War Elvis witzig?

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  • Derek
    Gehört zum Inventar

    • 03.06.2007
    • 3185

    #31
    Persönlich finde ich ja auch Sprüche wie diesen hier göttlich:

    "Geh an Regentagen niemals Kühe melken. Sollte es blitzen, kann es sein, dass du nur noch den Euter in der Hand hältst."
    Elvis Presley, 21. April 1956, live in Houston

    Dafür hat er allerdings auch immer reichlich Prügel von Veranstaltern und dem Colonel bezogen ...

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    • gast-20100118

      #32
      Zitat von Derek
      Dafür hat er allerdings auch immer reichlich Prügel von Veranstaltern und dem Colonel bezogen ...
      kannst Du für "reichlich Prügel" die Quelle benennen?

      Kommentar

      • Derek
        Gehört zum Inventar

        • 03.06.2007
        • 3185

        #33
        Zitat von Rev.Gerhard
        kannst Du für "reichlich Prügel" die Quelle benennen?
        Am schnellsten findest du es vermutlich, wenn du Guralnicks/Jorgensens "Elvis Day By Day" durchblätterst und dich auf das Jahr 1956 beschränkst. Reicht dir das als Quellenangabe oder soll ich selbst nachblättern und dir eine Seitenangabe nennen?

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        • Derek
          Gehört zum Inventar

          • 03.06.2007
          • 3185

          #34
          Hier kommt ein weiteres Beispiel für Elvis' Humor auf der Bühne und die Reaktion des Colonels darauf. Quellen: "Elvis Day By Day", "Careless Love", verschiedene RCA/FTD-Veröffentlichungen zum Engagement vom August 1969.



          Im Laufe des Comeback-Engagements im International Hotel, August 1969, fällt der anfängliche Stress nach und nach völlig von Elvis ab. Er er­scheint entspannt und ausgelassen auf der Bühne und hat Spaß daran, das Publikum in spontane Dialoge zu verwickeln und herumzualbern. Zahl­reiche Live-Aufnahmen sind für eine hoch-offizielle Veröf­fent­lichung nicht zu gebrauchen, weil er zu oft lacht.

          Er trinkt viel Wasser. Die Scheinwerfer sind heiß und schaden nicht nur den Augen, sondern trocknen auch die Kehle aus. Elvis lästert wieder­holt darüber, dass andere Stars kein Wasser trin­ken, sondern Alkohol:

          „Könnte ich etwas Wa-Wa bekommen? So sagen wir im Süden zu Wasser. Danke. Es ist sehr trocken hier in Las Vegas, meine Damen und Herren, und eine Menge Sänger haben ein Problem – und da ich niemals ein Sänger war, ha­be ich auch das Problem nicht. Aber eine Menge Sänger haben Ärger mit etwas, das sie eine ‚Vegas-Kehle' nennen. Weil es zu trocken ist oder weil du zu viele Chips gegessen hast. Ich weiß nicht, was es ist, aber viele Leute haben das Problem, und so musst du während der Shows viel Wasser trinken, um weiter machen zu können. Wenn ich also unterbreche und so, schauen Sie mich einfach an, gucken Sie auf meine ... kleine rote Dinger in meinen Hosen, der Gürtel. Und dann fragen Sie sich: ‚Ist er das? Sein Name steht auf der Gitarre. Ich dachte, er wäre ein bisschen größer, Mann. Überall fliegen Haare, er muss ein Irrer sein, Mann, bestimmt. Eiskalter Naturmensch, Mann. Darum ist er auch seit neun Jahren nicht mehr in der Öffentlichkeit gewesen.' Sie haben mich aus dem Verkehr gezogen. ‚Bringt ihn weg von hier.'“

          Und Elvis wird beizeiten auch gern ein wenig anzüglich, beispielsweise bei seinen ein­leitenden Worten zu „Hound Dog“. Breitbeinig und vornüber gebeugt steht er auf der Bühne, die Gitarre hängt unter seinem Bauch in der Luft, das Mikrofon mit Stativ hält er weit abwärts geneigt wie eine Frau beim Tango-Ausfallschritt (diese Pose ist noch bei den Filmaufnahmen vom August 1970 ebenfalls vor „Hound Dog“ zu sehen). Und Elvis erzählt die Geschichte von einem Schäferstündchen. Seine Geliebte habe unter ihm gelegen und er habe ihr ein leiden­schaftliches: „Baby, Baby“ zugeflüstert. Ihre Reaktion sei ein verlangendes: „Tiefer, tiefer!“ gewesen, woraufhin er seine Stimmlage zum tiefsten Bass senkt und erneut ein „Baby, Baby“ brummt … (Das Publikum lacht laut auf, und auch Elvis ist hörbar amüsiert über seine eigenen Scherze.) Mit Blick auf seine Gitarre und das Plektrum in seiner Hand, lässt er die Frau fragen: „Is that your pick – ist das da dein Plektrum?“ Elvis: „Ja, ist es.“ Und die Frau: „Weird looking pick – das ist aber ein merkwürdiges Plektrum!“
          Alles in allem also ein Elvis „At His Best“, doch Tom Parker beäugt diese Entwicklung kri­tisch. Elvis solle seine Arbeit nicht auf die allzu leichte Schulter nehmen, vor allem mit Rück­sicht auf die vielen Kinder in den Dinner-Shows. Elvis sei der einzige, der das ändern könne, und er sei sicher, Elvis werde nicht das Gute aufs Spiel setzen, das sie in der ersten Hälfte des Engagements erreicht haben.

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          • Derek
            Gehört zum Inventar

            • 03.06.2007
            • 3185

            #35
            Mittwoch, 26. Oktober 1955.
            Elvis tritt um zehn Uhr morgens in der Vigor High School in Mobile, Alabama, auf. Nach dreißig Minuten bricht der Schuldirektor das Konzert ab, weil Elvis im Zusammenhang mit seinem Titel „Milkcow Blues Boogie“ einen für Schüler unangemessenen Witz gemacht hat: „Warum soll ich heiraten, wenn ich die Milch auch über den Zaun hinweg bekommen kann?“
            Jawohl, Elvis Presley erweist sich tatsächlich als eine maßgebliche kulturelle Kraft des 20. Jahrhunderts. Er sorgt beispielsweise für die Lockerung der Moral­vorstellungen, und viele sind ihm dankbar dafür – solange er nicht nach seinen Konzerten Hand an die eigene Freundin legt und sich ein Glas Milch über den Zaun holt.

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            • gast-20100118

              #36
              Zitat von Derek
              Reicht dir das als Quellenangabe oder soll ich selbst nachblättern und dir eine Seitenangabe nennen?
              "reichlich Prügel", als Metapher für eine verbale Handvoll Watschen, halte ich für diesen originellen Witz auch zur damaligen Zeit, wo seine Bühnenshow bei weitem mehr reinknallte als solch ein Spruch, für kaum vorstellbar. Aber ja, ich wäre für ein Zitieren aus genannter Quelle dankbar.

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              • TheKing
                Board-Legende

                • 19.06.2006
                • 20721

                #37
                Hast Du "stonecool freak" mit eiskalter Naturmensch überstezt? Aber genau dieses 1969 Las Vegas Engagemant zeigt einen sehr witzigen Elvis. Kennt ihr das mit der Grille "smartass criket?" Er hatte ja einen Monolg warum auf die Bühne zurückgekehrt sei und seine Karriere bis dahin im Programm der immer relativ gleich war. Die Scherze darin haben ihm möglicherweise auch Comedians auf den Leib geschrieben, das sind jedenfalls keine spontanen Pointen, sondern das sind Jokes die immer gleich kommen. Aber in den spontanen Einwürfen und Ansagen kann man schon etwas wie Elvis Humor raushören und der gefällt mir schon recht gut. Er hatte einen derben und schwarzen Humor, Humor zeigt sich ja nicht nur durch die Scherze die macht selber ersinnt, sondern auch daran über was man lacht und da erinnere ich mel an Elvis Lieblingsgedicht..das mit dem "fucking skull". Jedenfalls flog die Grille immer wieder an ihn heran oder in Scheinwerferlicht und Elvis baut die Grille in den Monolg mit ein..das ist schon witzig....auch die ganze saloppe Art, die kurzen und oft sehr schnellen situativen Reaktionen von Elvis während seiner Liveshows...also absolut: Ja. Elvis hatte einen Humor, er lachte gerne und viel und er ließ auch selbst genügend Brüller vom Stapel, wo Leute nicht nur aus Pflichterfüllung lachten. Er war albern und seine Humor war auch oft sicher verletzend, aber das ist schon okay. Ich mag das absolut an ihm.

                "Hello big mother..."



                Auf Wiener Schnitzel!
                Ohne Worte!

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                • Derek
                  Gehört zum Inventar

                  • 03.06.2007
                  • 3185

                  #38
                  Revi, du bist ein Spielverderber. Das hat jetzt keinen Spaß gemacht, für dich das Buch durchzublättern. Ich nenne dir auch nur drei Ansatzpunkte für deine weiteren Recherchen. Es ist das letzte Mal, dass ich solch einen Quatsch mitmache. Ab sofort darfst du davon ausgehen, dass ich mir mein "Fachwissen" nicht frei erfinde. Danke.

                  Elvis Day By Day von Peter Guralnick und Ernst Jorgensen, U.S.A. 1999, 1. Auflage

                  Seite 52 / siehe Zitat oben zum Melken über den Zaun
                  Seite 61 / Harry Kalcheims Brief an den Colonel: He should avoid too much clowning as it distracts from his singing. ... Die Leute wollen Elvis singen hören und nicht seine Scherze, von denen einige amüsant sind.
                  Seite 70 / siehe Zitat oben zum Melken an Regentagen
                  Die näheren Details zu den auf diesen Seiten angedeuteten Ereignissen findest du in den einschlägigen Biografien.

                  Die Ereignisse liefen meistens nach dem selben Muster ab: Elvis war auf der Bühne oder sprach mit der Presse oder oder oder und machte dabei "lockere Sprüche", von denen der Colonel Wind bekam (z. B. über Kalcheim). Dann wurde Elvis höflich daran erinnert, dass er auf sein Verhalten in der Öffentlichkeit achten soll.

                  Der Revi hat natürlich Recht, wenn er sich wundert, warum an dieser Front etwas hinter den Kulissen ablief, wohingegen der eigentliche Krieg in der Öffentlichkeit sich um die kreisenden Hüften drehte.

                  Vielleicht hielt man die Bühnenshow für eine so genannte "Kernkompetenz" von Elvis, auf die nicht verzichtet werden kann? Und seine Komik hielt man für verzichtbar und weniger gut?

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                  • michael grasberger
                    Posting-Legende

                    • 16.02.2006
                    • 9974

                    #39
                    Zitat von Derek
                    Und dann fragen Sie sich: ‚Ist er das? Sein Name steht auf der Gitarre. Ich dachte, er wäre ein bisschen größer, Mann. Überall fliegen Haare, er muss ein Irrer sein, Mann, bestimmt. Eiskalter Naturmensch, Mann. Darum ist er auch seit neun Jahren nicht mehr in der Öffentlichkeit gewesen.' Sie haben mich aus dem Verkehr gezogen. ‚Bringt ihn weg von hier.'“

                    sowas mag ich besonders gern. wenn er seine nervosität oder das lampenfieber auf witzige art nach außen kehrt und damit seine ausgesetztheit dem publikum gegenüber entschärft. ähnliches macht er beim 68er comeback, wenn er gleich zu beginn den schummelzettel offen zeigt ("i'm supposed to talk about..."). so wird eine konstruiert spontane situation zu einer echt spontanen, und er hat die crowd auf seiner seite.
                    (selbstironie ist übrigens ein zeichen von intelligenz.)

                    "We know that rock'n'roll was not a human invention, that it was the work of the Holy Ghost."
                    (Nick Tosches)

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                    • gast-20100118

                      #40
                      Zitat von Derek
                      Vielleicht hielt man die Bühnenshow für eine so genannte "Kernkompetenz" von Elvis, auf die nicht verzichtet werden kann? Und seine Komik hielt man für verzichtbar und weniger gut?

                      aber nein. wer sich mit Elvis' "Rock'n'Roll" beschäftigt, wird schnell merken, dass er ohne seinen Humor gar nicht denkbar ist. So entsprang seine Körpersprache nicht in erster Linie irgendwelcher sexueller Anliegen, sondern seiner Spasslaune (und Nervosität).

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                      • gast-20100118

                        #41
                        Zitat von Derek
                        Dann wurde Elvis höflich daran erinnert, dass er auf sein Verhalten in der Öffentlichkeit achten soll.
                        hört sich schon ganz anders an als "reichlich Prügel".

                        Dass Elvis von klerikalen Moralaposteln Prügel bezog, war dem Colonel übrigens gar nicht unlieb. Dieser Skandal ließ eine Aufmerksamkeit wachsen, wie's besser nicht laufen konnte. Von daher sind Geschichten, dass sein Manager bisweilen versucht habe, ihn zu zähmen, nur mit Vorsicht zu genießen.

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                        • michael grasberger
                          Posting-Legende

                          • 16.02.2006
                          • 9974

                          #42
                          Zitat von Rev.Gerhard
                          So entsprang seine Körpersprache nicht in erster Linie irgendwelcher sexueller Anliegen, sondern seiner Spasslaune (und Nervosität).
                          oder aus einem brodelnden gemisch dieser drei zutaten!

                          "We know that rock'n'roll was not a human invention, that it was the work of the Holy Ghost."
                          (Nick Tosches)

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                          • gast-20100118

                            #43
                            Zitat von michael grasberger
                            oder aus einem brodelnden gemisch dieser drei zutaten!
                            das klingt auf jeden Fall gut

                            Kommentar

                            • Derek
                              Gehört zum Inventar

                              • 03.06.2007
                              • 3185

                              #44
                              Zitat von Rev.Gerhard
                              hört sich schon ganz anders an als "reichlich Prügel".

                              Dass Elvis von klerikalen Moralaposteln Prügel bezog, war dem Colonel übrigens gar nicht unlieb. Dieser Skandal ließ eine Aufmerksamkeit wachsen, wie's besser nicht laufen konnte. Von daher sind Geschichten, dass sein Manager bisweilen versucht habe, ihn zu zähmen, nur mit Vorsicht zu genießen.
                              Sowohl "Prügel" als auch "höflich" treffen zu.

                              Ich denke, dass der Colonel hier Kleister seiner Masse war, äh, Meister seiner Klasse war und sehr differenziert mit Elvis' öffentlichem Auftreten umging. Der Skandal, der mit seiner Musik und seinen Bewegungen einher ging, war ihm sicher recht. Das war der reißerische, verkaufsträchtige Kern der Sache, um nicht zu sagen: Elvis' Kernkompetenz . Aber Elvis sollte darüber hinaus nicht noch in andere Richtungen ausreißen und skandalträchtig sein. Denn dann wäre er ruckzuck aus TV, Kino und Radio geflogen und ein gefundenes Fressen für die Presse geworden, die aus ihm ein dümmliches Schandmaul gemacht hätte.

                              Dazu gibt es biografische Randnotizen, dass der Colonel ab Ende 1956 zufrieden war mit Elvis, wie professionell er sich mittlerweile in der Öffentlichkeit zu benehmen wusste. (Nein, ich werde dazu keine Quellen heraussuchen.)

                              Kommentar

                              • michael grasberger
                                Posting-Legende

                                • 16.02.2006
                                • 9974

                                #45
                                Zitat von Rev.Gerhard
                                Von daher sind Geschichten, dass sein Manager bisweilen versucht habe, ihn zu zähmen, nur mit Vorsicht zu genießen.
                                ein interessantes thema, das einen eigenen thread verdient hätte.
                                ich meine schon sowas wie eine zähmung beobachten zu können. der eindruck könnte allerdings auch daher rühren, dass elvis schlicht professioneller wurde.
                                so hat er beispielsweise seinen auf den hayrideaufnahmen noch sehr krassen südstaatenslang bei den 56er tv-auftritten schon deutlich gezügelt.

                                nick tosches vertritt übrigens die provokante these, dass elvis schon zu sunzeiten "ausgebremst" wurde:

                                "in >milkcow blues boogie<, his third record, made in december 1954, raw power has already turned to schmalz." (in: unsung heroes of rock'n'roll, p.ix)

                                "We know that rock'n'roll was not a human invention, that it was the work of the Holy Ghost."
                                (Nick Tosches)

                                Kommentar

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