Der Rebell

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  • michael grasberger
    Posting-Legende

    • 16.02.2006
    • 9974

    #106
    Zitat von Blues Boy

    Und bei dem weißen Establishment machte Elvis die schwarze Musik nicht salonfähig, sondern wurde ebenso abgelehnt, wie die Schwarzen selbst.
    das stimmt. trotzdem behaupte ich, dass schwarze musik vor elvis einer hippen elite weißer kids vorbehalten war. aber schon klar, da hatte sich schon jahrelang was zusammengebraut, und elvis war dann der zündfunke, der die redneckkinder massenhaft zu stromgitarren und selbstgebastelten blechverstärkern greifen ließ...

    "We know that rock'n'roll was not a human invention, that it was the work of the Holy Ghost."
    (Nick Tosches)

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    • gast-20110818

      #107
      Zitat von michael grasberger
      das stimmt. trotzdem behaupte ich, dass schwarze musik vor elvis einer hippen elite weißer kids vorbehalten war. aber schon klar, da hatte sich schon jahrelang was zusammengebraut, und elvis war dann der zündfunke, der die redneckkinder massenhaft zu stromgitarren und selbstgebastelten blechverstärkern greifen ließ...
      Ja, er präsentierte die Musik, die in Jugendkreisen hip war und brachte dabei alles mit, was eine entsprechende Identifikationsfigur benötigte: Er sah gut aus, hatte Charisma, und er war vor allen Dingen weiß. Was nicht heißen soll, dass die Jugendlichen eine rassistische Einstellung hatten, aber er war eben mehr einer von ihnen.

      Und Elvis konnte den Vorteil des neuen Massenmediums "Fernsehen" nutzen, dass ihn zur besten Sendezeit in die Wohnzimmer der weißen Mittelschicht transportierte.

      Zu guter letzt wieder einmal Elvis' eigene Worte: "Ich war zur richtigen Zeit am richtigen Ort."

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      • burroughs
        Board-Legende

        • 09.02.2004
        • 56243

        #108
        kurz einklink:
        so gesehen dürften die wenigen *hippen* weißen Jugendlichen froh gewesen sein, daß nun endlich auch einer *von ihnen* mit dieser Art von Musik daherkam;
        denn wenn ihre Eltern gewußt hätten, daß sie sich abends in die Beale Street schleichen und sich diese *Negermusik* anhören und dabei derart ausflippen
        Off-Topic:

        Ich ersuche, dieses Posting nicht als rassistisch aufzufassen, da es in keinster Weise so gedacht ist.. danke

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        • TheKing
          Board-Legende

          • 19.06.2006
          • 20721

          #109
          Ich finde diese Diskusion sehr erhellend! Alle Seiten führen gute Argumente auf, denen ich zumindest nicht eindeutig widersprechen kann.

          Wie bringt man das in eine Form?


          Elvis war schon zu Schulzeiten ein Sonderling. Er nahm sich die Freiheit heraus, die Haare länger als die anderen zu tragen und sich anders zu kleiden. Das hat etwas rebellisches, zugegeben.

          Ich glaube aber, dass er nicht rebellisch sein wollte aus Prinzip heraus, er wollte nichts bewegen großartig, er hatte Spaß daran sein eigenes Ding zu machen, er hatte keine Botschaft. Er tat diese Dinge aus seiner Naturell heraus, intuitiv, er war so. Eine besondere Persönlichkeit.

          Red West lernte er bei einer Gelegenheit kennen, als er dafür ein paar auf die Fresse kriegen sollte. Die Menschen sind grausam, wer anders ist, wird gedisst und gemobbt. Mein Klischee von amerikanischen Südstaatlern ist auch nicht das toleranteste.

          Elvis hatte keine Berührungsängste mit Schwarzen, er gehörte zum "white Trash" der weißen Unterschicht und lebte im Sozialbau.

          Er wollte Balladensänger werden oder auch Teil eines Gospelquartetts sein, davon träumte er.

          Sam Phillips hatte da schon mehr Überblick. Aber auch wenn er Elvis überzeugte man bräuchte einen gewissen Sound, den Sound, den er schon länger suchte, dann heißt das doch nicht, das Elvis den Rock`n Roll nur vorgab. Habt ihr denn keine Ohren und keine Herzen? Und keine Ärsche? Ihr habt Elvis rocken sehen, in den 50ern, 60ern und 70ern, ein wichtiger Teil von Elvis war wild und hatte extremen Spaß an dieser Art Musik und das kam genauso von Herzen, wie später die Balladen. Wer das nicht spürt, der versteht gar nichts. Das was Elvis meines Erachtens groß macht ist simpel die Tatsache, das er ein Orginal ist, eine Quelle, eine Persönlichkeit. Von ihm ging etwas aus, etwas orginäres, etwas eigenes und das lag im Wesen seiner Natur. Er war etwas Besonderes. Punkt.
          Elvis ist eine der Hauptwurzeln dieses Genres. Ihm reines Kalkül zu unterstellen entweiht den ganzen Gedanken des Rock`n Roll. Elvis wurde durch historische Umstände Gallionsfigur einer Welle, die die Kinder der Arbeiterklasse losgetreten hatten, weil sie ihre eigene Subkultur bildeten, weil alles danach drängte. "Seht, hier wir haben unsere eigene Sprache, Mode, Musik und Tanzstil. Damit können wir uns identifizieren, das sind wir!" Der Südstaatenjunge mit seinen Zuckungen und seiner Tolle brachte das gut auf den Punkt...eine Fügung...aber geplant oder gewollt in der Form hat er es nicht. Er plante nicht die Rebellion der Jugend...er war höchstens ein Teil einer Entwicklung, eines Kontextes.

          Um Elvis zu charakterisieren eignet sich das Wort "Rebell" nicht unbedingt. Das Wort was ihn am ehesten beschreibt scheint eher: "Persönlichkeit"
          Ohne Worte!

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          • gast-20100118

            #110
            Zitat von TheKing
            Er plante nicht die Rebellion der Jugend...
            Das ist richtig. Er hat mit 19 nicht auf dem Plan gehabt, der Anführer einer Revolution zu werden. Dass er der Katalysator eines Massenphänomens wurde mit erdrutschartigem Einfluß auf die Jugend- und Musikkultur, und damit den Blick auf den Muff und die verkrusteten gesellschaftlichen Strukturen bis hin zur Wegbereitung der Bürgerrechtsbewegung und der 68er Bewegung schon mal schärfte , ist ihm deshalb vielleicht in der ganzen Dimension selbst nie bewußt geworden. Zumindest war ihm sein Einfluß auf die ihm nacheifernde Musikwelt ziemlich deutlich und machte ihn durchaus stolz. Und wenn er nach seiner Armyzeit Musikern begegnete, outeten sie sich fast alle als seine Fans.

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            • gast-20071202

              #111
              Zitat von TheKing
              Das was Elvis meines Erachtens groß macht ist simpel die Tatsache, das er ein Orginal ist, eine Quelle, eine Persönlichkeit. Von ihm ging etwas aus, etwas orginäres, etwas eigenes und das lag im Wesen seiner Natur. Er war etwas Besonderes. Punkt.
              Das hat und wird auch, denke ich, niemals jemand bezweifeln. Dass Elvis tatsächlich Mittelpunkt von so etwas wie einer gewissen Rebellion (oder doch zumindest deren Anfang) war, steht doch völlig außer Frage. Selbst wenn das Image nur von anderen an ihn herangetragen wurde, schmälert das nicht dessen Bedeutung. Nachdem man ihn mit dem Kopf drauf gestoßen und wachgerüttelt hatte, war er großartig und rulte die 50er Jahre auf eine Weise, die unterreicht und einmalig bleibt.

              Nur kam es mir so vor - ich kann mich auch täuschen -, dass das Eingangsposting ziemlich deutlich auf den Rebellen in der Person Elvis zugeschnitten war und sein sollte. Und in dem Zusammenhang tue ich mich etwas schwer damit, Plan- und Orientierungslosigkeit bereits als Rebellentum zu verstehen. Ich denke, das würde die Taten echter Rebellen dann doch auf eine Weise abwerten, die diese und echte Rebellion nicht verdient haben.

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              • Gilla
                Board-Legende

                • 05.02.2007
                • 14776

                #112
                Zitat von gast-20080904
                Das hat und wird auch, denke ich, niemals jemand bezweifeln. Dass Elvis tatsächlich Mittelpunkt von so etwas wie einer gewissen Rebellion (oder doch zumindest deren Anfang) war, steht doch völlig außer Frage. Selbst wenn das Image nur von anderen an ihn herangetragen wurde, schmälert das nicht dessen Bedeutung. Nachdem man ihn mit dem Kopf drauf gestoßen und wachgerüttelt hatte, war er großartig und rulte die 50er Jahre auf eine Weise, die unterreicht und einmalig bleibt.
                Ja, der Meinung bin ich auch, Timothy.

                Man könnte festhalten, dass sein Symbolcharakter als Rebell im Amerika der 50er der Jugend verhalf, sich aufzulehnen gegen konservative Strukturen, und dass sie stolz auf etwas eigenes, nämlich ihre Musik, sein konnte.
                Zuletzt geändert von Gilla; 14.11.2007, 08:17
                *The genius of Elvis Presley was in his music, but the magic was in his voice*

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                • gast-20100118

                  #113
                  Zitat von gast-20080904
                  Nachdem man ihn mit dem Kopf drauf gestoßen und wachgerüttelt hatte.
                  achso, daher die Beule.
                  Natürlich war Sam Phillips nicht darauf gefaßt, was für ein Potential in dem Bürschchen steckte. Es war die Überraschung seines Lebens. Und dass es im Gegensatz zu seinen vielen anderen Findelkindern nicht EIN Stil war, den sein Protagonist beherrschte, wird ihn wohl ebenso beeindruckt haben. Mit welchem feeling, Tempo und Ausdruck er seine Songs intonierte, bestimmte zeitlebens der Meister ganz allein.
                  Und natürlich herrschte keine "Plan- und Orientierungslosigkeit". Sondern es war das Ziel, jedem Song, der gefiel, das Optimum an Leben mit auf den Weg zu geben. Und dieses Leben war verdammt ansteckend. Jedes ausgedrückte feeling war so tief, dass es schon deshalb jede Heuchelei in Frage zu stellen drohte.
                  Das Eingangsposting wollte nicht die "Rebellion" als romantisch verklärtes Heldenepos auf den Plan bringen, sondern umreißen, dass sich der Genius gepaart mit Seelentiefe und enormer Bandbreite eigensinnig mit dem beschäftigte, was IHM gefiel und mit keiner Schublade vorlieb nahm, was sicher ein Stück mit zu seiner Unsterblichkeit beitrug. Aber sicher auch zur Verärgerung mancher Schubladenfetischisten.

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                  • gast-20071202

                    #114
                    Zitat von Rev.Gerhard
                    Und natürlich herrschte keine "Plan- und Orientierungslosigkeit". Sondern es war das Ziel, jedem Song, der gefiel, das Optimum an Leben mit auf den Weg zu geben. Und dieses Leben war verdammt ansteckend. Jedes ausgedrückte feeling war so tief, dass es schon deshalb jede Heuchelei in Frage zu stellen drohte.
                    Ganz guter Beitrag, Revy.

                    Ich habe trotzdem weiterhin Probleme damit, hinter dem Durcheinander in Elvis' Karriere (zumindest über weiteste Strecken) einen wirklichen "Plan" zu erkennen, und sei es "nur" der, "jedem Song, der gefiel, das Optimum an Leben mit auf den Weg zu geben". Was war mit den vielen, vielen Songs, die nicht gefielen, die aber trotzdem so etwas wie "Leben" besaßen? Was war mit den Songs, die vielleicht gefielen, denen man aber nicht das "Optimum an Leben" mit auf den Weg geben konnte? Wie bewertet man die Tatsache, dass ein Künstler immer wieder in alte (sprich: bewährte) Muster zurückfällt, wenn eigentlich Veränderung auf dem Plan stand?

                    Was ich sagen wollte: Vieles war Zufall, das Wenigste gewollt. Kann man da wirklich von einem "Rebellen" sprechen? Ich erwähnte bereits in meinem ersten Posting zu Thema: Den "rebel by accident" gibt es nicht. Oder was verstehe ich falsch?

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                    • gast-20100118

                      #115
                      Zitat von Rev.Gerhard
                      . Jedes ausgedrückte feeling war so tief, dass es schon deshalb jede Heuchelei in Frage zu stellen drohte.
                      Deshalb ist er m.E. auch mehr Soul-Sänger als diejenigen, die sich in die dafür eigens angefertigte Schublade begaben.

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                      • gast-20100118

                        #116
                        Zitat von gast-20080904
                        Ich erwähnte bereits in meinem ersten Posting zu Thema: Den "rebel by accident" gibt es nicht. Oder was verstehe ich falsch?
                        ich verstehe ihn als künstlerischen Freigeist. Und jedem Freigeist wohnt auch ein rebellisches Potential inne, nämlich der Lust des Herzens zu folgen, und nicht dem Zwang, des Unbedingtgefallenmüssens.

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                        • gast-20080405

                          #117
                          Ein Rebell geht gewollt und voll bewusst auf Konfrontationskurs mit der Obrigkeit, den geltenden gesellschaftlichen Konventionen etc. Das war bei Elvis nicht der Fall. Er machte seine Musik, weil sie ihm Spaß machte, völlig ohne Hintergedanken. Was er damit auslöste, war ihm selbst zunächst nicht mal bewusst. Wenn er 1972 im Interview erzählt, dass er zunächst schockiert war, warum das Publikum so kreischte und ausflipte, so nehme ich ihm das ab.
                          Dass er mit seinem Stil aber genau in die Zeit passte und durch seine Musik, sein Äußeres und seine ganze Art, genau das ausdrückte, was die wirklichen Rebellen dachten und was den Sehnsüchten der Jugend entsprach, das löste dann seine einzigartige Karriere aus. So wurde Elvis ungewollt zum musikalischen Sprachrohr einer unverstandenen Jugendgeneration.

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                          • gast-20100118

                            #118
                            Zitat von Stutz71
                            Ein Rebell geht gewollt und voll bewusst auf Konfrontationskurs mit der Obrigkeit, den geltenden gesellschaftlichen Konventionen etc. Das war bei Elvis nicht der Fall.
                            doch. die Weicheimentalität, die ihm viele unterstellen, hätte wenigstens dann greifen müssen, als ihm Politiker und die ach so geschätzten Brüder und Schwestern klerikaler Gruppen vorwarfen, einen äußerst schlechten Einfluß auf die Jugend zu haben, und sogar forderten, dass er verboten werden solle. Klar hat ihn das getroffen, als Volksverführer abgestempelt zu werden. Denn er trug nicht im Schilde, den Teufel in die Unterhosen fahren zu lassen. Und doch blieb er ganz bewußt und gewollt sich und seinem feeling treu.

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                            • gast-20071202

                              #119
                              Zitat von Rev.Gerhard
                              ich verstehe ihn als künstlerischen Freigeist. Und jedem Freigeist wohnt auch ein rebellisches Potential inne, nämlich der Lust des Herzens zu folgen, und nicht dem Zwang, des Unbedingtgefallenmüssens.
                              Ich glaube, hier liegt der Hase im Pfeffer: Wenn irgendjemand dem unbedingten Zwang unterlag, jedem zu möglichst jeder Zeit und bei jeder Gelegenheit gefallen zu müssen, dann ja wohl Elvis Presley. Die mangelnde Mutterliebe ...

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                              • gast-20110818

                                #120
                                Zitat von Rev.Gerhard
                                Und doch blieb er ganz bewußt und gewollt sich und seinem feeling treu.
                                Warum auch nicht? Solange ihm die Gegenseite die Tasche mit harten Dollars füllte?
                                Und auf die Frage, was er denn mache, wenn der Rock'n'Roll nicht mehr gefragt sei, antwortete er: "Dann mach ich eben was anderes."

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