Filme, die euch früher Angst einjagten!

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  • Yvonne
    Gehört zum Inventar

    • 03.06.2004
    • 3005

    #46
    Also, als Kind hatte ich, was Filme betrifft, vor gar nix Angst.
    Aber das liegt allein darin begründet, dass ich eine sehr anständige
    Erziehung genoss und bis ins hohe Jugendalter hinein pünktlich
    20.00 Uhr das Wohnzimmer inkl. Fernsehgerät verlassen durfte.
    Ich fand es übrigens auch total spitze, dass vor 20 Uhr ebenfalls
    alles bestens geregelt war, denn mein Vater war alleiniger Herrscher
    über die Fernbedienung!

    Nun ja, bei manchen Hitchcock- oder Edgar-Wallace-Filmen hat's
    mich dann schon teilweise gegruselt und ziemlich "mulmig" war mir
    bei "Der Exorzist". Insgesamt schau(t)e ich mir aber nicht allzu viele
    solcher Filme an.

    Den grauenvollsten Film habe ich als erwachsener Mensch gesehen:
    Mel Gibsons "Die Passion Christi" ..... Einmal und nie, nie wieder!
    Posting © Yvonne. Alle Rechte vorbehalten.
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    Kommentar

    • gast-20111607

      #47
      Zitat von Yvonne
      Den grauenvollsten Film habe ich als erwachsener Mensch gesehen:
      Mel Gibsons "Die Passion Christi" ..... Einmal und nie, nie wieder!
      Dazu meine Eindrücke:

      Im Garten Gethsemane betet ein Mann inbrünstig zu Gott. Er ist sichtlich verängstigt, weil er das Kommende unausweichlich vor ihm sieht. Es ist Jesus von Nazareth. Verraten von seinem Jünger Judas Iskariot, wird er von den Pharisäern festgenommen, öffentlich gedemütigt und Pontius Pilatus vorgeführt. Nach unmenschlicher Bestrafung muß er schließlich selbst sein Kreuz nach Golgatha tragen...

      Mel Gibson ist extrem. Schon bei "Braveheart“ ließ er dem Publikum nichts an Grausamkeit, Gewalt und Pathos erspart. Mit "Die Passion Christi“ kam nun sein ehrgeizigstes Projekt ins Kino, sozusagen seine Lebensaufgabe. Jahrelang rankten sich die Gerüchte um den Film, der, teilweise auf Latein, teilweise auf Aramäisch gedreht, ursprünglich ohne Untertitel im Kino anlaufen sollte. Nun hat er schließlich doch welche bekommen. Das scheint jedoch der einzige Kompromiß gewesen zu sein, den Gibson einzugehen bereit war.
      Es geht um die letzten zwölf Stunden im Leben von Jesus Christus, wobei das Hauptaugenmerk eindeutig auf die Bestrafung und die Kreuzigung gelegt wurde. In unendlich grausamer Detailversessenheit zeigt Mel Gibson dem Publikum, wie Jesus unter dem Unverständnis und dem Haß der Menschen gegeißelt und hingerichtet wird. Dabei hat er sich sehr eng an die Bibel gehalten, mit der Ausnahme, daß dort die Folter und Qualen nicht punktgenau seziert werden. Natürlich ist es klar, daß die Kreuzigung eine der schlimmsten Arten war, hingerichtet zu werden. Ob dem Zuschauer deswegen wirklich jedes noch so genaue Detail dieser Prozedur vor die Augen geführt werden muß, ist ohne Zweifel fraglich, bei genauerer Betrachtung jedoch durchaus nachvollziehbar. Die Aussage, daß Gott selbst zu denen kommt, die am entferntesten von ihm sind, um ihnen beizustehen, bekommt so eine extreme Unmittelbarkeit. Und das Kreuz war damals der von Gott am weitesten entfernte Punkt, nur die schlimmsten Verbrecher wurden dort hingerichtet.
      Zudem wird der Erlösungsprozeß, der einen Kernpunkt des christlichen Glaubens bildet, durch die realistische Darstellung der Grausamkeiten viel besser nachvollziehbar; Jesus leidet nicht zum Selbstzweck, sondern überwindet letztendlich den Tod.
      Das wichtigste Verdienst des Film ist jedoch, daß er wie kein zweiter an die Leiden Jesu appelliert, die den Grundstock des christlichen Glaubens bilden. Mit den Jahren ist dieser immer mehr zu einer Art Symbolismus geworden; Kreuze werden als Modeschmuck getragen, von Leuten, die gar nichts mit der Kirche zu tun hatten. Nach dem Film werden sich allerdings viele Leute der ursprünglichen Bedeutung dieses Zeichens mehr oder weniger schmerzhaft erinnern. Jesus ist nicht glücklich am Kreuz gestorben, sondern langsam und qualvoll.

      Zu den negativen Aspekten von Gibsons Film gehört auf jeden Fall die Tatsache, daß die Wunder, welche Jesus vollbracht hat, zwar kurz angedeutet werden, jedoch entgegen dem Sumpf aus Blut und Eingeweiden einen erschreckend geringen Stellenwert haben.
      Durch diese Tatsache gelingt es Mel Gibson nur bedingt, die Person Jesus den Menschen näher zu bringen. Man muß die Bibel schon kennen und bereits ein Bild von diesem haben, um den Film in seiner Grausamkeit zu verstehen.

      Wirklich eindringlich und berührend sind dagegen jene Szenen, in denen Jesus, von der endlosen Folter völlig entstellt, zu Gott betet und um Vergebung für seine Feinde bittet. Das sind die Momente, in denen man als Zuschauer wirklich erschaudert vor der unumstößlichen Nächstenliebe.

      Antisemitisch ist der Film nicht. Natürlich verlangen die Pharisäer den Tod von Jesus, aber so steht es in der Bibel. Die Römer unter Pilatus selbst kommen auf keinen Fall besser weg; sie sind es, die Jesus bis aufs Blut quälen und ihn schließlich nach Golgatha schleifen, wo sie ihn kreuzigen. Auch das Bild, das von Pontius Pilatus selbst gezeichnet wird, stimmt mit dem überein, welches man in der Bibel findet. Er selbst ist ein gnadenloser Populist, der im Endeffekt nur um sein eigenes Wohl besorgt ist und den Pharisäern aus Angst vor Aufständen
      Jesus ausliefert.

      Die typischen Hollywood – Klischees bedient Mel Gibson glücklicherweise nur vereinzelt. So ist zum Beispiel die ständige physische Präsenz des Teufels ein Merkmal, das eher in einen Horrorfilm gehört und in der ansonsten vorlagengetreuen Verfilmung ein wenig deplaziert wirkt. Zwar sind gerade diese Szenen sehr spannend gemacht, haben aber in der Geschichte eigentlich nichts verloren. Daß Jesus selbst zudem als Erfinder des modernen Esstisches dargestellt wird, ist für meinen Geschmack auch ein wenig zu viel Freiheit.
      Ansonsten bleibt Gibson der Bibel treu und verzichtet auf allzu große eigene Ideen.

      Doch was bleibt unter dem Strich eigentlich übrig? Wie die Diskussion um den Stoff gezeigt hat, spaltet "Die Passion Christi“ sowohl Kritiker, als auch Zuschauer. Das Thema geht wohl jeden etwas an, über die Umsetzung kann man sich hingegen streiten. Meiner Meinung nach ist diese Bibel – Verfilmung jedoch durchaus geglückt. Nach dem Anschauen fühlt man sich als Zuschauer selbst ein bisschen geläutert, da einem wirklich alles abverlangt wird. Die Bilder bleiben unausweichlich im Gedächtnis. Gleichzeitig gelingt es Mel Gibson jedoch, die zentralen Punkte der Bibel überzeugend darzustellen und dem Zuschauer zu vermitteln. Dieser Punkt und das unglaubliche Engagement, was hinter dem Film steht, machen "Die Passion Christi“ für mich zu einem modernen Klassiker, der sicherlich eine Menge Zündstoff bietet, jedoch zutiefst berührt.

      Kommentar

      • Yvonne
        Gehört zum Inventar

        • 03.06.2004
        • 3005

        #48
        Zitat von Richard Burton
        ... Jahrelang rankten sich die Gerüchte um den Film ...


        ... Wie die Diskussion um den Stoff gezeigt hat, spaltet
        "Die Passion Christi“ sowohl Kritiker, als auch Zuschauer....
        Gerade deshalb wollte ich ihn damals auch unbedingt sehen!
        Ich wollte mir mein eigenes Bild über Gibsons Verfilmung machen.

        ... machen "Die Passion Christi“ für mich zu einem modernen Klassiker,
        der sicherlich eine Menge Zündstoff bietet, jedoch zutiefst berührt.
        Ja, er hat mich tatsächlich zutiefst berührt. Ich habe zu 95% dieses Filmes
        geheult! Ein zweites Mal kann ich mir das einfach nicht anschauen.
        Zuletzt geändert von Gast; 25.02.2008, 00:29
        Posting © Yvonne. Alle Rechte vorbehalten.
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        • Schorni
          Posting-Legende

          • 09.12.2003
          • 8637

          #49
          Als Kind waren es: "Wenn die Gondeln Trauer tragen" Der komplette Film war mir unheimlich.
          Und der Schluss von: "Die Körperfresser kommen" Hat sich bis heute in mein Gehirn gebrannt.
          Beide mit Donald Sutherland, wie mir gerade auffällt. Zufall?
          Meine Meinung steht fest, bitte irritieren Sie mich nicht mit neuen Tatsachen!

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          • gast-20111607

            #50
            Zitat von Schorni
            Als Kind waren es: "Wenn die Gondeln Trauer tragen" Der komplette Film war mir unheimlich.
            Wurde dir beim Anblick roter Regenjacken eine Zeit lang mulmig?

            Kommentar

            • Lakota
              Posting-Legende

              • 05.09.2007
              • 9018

              #51
              Auch wenn mir die Prügel von Mr.B sicher ist, aber ich mochte noch nie Horrorstreifen. Mein "großer" Bruder hatte die Ehre mein Babysitter zu sein und nichts machte ihm mehr Spaß, als seine kleine Schwester, des Nächtens gruselige Filme ansehen zu lassen und sie bei jeder passenden- und unpassenden Gelegenheit zu erschrecken. Aber eindeutig sind mir Nosferatu mit Kinski, oder Tanz der Vampiere im Gedächtnis geblieben! Später dann die üblichen Streifen, wie Freitag der 13. oder Jack The Ripper, auch mit Kinski. Heute schaue ich mir null Horror an, weil man mich schon mit einem Bettlaken über dem Kopf erschrecken könnte.
              Du bist zeitlebends für das verantwortlich, was du dir vertraut gemacht hast.

              * Antoine De Saint-Exupéry *

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              • Tedham Porterhouse

                #52
                Zitat von Yvonne
                Also, als Kind hatte ich, was Filme betrifft, vor gar nix Angst.
                Aber das liegt allein darin begründet, dass ich eine sehr anständige
                Erziehung genoss und bis ins hohe Jugendalter hinein pünktlich
                20.00 Uhr das Wohnzimmer inkl. Fernsehgerät verlassen durfte.
                So eine Antwort habe ich hier bisher vermisst, und ich wollte gerade exakt dasselbe schreiben. Mir haben keine Filme Angst eingejagt, da ich keine solchen Filme sehen durfte. Und so sehr es mich damals auch gewurmt hat, dass ich bei manchen Dingen nicht mitreden konnte, würde ich meine, dass es die absolut korrekte Entscheidung war.

                Filme, die mich dann im Jugendalter gegruselt haben waren Halloween (vor allem, als wir feststellten, dass wir den Film ausgerechnet an Halloween sahen - kein Scherz) und der mit Freddy Krüger. Psycho ist auch nicht übel. Und der Film mit Christopher Lee als Mumie. Hammer.

                Zu komplexe Filme machen mir übrigens keine Angst, es braucht fast eine gewisse Einfachheit. Darin war natürlich Hitchock ein Meister. Nur das Haus zeigen in der Totalen, und man weiß bescheid ...

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                • Gilla
                  Board-Legende

                  • 05.02.2007
                  • 14776

                  #53
                  @ Burton - Danke für deinen Bericht zum Film: Die Passion Christi.

                  Mir erging es sicher wie Yvonne - ich hätte auch nur geheult...

                  Diese Passage reicht mir schon:

                  Wirklich eindringlich und berührend sind dagegen jene Szenen, in denen Jesus, von der endlosen Folter völlig entstellt, zu Gott betet und um Vergebung für seine Feinde bittet. Das sind die Momente, in denen man als Zuschauer wirklich erschaudert vor der unumstößlichen Nächstenliebe.
                  *The genius of Elvis Presley was in his music, but the magic was in his voice*

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                  • gast-20100118

                    #54
                    solange sie nicht historisch bilden, sind Filme, die's primär aufs Schocken anlegen, nach meinem Geschmack absolut überflüssig. Von kranken Psychen für kranke Psychen. Und dabei hat die Kunst tatsächlich gesund und krank machendes Potential.

                    Kommentar

                    • Tedham Porterhouse

                      #55
                      Zitat von Rev.Gerhard
                      solange sie nicht historisch bilden, sind Filme, die's primär aufs Schocken anlegen, nach meinem Geschmack absolut überflüssig.
                      Denke ich nicht. Es gehört nun einmal zum Menschsein dazu, seine Grenzen aus auszuprobieren und die Bandbreite seiner Emotionen, seiner Belastbarkeit usw. zu erfahren, und da sind Filme ein probates Kunstmittel. Genauso gut könntest du sagen, dass sich mit Themen wie Angst und Schrecken oder anderen negativen Gefühlen beschäftigt, sei überflüssig. Und da würde dann wohl ein erheblicher Teil der Weltkultur drunter fallen.

                      Kommentar

                      • Derek
                        Gehört zum Inventar

                        • 02.06.2007
                        • 3185

                        #56
                        Ich hatte als 14jähriger ein einschneidendes Erlebnis. Es war die Zeit, in der ich abends schon mal bis 22.00 Uhr raus durfte, und ich traf mich mit Freunden in einer der angesagten Kneipen. Und der Wirt ließ immer irgendwelche Videos laufen. Und einen Abend lief ein Zombifilm - und ich hatte noch nie einen Horrorfilm gesehen. Ich fand das entsetzlich und es hat für einige Monate mein Weltbild ins Wanken gebracht. Seitdem überlege ich mir gut, welche Filme ich mir antue und welche nicht. (Ich finde die vier Alien-Filme extrem gut ... )

                        Netter Wirt: Vor 20 Uhr schon Horrorfilme laufen lassen und Teenagern Cola-Bacardi verkaufen ...

                        Kommentar

                        • Danny
                          Kennt sich hier aus

                          • 25.09.2006
                          • 69

                          #57
                          Ich bin in einer Kneipe aufgewachsen, mein Vater war Fan der Edgar-Wallace-Verfilmungen, so bin ich schon früh mit dem Hexer oder der Galgenhand aus der Bande des Schreckens in Berührung gekommen. Ebenfalls früh (mit 10 oder so) habe ich die ersten beiden Dracula-Filme mit Christopher Lee kennen und fürchten gelernt. Wir wohnten in einem recht alten Haus und ich musste in meiner Freizeit auch im Betrieb mithelfen und in der Kneipe den Bestand der Flaschen immer wieder auffüllen. Die Getränkeflaschen lagerten alle im Keller. Das war ein sehr grosser Keller, mit schummriger Beleuchtung, Spinnweben an der Decke und mehreren Räumen mit dunklen Nischen. Nach jedem Wallace- oder Dracula-Film weigerte ich mich dann wieder tagelang in den Keller zu gehen. Auch hatte ich öfters mal schlechte Träume. Schauen wollte ich sie trotzdem immer wieder.


                          Mit 14/15 schauten wir bei einem Kumpel zuhause Splatterfilme, VHS und Videotheken waren gerade in Mode gekommen. Wir tranken Bier und rauchten Dope, und schauten u.a. "Freitag der 13, den 1.". Dummerweise führte der Nachhauseweg durch einen Wald. Wir waren zu zweit unterwegs und machten uns gegenseitig Angst, schlussendlich sind wir aus dem Wald gerannt.

                          Seither bin ich abgestumpft, was Filme betrifft. Ich kann mir wirklich alles anschauen, ohne irgendwelche Ängste zu bekommen. Was ich allerdings irgendwie auch ein bisschen schade finde...

                          Kommentar

                          • Derek
                            Gehört zum Inventar

                            • 02.06.2007
                            • 3185

                            #58
                            Interessante Biografie ... : "Wie ich vergaß, was Horror ist".



                            Du bist der geborene Ehemann ...

                            Kommentar

                            • Danny
                              Kennt sich hier aus

                              • 25.09.2006
                              • 69

                              #59
                              Zitat von Derek
                              Interessante Biografie ... : "Wie ich vergaß, was Horror ist".



                              Du bist der geborene Ehemann ...
                              Bin ich anscheinend tatsächlich. Seit 17 Jahren glücklich verheiratet. Die Leute fragen uns auch schon mal was unser Geheimnis ist. Bis jetzt wusste ich eigentlich nie eine befriedigende Antwort. Dass das Geheimnis in meiner furchteinflössenden Kindheit liegt, also darauf wär ich jetzt nie gekommen.

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                              • marionlinko
                                Gehört zum Inventar

                                • 27.08.2007
                                • 1165

                                #60
                                Soweit ich mich erinnern kann, gab es für mich nur einen Film, der mir als Kind vielleicht nicht richtig Angst einflößte, aber mir danach einige schlaflose Nächte bescherte: " Das indische Tuch". Im Nachhinein gesehen, ist an dem Film eigentlich nichts erschreckendes dran, aber aus irgendeinem Grund vermutete ich in meinen Träumen immer Jemanden hinter mir, der gerade ein Tuch um meinen Hals schlang und zuzog.....

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