Elvis und seine Texte

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  • gast-20071116

    #61
    Zitat von gast-20080904
    Ich bin mir sicher, dass wir das tun.
    Guralnick hat meine Aufzeichnungen verwendet...


    Du überbewertest m. E. den Text. Der Text ist in der Rock- und Popmusik (und nicht nur da) bestenfalls zweitrangig, wenn überhaupt. Auch beißt sich die Strategie, verschiedene Texte gegeneinander "ausspielen" zu wollen mit einem weiter, sehr interessanten, schönen und klugen Statement, Musik sei Empfindungssache.

    Empfindungen transportiert aber nicht der Text eines Songs, sondern seine Performance im Zusammenspiel mit vielen anderen Komponenten. Ansonsten könnten wir uns auch hinsetzen und auf ein weißen Blatt Papier mit schwarzer Schrift starren statt eine Platte aufzulegen, oder den ach so bedeutenden Songwritern beim Niederschreiben ihrer geistigen Ergüsse zusehen, statt ein Konzert zu besuchen: "Wow, Alter, mir ging so richtig einer ab, als Lennon da seine Lyrics auf das Papier geschrieben hat. Keine drei Meter von mir entfernt, Mann!" :hippie:
    Da hast Du schon recht mit: Performance ist es, die einen Song zum Leben erweckt, nicht der Text an sich - ich wollte es nur, wie Du so schön erkannt hast, gegeneinander auslavieren...

    Wo wir gerade auf Performance kommen, es gibt ja, um bei meinem Alltime Elvis Favorite "Suspicious Minds" zu bleiben, eine recht starke Diversifikation seiner Anhänger in Vorzug auf die Original Studio Version und denen, die den energiegeladeneren Live Versionen den Vorrang geben, indem man dann der Studio Version die Originalität abspricht, da diese ja keine "Power" hat...

    Da habe ich immer so ein wenig das Gefühl, man verwechselt die Originalität einer ursprünglichen Performance mit der Erwartung einer "Ich stehe unter Dauerstrom - wo ich bin, braucht man keine Stormversogung mehr!" Elvis Live Performance - ich beziehe mich hier natürlich auf TTWII, klar, da können wir uns es gar nicht vorstellen, wenn Elvis den o. a. Song auf einem Stuhl zelebrieren würde - dennoch kann ich ja nicht von kinetischer Energie die Klasse einer Performance abhängig machen, was manche ja als zwingend voraussetzen - man denke nur an die Kommentare zu Elvis' angeblicher "Hüftsteifigkeit" beim "Aloha From Hawaii Via Satellite" Konzert, wonach Elvis ja auch für einen nicht minder geringen Teil endet - auch so ein Phänomen, sich einen Elvis auf bestimmte Jahre/Epochen zurechtstutzen zu wollen...

    Wer Elvis, ich hole aus, ist mir bewusst, nur auf Sun/50er/Frühe Nashville Sachen/'68 Comeback/Las Vegas '69-'72 und Aloha '73 reduzieren will, alle Beispiele exemplarisch, der schränkt sich doch in seinem Bewusstsein zur Aufnahme einer praktisch nicht erfassbaren Karriere und ihrem gewaltigen Output selbst dermaßen ein, oder etwa nicht?

    Elvis Presley ist einfach mehr als die Stationen der Einzelkomponenten in seinem Leben, erst die Summe allens macht ihn und sein Werk aus, nicht wahr?

    In dem Zusammenhang wäre es natürlich, um wieder einen Bogen zur Threadintention zu schlagen, müßig zu erfassen, ob eine strikte Trennung von Elvis' Werk mit seinem Privatleben wahrhaftig zu 100% machbar ist... Ich sage "Nein!" - letztendlich ist Musik auch immer ein bisschen wie ein Spiegel der Seele - ich setze nur nicht alles zu 100% in Relation zur tennessischen Wuchtbrumme...

    Persönlich bin ich ja der Ansicht, gerade bei diesen Zeilen von "It's Easy For You" trifft es einen beim Anhören sehr, die Parallelen sind irgendwie nicht zu übersehen, gewiss habe auch ich zuviel Fantasie, hm?

    You don't have to face the music
    You don't have to face the crowd
    Just go back where you came from
    You ain't even proud

    I had a wife and I had children
    I threw them all away
    And now you tell me, you dare to tell me
    I should go back to them
    What do you think I should say

    Kommentar

    • gast-20071116

      #62
      Zitat von edoep
      erinnerlich ist mir auch noch die version andersrum, naemlich, dass man ihn angeblich zu 'in the ghetto' buchstaeblich anfangs 'hinpruegeln' musste. warum auch immer, er hatte eingangs wohl ziemlich gebockt.
      Stimmt, er hat sich erst geziert, da er nicht exemplarisch mit einem Song in Verbindung gebracht werden wollte, der zu offensiv-plakativ gesellschaftliche Misstände zum Ausdruck bringen würde... Doch selbst unter dieser Prämisse ist "In The Ghetto" noch viel zu sehr Klischee!

      Die zeitlose Intimität der Studioversion ist natürlich unschlagbar!

      Kommentar

      • Franz Nübel
        Foren-Experte

        • 24.01.2004
        • 780

        #63
        Zitat von charro
        Ist aber ein schönes Beispiel für die Möglichkeit der Interpretation eines Songs: denn letztlich hat Elvis Memphis auch ab 1973 häufig Live gebracht (etwa auf der FTD Closing Night). Zu dieser Zeit paßt die Story dann schon!
        Aber auch da sehe ich mehr das Gewicht eher auf der Bedeutung des Songs für die Musikwelt als absolutes Standard-Werk eines Pop/ Rockmusikers, als in einer möglichen persönlichen Bedeutung für Elvis!

        Bin ich jetzt blöd oder stimmt da was nicht? Auf meiner FTD Closing Night ist Memphis Tennessee nicht drauf. Ist mir auch neu, dass Elvis diesen Song ab 1973 öfters live gebracht hat. Bitte um mehr Fakten, wann Elvis den Song live gesungen hat.
        http://elvis-online.weebly.com/uploads/2/1/1/6/21166738/1420284737.png
        https://elvis-presley.jimdofree.com

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        • gast-20071202

          #64
          Off-Topic:

          Zitat von Master Sniper
          Stimmt, er hat sich erst geziert, da er nicht exemplarisch mit einem Song in Verbindung gebracht werden wollte, der zu offensiv-plakativ gesellschaftliche Misstände zum Ausdruck bringen würde...
          Wo genau kommt das her? Habe ich noch nie gehört bzw. kann mich, wenn, nicht erinnern. Der Song, zu dem Elvius "geprügelt" werden musst, war Burning Love, aber - soviel ich weiß - nicht "Ghetto".

          Kommentar

          • charro
            Posting-Legende

            • 02.09.2005
            • 8583

            #65
            Zitat von Eifel-Elvis
            Bin ich jetzt blöd oder stimmt da was nicht? Auf meiner FTD Closing Night ist Memphis Tennessee nicht drauf. Ist mir auch neu, dass Elvis diesen Song ab 1973 öfters live gebracht hat. Bitte um mehr Fakten, wann Elvis den Song live gesungen hat.
            Sorry hast recht, mein Fehler! Hab Memphis mit Trouble verwechselt, welcher auf der FTD Closing Night drauf ist
            War wohl irgendwie nicht bei der Sache.

            Memphis Tennessee Live z.B. an folgenden Terminen:

            11.08.1971 Las Vegas / Midnight Show
            03.07.1973 Atlanta
            06.08.1973 Las Vegas / Opening Show
            22.07.1975 Ashville

            Kommentar

            • Franz Nübel
              Foren-Experte

              • 24.01.2004
              • 780

              #66
              Zitat von charro
              Sorry hast recht, mein Fehler! Hab Memphis mit Trouble verwechselt, welcher auf der FTD Closing Night drauf ist
              War wohl irgendwie nicht bei der Sache.

              Memphis Tennessee Live z.B. an folgenden Terminen:

              11.08.1971 Las Vegas / Midnight Show
              03.07.1973 Atlanta
              06.08.1973 Las Vegas / Opening Show
              22.07.1975 Ashville

              Alles klar. Danke.
              http://elvis-online.weebly.com/uploads/2/1/1/6/21166738/1420284737.png
              https://elvis-presley.jimdofree.com

              Kommentar

              • cilla

                #67
                Zitat von Master Sniper
                Belehrungen sind etwas anderes, darf ich noch meine Ansichten innerhalb einer bisher sich stetig entwickelnden Diskussion einbringen?



                Wäre ich allwissend, würde ich keinerlei Informationen mehr benötigen...



                gast-20080904bringt, wie so oft, nachdenkenswerte Aspekte ein - in einem größeren Rahmen - gar keine Frage - insbesondere die Betrachtung der Presleyschen Gedanken/Fragen nach dem eigenen Erfolg + Partizipierung an die Fans, diese Wechselwirkung ist ein weiteres Mosaik in Sachen Versuch einer Entschlüsselung des Kanons... Im Endeffekt ist es doch die Musik, die essentiell ist - Ausdruck der Presleyschen Kommunikation, wo zuweilen die Gefahr einer Überbewertung liegt, da wir denken, wir wüssten heute mehr über Elvis Presley als Elvis Presley zu Lebzeiten über sich selbst...



                Unter Zurechtweisung verstehe ich immer noch etwas anderes, habe ja nicht "Basta! So ist es gewesen! Aus!" geschrieben - ich betrachte es nur ein wenig nüchterner, wenn es um die Annahme geht, bestimmte Songs würden eine Verbindung zu seinem Leben herstellen... Wie aber auch erwähnt, ist mir der Gedanke nicht fremd, beim Anhören einiger Songs - mir gefällt nur der Gedanke besser, er hat es für "uns alle" gesungen - eine Art Ventil sozusagen...



                Das entwickelt sich aber schon zwangsläufig aus der Diskussion hier heraus, denn Kategorisierungen sind fast unvermeidlich...
                Wer würde schon ernsthaft Sachen wie "Little Darlin'" in Relation zu einem Kracher wie, sagen wir, "Kentucky Rain" setzen wollen?

                Musik ist ja Empfinden, da geht ja auch jeder anders heran, nur bei ersterem Songbeispiel würden wir es ja nie wirklich mit Elvis Presley und seinem Leben verbinden, vor allen Dingen nicht in den 70ern, wenn er dieses grenzdebile Lied brachte, man sehe sich ja nur mal den Text an - wahrscheinlich von einem liebestollen Eichhörnchen verfasst:

                Little darlin', little darlin'
                Oh where, are you, oo oo oo oo
                Walla walla chipa mocka mogga
                Oh my lover, oh just for you, only you

                My darling, I need you
                Darling I need you to call my own
                To hold your life, your little foot, your hand
                I knew someone would understand that
                Hold my hand

                My dear, I would run
                To find without you
                Oo oo oo oo oo
                Oh, oo oo oo
                That my love was just for you, 'n only you

                Sehen wir uns aber nun zweiteres Songbeispiel an, dann ist die Annahme einer Verbindung zu Elvis Presleys Leben ja schon wieder zwangsläufig höher anzusiedeln, sofern man es denn will...

                Seven lonely days
                And a dozen towns ago
                I reached out one night
                And you were gone
                Don't know why you'd run,
                What you're running to or from
                All I know is I want to bring you home

                So I'm walking in the rain,
                Thumbing for a ride
                On this lonely Kentucky backroad
                I've loved you much too long
                And my love's too strong
                To let you go, never knowing
                What went wrong

                Kentucky rain keeps pouring down
                And up ahead's another town
                That I'll go walking thru
                With the rain in my shoes,
                Searchin for you
                In the cold Kentucky rain,
                In the cold Kentucky rain

                Showed your photograph
                To some old gray bearded man
                Sitting on a bench
                Outside a gen'ral store
                They said "Yes, she's been here"
                But their memory wasn't clear
                Was it yesterday,
                No, wait the day before

                So I fin'ly got a ride
                With a preacher man who asked
                "Where you bound on such a dark afternoon?"
                As we drove on thru the rain
                As he listened I explained
                And he left me with a prayer
                That I'd find you

                Ich würde einfach mal sagen bzw. behaupten, eben weil Elvis Presley gewissermaßen "größer als das Leben war", fasziniert uns (fast) alle jeder Aspekt in seinem Leben, diese Faszination der eigenen Vorstellungen; Sehnsüchte und Träume - manifestiert in der Gestalt und Wirken von Elvis Presley, der in nur relativ kurzer Zeit (1953-1977) die Ikone des 20. Jahrhunderts wurde und dessen universelles Werk wohl zeitlos bleiben wird - denn tot sind ja nur die, über die man nicht mehr spricht!

                Okeee....

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