmal kennt. Jegliche Verehrung der Person trifft in seinen Augen ein Trugbild, eben weil man den Menschen nicht kennt, weil dieser Mensch gar nicht greifbar ist. Das führt seiner Ansicht nach zwangsweise zum Selbstbetrug mit den allseits bekannten Folgen. Beschränkt man sich mit seiner Bewunderung hingegen auf das Werk, hat man etwas Echtes, etwas Greifbares und braucht sich auch nichts vorzumachen, denn die Musik ist so, wie man sie hört. Ob Elvis persönlich so war, wie man glaubt oder gerne glauben möchte, steht auf einem ganz anderen Blatt.

    Wie gesagt, das ist seine Ansicht; ich wollte die hier nur noch einmal erläutern, auch wenn er das zu seiner Zeit hier selber sicher schon getan hat. Ich will nicht sagen, dass ich die Ansicht teile oder dass andere sie teilen sollten, aber man sollte sie akzeptieren. Außerdem kann man dem Artikel immer noch jede Menge Wissenswertes entnehmen, wenn man in der Lage ist, über diesen einen Halbsatz hinwegzulesen. Sowas muss man bei einem Artikel, der über 10 ganze Seiten geht und vollgestopft ist mit Informationen, irgendwie wegstecken können. Zumal es ja nichts Neues ist, dass Elvis zu dem Zeitpunkt anfing, die Kontrolle über seinen Medikamentenkonsum zu verlieren. Dann darf ein Musikfreund auch mal erwähnen, dass das langsam aber sicher auch hörbar wird.
    Ahnungslosigkeit ist die Objektivität der schlichten Gemüter - Harald Schmidt
    ____________________________

    Kommentar

    • Gilla
      Board-Legende

      • 05.02.2007
      • 14776

      #137
      Zitat von Circle G
      Diese Einstellung ist völlig okay, aber dann sollte man es sich konsequenterweise gar nicht erst antun, Hintergrundinformationen zu lesen, die dazu geeignet sind, die eine oder andere Illusion zu zerstören oder gar den Genuss an sich zu verhageln, wenn man sowas nicht verkraften kann.
       
      Du kannst es nicht lassen...

      Dass ich Elvis wie die meisten Menschen übrigens, mit dem Herzen höre, soll nicht heißen, dass ich ein zartes Pflänzchen wäre, das beim ersten "Buh" umfällt. Das sind doch einfach Plattitüden, wenn einem sonst nichts einfällt.

      Deshalb kann er mit Elvis' Schattenseiten auch so locker umgehen. Wenn morgen herauskäme, dass Elvis ein Mörder oder ein Kinderschänder war, wäre ihm das völlig egal und er hätte weiterhin die gleiche Freude an seinen Platten, während die meisten anderen Fans dann wohl die Enttäuschung ihres Lebens verkraften müssten.
      Es gibt auch Grenzen der Verehrung, damit wäre sie für mich ganz sicher erreicht. Und doch sehe ich mich imstande, die Kunst auch bei einem Mörder zu sehen.
      Im Falle von Elvis wäre das für mich aber nicht möglich, weil ich neben seiner Musik mit Elvis auch ein bestimmtes Lebensgefühl verbinde. Aber Drogen- oder Tabletten können mich da nicht umpusten oder gar eine Illusion zerstören.

      Viele blenden die negativen Seiten lieber aus, weil es ihren Kunstgenuss trübt, und reagieren auf die bloße Erwähnung dieser Dinge dann so wie Du
      Pardon, wie reagiere ich? Ich blende aus? Ich höre es nicht, Madam, dass Elvis bei den Aufnahmen unter Drogeneinfluss stand. Und deshalb will ich es nicht wahrhaben, dass er sie nahm? Wie käme ich dazu. Ich bin doch nicht von vorgestern, Kind. Ich habe mich immer mit Musik und den Stars dahinter beschäftigt. Dass ein Künstler evtl. bei seinen Aufnahmen berauscht oder bekifft war, kann mich überhaupt nicht abschrecken. Ich höre das Ergebnis und wende mich nicht empört ab. Ich kenne das Leben, nimm mich ruhig was ernster und trau mir ruhig was zu...

      Nur bei Elvis 1971 vom beginnenden Niedergang zu sprechen und Lichtjahre von 1970 entfernt, halte ich für falsch und provokant.


      Wie gesagt, das ist seine Ansicht; ich wollte die hier nur noch einmal erläutern, auch wenn er das zu seiner Zeit hier selber sicher schon getan hat. Ich will nicht sagen, dass ich die Ansicht teile oder dass andere sie teilen sollten, aber man sollte sie akzeptieren. Außerdem kann man dem Artikel immer noch jede Menge Wissenswertes entnehmen, wenn man in der Lage ist, über diesen einen Halbsatz hinwegzulesen. Sowas muss man bei einem Artikel, der über 10 ganze Seiten geht und vollgestopft ist mit Informationen, irgendwie wegstecken können. Zumal es ja nichts Neues ist, dass Elvis zu dem Zeitpunkt anfing, die Kontrolle über seinen Medikamentenkonsum zu verlieren. Dann darf ein Musikfreund auch mal erwähnen, dass das langsam aber sicher auch hörbar wird.
      Hallo? Ich habe lediglich gesagt, dass ich die Sichtweise seiner Ausführungen nicht ganz unterschreibe und Beispiele gezeigt, dass es auch anders geht.
      Ich glaube fast, du kannst mit der Kritik nicht umgehen. Als Profi, wozu ich Michael Werner zähle, sollte man aber schon dazu in der Lage sein.

      Jeder der öffentlich etwas von sich gibt, muss auch mit Kritik umgehen können. Sonst braucht man sich doch nicht zu äußern. Und ohne Kritik ist ein Artikel doch nur Schall und Rauch und schnell vergessen.
      Zuletzt geändert von Gilla; 16.07.2010, 08:25
      *The genius of Elvis Presley was in his music, but the magic was in his voice*

      Kommentar

      • tcbrenate
        Kommt langsam in Fahrt

        • 25.11.2009
        • 148

        #138
        Am besten ist, wenn man überhaupt nichts, ausser natürlich positives, über Elvis schreibt

        Ist doch heute total egal ob der Mann ein Suchtproblem hatte, er war ein großartiger Entertainer und Sänger, der Millionen Herzen mit seiner Musik berührt hat, da kann man doch locker solche Geschichten, auch wenn sie einem nicht gefallen, verkraften.

        Und ausserdem, auch wenn man solche Dinge nicht erwähnt, es ändert sich ja deswegen trotzdem nix, wie denn auch, wo Elvis doch schon lange nicht mehr ist.

        Ich geniesse Elvis' Musik, und das er ein Mensch war der auch Fehler hatte, da liebe ich ihn doch glatt nochmal so sehr

        Kommentar

        • Circle G
          Board-Legende

          • 04.11.2007
          • 11634

          #139
          Zitat von Gilla
          Dass ich Elvis wie die meisten Menschen übrigens, mit dem Herzen höre,
          … ist wunderbar und soll auch so sein. Aber bei einer Rezension geht es nun einmal darum, die enthaltene Musik zu analysieren und zu bewerten. Sonst könnte man jeden Artikel dieser Art auf einen Satz beschränken: "Elvis ist der Größte, der Beste und singt hier mal wieder so toll, dass einem das Herz aufgeht." Damit würde man dann all seine Veröffentlichungen auf eine Stufe stellen. Ob man seiner Kunst damit gerecht wird, sei dahingestellt.
           
          Ich höre es nicht, Madam, dass Elvis bei den Aufnahmen unter Drogeneinfluss stand.
          Du Glückliche …
           
          Nur bei Elvis 1971 vom beginnenden Niedergang zu sprechen und Lichtjahre von 1970 entfernt, halte ich für falsch und provokant.
          Falsch ist es insofern, als dass der Niedergang eigentlich schon 1960 begann, wie man dem Untertitel "The Unmaking Of Elvis Presley" von Guralnicks zweitem Band unschwer entnehmen kann. Und dem Inhalt des Buches (und nicht nur dieses) sogar noch mehr. Michael - dem es, wie erwähnt, einzig um die Kunst geht - macht es allerdings daran fest, wann man es erstmalig an der gesanglichen Leistung hört. Und das ist für ihn halt 1971, was er auch ausführlich begründet. Wo ist das Problem?

          Provokant ist es auch nicht. Noch viel weniger vor dem Hintergrund, dass Michael 1970 als das Jahr ansieht, in dem Elvis stimmlich die beste und ausgereifteste Leistung seines Lebens erbracht hat, was er in seinen GBE-Artikeln über "TTWII", "Country" und "Love Letters" deutlich zum Ausdruck bringt. Zitat aus der "TTWII"-Rezension: "Nun habe ich das Vergnügen, mein Lieblingsalbum von Elvis zu besprechen, denn meiner Meinung nach befand er sich 1970 stimmlich auf einem Höhepunkt, und das Repertoire war vielseitig, zeitgemäß und anspruchsvoll." Zitat aus der "Country"-Rezension: "Auch wenn Elvis in den Folgejahren noch etliches an beachtens- und hörenswerter Musik aufgenommen hat, in dieser Top-Form und mit solcher Spielfreude werden wir ihn leider nicht mehr erleben." Zitat aus der "Love Letters"-Rezension: "Keine schlechte Idee, befand Elvis sich zu dieser Zeit doch auf einem Höhepunkt – stimmlich, interpretatorisch und von der Motivation her, vom durchweg interessanten und sicher auch ungewöhnlichen Songmaterial ganz zu schweigen." Wenn man es nun im März 1971, also nur wenige Monate nach den Glanzleistungen aus TTWII, mit einem matt und müde klingenden Elvis zu tun hat, der hörbare Probleme hat, kontrolliert zu singen, dann ist eine solche Bemerkung nicht unbegründet und vielleicht sogar verständlich. Vor allem, wenn man etwas weniger aufgeregt an die Sache herangeht und nicht dem Zwang unterliegt, hinter jeder kritischen Anmerkung gleich eine Provokation sehen zu müssen.

          Über das Wort "Lichtjahre" kann man sicher streiten, doch das ist eher eine persönliche Wertung, die allenfalls sein Entsetzen bzw. seine Enttäuschung darüber ausdrückt, wie der Sänger Elvis Presley sich innerhalb so kurzer Zeit so verändern konnte. Und mit der Meinung steht er gewiss nicht alleine da.
           
          Ich glaube fast, du kannst mit der Kritik nicht umgehen. Als Profi, wozu ich Michael Werner zähle, sollte man aber schon dazu in der Lage sein.
          So wie ich ihn kenne, kann er das auch. Er hat's halt nur gerne sachlich und begründet, statt rein emotional. Es ist zudem fraglich, ob es wirklich eine kritische Auseinandersetzung mit seiner Arbeit ist, wenn man mit plakativer Aufgeregtheit gezielt bestimmte Halbsätze oder gar nur einzelne Wörter aus dem Text reißt, um darin um jeden Preis eine Provokation zu sehen, und dabei so tut, als würde sich der Tenor des gesamten Textes auf diese eine Aussage beschränken, ohne die liebevolle Hingabe zu Elvis' Werk, die 99% des Artikels bestimmt, sehen zu wollen.
          Ahnungslosigkeit ist die Objektivität der schlichten Gemüter - Harald Schmidt
          ____________________________

          Kommentar

          • Gilla
            Board-Legende

            • 05.02.2007
            • 14776

            #140
            Er hat's halt nur gerne sachlich und begründet, statt rein emotional. Es ist zudem fraglich, ob es wirklich eine kritische Auseinandersetzung mit seiner Arbeit ist, wenn man mit plakativer Aufgeregtheit gezielt bestimmte Halbsätze oder gar nur einzelne Wörter aus dem Text reißt, um darin um jeden Preis eine Provokation zu sehen, und dabei so tut, als würde sich der Tenor des gesamten Textes auf diese eine Aussage beschränken, ohne die liebevolle Hingabe zu Elvis' Werk, die 99% des Artikels bestimmt, sehen zu wollen.
            A bissele habe ich das Gefühl, du wandelt hier als Jünger im Forum und übersetzt den großen Meister.


            Noch ein Satz zum Schluss, denn der GBE 2/2010 bestand ja nicht nur aus dem Review "FTD Elvis Now" von Herrn Werner und Frau Weber.

            Ich bemerkte anfangs, dass mein Heft angekommen sei und dass alle Infos (somit auch von Michael Werner) interessant waren, ich aber mit einigen Sichtweisen nicht einverstanden war. Harmlos also.

            Da du in deiner altbekannten Manier von mir gefordert hast, ich solle nicht nur etwas in den Raum werfen ohne es zu begründen, war ich folgsam und habe das getan.

            Was daraus gemacht wurde, als ob man irgendwo reingestochen hätte, dafür konnte ich nichts. Du bist Meisterin im Verdrehen von Aussagen. Und du konntest es mal wieder nicht lassen, deine Standardsätze hier loszuwerden von wegen, man sei zu emotional, und keine Kritik an dem schönsten, besten, reinsten Elvis, dessen Drogenprobleme die heile Welt der kleinen Seelchen einstürzen lassen. Das zieht nicht mehr, wird aber immer noch probiert.

            Die meisten von uns sind aber aufgeklärte Fans und verschließen nicht die Augen vor der Wahrheit. Wie gesagt, da es so ist, muss in einem Elvis Fachmagazin nicht noch besonders darauf hingewiesen werden. Die Obernummer war halt, das an Elvis in so einer frühen Phase seiner Erfolgszeit in Vegas festzustellen, obwohl seine große Zeit noch nicht zu Ende war oder erst so richtig begann.

            Von mir war es das zu dem Thema.
            Zuletzt geändert von Gilla; 16.07.2010, 18:27
            *The genius of Elvis Presley was in his music, but the magic was in his voice*

            Kommentar

            • Circle G
              Board-Legende

              • 04.11.2007
              • 11634

              #141
              Zitat von Gilla
              A bissele habe ich das Gefühl, du wandelt hier als Jünger im Forum und übersetzt den großen Meister.
              Den braucht man nicht zu übersetzen, denn er ist selber in der Lage, sich klar und deutlich zu artikulieren. Voraussetzung ist natürlich, dass der Rezipient des Lesens und Verstehens mächtig ist.

              Ich habe an dem Artikel mitgewirkt; auch wenn die rein musikalische Seite nicht meine Baustelle ist, so ist es mir dennoch wichtig, die Dinge, die dazu darin stehen, ebenfalls zu verstehen und auch vertreten zu können, weil mein Name mit darunter steht. Daher äußere ich mich entsprechend, wenn mal wieder ein Halbsatz oder ein Wort aus einem der Artikel, an denen ich beteiligt war, herausgerissen und zum Sturm im Wasserglas missbraucht wird.

              Aber so ein blöder Spruch wie Deiner kommt ja immer, sobald die Argumente in der Sache ausgehen und außer persönlichen Angriffen nichts mehr geht. Dabei habe ich sachlich argumentiert und erklärt, wie ich das sehe.

              Mein Interesse an Elvis geht halt über das reine Anschmachten eines Sängers hinaus, ich will etwas über seine Musik und die Zusammenhänge erfahren, auch auf die Gefahr hin, dass dabei mitunter etwas herauskommt, das an liebgewonnenen Legenden kratzt. Damit kann ich gut leben. Wenn Dir (und diversen anderen hier) dazu nicht mehr einfällt, als mich als "Jünger" eines Menschen zu bezeichnen, der einem die Hintergründe von Elvis' Musik in verständlicher Weise nahe bringen kann, dann ist das einfach nur erbärmlich. Wenn das Deine Welt ist, dann fühl Dich darin wohl. Ich muss mir den Schuh ja nicht anziehen und tue das auch nicht.

              Wie gesagt, da es so ist, muss in einem Elvis Fachmagazin nicht noch besonders darauf hingewiesen werden.
              Doch! Wenn ein Autor die Ansicht vertritt, dass sich bei der besprochenen Session diese Drogenprobleme erstmalig hörbar auf die Arbeit auswirken und das auch anhand konkreter Anhaltspunkte begründet, dann muss das sogar erwähnt werden, sonst wäre es kein Fachmagazin. Erst recht, wenn er es bisher in keiner einzigen anderen Besprechung erwähnt hat, selbst wenn Elvis bekanntlich unter Medikamenteneinfluss stand.

              Du erweckst den Eindruck, als wäre das Drogen-Problem nur des Erwähnens wegen erwähnt worden. Und genau das ist definitiv nicht der Fall.
               
              Die Obernummer war halt, das an Elvis in so einer frühen Phase seiner Erfolgszeit in Vegas festzustellen, obwohl seine große Zeit noch nicht zu Ende war oder erst so richtig begann.
              Elvis' Glanzzeit in Las Vegas war 1969 und 1970. Selbst ich mit meinem vergleichsweise laienhaftem Gehör empfinde bei seinen Live-Auftritten einen deutlichen Qualitätsabfall bereits im Februar 1971 – eine Ansicht, die auch von etlichen musikalisch versierteren Fans vertreten wird. Außerdem geht es in dieser Besprechung mit keinem Wort um die Las-Vegas-Auftritte, sondern um Studio-Aufnahmen. Wenn Du den Unterschied in Elvis‘ Gesang im März 1971 im Direktvergleich mit den Sessions von 1970 nicht hörst, mag das ja sein, muss aber nicht heißen, dass es ihn nicht gibt.
              Ahnungslosigkeit ist die Objektivität der schlichten Gemüter - Harald Schmidt
              ____________________________

              Kommentar

              • Ciscoking
                Board-Legende

                • 19.05.2006
                • 11754

                #142
                Elvis hatte im Januar/Ferburar 1971 mit einer starken Grippe zu kämpfen. Der Arzt riet ihm sogar, einige Shows abzusagen.
                Auch die erste Session 1971 begann Elvis mit einer laufenden Nase. Die folgende Session veriet auch Anzeichen einer Erkältung. Das alles ermunterte Presley nicht gerade, voll motiviert an die Dinge heranzugehen. er war ganz einfach geschwächt.
                Die "brüchige" Stimme an Drogen festzumachen ist deshalb pure Spekulation. Man sollte sich lieber an die Fakten halten und die sprechen für eine Erkältung. Wenn man schon von "brüchiger" Stimme spricht. Die Sessions 1973/1975 waren teilweise grossartig, und da nahm Elvis wahrscheinlich schon erheblich mehr von dem Zeugs und die Stimme war o.k...
                Thanks to Ernst Joergensen, Roger Semon and Erik Rasmussen for the great work. Keep the spirit alive !

                Kommentar

                • gast-20100801

                  #143
                  Zitat von Ciscoking
                  Die Sessions 1973/1975 waren teilweise grossartig, und da nahm Elvis wahrscheinlich schon erheblich mehr von dem Zeugs und die Stimme war o.k...
                  Das ist richtig, aber leider geht es darum nicht. Es war nicht die Frage, wie viele und welche Medikamente Elvis wann nahm, sondern es ging schlicht und einfach darum, dass man ihm erstmals anmerkte, dass er unter Medikamenten stand.

                  Und das mit der Erkältung war doch die Dauerentschuldigung des King. Komisch ist nur, dass Elvis immer in den Phasen ach so erkältet war, von denen wir heute wissen, dass ihm sein Konsum entglitt.

                  Kommentar

                  • Johnny B.
                    Posting-Legende

                    • 17.07.2003
                    • 8571

                    #144
                    Die Welt würde wohl keine Krankheiten mehr kennen wenn auch draussen unter den Ärzten solche Spezialisten wie hier rumlaufen würden...ich kenne keinen Doc der beim Diagnose erstellen mit einigen Elvis-Experten mithalten könnte
                    Elvis Kenner können 50 Jahre nach den Vorfällen anhand von Bildern, Tondokumenten usw. eine untrübliche Aussage machen wie es Elvis in den Sekunden davor und danach ging und wie er drauf war -RESPEKT

                    Da könnten ja einige Leute hier praktizieren, und das als Heimarbeit - Tonaufnahmen der Patienten schicken lassen und schon ist klar was und wieviel der Bursche intus hat

                    Keiner von uns allen, und zwar überhaupt keiner kann derartige Aussagen zu Sessions oder sonstigen Begebenheiten machen.
                    Es sind sich ja nichtmal die Leute einig die 24 Stunden am Tag damals um ihn herumgelaufen sind (jeder "Freund" beschreibt die Vorfälle anders).
                    Naja, die Welt macht überall Fortschritte, heute mit den CDs ist es kein Problem mehr anhand der Stimme alles zu rekonstruieren

                    Kommentar

                    • gast-20100801

                      #145
                      Zitat von Johnny B.
                      Da könnten ja einige Leute hier praktizieren, und das als Heimarbeit - Tonaufnahmen der Patienten schicken lassen und schon ist klar was und wieviel der Bursche intus hat
                      Wenn Du mir eine Tonaufnahme Deines besoffenen Nachbarn schickst, dann könnte ich anhand dieser Aufnahme sicherlich feststellen, dass er besoffen ist.

                      Und von Elvis gibt es halt tonnenweise Material. Wer sich mit dem Kerl intensiv beschäftigt, merkt schon wann da etwas nicht stimmt.

                      Das hat nichts mit übernatürlichen Kräften, sondern mit gesundem Menschenverstand zu tun. Der kann aber auch verehrungsbedingt beeinträchtigt sein. Und das ist hier -diese Diagnose wage ich mal- bei gar nicht mal so wenigen Usern in diesem Forum der Fall.

                      Kommentar

                      • Johnny B.
                        Posting-Legende

                        • 17.07.2003
                        • 8571

                        #146
                        Zitat von The Welz
                        Wenn Du mir eine Tonaufnahme Deines besoffenen Nachbarn schickst, .
                        Ich wohne ganz alleine mitten im dunklen Wald und habe keine Nachbarn
                        Kann ich mich selber besaufen und dir dann ein Band davon schicken?

                        Kommentar

                        • Ciscoking
                          Board-Legende

                          • 19.05.2006
                          • 11754

                          #147
                          Zitat von The Welz

                          Und das mit der Erkältung war doch die Dauerentschuldigung des King.
                          Das ist belegt...und zwar in renommierten Büchern. Dass er bei diesen Sessions anhand von Medikamentenmissbrauch nicht mehr richtig singen konnte ist nirgends belegt, also reine Spekulation des Autors.
                          Übrigens war Elvis- was den monierten Medikamentenmissbrauch angeht - in den glorifizierten Jahren 1969 und 1970 keinen Deut zimperlicher. Das wird oft vergessen. Das interessiert aber offensichtlich niemanden. Alles also rein subjektiv. Nicht umsonst hat Rick Rennie bereits bei der DS des 19.8.70 den Rekorder vorübergehend abgeschaltet. Elvis wurde ausgebuht, weil er Love Me Tender nicht mehr zusammenbrachte...bei Polk Salad Annie hat er sogar die Bodenhaftung verloren....will das jetzt nicht überbewerten, aber er hatte bereits zu dieser Zeit erhebliche Probleme..
                          "Dünne Stimme" auf Drogenprobleme zu wälzen, halte ich sowieso für abwegig..Elvis hatte noch lange nach 1971 eine Stimme, die den Boden beben liess..Beispiele brauch ich keine zu nennen...das weiss jeder..
                          Ich meine eh, dass bei den FTD Besprechungen viel zu viel über-interpretiert wird. Lassen wir es bei der erwähnten - und belegbaren - Erkältung als gegebenen Fakt und dem Drogenproblem als nicht belegbare Spekulation des Autors.

                          Weltz, Du machst es Dir zu einfach, wenn Du alles Schlechte nur auf Drogen wälzen willst, aber das ist eh Dein Steckenpferd. Man darf auch mal "nur" erkältet sein.
                          Thanks to Ernst Joergensen, Roger Semon and Erik Rasmussen for the great work. Keep the spirit alive !

                          Kommentar

                          • Loverdoll
                            Gehört zum Inventar

                            • 16.01.2010
                            • 3945

                            #148
                            Zitat von Circle G
                             

                            Er steht der Person aber auch nicht ablehnend gegenüber, wie oft behauptet wird, sondern lediglich gleichgültig. Für ihn zählt nur die Kunst; diese ist es, was wir auf den Aufnahmen hören. Und darum geht es in den Besprechungen.

                            Wo steht denn, dass man zwingend auch ein "Fan" eines Menschen sein muss, nur weil einen seine Kunst berührt? Michael vertritt halt die Ansicht, dass man sich mit seiner Art von Einstellung Enttäuschungen erspart, wenn man feststellen muss, dass Mensch und Werk nicht immer unbedingt im Einklang miteinander stehen. .

                            Was heißt das genau, der Mensch und sein Werk stehen nicht in Einklang miteinander

                            Welche Kunst ist da genau zu hören, bei einem unkreativen Sänger, der hauptsächlich gecoverte Songs, mit einer nichtausgebildeten Stimme, die ein Gottesgeschenk war, unter Medikamenteneinfluß sang


                            Vor allem, ist nun endlich namentlich bekannt, welche chemische Substanz, Elvis denn nun genau bei welchen Session Song eingenommen hat!(eventuell Liste)

                            Woher kommt der unbändige Drang, "Elvis" ständig erklären zu müssen, und die Fans daraufhinzuweisen, was die Wahrheit ist


                            Kommt mir vor, wie bei der Zwangszivilisierung der amerikanischen Ur-Einwohner!
                            Zuletzt geändert von Loverdoll; 17.07.2010, 15:22
                            Wer die anderen neben sich klein macht, ist nie groß
                            Johann Seume, 1763 - 1810, dt. Schriftsteller

                            Kommentar

                            • Oliwa
                              Ehrenmitglied
                              • 31.07.2003
                              • 13399

                              #149
                              Zitat von Loverdoll
                              Woher kommt der unbändige Drang, "Elvis" ständig erklären zu müssen, und die Fans auf den rechten Weg zu führen

                              Weil so viel Unsinn und Märchen über Elvis in Umlauf sind, das es endlich an der Zeit ist mit Realität und verträumter Legende aufzuräumen.

                              Wem das nicht zusagt, sollte sich dann aber besser auch nicht in Fachforen aufhalten und Fachmagazine lesen, da kann es dann nämlich schon mal passieren das eine geliebte Welt zusammen bricht.
                              Verwunden mein Herz mit eintöniger Mattigkeit
                              23. April 1998 - 20. November 2006
                              29. September 2006 - 22. September 2022 - I'll be with you always!

                              Kommentar

                              • michael grasberger
                                Posting-Legende

                                • 16.02.2006
                                • 9974

                                #150
                                Zitat von Ciscoking
                                Übrigens war Elvis- was den monierten Medikamentenmissbrauch angeht - in den glorifizierten Jahren 1969 und 1970 keinen Deut zimperlicher. Das wird oft vergessen. ...
                                will das jetzt nicht überbewerten, aber er hatte bereits zu dieser Zeit erhebliche Probleme..

                                nun, man kann lange zeit drogen nehmen ohne große probleme zu bekommen. im gegenteil, gerade auf kreative menschen können sie beflügelnd wirken. nur irgendwann zahlt man halt den preis.

                                bei elvis ist es so, dass zu anfang der 70er zunehmend schwere schmerz- und betäubungsmittel ins spiel kamen, die den verfall beschleunigten.
                                in den 60ern (und 50ern?) war es die damalige volksdroge speed (amphetamin).

                                "We know that rock'n'roll was not a human invention, that it was the work of the Holy Ghost."
                                (Nick Tosches)

                                Kommentar

                                Lädt...