Ich habe heute einen Bericht vom Aug. 2002 gefunden, der mich sehr aufgewühlt hat.
Wie ist eure Meinung darüber?
..............................................................................................
Letzte Ausfahrt Graceland
14. Aug 2002
Elvis Presley
Foto: elvispresley.com Als Ironie nicht mehr weiterhalf, als er der eigenen Verwertung nur noch im Wege stand, ihn die Kritiker wieder vergessen und Elvis Presley keine Lust mehr hatte, Elvis Presley zu sein, starb der «King» am 16. August 1977 in Memphis/ Tennessee.
ANZEIGE
Elvis Presley - Stationen
Ironisch augenzwinkernd läßt sich ja einiges entschuldigen. Wenn alles nicht so ernst gemeint ist, ist man abgesichert gegen peinliche Mißverständnisse und ärgerliche Festlegungen. Wer will schon festgelegt sein, wer möchte sich noch ernsthaft bekennen? Die aktuelle Elvis-Mode ist so zu verstehen.Angeschoben durch ein verstärktes Marketing der Verwerter und Erben - aufgeschreckt auch durch einen Umsatzeinbruch im vergangenem Jahr - blüht zum 25. Todestag am 16. August das Geschäft mit Devotionalien, Tonträgern und Accessoires. Wackel-Elvisse auf dem Amaturenbrett, Britney Spears in Elvis' legendären weißen Ganzkörperanzug, Hipster mit wangenfüllende Koteletten und übergroße metallisch glänzende Sonnenbrillen. All das ist, natürlich, nicht ernst gemeint, nur ein Spiel mit dem schlechten Geschmack.
Guter Geschmack war seine Sache nicht
Mut zum Kitsch: Elvis im legendären weißen Anzug und mit kleinem Freund
Foto: Fansite Guter Geschmack allerdings war Elvis Presleys Sache nicht. Dieser Tatsache hat er es zu verdanken, daß er mittlerweile fast nur noch als Karikatur wahrgenommen wird.Diese Figur in eben jenem glasperlenbesetzten, hellen Bühnenanzug. Übergewichtig, das Haar schwarz gefärbt, die Hüfte wackelnd, die Stimme weich. Der hohe Kragen. Der weite Schlag der Hose. Als Symbol kann man dieses Klischee neben den Schriftzug «Coca Cola» setzen oder neben Mickey Maus. Schon das Abbild ist Pop. Und natürlich, wenn der Hype vorüber ist, peinlich. Wie gut, wenn dann alles nur ein Spaß war.
Die Vereinfachung zum Klischee, zur konsumentenfreundlichen Karikatur, entbindet von genauerer Betrachtung. Im Falle Presleys war das schon immer sehr bequem. In der öffentlichen Wahrnehmung durchlief er binnen eines knappen Vierteljahrhunderts einen erstaunlichen Wandel.
Von der Kritik verachtet
Anstößig-revolutionär zu Beginn: Elvis Aaron Presley
Foto: BMG Vom anstößig-revolutionären Musiker zum konservativ-reaktionären «Middle of The Road»-Sänger bis hin zur tragischen, übergewichtigen Comicfigur.Der gar nicht so plötzliche Tod war da nur konsequent. Immerhin handelte es sich bei Elvis Presley um einen Rock'n'Roll-Star, und da passt ein Tod mit 42 Jahren wie der Satzbeginn «Es war einmal» zu einem Märchen. Alles andere wäre eine Enttäuschung gewesen, fatal und inkonsequent. Damals zumindest, 1977. Heute gelten andere Regeln.
Mehr in der Netzeitung: Gedanken zu Elvis' 24. Todestag
Ein befreiter Blick am Ende 16. Aug 2001 07:23
Der Hemdkragen meines Bruders 16. Aug 2001 07:16
Konsequenz, könnte jetzt die Musikkritik einwerfen, die man in der Musik Presleys ebenso vergeblich sucht wie Geschmackssicherheit. Ein Lieblingskind dieser Kritik war Elvis Presley nie.Seine Freunde und Anhänger mußte er sich woanders suchen, außerhalb intellektueller und stilbewußter Kreise. Er fand sie, zahlreich und unablässig, in kritik- und ironiefernen Mittel- und Unterschichten. Nahe seiner eigenen Herkunft, die noch ein wenig darunter lag. Und aus der er eine verschwitzte und unspektakuläre Authenzität bezog, (und das «Zuviel» in seinem Geschmack), die der Kritik immer suspekt blieb.
Vielfalt in der Musik
Beliebig oder vielfältig? Der frühe Elvis
Foto: elvispresley.com Nicht geheuer war ihr auch die Vielfalt in Presleys Musik, die böswillig auch als Beliebigkeit bezeichnet werden kann. Nach 1959, nach seiner Armeezeit also, nahm Elvis eigentlich jede muskalische Modewelle mit. 1960 noch eine großartige LP «Elvis is back», die die 50er Jahre weit hinter sich ließ, Presleys künstlerisches Spektrum erheblich erweiterte und sogar von den Kritikern gefeiert wurde. Sorgfalt, Liebe zum Produkt und zum Kunden wurden dann in den folgenden acht, neun Jahren erst einmal hintangestellt. Die Gleichgültigkeit wurde in diesen Jahren auf die Spitze getrieben. Programmatisch der Titel einer LP von 1965: «Elvis for everyone».
Mangelnde intellektuelle Strahlkraft
Vermarktet und verkauft: Elvis Presley
Foto: ddp Das man mit Elvis Presley nicht allzu gut reüssieren kann, hat seinen Grund, neben Presleys mangelnder intellektuellen Strahlkraft, in diesen 60er Jahren. Auf einmal war er Establishment, reaktionär und langweilig. John Lennons Verdikt «Elvis starb, als er zur Armee ging » schien sich in diesen Jahren zu
bestätigen. Die Helden waren nun andere, offensichtlich ernsthaftere, freiere, wildere. Elvis sah dagegen alt aus, und sein Problem war: Er hatte keine Botschaft, keinen ideologischen Überbau für seine Musik. Presley wollte die Welt nicht verändern, er achtete seine Eltern, traf sich mit Präsident Nixon und war freundlich zu jedermann. Nie hätte er öffentlich geflucht, nie hätte er, wie Lennon, behauptet, größer zu sein als Jesus Christus.
Doch die westliche Kulturrevolution
Mehr in der Netzeitung:
Elvis Presley ist reichster Toter 07. Aug 2002 15:09
Priscilla Presley will ihre
Ehe mit Elvis zum Musical machen 01. Aug 2002 10:06Elvis 25 Jahre nach seinem Tod
an der Spitze der britischen Charts 17. Jun 2002 10:00Schlafen wie Elvis Presley 20. Apr 2002 09:34
Fans wollen Elvis Presley klonen 28. Feb 2002 14:34
Elvis ist voll cool, Mann! 25. Jan 2002 12:07
Presley machte seine Musik, und wenn er damit doch alles veränderte, wenn er tatsächlich die «westliche Kulurrevolution» war, wie der Literaturprofessor K.H. Bohrer schreibt, dann geschah das beiläufig, ein zufälliges Nebenprodukt, das nicht vorherzusehen gewesen war. Nun kann man darüber streiten, ob eine Sache, die unbeabsichtigt geschieht, ihrem Verursacher gutgeschrieben werden kann. Was in den 60er Jahren, nicht nur musikalisch, geschah, hatte ja seinen Ursprung 10 Jahre zuvor. Was Elvis Presley Mitte der 50er Jahre begann, setzten andere fort und drängten ihn an den Rand. Seine Abneigung gegen Intellektuelle wird in dieser Zeit nicht kleiner geworden sein. Presleys Zugang zur Musik war immer ein anderer und ob ihn sein im-Abseits-stehen belastet hat, ist zu bezweifeln.
Ein Mann im Universum
Vermarktet selbst auf der Unterhose: Elvis Presley
Foto: ddp Immerhin lieferte er seinen Gegnern in diesem mittleren und längstem Jahrzehnt seiner Karriere reichlich Argumente. Presley dehnte seinen musikalischen Kosmos bis zum geht - nicht - mehr.Von «Such a night» über «Crying in the Chapel» bis zu «Charro» , für die Kritiker war eigentlich nichts dabei, für das breite Publikum schon. Übersehen wird angesichts der musikalischen Vielfalt oft, das alles, was Presley singt, Pop ist. Ob gut, ob schlecht: Elvis Presley formuliert, was Pop ist. Das ganze Universum der populären Musik, durchschritten von einem Mann. Das konnte ihm die Kritik nicht nachsehen.
Von Hollywood nach Memphis
Oder nur vorübergehend. 1969 nämlich und in den folgenden zwei bis drei Jahren. Von Hollywood nach Memphis, und das wirkte auf Elvis wie die deutsche Erde auf Heine: «Der Riese hat wieder die Mutter berührt / und es wuchsen ihm neue Kräfte zu».Die LP «From Elvis in Memphis» knüpfte da an, wo er 1960 aufgehört hatte und sein Bühnencomeback brachte nicht nur Lester Bangs in Wallung: «Außer ihm habe ich noch nie einen Sänger zu Gesicht bekommen, der mich sexuell stimulierte; es war keine richtige Erregung, eher eine Errektion des Herzens. Wenn ich ihn ansah, trieben mich Sehnsucht und Neid, Ehrfurcht und Identifikationsdrang zur Raserei. Selbst Mick Jagger...kam da nicht entfernt mit.»
Alles, was in den ersten Jahren noch nicht da gewesen war: Jetzt war es da. Und auch die Hollywoodjahre hatten Presleys Talent nicht begraben können. Im Gegenteil: Beim Gang durch die Niederungen war er gewachsen, hatte Distanz gewonnen zur Musikindustrie und zu seinem Bild in der Öffentlichkeit. Der erste, der Elvis Presley mit Ironie begegnete, war Elvis Presley selbst.
Doppelgänger seiner selbst
Das war eine gute Rüstung für die letzten Jahre. An der prallte auch die erneute Mißbilligung der Kritik ab, die zunehmende Verballhornung seiner Person. So ging er also auf Tour, ging zu seinen Fans und zelebrierte seinen Abschied. Einem tragischen Helden Nietzsches gleich, ein Doppelgänger seiner selbst, eine mythische Figur auf der Flucht vor sich selbst. Wenige Monate vor seinem Tod sagte Elvis zu seinem Produzenten Felton Jarvis: «Ich habe es langsam satt, Elvis Presley zu sein.»Zuvor noch eine endlose Tour: 1973: 168 Konzerte, 1974: 156 Konzerte, 1975: 58 Konzerte, 1976: 127 Konzerte, und noch 1977: 56 Konzerte, sein letztes davon am 26.Juni in Indianapolis. Am Tag nach seinem Tod hätte eine neue Konzertreihe begonnen.
Eine Flucht, die lebend nicht gelingen konnte. Elvis Presley machte die Bühne frei, als das Produkt Elvis Presley dem Menschen keinen Raum mehr ließ. Der Tod als Ausweg, nicht als Schlußpunkt. Als Voraussetzung zu neuer Größe, neuem Glanz.

Wie ist eure Meinung darüber?
..............................................................................................
Letzte Ausfahrt Graceland
14. Aug 2002
Elvis PresleyFoto: elvispresley.com Als Ironie nicht mehr weiterhalf, als er der eigenen Verwertung nur noch im Wege stand, ihn die Kritiker wieder vergessen und Elvis Presley keine Lust mehr hatte, Elvis Presley zu sein, starb der «King» am 16. August 1977 in Memphis/ Tennessee.
ANZEIGE
Elvis Presley - Stationen
Ironisch augenzwinkernd läßt sich ja einiges entschuldigen. Wenn alles nicht so ernst gemeint ist, ist man abgesichert gegen peinliche Mißverständnisse und ärgerliche Festlegungen. Wer will schon festgelegt sein, wer möchte sich noch ernsthaft bekennen? Die aktuelle Elvis-Mode ist so zu verstehen.Angeschoben durch ein verstärktes Marketing der Verwerter und Erben - aufgeschreckt auch durch einen Umsatzeinbruch im vergangenem Jahr - blüht zum 25. Todestag am 16. August das Geschäft mit Devotionalien, Tonträgern und Accessoires. Wackel-Elvisse auf dem Amaturenbrett, Britney Spears in Elvis' legendären weißen Ganzkörperanzug, Hipster mit wangenfüllende Koteletten und übergroße metallisch glänzende Sonnenbrillen. All das ist, natürlich, nicht ernst gemeint, nur ein Spiel mit dem schlechten Geschmack.
Guter Geschmack war seine Sache nicht
Mut zum Kitsch: Elvis im legendären weißen Anzug und mit kleinem FreundFoto: Fansite Guter Geschmack allerdings war Elvis Presleys Sache nicht. Dieser Tatsache hat er es zu verdanken, daß er mittlerweile fast nur noch als Karikatur wahrgenommen wird.Diese Figur in eben jenem glasperlenbesetzten, hellen Bühnenanzug. Übergewichtig, das Haar schwarz gefärbt, die Hüfte wackelnd, die Stimme weich. Der hohe Kragen. Der weite Schlag der Hose. Als Symbol kann man dieses Klischee neben den Schriftzug «Coca Cola» setzen oder neben Mickey Maus. Schon das Abbild ist Pop. Und natürlich, wenn der Hype vorüber ist, peinlich. Wie gut, wenn dann alles nur ein Spaß war.
Die Vereinfachung zum Klischee, zur konsumentenfreundlichen Karikatur, entbindet von genauerer Betrachtung. Im Falle Presleys war das schon immer sehr bequem. In der öffentlichen Wahrnehmung durchlief er binnen eines knappen Vierteljahrhunderts einen erstaunlichen Wandel.
Von der Kritik verachtet
Anstößig-revolutionär zu Beginn: Elvis Aaron PresleyFoto: BMG Vom anstößig-revolutionären Musiker zum konservativ-reaktionären «Middle of The Road»-Sänger bis hin zur tragischen, übergewichtigen Comicfigur.Der gar nicht so plötzliche Tod war da nur konsequent. Immerhin handelte es sich bei Elvis Presley um einen Rock'n'Roll-Star, und da passt ein Tod mit 42 Jahren wie der Satzbeginn «Es war einmal» zu einem Märchen. Alles andere wäre eine Enttäuschung gewesen, fatal und inkonsequent. Damals zumindest, 1977. Heute gelten andere Regeln.
Mehr in der Netzeitung: Gedanken zu Elvis' 24. Todestag
Ein befreiter Blick am Ende 16. Aug 2001 07:23
Der Hemdkragen meines Bruders 16. Aug 2001 07:16
Konsequenz, könnte jetzt die Musikkritik einwerfen, die man in der Musik Presleys ebenso vergeblich sucht wie Geschmackssicherheit. Ein Lieblingskind dieser Kritik war Elvis Presley nie.Seine Freunde und Anhänger mußte er sich woanders suchen, außerhalb intellektueller und stilbewußter Kreise. Er fand sie, zahlreich und unablässig, in kritik- und ironiefernen Mittel- und Unterschichten. Nahe seiner eigenen Herkunft, die noch ein wenig darunter lag. Und aus der er eine verschwitzte und unspektakuläre Authenzität bezog, (und das «Zuviel» in seinem Geschmack), die der Kritik immer suspekt blieb.
Vielfalt in der Musik
Beliebig oder vielfältig? Der frühe ElvisFoto: elvispresley.com Nicht geheuer war ihr auch die Vielfalt in Presleys Musik, die böswillig auch als Beliebigkeit bezeichnet werden kann. Nach 1959, nach seiner Armeezeit also, nahm Elvis eigentlich jede muskalische Modewelle mit. 1960 noch eine großartige LP «Elvis is back», die die 50er Jahre weit hinter sich ließ, Presleys künstlerisches Spektrum erheblich erweiterte und sogar von den Kritikern gefeiert wurde. Sorgfalt, Liebe zum Produkt und zum Kunden wurden dann in den folgenden acht, neun Jahren erst einmal hintangestellt. Die Gleichgültigkeit wurde in diesen Jahren auf die Spitze getrieben. Programmatisch der Titel einer LP von 1965: «Elvis for everyone».
Mangelnde intellektuelle Strahlkraft
Vermarktet und verkauft: Elvis PresleyFoto: ddp Das man mit Elvis Presley nicht allzu gut reüssieren kann, hat seinen Grund, neben Presleys mangelnder intellektuellen Strahlkraft, in diesen 60er Jahren. Auf einmal war er Establishment, reaktionär und langweilig. John Lennons Verdikt «Elvis starb, als er zur Armee ging » schien sich in diesen Jahren zu
bestätigen. Die Helden waren nun andere, offensichtlich ernsthaftere, freiere, wildere. Elvis sah dagegen alt aus, und sein Problem war: Er hatte keine Botschaft, keinen ideologischen Überbau für seine Musik. Presley wollte die Welt nicht verändern, er achtete seine Eltern, traf sich mit Präsident Nixon und war freundlich zu jedermann. Nie hätte er öffentlich geflucht, nie hätte er, wie Lennon, behauptet, größer zu sein als Jesus Christus.
Doch die westliche Kulturrevolution
Mehr in der Netzeitung:
Elvis Presley ist reichster Toter 07. Aug 2002 15:09
Priscilla Presley will ihre
Ehe mit Elvis zum Musical machen 01. Aug 2002 10:06Elvis 25 Jahre nach seinem Tod
an der Spitze der britischen Charts 17. Jun 2002 10:00Schlafen wie Elvis Presley 20. Apr 2002 09:34
Fans wollen Elvis Presley klonen 28. Feb 2002 14:34
Elvis ist voll cool, Mann! 25. Jan 2002 12:07
Presley machte seine Musik, und wenn er damit doch alles veränderte, wenn er tatsächlich die «westliche Kulurrevolution» war, wie der Literaturprofessor K.H. Bohrer schreibt, dann geschah das beiläufig, ein zufälliges Nebenprodukt, das nicht vorherzusehen gewesen war. Nun kann man darüber streiten, ob eine Sache, die unbeabsichtigt geschieht, ihrem Verursacher gutgeschrieben werden kann. Was in den 60er Jahren, nicht nur musikalisch, geschah, hatte ja seinen Ursprung 10 Jahre zuvor. Was Elvis Presley Mitte der 50er Jahre begann, setzten andere fort und drängten ihn an den Rand. Seine Abneigung gegen Intellektuelle wird in dieser Zeit nicht kleiner geworden sein. Presleys Zugang zur Musik war immer ein anderer und ob ihn sein im-Abseits-stehen belastet hat, ist zu bezweifeln.
Ein Mann im Universum
Vermarktet selbst auf der Unterhose: Elvis PresleyFoto: ddp Immerhin lieferte er seinen Gegnern in diesem mittleren und längstem Jahrzehnt seiner Karriere reichlich Argumente. Presley dehnte seinen musikalischen Kosmos bis zum geht - nicht - mehr.Von «Such a night» über «Crying in the Chapel» bis zu «Charro» , für die Kritiker war eigentlich nichts dabei, für das breite Publikum schon. Übersehen wird angesichts der musikalischen Vielfalt oft, das alles, was Presley singt, Pop ist. Ob gut, ob schlecht: Elvis Presley formuliert, was Pop ist. Das ganze Universum der populären Musik, durchschritten von einem Mann. Das konnte ihm die Kritik nicht nachsehen.
Von Hollywood nach Memphis
Oder nur vorübergehend. 1969 nämlich und in den folgenden zwei bis drei Jahren. Von Hollywood nach Memphis, und das wirkte auf Elvis wie die deutsche Erde auf Heine: «Der Riese hat wieder die Mutter berührt / und es wuchsen ihm neue Kräfte zu».Die LP «From Elvis in Memphis» knüpfte da an, wo er 1960 aufgehört hatte und sein Bühnencomeback brachte nicht nur Lester Bangs in Wallung: «Außer ihm habe ich noch nie einen Sänger zu Gesicht bekommen, der mich sexuell stimulierte; es war keine richtige Erregung, eher eine Errektion des Herzens. Wenn ich ihn ansah, trieben mich Sehnsucht und Neid, Ehrfurcht und Identifikationsdrang zur Raserei. Selbst Mick Jagger...kam da nicht entfernt mit.»
Alles, was in den ersten Jahren noch nicht da gewesen war: Jetzt war es da. Und auch die Hollywoodjahre hatten Presleys Talent nicht begraben können. Im Gegenteil: Beim Gang durch die Niederungen war er gewachsen, hatte Distanz gewonnen zur Musikindustrie und zu seinem Bild in der Öffentlichkeit. Der erste, der Elvis Presley mit Ironie begegnete, war Elvis Presley selbst.
Doppelgänger seiner selbst
Das war eine gute Rüstung für die letzten Jahre. An der prallte auch die erneute Mißbilligung der Kritik ab, die zunehmende Verballhornung seiner Person. So ging er also auf Tour, ging zu seinen Fans und zelebrierte seinen Abschied. Einem tragischen Helden Nietzsches gleich, ein Doppelgänger seiner selbst, eine mythische Figur auf der Flucht vor sich selbst. Wenige Monate vor seinem Tod sagte Elvis zu seinem Produzenten Felton Jarvis: «Ich habe es langsam satt, Elvis Presley zu sein.»Zuvor noch eine endlose Tour: 1973: 168 Konzerte, 1974: 156 Konzerte, 1975: 58 Konzerte, 1976: 127 Konzerte, und noch 1977: 56 Konzerte, sein letztes davon am 26.Juni in Indianapolis. Am Tag nach seinem Tod hätte eine neue Konzertreihe begonnen.
Eine Flucht, die lebend nicht gelingen konnte. Elvis Presley machte die Bühne frei, als das Produkt Elvis Presley dem Menschen keinen Raum mehr ließ. Der Tod als Ausweg, nicht als Schlußpunkt. Als Voraussetzung zu neuer Größe, neuem Glanz.










Kommentar