Ihr als Elvis Manager....

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  • gast-20090521

    #196
    Zitat von brandalarm
    War Elvis im Jahr 1973 wirklich klar, was in dem Vertrag mit RCA stand?
    Natürlich hat er das verstanden. Selbst wir Deppen, die wir größtenteils keine Ahnung von diesen Dingen haben, verstehen das doch - dann wird ein Elvis Presley, der zu diesem Zeitpunkt bereits seit 20 Jahren in der Branche war (und zwar nicht irgendwo mit dabei, sondern an der Spitze!), es ja wohl dreimal verstanden haben. Der Mann war doch nicht blöd!

    Außerdem war der Deal ja nicht so schlecht, wie immer dargestellt wird: Er verkaufte die Werksrechte (und nur die!) für eine Riesensumme an seine Plattenfirma, was bedeutete, er würde ab sofort keine Lizenzerträge von seinen Werken mehr bekommen, also die 10 Cent pro verkaufter Single und den einen Dollar pro verkauftem Album, aber sehr wohl weiterhin noch seine Anteile an den Urheberrechten, die Parker für ihn ausgehandelt hatte - und das ist der größere Batzen, und das Geld fließt vor allem jedes Mal, wenn einer seiner Songs irgendwo gespielt wird, oder von jemand anders gecovert - und nicht nur einmalig, wenn eine Platte von ihm tatsächlich verkauft wird. Das große Geld in der Musikbranche wird - neben Live-Konzerten - mit Urheberrechten verdient. Elvis war nicht so reich wegen seiner Plattenverkäufe, sondern weil Parker den Autoren Anteile an ihren Rechten abzwackte und sie obendrein dazu brachte, die Titel in einem von Elvis' Musikverlagen zu verlegen. Und dieses Geld, welches den Löwenanteil darstellte, floss auch weiterhin nach dem 73er Deal. Es fließt auch heute noch und macht Lisa Marie bzw. EPE reich, während mittlerweile für die Songs, die über 50 Jahre alt sind, an Plattenlizenzen kein Geld mehr fließt, die Urheberrechte dagegen 70 Jahre nach dem Tod des Urhebers erst verfallen.

    Sorry, mein Wissen stammt nur aus Büchern, die sich nicht so wissenschaftlich musikalisch mit Elvis befassen. Ich dachte aber bisher, dass gerade hier ihm das Ausmass seiner Unterschrift nicht klar war.
    Doch, das war ihm klar, denn sonst wäre er ein Volltrottel gewesen, und der war er nicht. Es war ihm klar, aber die Ausmaße waren nicht so groß - und vor allem nicht so negativ wie immer dargestellt wird von Leuten, die den Unterschied zwischen Werksrechten und Urheberrechten nicht kennen.

    Auch bei dieser Sache mit dem Raquetball-Courts lief es doch eher zu Elvis' Nachteil, oder?
    Ja, aber mir ist neu, dass Parker irgendetwas mit dem Deal zu tun hatte. Soweit ich weiß, hat Elvis hier mal auf eigene Faust den Geschäftsmann spielen wollen, und das Ding ist mächtig in die Hose gegangen.

    Hier geht es um Songs, die Elvis eben NICHT angeboten wurden.
    Das ist klar, aber welcher davon war denn angeblich der Riesenhit, den Elvis unbedingt gebraucht hätte? Man kann doch nicht einfach behaupten, Elvis wären auf diese Weise garantierte Hits (die es überhaupt nicht gibt) durch die Lappen gegangen, ohne auch nur einen Song als Beleg dafür zu nennen! Verstehst Du, was ich damit meine? Es wird einfach immer ins Blaue hinein behauptet, Elvis wären dadurch Hits entgangen, aber bisher konnte noch niemand einen nennen. Der einzige konkrete Song, von dem eine solche Geschichte kursiert, ist Orbisons "Only the lonely", aber wenn die Story so stimmt, wie sie erzählt wird, dann ist das definitiv nicht an Parker gescheitert, sondern an Elvis. (Abgesehen davon, dass Elvis den Song gar nicht hätte singen können, weil er auf Orbisons Stimmumfang komponiert war, den Elvis nicht hatte.)
    Zuletzt geändert von Gast; 18.07.2008, 10:04

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    • gast-20090521

      #197
      Zitat von gast-20080904
      Bleibt wieder einmal die Frage, wie du Erfolg definierst - obwohl ich es mir schon denken kann.
      Es zählt nicht, wie ich ihn definiere, sondern wie die Musikbranche ihn definiert. Und das tut sie natürlich nicht in ideellen Werten, sondern in nackten, kalten Zahlen - Chartpositionen, Abverkäufe, Umsätze etc. Diese Definition müssen wir schon hinnehmen, denn wir können der Musikbranche kaum unsere Ansicht aufdrücken, zumal die ideellen Aspekte subjektiv sind und nicht messbar. Bei einem Autorennen gewinnt ja auch nur der, der am schnellsten gefahren ist und als erster ins Ziel geht, und nicht der, der gefühlt am schönsten gefahren ist.

      Elvis der erfolgreichste Künstler aller Zeiten? Da stellen sich zumindest mir verschiedenste Fragen: Erfolgreich in welcher Hinsicht?
      • Verkauf? McDonald's verkauft mehr als Sterneköche, Bohlen mehr als du.
      • Aller Zeiten? Du meinst in der Menschheitsgeschichte? Oder seit aufkommen der populären Kultur? Oder der Erfindung der Tonaufzeichnung?
      • Erfolgreich, was Einfluss betrifft? Erfolgreicher als Steinzeit-Künstler, die Wände bemalten und damit das "Bild" erfanden? Erfolgreicher als Aristoteles oder Shakespeare?
      Natürlich seit Aufkommen der populären Kultur und Erfindung der Tonaufzeichnung, und nur auf dem Gebiet der Popmusik, nicht der Philosophie. Aber das muss ich doch jetzt nicht wirklich erklären, oder?

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      • gast-20090609

        #198
        [quote=burroughs;429329]
        Off-Topic:

        du solltest deine eigenen schizophrenen krisen nicht auf andere projezieren. schönes leben noch


        Danke, danke. Ich habe ein schönes Leben, deswegen führe ich mich ja auch nicht so auf wie Du hier .

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        • michael grasberger
          Posting-Legende

          • 16.02.2006
          • 9974

          #199
          wäre ich elvis' manager gewesen, ich hätte ihn 1956 nicht bei rca, sondern bei atlantic untergebracht. das wäre auf längere sicht genauso lukrativ gewesen (trotz der eventuell niedrigeren übernahmesumme) & hätte seine künstlerische entwicklung gefördert. dann hätte elvis sicher schon 10 jahre früher bei stax aufgenommen...

          "We know that rock'n'roll was not a human invention, that it was the work of the Holy Ghost."
          (Nick Tosches)

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          • gast-20090521

            #200
            Zitat von michael grasberger
            wäre ich elvis' manager gewesen, ich hätte ihn 1956 nicht bei rca, sondern bei atlantic untergebracht. das wäre auf längere sicht genauso lukrativ gewesen (trotz der eventuell niedrigeren übernahmesumme) & hätte seine künstlerische entwicklung gefördert. dann hätte elvis sicher schon 10 jahre früher bei stax aufgenommen...
            Auch wenn ich erhebliche Zweifel habe, ob Elvis bei Atlantic jemals so groß rausgekommen wäre, ist das mal ein völlig neuer und hochinteressanter Aspekt, über den es sich zu diskutieren und nachzudenken lohnt.

            Kommerziell war es sicher die richtige Entscheidung, zum Marktführer RCA zu gehen. Nun steht die Frage im Raum, wie Elvis' Musik sich entwickelt hätte, wenn es anders gekommen wäre. Man darf aber auch nicht vergessen: Wenn Elvis nicht so groß geworden wäre, wie er war, hätte er auch nicht den Einfluss auf die Popkultur gehabt, und die ganze Musikgeschichte hätte einen anderen Verlauf genommen. Vielleicht hätte es STAX dann gar nicht gegeben, demnach hätte er auch gar nicht da hin gehen können. Oder vielleicht wäre seine Karriere zu diesem Zeitpunkt bereits wieder zu Ende gewesen, weil er in der Atlantic-Krise mit anschließendem Verkauf an Warner 1967 mit untergegangen wäre?

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            • michael grasberger
              Posting-Legende

              • 16.02.2006
              • 9974

              #201
              nun, daran, dass elvis 1956 groß rauskam, hatte rca doch den geringsten anteil. das hätte jede andere plattenfirma mit entsprechender vertriebsstruktur auch hinbekommen. schließlich waren es die fernsehauftritte, die ihn überegional bekannt machten.
              mein eindruck ist halt der, dass elvis in kreativer hinsicht bei rca unterfordert geblieben ist. was hätte da ein jerry wexler nicht vielleicht noch rausholen können?

              "We know that rock'n'roll was not a human invention, that it was the work of the Holy Ghost."
              (Nick Tosches)

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              • gast-20090521

                #202
                Zitat von michael grasberger
                nun, daran, dass elvis 1956 groß rauskam, hatte rca doch den geringsten anteil. das hätte jede andere plattenfirma mit entsprechender vertriebsstruktur auch hinbekommen.
                Eben. Genau das ist der Punkt: Die Vertriebsstruktur. Die war bei RCA schon etwas besser. Mit den Fernsehauftritten hast Du natürlich Recht.

                mein eindruck ist halt der, dass elvis in kreativer hinsicht bei rca unterfordert geblieben ist. was hätte da ein jerry wexler nicht vielleicht noch rausholen können?
                Ab 1960, wo Elvis lieber Operettenmelodien singen wollte als Songs mit schwarzen Wurzeln, wahrscheinlich nicht mehr viel.

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                • burroughs
                  Board-Legende

                  • 09.02.2004
                  • 56243

                  #203
                  Zitat von MusicMan
                  Kommerziell war es sicher die richtige Entscheidung, zum Marktführer RCA zu gehen.
                  Aus Parkers Sichtweise oder aus der von Elvis

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                  • gast-20090521

                    #204
                    Zitat von burroughs
                    Aus Parkers Sichtweise oder aus der von Elvis
                    Im Endergebnis für beide. Da ich sie als Team sehe, sehe ich es so: Elvis' Vorteil war auch Parkers Vorteil, und umgekehrt.

                    Es wird immer so getan, als wären die beiden Gegner mit unterschiedlichen Interessen gewesen. Das Gegenteil war der Fall!

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                    • michael grasberger
                      Posting-Legende

                      • 16.02.2006
                      • 9974

                      #205
                      Zitat von MusicMan
                      Ab 1960, wo Elvis lieber Operettenmelodien singen wollte als Songs mit schwarzen Wurzeln, wahrscheinlich nicht mehr viel.
                      da hätte er eine führende hand gebraucht.

                      aber im ernst: elvis hätte vielleicht weniger glatt, aber sicher nicht weniger kommerziell geklungen. schließlich war das geldscheffeln durchaus im sinne von wexler und ertegun.
                      ich träume da gerade von einem schwarz grundierten, aber poppigen 60er elvis, der eine echte alternative zu den beatles und co. dargestellt hätte.
                      eine weiterentwicklung dessen, was mit "elvis is back" oder songs wie "return to sender" oder "his latest flame" begonnen wurde, für die zweite hälfte der 60er.

                      "We know that rock'n'roll was not a human invention, that it was the work of the Holy Ghost."
                      (Nick Tosches)

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                      • gast-20090521

                        #206
                        Zitat von michael grasberger
                        da hätte er eine führende hand gebraucht.
                        Dann hätten wir aber heute wirklich das fremdgesteuerte Kunstprodukt, als das Elvis fälschlicherweise oft gesehen wird. So jedoch haben wir den echten Elvis, was seine Musikauswahl jenseits der Filme anbetrifft - ob es uns gefällt oder nicht.

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                        • gast-20110818

                          #207
                          Zitat von MusicMan
                          Dann hätten wir aber heute wirklich das fremdgesteuerte Kunstprodukt, als das Elvis fälschlicherweise oft gesehen wird.
                          Ich glaube, das ist er viel mehr als Du denkst.

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                          • michael grasberger
                            Posting-Legende

                            • 16.02.2006
                            • 9974

                            #208
                            Zitat von MusicMan
                            Dann hätten wir aber heute wirklich das fremdgesteuerte Kunstprodukt, als das Elvis fälschlicherweise oft gesehen wird. So jedoch haben wir den echten Elvis, was seine Musikauswahl jenseits der Filme anbetrifft - ob es uns gefällt oder nicht.

                            hmmm, "fremdgesteuertes kunstprodukt" und "echter elvis", das sind für mich beides polemische begriffe, an die ich nicht wirklich glaube. anregungen von außen müssen für einen künstler ja nicht zwangsläufig etwas identitätsgefährdendes sein.

                            "We know that rock'n'roll was not a human invention, that it was the work of the Holy Ghost."
                            (Nick Tosches)

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                            • gast-20090521

                              #209
                              Zitat von Blues Boy
                              Ich glaube, das ist er viel mehr als Du denkst.
                              Ich habe offenbar ein wesentlich positiveres (rosafarbenes) Elvis-Bild als Du...

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                              • gast-20090521

                                #210
                                Zitat von michael grasberger
                                hmmm, "fremdgesteuertes kunstprodukt" und "echter elvis", das sind für mich beides polemische begriffe, an die ich nicht wirklich glaube.
                                Es sind nur die beiden Enden des Seils - möge die Wahrheit vielleicht in der Mitte liegen.

                                anregungen von außen müssen für einen künstler ja nicht zwangsläufig etwas identitätsgefährdendes sein.
                                Natürlich nicht. Aber er hat sie sich halt von woanders geholt als bei der Plattenfirma. Wir müssen uns einfach damit abfinden, dass Elvis privat einen Musikgeschmack bzw. ein Musikverständnis hatte, das insbesondere die Fans der frühen 50er als uncool oder gar reaktionär betrachten, weil es so gar nicht zum Image des jungen Rebellen (der Elvis nie war) passt. Tief in seinem Herzen war Elvis ein angepasster Spießer, nur halt mit Humor. Und er stand auf Schnulzen. Da konnte gar nicht genug Schmelz aus dem Lautsprecher triefen.

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