War Elvis angepasst oder ein mutiger Kämpfer?

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  • Gilla
    Board-Legende

    • 05.02.2007
    • 14776

    #1

    War Elvis angepasst oder ein mutiger Kämpfer?

    War Elvis wirklich ein angepasstes, harmloses Söhnchen, der den Gospel liebte und diese Musik favorisierte. War er nicht doch der überzeugte Rock'n' Roller, der vielleicht in diese Musik hineingestolpert ist, der aber durch seinen Mut und der Überzeugung, das Richtige zu machen, Grenzen überschritt, die die Gesellschaft und die Musik veränderte?

    In einigen Diskussionen hier im Forum wurde erwähnt, dass er sich Erwachsenen gegenüber fast schon devot verhielt und es nicht ertragen konnte, unangenehm aufzufallen.

    Ich habe mir gerade noch einmal ganz genau seine Auftritte bei Ed Sullivan angeguckt. Das Publikum sah aus wie der Durchschnittsamerikaner in den fünfziger Jahren, etwas spießig und konservativ, dazwischen Gekreische von Jugendlichen.
    Gleichzeitig sahen Millionen seine Auftritte im TV.

    Wenn ich mir den Elvis in dieser Zeit anschaue, er wirkt gefährlich in seinem frechen, schlacksigen Auftreten, mit ner gehörigen Portion Sexappeal ausgestattet.

    Die rhythmisch bis ekstatische Art, wie er seinen Körper zur Musik bewegte - gelegentlich auch mit einer Portion Selbstironie - kannte man höchstens von Schwarzen, dem weißen Mainstream-Publikum war so etwas bis dato völlig unbekannt. Besonders sein Hüftschwung ("Elvis the pelvis" = Elvis, das Becken) wurde legendär, war aber auch ständiger Stein des Anstoßes für die öffentliche Meinung im konservativen Klima in den USA der 50er Jahre.
    Elternverbände und allen voran die Kirche fürchteten einen generellen Verfall von Sittlichkeit, Moral und ethischen Werten bei der fanatisierten Jugend; ein großer Teil der amerikanischen Presse verteufelte ihn aufgrund dessen u. a. als "Botschafter des schlechten Geschmacks", "sexuellen Freibeuter", oder gar "musikalischen Abschaum" und heizte die Stimmung dadurch zusätzlich an. Das führte soweit, dass ihm in manchen Bundesstaaten die Polizei wegen des starken öffentlichen Druckes bei Konzerten den Hüftschwung unter Androhung von Strafen verbot.
    Dabei wollte Elvis mit seinen Bewegungen nie einen öffentlichen Skandal provozieren - im Gegensatz zu manchen Rockstars nach ihm, die noch wesentlich spektakulärer auftraten, um so ihren allgemeinen Bekanntheitsgrad zu erhöhen oder ihr Image als "böse Buben" zu pflegen - sondern sie waren vor allem Ausdruck seiner musikalischen Emotionen.

    In der Ed Sullivan-Show, der bekanntesten Musiksendung im damaligen US-Fernsehen erreichte Elvis eine landesweite Rekord-Einschaltquote von 80%, obwohl Sullivan vorher öffentlich bekannt gab, dass Elvis wegen seiner anstößigen Bewegungen nur von der Hüfte an aufwärts gezeigt werde. Vorher hatte sich der Moderator monatelang geweigert, Elvis ins Programm zu nehmen, musste sich aber letztlich doch dem Ansturm der amerikanischen Jugend beugen.



    All dies passt m.E. nicht in das Bild eines angepassten, verwöhnten Muttersöhnchens. Ich finde, Elvis hatte ungeheuren Mut aufgebracht, weiterzumachen.
    Ihm wehte in dem konservativen Amerika der damaligen Zeit eine steife Brise entgegen. Seine Mutter bat ihn des öfteren, damit aufzuhören, weil sie desweiteren Angst hatte, ihm würde vielleicht etwas angetan.

    Die Einnahmen sprudelten natürlich, das wusste Elvis. Aber ein "Weichei" hätte das nicht durchgestanden, trotz des verlockenden Geldes, da bin ich mir sicher.

    Was denkt ihr?
    *The genius of Elvis Presley was in his music, but the magic was in his voice*
  • brandalarm
    Gehört zum Inventar

    • 22.06.2008
    • 4241

    #2
    Ich glaube, dass Elvis Spaß daran hatte, mit den Mädchen und jungen Frauen zu spielen. Ursprünglich verspürte er einen Bewegungsdrang zu seiner Musik, als er die Reaktionen darauf erkannte, spielte er einfach damit. Meiner Meinung nach steckte aber weder in der Art seiner Musik, noch in der Art seiner Performance eine Message. Er tat was ihm gefiel und sah nicht "Unrechtes" dabei, was sich ja auch in der einen oder anderen Aussage dieser Zeit widerspiegelt.

    Wäre er ein überzeugter Kämpfer gewesen, hätte er die Aktion mit dem Frack und dem Hund nicht mit sich machen lassen. Sicher hat er sich später darüber geärgert da mit gemacht zu haben, aber er tat es wohl, weil er mit seiner eigentlichen Art keine bestimmte Absicht verfolgte. Er war einfach so, er mochte seine Musik, hatte Spaß an der Bewegung dazu...
    Because Elvis is so much more than the King...

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    • gast-20111607

      #3
      Was soll dies jetzt groß bringen, sich darauf zu einigen, ob Muttersöhnchen oder Bad Motherfu..er?

      Er war da, zur rechten Zeit am rechten Ort, er hatte Potential, er zog es durch, er hat alles mitgenommen was ging... und dann ist er für immer nach Hause gegangen...
      Alles weitere sagt uns seine Musik.
      Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

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      • Gilla
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        • 05.02.2007
        • 14776

        #4
        Zitat von Richard Burton
        Was soll dies jetzt groß bringen, sich darauf zu einigen, ob Muttersöhnchen oder Bad Motherfu..er?
        Du hast die Frage nicht verstanden, little Richard.
        Zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein, beantwortet doch nicht meine Frage.
        Elvis war damals für Teile der Gesellschaft eine Provokation. Ich glaube nicht, dass es so leicht war, sich den Anfeindungen so locker entgegen zu stellen. Viele wären da eingeknickt, oder glaubst du nicht?
        *The genius of Elvis Presley was in his music, but the magic was in his voice*

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        • gast-20110818

          #5
          Zitat von Gilla
          Ich glaube nicht, dass es so leicht war, sich den Anfeindungen so locker entgegen zu stellen. Viele wären da eingeknickt, oder glaubst du nicht?
          Man darf dabei aber auch nicht den großen Zuspruch der Gegenpartei vergessen. Der Erfolg tröstet doch über einiges hinweg.

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          • gast-20111607

            #6
            Nochmals: Was bringt dieses Herumspekulieren, ob und wie sehr er selbstsicher genug war bzw. nicht war, den Anfeindungen stand zu halten?
            Wir wissen doch nun zur Genüge, er hat sein Ding durchgezogen, er legte doch eh keinen Wert auf irgendwelche Rebellionen, er war einfach aus sich selbst heraus spontan und natürlich.

            Er wurde in den 50ern als unerhörte, animalisch verruchte Sensation vermarktet (wohl nicht ganz zu unrecht), dadurch eroberte er die Jugendlichen, danach kam Schritt Zwei mit der Eroberung des Mainstreams, genau nach natürlicher Kontinuität.
            Ich sehe da auch keinen Masterplan dahinter, Elvis benahm sich in aller Regel ordentlich und zuvorkommend, auf der Bühne konnte er dann eben eine Seite aus sich herausholen, die man als normaler Mensch in aller Regel unterdrückt, weil man zu sehr dem Konformitätsgedanken anhängt...

            Ich würde mal behaupten, Elvis hatte die Gelassenheit, die Hysterie mit einem Achselzucken (oder war es doch eher eine halb hochgezogene Oberlippe? ) an sich vorbeiziehen zu lassen, der Erfolg gab und gibt ihm bis heute recht.

            Hätte er sich wirklich groß Gedanken gemacht, ob er es Joe Average immer recht machte, dann hätte er schon nach dem ersten Misserfolg ----> bspw. Las Vegas 1956, alles hingeschmissen.
            Hat er aber nicht, er hatte die notwendige Selbstsicherheit und Durchhaltevermögen.

            He did it his way.
            Zuletzt geändert von Gast; 25.01.2009, 20:46

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            • Gilla
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              • 05.02.2007
              • 14776

              #7
              @BluesBoy
              Klar, damit wurde ihm von seiner Zielgruppe bestätigt, das Richtige zu machen.

              Nur was ich meine, ich kenne durch viele Diskussionen hier ein Bild von Elvis, dass ihn so zeichnet, als ob ihm alles zugeflogen wäre und sein Erfolg quasi ein Selbstläufer war. Ebenso habe er sich von allen möglichen Leuten beeinflussen lassen und außer Talent kaum was beigesteuert. So ist es eben nicht. Er wollte rocken und hat es durchgesetzt.

              Nochmals: Was bringt dieses Herumspekulieren, ob und wie sehr er selbstsicher genug war bzw. nicht war, den Anfeindungen stand zu halten?
              @Richard: Dann lass es doch. Ich darf doch noch ne interessante Frage stellen. Kannst dir ja selber mal Gedanken machen...
              *The genius of Elvis Presley was in his music, but the magic was in his voice*

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              • gast-20090708

                #8
                Es geht doch darum, dass Elvis während seiner Kindheit und frühen Jugend doch ein sehr schüchterner und unauffälliger Junge war. Plötzlich steht dieser Junge im Rampenlicht, wird als Provokateur, Lüstling, Teufel usw. usw. dargestellt. Alles dieses war er nicht. Er liebte die Musik, die er machte und verstand ja auch garnicht, was die Menschen auf einmal von ihm wollten. Er war stets höflich "Erwachsenen" gegenüber (das ist meistens die erste Erinnerung von den Leuten, die ihn trafen) und nun musste er sich gegen diese Erwachsenen wehren. Da gehört einiges dazu, wenn man vorher dieses nie erlebt und gelernt hat. Er hat es auf seine Art geschafft. Ein Ed Sullivan hat sich nachher so für ihn ins Zeug geschmissen und auch viele andere große Künstler nahmen viele Aussagen zurück, die sie vorher über ihn getroffen haben. Ich würde sagen, er war ein stiller Kämpfer. Er hat es mit einer Art gemacht, die ihn auszeichnet. Was er über diese Leute, wie Ed Sullivan, gedacht hat, würde mich nur mal interessieren!

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                • brandalarm
                  Gehört zum Inventar

                  • 22.06.2008
                  • 4241

                  #9
                  Zitat von Sonja68
                  er war ein stiller Kämpfer
                  Sonja, ich würde Dir in fast allen Aussagen beipflichten, nur glaube ich, dass er kein Kämpfer war, zumindest nicht für eine größere Sache. Sein "Kampf" drehte sich eher um seinen Spaß, sein Bankkonto (das Haus für seine Mutter) aber eben nicht für die Befreiung der Jugend von irgendwelchen Zwängen o.ä.
                  Because Elvis is so much more than the King...

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                  • gast-20090708

                    #10
                    Zitat von brandalarm
                    Sonja, ich würde Dir in fast allen Aussagen beipflichten, nur glaube ich, dass er kein Kämpfer war, zumindest nicht für eine größere Sache. Sein "Kampf" drehte sich eher um seinen Spaß, sein Bankkonto (das Haus für seine Mutter) aber eben nicht für die Befreiung der Judend von irgendwelchen Zwängen o.ä.
                    Sehe ich auch so. Mit stiller Kämpfer meinte ich auch mehr, dass es ihm fast vielleicht sogar völlig egal war, ob die Erwachsenen ihn mochten oder nicht. Er spürte den Erfolg durch seine Auftritte und ob ein Ed Sullivan nun dabei war, war ihm damals wohl völlig egal. Natürlich war das Fernsehen in diesem Sinne wichtig, ihn im ganzen Land bekannt werden zu lassen.
                    Ich glaube auch, dass er das alles für sich gemacht hat und nicht mit irgendeinen Hintergedanken, die Jugend aus irgendetwas zu befreien.
                    Und ich muss auch ganz ehrlich gestehen, dass ich seine gewisse Art (ich möchte sie vielleicht sogar Arroganz nennen), die er bei manchen Bühnenauftritten an den Tag legte, weil er ganau wusste, wie er in diesem Moment rüberkam, doch immer wieder gerne mir anschaue. Er wusste wie er sie bekam und das hat er geschafft, bei allen, sei es Sullivan, Sinatra und all die anderen.
                    Zuletzt geändert von Gast; 25.01.2009, 20:34

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                    • Gilla
                      Board-Legende

                      • 05.02.2007
                      • 14776

                      #11
                      Zitat von brandalarm
                      Sonja, ich würde Dir in fast allen Aussagen beipflichten, nur glaube ich, dass er kein Kämpfer war, zumindest nicht für eine größere Sache. Sein "Kampf" drehte sich eher um seinen Spaß, sein Bankkonto (das Haus für seine Mutter) aber eben nicht für die Befreiung der Judend von irgendwelchen Zwängen o.ä.
                      Ich möchte dem Elvis-Bild in den 50ern widersprechen, er habe es nur aus Geldgründen gemacht. Das würde ich eher dem späteren Elvis zuschreiben.

                      Dem frühen Elvis ging es sehr wohl auch darum, mit seinen Auftritten die Jugend zu mehr Freiheit zu führen. Nämlich, dass sie diese Art der Musik fühlen und genießen sollten, wie er immer sagte, da sie natürlich sei und von innen heraus käme. Was glaubst du, was das bedeutet hat. Dieses Feeling gab es eher in der schwarzen Bevölkerung.
                      *The genius of Elvis Presley was in his music, but the magic was in his voice*

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                      • gast-20090708

                        #12
                        Zitat von Gilla
                        Ich möchte dem Elvis-Bild in den 50ern widersprechen, er habe es nur aus Geldgründen gemacht. Das würde ich eher dem späteren Elvis zuschreiben.

                        Dem frühen Elvis ging es sehr wohl auch darum, mit seinen Auftritten die Jugend zu mehr Freiheit zu führen. Nämlich, dass sie diese Art der Musik fühlen und genießen sollten, wie er immer sagte, da sie natürlich sei und von innen heraus käme. Was glaubst du, was das bedeutet hat. Dieses Feeling gab es eher in der schwarzen Bevölkerung.
                        Da hast du Recht, Gilla. Aber hat er es geschafft? Ich meine nur, wenn ich die kreischenden Mädels und die doch auch eifersüchtigen Jungs sehe, wurden doch seine Auftritte nachher nur noch auf seine Lenden mit den passenden Schwingungen reduziert. Und dieses wurde von den Medien aufgegriffen. Selten wurde doch davon gesprochen, was er mit seiner Musik ausdrücken will, sondern immernur seine Ausdrucksweise, die er bei seinen Liedern inszenierte. Vielleicht schade, dass seine Musik durch diese Dinge in den Hintergrund gerückt wurde.

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                        • Gilla
                          Board-Legende

                          • 05.02.2007
                          • 14776

                          #13
                          Musik zu fühlen, kann schon mal in der Körperhälfte stattfinden...Das war etwas ganz Neues...
                          *The genius of Elvis Presley was in his music, but the magic was in his voice*

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                          • gast-20090708

                            #14
                            Zitat von Gilla
                            Musik zu fühlen, kann schon mal in der Körperhälfte stattfinden...Das war etwas ganz Neues...
                            Der war gut!!!

                            Ach ich kann ja wieder danken!!!!! Das tue ich sofort!

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                            • gast-20100118

                              #15
                              Zitat von Gilla
                              Aber ein "Weichei" hätte das nicht durchgestanden, trotz des verlockenden Geldes, da bin ich mir sicher.

                              Was denkt ihr?
                              seh ich genauso. er war schon ein Kämpfer, der sich sicher ganz schön an den Riemen reißen mußte, trotz unglaublicher Schmähungen er selbst zu bleiben.

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