King dank Quantität statt Qualität

Einklappen
X
 
  • Zeit
  • Anzeigen
Alles löschen
neue Beiträge
  • Derek
    Gehört zum Inventar

    • 03.06.2007
    • 3185

    #1

    King dank Quantität statt Qualität

    Elvis war und ist der King. Seine Lieder, seine Stimme, sein Aussehen, seine Ausstrahlung, sein Mythos – alles das und noch viel mehr waren und sind königlich.

    Schön.
    Ich frage mich nun, ob nicht ein wesentlicher Baustein seines anhaltenden Erfolgs die Tatsache ist, dass man bei seiner Karriere auf „Masse“ statt „Klasse“ setzte und setzt. Ist Elvis womöglich auch der „King dank Quantität statt Qualität“?

    Zur Begründung:
    Es gibt unglaublich viele Lieder von ihm und diese in unglaublich vielen Master-, Outtake- und Live-Versionen.
    Es gibt unglaublich viele Filme mit ihm und darüber hinaus unglaublich viele Amateur-Aufnahmen.
    Es gibt unglaublich viele Fotos von ihm.
    Es gibt unglaublich viele Stories über ihn.
    Usw.
    Und all das reicht aus, um die Zielgruppe der Elvis-Fans auch dreißig Jahre nach seinem Tod immer wieder mit einer Vielzahl von Produkten zu überschwemmen. Die Masse seiner Hinterlassenschaft ist es, die den Hunger nach ihm beständig schürt. Und das eigentliche Phänomen ist, dass der Hunger nie wirklich gesättigt wird. Elvis ist ein Massenprodukt und das macht ihn womöglich zum King.

    Anders bei James Dean, Marilyn Monroe, J. F. Kennedy, John Lennon, Lady Diana und einigen anderen Legenden, deren Gemeinden nicht beständig gefüttert und zugleich hungrig gehalten werden können. Sie haben nämlich weniger Masse. Und sind deshalb weder King noch Queen.

    Hätte man bei Elvis mehr auf „Klasse“ statt „Masse“ gesetzt, wäre er vermutlich dennoch der King - mit deutlich breiterem Renommee, aber wahrscheinlich mit deutlich kleinerer Gemeinde – weil die Masse fehlen würde. Und mit erheblich weniger Mythos.

    Zur Begründung:
    Hätte Elvis nur einen Film pro Jahr gedreht, aber dafür einen guten, dann …
    Hätte Elvis nur ein Album pro Jahr veröffentlicht, aber dafür ein gutes, dann …
    Hätte Elvis weniger Touren pro Jahr absolviert, aber dafür spektakuläre, dann …
    … dann hätte er von 1974 bis heute zwar deutlich weniger Imageprobleme gehabt und stünde glänzend über Sinatra, Streisand und den Beatles (mit denen er sich stattdessen immer kabbeln muss).
    … aber dann hätte er weniger verdient und sich nicht ganz so viele Jumpsuits und Tabletten leisten können.
    … aber dann gäbe es weniger Outtakes, Bootlegs, Amateuraufnahmen, Stories, Fotos usw. und der Massenmarkt könnte gar nicht am Leben gehalten werden.
    Elvis wäre renommierter, aber eine kleinere Nummer. Er wäre nicht der Mythos, der er heute ist.

    Das Marketing-Konzept „Elvis Presley“ funktioniert erfolgreich, weil auf Masse statt Klasse gesetzt wurde. Die oftmals mangelnde Qualität wurde ersetzt durch Quantität. Und damit war und ist Elvis erfolgreicher, als er es anders herum jemals hätte sein können.
  • gast-20071202

    #2
    Einer der, wie ich finde, interessantesten Threads des (mindestens) letzten Jahres. Leider kann ich momentan nicht groß antworten, obwohl ich es gerne täte. Aber das Thema der "Over-Exposure" ist wirklich ein ungemein reizvolles.
    Zuletzt geändert von Gast; 29.09.2007, 23:05

    Kommentar

    • Polksalad_Angie
      Kommt langsam in Fahrt

      • 08.09.2007
      • 119

      #3
      Eine sehr interessante Theorie, die daraus den Entschluss fasst, dass Colonel Parker sehr gut gearbeitet hat.

      Einen schönen Abend.

      Kommentar

      • Derek
        Gehört zum Inventar

        • 03.06.2007
        • 3185

        #4
        Zitat von Polksalad_Angie
        Eine sehr interessante Theorie, die daraus den Entschluss fasst, dass Colonel Parker sehr gut gearbeitet hat.

        Einen schönen Abend.
        Tom Parker hat aus Marketingsicht seinen Teil gut gemacht. Das ist aber nur eine Seite der Medaille.

        Kommentar

        • gast-20080915

          #5
          hätte dieses Massenkonzept aber nicht irgendwann zu einer Übersättigung des Marktes führen müssen ...

          Kommentar

          • Polksalad_Angie
            Kommt langsam in Fahrt

            • 08.09.2007
            • 119

            #6
            Da stimme ich Dir zu Derek.
            Zuletzt geändert von Polksalad_Angie; 29.09.2007, 23:47

            Kommentar

            • Derek
              Gehört zum Inventar

              • 03.06.2007
              • 3185

              #7
              Zitat von Mondstaub
              hätte dieses Massenkonzept aber nicht irgendwann zu einer Übersättigung des Marktes führen müssen ...

              In den 60er Jahren führte es ja zwischenzeitig dazu: Elvis' Filme waren ein Auslaufmodell. Ansonsten hatte der Colonel ein feines Gespür für diese Gefahr: Er nahm Elvis ab Januar 1957 aus dem Fernsehen, um eine Sättigung zu vermeiden (und um die Leute zu zwingen, ins Kino zu gehen, um Elvis zu sehen).

              Das Fantastische an Elvis ist ja, dass diese Übersättigung auf lange Sicht nie eingetreten ist.

              Kommentar

              • michael grasberger
                Posting-Legende

                • 16.02.2006
                • 9974

                #8
                Zitat von Derek
                Das Fantastische an Elvis ist ja, dass diese Übersättigung auf lange Sicht nie eingetreten ist.

                ist er nicht an übersättigung gestorben?

                "We know that rock'n'roll was not a human invention, that it was the work of the Holy Ghost."
                (Nick Tosches)

                Kommentar

                • gast-20071202

                  #9
                  Zitat von Derek
                  Tom Parker hat aus Marketingsicht seinen Teil gut gemacht. Das ist aber nur eine Seite der Medaille.
                  ... und die weniger bedeutsame, möchte ich hinzufügen dürfen.

                  Kommentar

                  • gast-20071202

                    #10
                    Zitat von michael grasberger
                    ist er nicht an übersättigung gestorben?
                    Beitrag des Monats, um einmal die kleine, von dir eingeführte Tradition fortzusetzen.

                    Kommentar

                    • gast-20080915

                      #11
                      Zitat von Derek
                      In den 60er Jahren führte es ja zwischenzeitig dazu: Elvis' Filme waren ein Auslaufmodell. Ansonsten hatte der Colonel ein feines Gespür für diese Gefahr: Er nahm Elvis ab Januar 1957 aus dem Fernsehen, um eine Sättigung zu vermeiden (und um die Leute zu zwingen, ins Kino zu gehen, um Elvis zu sehen).

                      Das Fantastische an Elvis ist ja, dass diese Übersättigung auf lange Sicht nie eingetreten ist.
                      das denke ich auch ... vor allem weil Elvis sich als wandlungsfähig herausgestellt hat ... durch diese epochalen Veränderung wurde es nicht so schnell fad mit ihm ... der 50er Elvis steht für andere Dinge als der 60er und 70er Elvis ... auch die Musik und sein Singstil variieren beträchtlich ... also ich langweile mich an sich schnell ... bei Elvis bin ich jetzt fast 2 jahre intensiv dran und bis jetzt keine Spur von Fadesse oder Übersättigung

                      Kommentar

                      • gast-20110321

                        #12
                        ich wundere mich auch immer wieder wie viel material es über elvis gibt! immer wieder entdeckt man etwas neues über ihn,obwohl man denkt,dass man langsam alles kennt

                        elvis hat viele gute sachen gemacht und auch einige weniger gute........aber welcher star hat dies nicht gemacht

                        viele "regen" sich über die filme auf,aber tatsache ist,dass cä 40% aller elvis-fans durch sie erst zu fans werden.


                        jedenfalls ist elvis heute kult,und dass weil er gute musik gemacht hat und charisma hatte!
                        Zuletzt geändert von Gast; 30.09.2007, 00:38

                        Kommentar

                        • Derek
                          Gehört zum Inventar

                          • 03.06.2007
                          • 3185

                          #13
                          Zitat von Mondstaub
                          das denke ich auch ... vor allem weil Elvis sich als wandlungsfähig herausgestellt hat ... durch diese epochalen Veränderung wurde es nicht so schnell fad mit ihm ... der 50er Elvis steht für andere Dinge als der 60er und 70er Elvis ... auch die Musik und sein Singstil variieren beträchtlich ... also ich langweile mich an sich schnell ... bei Elvis bin ich jetzt fast 2 jahre intensiv dran und bis jetzt keine Spur von Fadesse oder Übersättigung

                          Sehe ich auch so (und bei mir sind es mehr als zwei Jahre): Von Langeweile keine Spur. Was meine These allerdings ein bisschen attackiert: Neben der Masse muss es eine Menge Klasse geben (ich hatte gehofft, dass das jemand anderes schreiben würde, um mir zu widersprechen).

                          Kommentar

                          • TheKing
                            Board-Legende

                            • 19.06.2006
                            • 20721

                            #14
                            Ich finde wir sollten nicht die Menge der erzeugten Elvisprodukte mit der Massenwirkung verwechseln. Beide haben aber allerdings die gleiche Wurzel. Die Strategie schien ja nun wirklich zu sein: "Wie machen wir am meisten Kohle?" Deshalb gab es einen Familien-Elvis der nur noch Teddybear-Rock'n Roll sang. Davon dann aber zugegebene 180 Versionen. Aber war die Masse der Filme und Songs der Grund für die Massenwirkung? Nein, das war eher das Weichspülerkonzept. Der Colonel hat gesehen welche Hysterie Elvis bei den Menschen auslöste und hat das Ding professionell aufgeblasen.Wir geben diesem Goldjungen nun in eine massentaugliche Form und diese Unterhaltungsatombome verhöckern wir meistbietend. Das hat geklappt und alle Kassen klingelten. Man hätte ja zwei Schundfilme und einen guten Film pro Jahr machen können, ein reines Studioalbum pro Jahr oder sonstwas. Mal einen Film weniger und dafür ne Tour zwischendurch...Nein, da ging es nicht um Elvis`künsterlische Selbstverwirklichung...aber das wissen wir ja alle. Nein die schiere Masse der Filme hat glaube ich nicht direkt Einfluß auf die Größe seines Ruhmes, den verdankte er dem Marketing in Kombination mkt seiner Ausstrahlung und seinem Talent. Dieser Ausnahmemann plus Massenmedien, das war die Bombe deren Knall wir heute noch hören...am Ende war es ein Fehler nur auf das Geld zu schielen, das wissen wir heute.

                            Aber wie ich neulich schon irgendwo gepostet habe: Elvis hatte zum Teil schon 1957 das Gefühl, das er nicht aufhören konnte, denn es hingen zuviele Menschen davon ab...es war sein Glück und sein Fluch, die Krone war stets auch eine Bürde...aber ich schweife wieder ab, verzeiht mir einfach!
                            Ohne Worte!

                            Kommentar

                            • gast-20080915

                              #15
                              Zitat von Derek
                              Sehe ich auch so (und bei mir sind es mehr als zwei Jahre): Von Langeweile keine Spur. Was meine These allerdings ein bisschen attackiert: Neben der Masse muss es eine Menge Klasse geben (ich hatte gehofft, dass das jemand anderes schreiben würde, um mir zu widersprechen).
                              selbstverständlich gab es die ... und zwar Klasse en masse

                              Kommentar

                              Lädt...