Sams verlorener »Crooner«

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  • Winston

    #16
    Zitat von charro
    [...] Der Grund warum Elvis sich anfangs bei Phillps mit Balladen vorstellte [...] wenn ich mit meiner Stimme überzeugen will [...]
    Elvis sang aber seinen Mitschülern und Freundinnen durchweg Balladen vor und experimentierte nicht mit einer neuen von ihm gewünschten Musikrichtung. Ich glaube nicht, dass Elvis zu Sam gegangen ist und sich dachte: Na, ich fang mal mit Melodie an und rocke später los, wenn es ihn nicht überzeugt.

    Seine eigene Demo besteht auch aus Balladen. Ich bin überzeugt, dass er die Songs gewählt hat, die er gut beherrschte, weil er sie bevorzugt privat gesungen hat. Er hat da nichts gesungen, was auf einen eigenen neuen Stil hindeuten würde. Den hatte er meiner Ansicht nach nicht im Kopf.

    Zitat von charro
    [...] That's All Right, Good Rocking Tonight, Mystery Train & Co den Nerv der Zeit viel eher trafen? [...]
    Sam konnte doch gar nicht abschätzen, ob es nach That's All Right so erfolgreich weitergeht. Man wählt doch bewusst eine B-Seite, die von der A-Seite abweicht, um möglichst viele anzusprechen.

    Zitat von TheKing
    [...] an welcher Stelle war näher an seinem ureigenen Kern? [...]
    Ich glaube, wir sind uns einig, dass Elvis unter Führung von Sam Phillips, Steve Binder und Chips Moman seine beste Musik ablieferte. Alle drei Produzenten haben Elvis geführt und das aus ihm herausgeholt, was sie in Elvis sahen und wollten. Elvis hat sich unter diesem Druck den A... aufgerissen und Höchstleistung abgeliefert.

    Aber er ist nicht bei Sam geblieben um an seinem neu gefundenen Stil weiterzuarbeiten. Er ist zur RCA gewechselt, denn die konnten mehr für ihn tun und er dadurch mehr Geld verdienen. Jetzt wird es aber interessant: Es kommen mehr Instrumente hinzu und ein Chor. Das ganze klingt nun bedeutend weicher und runder. Plötzlich sind auch Balladen auf seinen Platten und Elvis produziert sich selbst.

    Bei Chips hat er es auch nicht lange ausgehalten. Zu ernst und zielorientiert war die Produktion seiner besten Musik. Also ging er zurück nach Nashville, wo er sich selbst produzieren konnte und vor allen Dingen immer wieder die Musik in den Pausen anstimmen, die er mochte.

    Und zum Ende wird der Rock'n'Roll in die Ecke geworfen und seine Balladen werden mit großen Orchester zelebriert.

    Ich glaube nicht, dass Elvis auf der Suche nach einem Platz in der Rock-Musik war, sondern er wollte einfach nur seine Musik machen: Gospel und Balladen.

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    • King77
      Board-Legende

      • 04.08.2007
      • 14895

      #17
      Du machst deine Schritte hier sehr schnell. Von Sun zu RCA und schon gibt es mehr Instrumente. Wer die Sessions verfolgt der sieht man hat auch bei Sun schon neben den 3 üblichen Musikern schon Drums + Piano eingesetzt. Die Balladen die Elvis dann bei RCA aufnahm wie z. B I Was The One, I Want You, I Need You , I Love usw. wurden erstens für Elvis geschrieben u. hatten eine ganz andere Qualität als die langsamen Stücke bei Sun. Die langsamen Songs bei Sun waren einfach viel zu schwach um Veröff. zu werden.

      Auch weicht die B Seite von That's All Right nicht vom Stil ab. Beide Songs kommen im Org. aus anderen Richtungen aber nicht so wie von Elvis interpretiert. Beides sind Rockabilly Songs auf gleicher Ebene.

      Auch darf man nicht vergessen dass auch die Balladen mit diversen Backround Gesang zu dieser Zeit zum R+R dazu gehörten. Gerade Pat Boone war auf dieser Ebene besonders erfolgreich. Also war es nur naheliegend Elvis auch solches Material anzubieten u. aufzunehmen.

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      • sapperlot
        Foren-Profi

        • 18.09.2013
        • 215

        #18
        Lieber @Winston,
        ich schreibe dir einmal meine Gedankensplitter zu dem, was dich hier bewegt, auf.

        Spontan fallen mir vier überlieferte Äußerungen von Elvis A. Presley ein:
        - schon sehr früh, ich meine, es war sogar gegenüber Marion Kisker während der Privataufnahmen, beteuerte er zweierlei (so ungefähr):
        *ich singe jedes Genre* und *nein, ich klinge nicht wie irgend jemand*
        - *ohne rock 'n' roll würde ich verhungern*
        - *am liebsten würde ich nur noch Gospels singen, aber dann stünden zu viele Leute nicht mehr in Brot und Lohn*
        -(hinzu kommen die von dir bereits erwähnten Mitteilungen seiner Lieblingslieder)

        Damit hättest du eine Bandbreite dessen, was Elvis Presley für sich beanspruchte (kognitiv), was ihn aber auch offensichtlich umtriebig erfreute (affektiv).

        Ich meine ja, dass gerade der junge Mr. Presley, ein Rohdiamant, die Musik postmodern interpretiert hat, und das, was ihn von anderen Sängern unterschied, war seine bedingungslose Hingabe und Leidenschaft für und beim Musizieren. Daher erscheint es egal, welcher stilistischen Quelle seine gesungenen Lieder wie Cover entsprangen, wesentlich ist, dass er sie beseelte. Und ich finde sogar, dass die frühen (sog.) Rockandroll-Songs in einem engeren Sinne gar keine solche waren. Dieses *That's Alright Mama* ist für mich (!) mehr ein Bluessong ... natürlich klingt das bei mir so an, weil ich nunmal den Blues lieber mag als den Rock ... und für jemand, dessen Vorlieben umgekehrt sind, wird es wohl auch umgekehrt sein. Daran lässt sich, meines Erachtens, das konstituierende Moment seines musikalischen Dranges erkennen: die Verschmelzung. Ich denke, das steckt auch in seinem Spätwerk drinne (*don't think twice - it's all right* finde ich zB wundervoll rhythmisch interpretiert, auch wenn mir das Gekrächze von Bob Dylan da besser gefällt, oder auch *never fall in love again*, das er lakonisch bluesig beginnt und im schmetternden Balladenstil beendet), leider viel zu selten, da wohl das innere Lodern keinen ausreichenden Sauerstoff mehr bekam.


        Zu deiner Balladen-Hypothese
        Soviel ich weiß, hörte man im elterlichen Hause Presley, v.a. mütterlicherseits, Mario Lanza und all diese operettenähnliche Musik. Ich denke auch, dass man sie mitgesungen hat. Die schwarze Musik und die Jugendliche in ihrer Modernität ansprechende Musik hat der junge Elvis Presley heimlich am Radio hören/aufsaugen müssen ... Mich wundert es daher nicht, wenn er bei Sam Phillips zunächst mit "Schnulzen" aufwartete ... doch ich bezweifele, dass es genau und nur das war, was er singen wollte.
        Anders herum: wenn es reine "Mache" gewesen wäre, was da Sam Phillips aus ihm herausholen wollte, herausgeholt hat ... ... ... dann wäre niemals diese inhärente Spannung ob der weiten Spannbreite in diesen Songs heraus gekommen, mithin das Presley'anische Faszinosum. Für mich ist Elvis Presley vor allem anderen ein lyrischer, geheimnisvoll verdichtender Sänger.


        sure like a rope~dancer {sl.}
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        • sapperlot
          Foren-Profi

          • 18.09.2013
          • 215

          #19
          ... zu diesem "I don't sound like nobody" habe ich eine Frage, weil mein Englisch nicht sonderlich ausgefeilt ist:

          Eigentlich heißt das doch: ~ich klinge nicht wie (ein) Niemand~ ... wollte er Marion Kisker damit beteuern, dass er kein musikalischer Niemand sei?

          Meines Erachtens müsste es, um zu der Bedeutung von ~ich klinge nicht wie jedermann~ zu gelangen, heißen: "I do sound like nobody" ...

          Dankesehr für etwaige Aufklärung, einen schönen sonntag wünsche ich

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          • Mike
            Administrator
            • 23.09.2003
            • 12907

            #20
            What kind of singer are you?, asked Marion
            "I sing all kinds"
            "Who do you sound like? asked Marion
            "I don't sound like nobody," Elvis retorted
            "Hillbilly?"
            "Yeah, I sing hillbilly"
            "Who do you sound like in hillbilly?"
            "I don't sound like nobody."





            Von der wortwörtlichen Übersetzung magst du richtig liegen. Wird wohl mehr eine Phrase sein, wie "I klinge nicht wie irgendjemand".
            ><((((º>

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            • sapperlot
              Foren-Profi

              • 18.09.2013
              • 215

              #21
              dankesehr, lieber @Mike!
              Es würde mich so sehr interessieren, ob es wirklich bloß eine Phrase oder ein Slang war ..
              Vielleicht hat er, in aller seiner Unsicherheit, tatsächlich gesagt: ~ich klinge nicht wie ein Niemand~ ...
              Elvis Presley ist ja, wie ich meine, seinen Selbstzweifeln oft pseudoprogressiv (so eine Art Flucht nbach vorne) begegnet.

              sure like a rope~dancer {sl.}
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              • burroughs
                Board-Legende

                • 09.02.2004
                • 56243

                #22
                ich denke, was das angeht, war er selbstsicher genug, um zu sagen..
                *hey, ich singe das, das und das.. ABER.. ich kopiere niemanden. ich singe nicht wie irgendjemand anderer!*

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                • Ciscoking
                  Board-Legende

                  • 19.05.2006
                  • 11754

                  #23
                  ich uebersetz das mit ..ich klinge wie niemand..
                  korrekt haette er sagen muessen ...I dont sound
                  like anybody..aber das war wohl der slang..er sagt...
                  er klingt wie niemand...was auf seinen voellig neuen
                  stil bezogen war..so sehe ich es
                  Zuletzt geändert von Ciscoking; 24.11.2013, 13:34
                  Thanks to Ernst Joergensen, Roger Semon and Erik Rasmussen for the great work. Keep the spirit alive !

                  Kommentar

                  • Mike
                    Administrator
                    • 23.09.2003
                    • 12907

                    #24
                    Das denke ich auch! "Ich klinge nicht wie ein Niemand", oder "Ich klinge nicht wie Niemand" würde nicht zum Gesprächsverlauf passen.
                    ><((((º>

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                    • sapperlot
                      Foren-Profi

                      • 18.09.2013
                      • 215

                      #25
                      ... okay, dann will ich das so annehmen
                      vielen herzlichen dank
                      and so long, sl.

                      sure like a rope~dancer {sl.}
                      ~ ~ ~~~ ~~ ~~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~~

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                      • Ciscoking
                        Board-Legende

                        • 19.05.2006
                        • 11754

                        #26
                        Zitat von sapperlot
                        ... okay, dann will ich das so annehmen
                        vielen herzlichen dank
                        and so long, sl.
                        Gerne,... ich kann sonst keinen anderen Hintergrund sehen......
                        Thanks to Ernst Joergensen, Roger Semon and Erik Rasmussen for the great work. Keep the spirit alive !

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                        • Mike
                          Administrator
                          • 23.09.2003
                          • 12907

                          #27
                          ....wenn denn die Überlieferungen des Gespräches richtig sind.
                          ><((((º>

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                          • Circle G
                            Board-Legende

                            • 04.11.2007
                            • 11634

                            #28
                            Im englischen Sprachgebrauch wird gerne mal die doppelte Verneinung verwendet, um dem "Nein" Nachdruck zu verleihen (Anders als im Deutschen, wo die doppelte Verneinung zu "Ja" wird!). Es bedeutet also zweifelsfrei genau das, was hier auch schon mehrfach gesagt wurde, nämlich in etwa: "Ich klinge wie niemand sonst."

                            Diese Form der doppelten Verneinung findet auch in zahlreichen Songs Anwendung z.B. bei Pink Floyd "We don't need no education" oder bei den Stones "We can't get no satisfaction".

                            Aber auch in Elvis-Songs haben wir das immer wieder ...

                            - Hound Dog: ... you ain't nothing but a Hound Dog
                            - That's Alright: ... son that girl you're foolin' with she ain't no good for you
                            - Baby Let's Play House: ... don't you be nobody's fool

                            Und da gibt es noch mehr Beispiele, die mir nur gerade nicht einfallen wollen.
                            Zuletzt geändert von Circle G; 24.11.2013, 14:29
                            Ahnungslosigkeit ist die Objektivität der schlichten Gemüter - Harald Schmidt
                            ____________________________

                            Kommentar

                            • Circle G
                              Board-Legende

                              • 04.11.2007
                              • 11634

                              #29
                              Und noch mehr ...

                              Don't Be Cruel: ... I don't want no other love
                              Milkcow Blues Boogie: ... I ain't had no milk and butter since that cow's been gone
                              I've Got To Find My Baby: ... and I ain't had no lovin' since my baby's been gone
                              I Gotta Know: ... well, I ain't had no sleep
                              Ahnungslosigkeit ist die Objektivität der schlichten Gemüter - Harald Schmidt
                              ____________________________

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                              • burroughs
                                Board-Legende

                                • 09.02.2004
                                • 56243

                                #30
                                Zitat von Circle G
                                ..bei den Stones "We can't get no satisfaction".
                                I .. also nur Mick

                                Kommentar

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