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Aber anhören " muß" ich es mir und nicht Elvis und da ist es schon in Ordnung wenn nach 44 (!) Jahren mal was ohne Charlie rauskommt.
Ich kriege mich gar nicht darüber ein, mit welcher Leichtigkeit und gar Freude hier einige darüber hinwegsehen, dass man einfach Charlies Spur stumm geschaltet hat. Ihr seid doch sonst bei jeder Scheiße so darauf bedacht, dass man Elvis nicht ins Handwerk pfuscht und beklagt Euch, dass irgendwer über seinen Kopf hinweg Entscheidungen getroffen hat, mit denen er Eurer Meinung nach - eigentlich - nicht einverstanden war. Und ausgerechnet hier, wo es um etwas Essentielles geht, nämlich um seine Musik, da begrüßen es einige sogar, dass man etwas getan hat, was garantiert nicht in Elvis' Sinne gewesen wäre. Unfassbar!
Das in all den Jahren immer Mal Sachen erschienen sind, die Elvis so nicht vorgesehen hat, ist klar. Darüber freut sich der Fan ja normalerweise, was völlig okay ist, schließlich ist man happy, von seinem Lieblingsmusiker mal wieder etwas zu hören zu bekommen, was man nicht schon seit Jahrzehnten kennt. Alles schön und gut. Mal mehr, mal weniger. Aber hier geht es nicht um eine von vielen VÖs, mehr oder weniger bedeutender Konzerte im Laufe der Jahre, nein, hier geht es um einen Höhepunkt in Elvis' Karriere, im Zuge dessen sogar ein Dokumentarfilm gedreht wurde und eine Platte erschien. Nach all den Jahren bringt man nun eine Box heraus, die sich - so erweckte es zumindest ursprünglich den Anschein - endlich umfassend mit dieser erfolgreichen Phase in Elvis' Karriere befasst. Und dann so etwas!
Habt Ihr Euch mal das Booklet zu der neuen Superbox angeguckt? Da sieht man Charlie schön mit Gesangsmikrofon und Gitarre auf der Bühne stehen. Und habt Ihr Euch mal die Credits zu jeder einzelnen CD angeschaut? Da steht jedes Mal: "Guitar & Vocals: Charlie Hodge". HALLO! Und was hören wir - abgesehen vom Originalalbum? Weder seine Vocals noch seine Gitarre. Nichts! Sind die noch ganz dicht?
Wie gesagt, es spielt keine Rolle, ob man als Fan Charlies Gesang mag oder nicht, Fakt ist, dass Elvis ihn mit seinem Gesang und seiner Gitarre auf der Bühne haben wollte, dass er extra eine eigene Spur bekam, um ihn gut im Mix integrieren zu können, dass Elvis ihn sogar aufforderte, lauter zu singen, weil er ihn nicht gut genug hören konnte, und dass Elvis das genau so abgesegnet hat, denn sonst hätten wir ihn weder im Film noch auf der offiziellen Platte zu TTWII zu hören und zu sehen bekommen. Und da ist es verdammt nochmal scheißegal, dass sich hier einige sogar dafür begeistern, dass Charlie eliminiert wurde. Das ist und bleibt ein brutaler Eingriff in Elvis' Kunst. Und das eben nicht auf irgendeinem Nischenprodukt eines Konzertes von vielen, nein, auf der seit Wochen beworbenen, extrem hochpreisigen und offiziellen TTWII-Box, die als das ultimative Werk bzgl. dieses Karriereabschnittes gelten soll. Meine Fresse! Da kann einem echt alles vergehen ...
Und dann kommen hier so ein paar Flitzpiepen daher und sagen: "Ist mir doch egal." Mann oh Mann! Ihr seid mir vielleicht ein paar Kunst- und Elvis-Versteher ...
Ahnungslosigkeit ist die Objektivität der schlichten Gemüter - Harald Schmidt ____________________________
Charlie Hodges Aufgabe auf der Bühne war in erster Linie die eines Managers, Sidekicks und "Waterboys", wie Elvis es das eine oder andere Mal betonte. Er stellte ihn eher als "The guy that gives me my water and my scarves" und "My friend, Charlie Hodge" vor.
Jetzt wird der eine oder andere anmerken, dass er ihn auch dann und wann als "Sings harmony with me" vorstellt. Ja. Trotzdem ist Charlie weniger Mitglied einer/der Band und dessen, was musikalisch auf der Bühne stattfand. Dass er Gitarre spielt, okay. Was sollte er sonst machen? Man sieht auch immer wieder, dass er später einsteigt, früher wieder aufhört und insgesamt sein eigenes Ding macht.
Bei "Believin'" fehlt er mir tatsächlich, ansonsten wäre mir sein Fehlen ohne die Hinweise nicht aufgefallen, gebe ich gerne zu. Das Wegmischen des Klaviers auf der "Live in Las Vegas" Box, war da schon von einer anderen Qualität.
Ich denke weiterhin nicht, dass das das eigentliche Problem dieses Boxsets ist.
Weder seine Vocals noch seine Gitarre. Nichts! Sind die noch ganz dicht?
Wobei man anmerken muß, das man seine Gitarre nie hört, bzw. technisch nie hören konnte. Er hätte auch zu jedem Song "Alle meine Entchen" spielen können und niemandem wäre es je aufgefallen
Verwunden mein Herz mit eintöniger Mattigkeit
23. April 1998 - 20. November 2006
29. September 2006 - 22. September 2022 - I'll be with you always!
Ich finde die Aufregung um den fehlenden "Charlie" stark übertrieben. Selbst zu Lebzeiten hat die Plattenfirma - wie bei der "How Great Thou Art"-LP - entschieden, wie die Aufnahmen abgemischt werden.
Produzent Felton Jarvis konnte mit den Aufnahmen (etwas übertrieben gesagt) machen was er wollte, weil Elvis immer weniger Interesse hatte an den Veröffentlichungen der Plattenfirma. Die Overdubs mögen dem damaligen Zeitgeist entsprochen haben (oder Jarvis persönlichem Geschmack), aber z.B. die Songs der LP "From Elvis Presley Boulevard" höre ich mir nur noch in den undubbed Versionen von FTD und Venus an. Die Overdubs oder die von Elvis favorisierten Backgroundstimmen fehlen mir da ganz sicher nicht. Mit dieser Meinung stehe ich sicher nicht alleine da. Selbst Jorgensen war zur Zeit der Veröffentlichung von "The Jungle Room Sessions" überrascht, wie gut Elvis ohne die Overdubs bei den Aufnahmen geklungen hat.
Musikalisch gesehen finde ich den Verlust von Charlie ebenfalls durchaus als verkraftbar. Sein Leistungsvermögen als Musiker steht doch sehr im Schatten von Vollprofis wie Burton, Scheff, Tutt oder auch Hardin (die nicht umsonst mit anderen - sehr namhaften - Musikern gearbeitet haben). Hodges Leistung für das Audio-Gesamtbild - empfinde ich - als überbewertet und konsequenterweise auch als verzichtbar.
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