Elvis in der DDR

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  • Jesse
    Board-Legende

    • 03.01.2007
    • 21508

    #91
    Zitat von Sonja68
    War dieses überhaupt möglich oder fand so etwas nur im "Untergrund" statt?
    Ich denke mal in den Sechzigern musste man da schon ein wenig vorsichtiger sein, ich werd' mal meine Mutter fragen. Sie konnte jedenfalls Rock'n'Roll und Twist tanzen, irgendwoher musste sie es ja haben.... Eine Cliff Richard Platte hatte sie, mal von einem Verehrer geschenkt bekommen. Von Elvis war da nix...

    Jesse

    Until the twelfth of never, I'll still be loving you ...




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    • Kirsten
      Foren-Experte

      • 01.04.2007
      • 505

      #92
      Das System im Allgemeinen wurde mit Honeckers Machtübernahme 1972 etwas weniger restriktiv gegenüber westlichen Einflüssen. In meiner Kindheit/Jugend war es normal, das jeder Westfernsehen sah, außer den Leuten im Raum Dresden, die keinen Empfang hatten und deshalb als "Tal der Ahnungslosen" bezeichnet wurden. Es wurden vom Amiga-Plattenlabel auch zahlreiche Rock-Scheiben westlicher Gruppen z.B. Pink Floyd etc. veröffentlicht, allerdings in so geringer Stückzahl, das sie nur mit guten Beziehungen oder nach stundenlangem Schlangestehen erhältlich waren. Manchmal konnte man diese Scheiben dann in der Phonothek ausleihen, also einer Bibliothek für Schallplatten. Das klingt heute bestimmt saukomisch, wie damals Musik weiterverbreitet wurde, mit Tonbändern und Kassettenrecordern, war aber so. Was die Volkslieder angeht, so haben wir in der Schule so einige gelernt, Chöre gab es auch massig. Auch zahlreiche Arbeiterkampflieder könnte ich dir bei Bedarf noch vorsingen...

      Zitat von Sonja68
      Kann man sagen, dass das Regime mit den Jahren offener zur Musikszene wurde, weil man bemerkte, dass keiner sich einen "Musikgeschmack" aufzwingen lässt. Oder war es so, dass das Interesse einfach sank und man es nicht mehr als die Bedrohung ansah? Obwohl ich aus den Medien weiß, das Volkslieder in der DDR doch auch noch sehr verbreitet waren. Stimmt das so? Ich bin für jede Info dankbar. Das Thema interessiert mich wahnsinnig.

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      • gast-20090708

        #93
        Zitat von Kirsten
        ...Auch zahlreiche Arbeiterkampflieder könnte ich dir bei Bedarf noch vorsingen...
        Ich komme gerne darauf zurück, sollte jedoch im Vorfeld eine Flasche Sekt zu mir genommen haben, so dass wir beide gerne Volkslieder jeglicher Art anstimmen können. Zu meiner Schulzeit lernte man diese nämlich auch noch in der Schule. Okay, ich gehe mal davon aus, dass sich die Inhalte in manchen Liedern ein wenig unterscheiden, aber der Abend wird lustig. Also, ich freue mich drauf, wenn es so weit ist!!!

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        • Kirsten
          Foren-Experte

          • 01.04.2007
          • 505

          #94
          Okay, so machen wir das. Es gibt nur einen Haken an der Sache: ich kann gar nicht singen! Heißt: ich treffe kaum mal einen Ton richtig, daher sollten es wohl außer Sekt auch noch ein paar Schnäpse sein, bevor wir anfangen!

          Zitat von Sonja68
          Ich komme gerne darauf zurück, sollte jedoch im Vorfeld eine Flasche Sekt zu mir genommen haben, so dass wir beide gerne Volkslieder jeglicher Art anstimmen können. Zu meiner Schulzeit lernte man diese nämlich auch noch in der Schule. Okay, ich gehe mal davon aus, dass sich die Inhalte in manchen Liedern ein wenig unterscheiden, aber der Abend wird lustig. Also, ich freue mich drauf, wenn es so weit ist!!!

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          • gast-20090708

            #95
            Zitat von Kirsten
            Okay, so machen wir das. Es gibt nur einen Haken an der Sache: ich kann gar nicht singen! Heißt: ich treffe kaum mal einen Ton richtig, daher sollten es wohl außer Sekt auch noch ein paar Schnäpse sein, bevor wir anfangen!
            Alles was du willst! Meine Gesangsküste sind auch gleich bei Null, aber ab einer gewissen Promille-Grenze ist mir das auch egal. Ich sage immer, meine Karaoke-Grenze. Wenn die einmal überschritten ist....

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            • Beetle
              Fühlt sich hier wohl

              • 23.01.2008
              • 92

              #96
              Walther Ulbricht war ein zieh Junge von Stalin ein Lakai.

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              • gast-20090715

                #97
                Zitat von Kirsten
                Das System im Allgemeinen wurde mit Honeckers Machtübernahme 1972 etwas weniger restriktiv gegenüber westlichen Einflüssen. In meiner Kindheit/Jugend war es normal, das jeder Westfernsehen sah, außer den Leuten im Raum Dresden, die keinen Empfang hatten und deshalb als "Tal der Ahnungslosen" bezeichnet wurden.
                "Normal" würde ich es nicht nennen, wenn zur damaligen Zeit (80er Jahre) Armee- und Kampfgruppenangehörige, (SED-) Parteimitglieder, Lehrer, Personen mit höhergestelltem Rang in jeglicher Art von Betrieben (fing schon bei den kleinsten Vorsitzenden für irgendwas oder auch nur dem Chef eines Arbeitskollektivs an), Personen eben, die einfach kein Ärger haben oder "gebrauchen" konnten, weil sie auf eine Beförderung, Auszeichnung oder einfach nur der Zustimmung zur Reise in den Westen (zum todkranken Angehörigen) oder auch nur der ins sozialistische Nachbarland per Jugendtourist hofften, zu bestimmten Zeiten ihr Westfernsehen um etliches leiser drehten, weil schon die Eingangsmelodien solch bekannter Sendungen wie die einer Tagesschau , Dallas oder auch dem Denver Clan dem jeweils hellhörigen Nachbarn in den Plattenbauten den TV-Konsum osdeutscher Zuschauer offenbarten und so ärgerliche Konsequenzen mitsich bringen konnten. Zugegeben -Westfernsehen zu schauen- haben es eh die wenigsten.
                Zuletzt geändert von Gast; 18.01.2009, 20:54

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                • gast-20090708

                  #98
                  Zitat von Laser- Freak
                  "Normal" würde ich es nicht nennen, wenn zur damaligen Zeit (80er Jahre) Armee- und Kampfgruppenangehörige, (SED-) Parteimitglieder, Lehrer, Personen mit höhergestelltem Rang in jeglicher Art von Betrieben (fing schon bei den kleinsten Vorsitzenden für irgendwas oder auch nur dem Chef eines Arbeitskollektivs an), Personen eben, die einfach kein Ärger haben oder "gebrauchen" konnten, weil sie auf eine Beförderung, Auszeichnung oder einfach nur der Zustimmung zur Reise in den Westen (zum todkranken Angehörigen) oder auch nur der ins sozialistische Nachbarland per Jugendtourist hofften, zu bestimmten Zeiten ihr Westfernsehen um etliches leiser drehten, weil schon die Eingangsmelodien solch bekannter Sendungen wie die einer Tagesschau , Dalles oder auch dem Denver Clan dem jeweils hellhörigen Nachbarn in den Plattenbauten den TV-Konsum osdeutscher Zuschauer offenbarten und so ärgerliche Konsequenzen mitsich bringen konnten. Zugegeben -Westfernsehen zu schauen- haben es eh die wenigsten.
                  Bestand der Großteil der o.g. Personen der ehem. DDR daraus?

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                  • gast-20090715

                    #99
                    Zitat von Sonja68
                    Bestand der Großteil der o.g. Personen der ehem. DDR daraus?
                    Es fehlen etliche in der Aufzählung. Andererseits ist die Masse genannt, Personen nämlich, die eben auf Ärger gut verzichten konnten bzw. ihn nicht ohne Not hervorzurufen gedachten.

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                    • gast-20090715

                      #100
                      "Öffentliches Abspielen von ELVIS-Platten..."

                      Zitat von Jesse
                      Von Elvis war da nix...
                      Wie auch?
                      Das gestaltete sich bis Mitte der 80er Jahre doch mehr als schwierig.

                      Während Beat und THE BEATLES selbst z.B. immerhin noch bis Mitte der 60er Jahre nicht nur geduldet waren, sondern auch durch AMIGA Platten-Veröffentlichungen hervorbrachten, schien ELVIS doch wie auch die ROLLING STONES z.B. fester Bestandteil der Index-Liste. (Anm.: Die STONES strich man 1982.)

                      Und somit gab es keine ELVIS-Platte, die man hätte problemlos in der DDR öffentlich abspielen können! Auch restliche Länder des Ostblocks konnten bis zur Mitte der 80er keine entsprechenden Veröffentlichungen (von MELODIA oder BALKANTON z.B.) aufweisen. Sie waren also auch nicht von dort -bei uns geduldet- einführbar.
                      So gab es sie nur als rares Mitbringsel von Reisenden aus dem Westen oder als Inhalte von Westpaketen. Und wer sie dann sein Eigen nennen könnte, machte dies nicht grundlos öffentlich.

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                      • gast-20090715

                        #101
                        Index

                        Als Anlehnung....

                        Dass ELVIS -wie so vieles- Bestandteil im entsprechenden Index war, machte aber das Abspielen einzelner ELVIS-Titel in der ostdeutschen Radiolandschaft nicht unmöglich. Aber auch hier waren es spezielle Sender, die sich eh nur mit Mühe der 40/60-Vorgaben (60% gespielter Musik hatte deutschsprachig aus dem Inland zu stammen.) aussetzten bzw. diese auch schon mal verletzten.
                        Und so war es eben auch mal in den frühen 80er Jahren möglich zu erleben, wie die Moderatorin und Elvis-Fan zugleich Helga Hahnemann in ihrer Radiosendung samstagsvormittags dem King ihr Wohlwollen zollte und gleich noch zwei ELVIS-Titel obendrauf spielte.

                        Erst im Sommer 1986 konnten meines Wissens ostdeutsche ELVIS-Fans erstmals erleben, wie der Sender DT64 gleich ein ganzes Album abspielte!
                        (Anm.: Es handelte sich um die DLP FROM MEMPHIS TO VEGAS/FROM VEGAS TO MEMPHIS, welche an vier Nachmittagen -also je eine Seite- abgespielt wurde.)

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                        • gast-20100118

                          #102
                          Zitat von Laser- Freak
                          (Anm.: Es handelte sich um die DLP FROM MEMPHIS TO VEGAS/FROM VEGAS TO MEMPHIS, welche an vier Nachmittagen -also je eine Seite- abgespielt wurde.)
                          das hat wahrscheinlich dann der Republik den Rest gegeben.

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                          • gast-20090715

                            #103
                            Zitat von Rev.Gerhard
                            das hat wahrscheinlich dann der Republik den Rest gegeben.
                            Zumindest hat es den DDR-Fans einen äußerst raren Mitschnitt verschafft. Manch einer wird die Kassette bis heute hüten.

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                            • Carly
                              Gehört zum Inventar

                              • 21.11.2008
                              • 1647

                              #104
                              Also, ich bin ab ca. 1979 zur Disco gegangen und da wurde zum Großteil nur "Westmusik" gespielt. Sicher waren da vielleicht auch mal ein paar "Ostlieder" dabei, aber dann in so geringem Maße, das ich mich heute nicht mehr daran erinnern kann. Wenn diese Lieder aufgelegt wurden lichtete sich sowieso die Tanzfläche.

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                              • Carly
                                Gehört zum Inventar

                                • 21.11.2008
                                • 1647

                                #105
                                Zitat von Rev.Gerhard
                                das ist ein guter Einwand. Schon in den 70ern liefen im Osten doch etliche Jungs mit schulterlangen Haaren herum und schwärmten vom globalisierten Rockertum.
                                Diese "Rockerszene" war eher eine späte Hippiegeneration und hörte auch keine Elvismusik, sondern eher Blues/Rock. Viele reisten den damaligen Blues-und Rockbands der DDR zu ihren Auftritten hinterher und wurden auch von der Stasi überwacht.
                                Typische Kleidung: Jesuslatschen, braune Kletterstiefel (geschnürte Kurzstiefel aus weichem Wildleder mit weicher Sohle), Tramper (feste Lederstiefel zum Schnüren), Jeans (Levis o.a.), Parker (grün, ev. mit BRD-Flagge am Arm).

                                Solche Klamotten hatte eigentlich fast jeder gegen Ende der 70ér. (ich auch)

                                Ob manche auch Rauschgift nahmen weiß ich nicht verläßlich, aber vielleicht konnte man in Berlin schon was besorgen. Aber Faustan-Tabletten mit Alkohol war auch eine beliebte Variante.

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