Ist schon ne Weile her, aber unvergeßlich.
Am 7.8.2001 fuhren mein Sohn Daniel (17) und ich als Rucksacktouristen um 5.20 in der Früh mit dem Bus zum Münsteraner Bahnhof. Von hier gelangten wir zügig zum Düsseldorfer Flughafen, dessen immense Ausmaße uns imponierten. Nach wenigen Stunden Wartezeit bestiegen wir das Flugzeug der Continental Airlines und erhoben uns bei fantastischem Wetter erstaunlich zügig in die Lüfte. Der Blick aus dem Fenster war ergreifend. 8 Stunden in den Wolken vergingen mit Schlafen und leckeren Speisen wie im Flug, und schließlich näherten wir uns New York. Das Panorama, das sich uns aus geringer werdender Höhe bot, war umwerfend. Brütende Sommerhitze empfing uns, als wir uns einen Moment außerhalb der Aircondition bewegten. Newark, der Flughafen von New York und New Jersey, ist gigantisch. Doch zunächst litten wir über eine Stunde in der Warteschlange für die "Einwanderungskontrolle und Zollabfertigung". Danach durften wir noch fünf Stunden auf den Anschlußflug nach Memphis warten. In dieser Zeit konnten wir ausgiebig die shopping-miles des Airports und das internationale Flair der Menschenmengen studieren. Wir hatten Gelegenheit uns in Englisch, Französisch und Spanisch zu unterhalten. Sogar das Deutsche sollten wir nicht verlernen. Dann wurde eine einstündige Verspätung des Anschlusses nach Memphis angekündigt. Endlich sollte es weitergehen. Und man verstaute uns in einem recht kleinen Flugzeug aus den 60er Jahren mit einer kleinen Anzahl Mitreisender. "Wenn wir jetzt abstürzen, sterben so wenig, daß es noch nicht mal in den Nachrichten kommt", stöhnte ich. "Wieso", entgegnete Daniel, "ist doch n geiler Abenteuerurlaub." Das beruhigte mich irgendwie. "Meine Damen und Herren", ließ sich der Pilot jetzt vernehmen, "dies Flugzeug hat heute so viel gearbeitet, daß es noch mal gecheckt werden muß. Wir danken für ihre Geduld." Er lud uns ins Cockpit ein. Als ich ihm sagte, den Eindruck zu haben, dass schon Daktari mit dieser Maschine geflogen sei, zeigte er mir den Beleg, daß die Technik nagelneu war. Dann ließ er mich über sein Handy unser Hotel in Memphis anrufen und um Verständnis für unsere erhebliche Verspätung bitten. Natürlich sei sie nicht auf Verschleiß, sondern auf Luftraumüberlastung zurückzuführen, verkündete er amüsiert. Mit drei Stunden Verspätung erhoben wir uns dann in die Nacht, was einen erhebenden Anblick amerikanischer Städte von oben zur Folge hatte.
Kurz nach 2 Uhr Ortszeit landeten wir in, ja, in MEMPHIS. Gegen 3 waren wir im Radisson Hotel in downtown, einem so prächtigen Hotel, daß Daniel zu fragen wagte:" Haben wir ne Erbschaft gemacht, von der ich nichts weiß?"
Nach einem königlichen Frühstück am Morgen des 8. August, bestaunten wir die Beale Street und stolperten in der Union Ave. in Lansky's Klamottenladen. Hier hatte sich schon Elvis eingekleidet. Und damit wirbt Lansky heute gnadenlos. Aber er ist total nett und wir haben ein klasse Gespräch. Ich kauf mir ein cooles Sweatshirt. Wir müssen ihm versprechen, wiederzukommen. Dann bestaunen wir den Mississippi und die Raddampfer. Ich will zur Konzerthalle Midsouth Coliseum, um Karten für das große The Concert am 16. zu kriegen. Also fahren wir mit nem Taxi hin, vorbei am Sun Records Studio, und erstehen die Tickets zum Glück. Danach lassen wir uns zum Elvis Presley Boulevard nach Graceland bringen. "Himmel, was ist die Stadt häßlich", entfährt es uns. Häßliche Höfe, verfallende Häuser und Armut stechen ins Auge. Wir landen auf dem Parkplatz, wo uns schon Elvis' imposante Flugzeuge anlachen. Zunächst besichtigen wir das beeindruckende Heartbreak Hotel. Dann kaufen wir Tickets für die große Graceland und Museen Tour. Ein Kamerateam von einem Memphissender (Fox 13) möchte ein Interview mit mir machen. Unverhohlen beklage ich die Diskrepanz zwischen Arm und Reich in dieser Stadt. Daraufhin erzählt mir der Interviewer, daß so wenig Geld vorhanden sei, daß man an einer Schule den Musikunterricht eingestellt habe. Und er fragt, was wohl Elvis dazu gesagt hätte. "Er hätte geholfen", antworte ich. "Aber schreibt ruhig Graceland eure Probleme", ermuntere ich die Zuseher," Lisa wird euch auch helfen." Ob ich denn auch
Elvissongs singe, fragt der Fernsehmann. Ich bejahe dies, und träller „I want you, I need
you, I love you“ in die Kamera.
Und dann geht's los mit der Graceland und Museen Tour. Details erspar ich mir. Es war sehr bewegend. Daniel war begeistert. "Boh, was hat der toll gelebt. Und was für einen klasse Geschmack!" Als wir uns dem Grab näherten, wurde mir verdammt seltsam zumute. "Es ist wichtiger, Elvis im Herzen zu haben, als ihn hier in Memphis zu suchen", hatte ich auch noch in die Kamera gesprochen. An Elvis Grab, in seinem Meditationsgarten, schüttelte mich die Trauer.
Über die tolle Steinmauer vor Graceland wird immer recht wenig gesprochen. Uns zog's magisch dort hin. Es ist eine wundervolle Mauer, über und über mit Fanbotschaften bedeckt. Ich ließ meine Hände über sie gleiten und fühlte mich allen und Elvis sehr nah. Das geöffnete Musicgate betouchten wir ebenfalls, und ich holte mir (absichtlich) einen schmutzigen Finger von dessen Rost und Öl.
Am Abend tankten wir auf der Beale Street, der heißesten Musikmeile der Welt, den Blues. Ein älterer erstklassiger Bluestrompeter brachte gerade das Mikro wieder in Position, als ich ihn scherzhaft fragte, ob er singen wolle oder ich das übernehmen solle. "Mach du das bitte", forderte er mich auf. Und so improvisierten wir zu unserer Freude und Daniels Belustigung nen abgefahrenen Blues. Auf dem Weg zum Elvis Presley Restaurant schrie mich eine Frau fröhlich an: "Ich hab dich gerade im TV gesehen!" Sie erzählte mir, daß man nicht nur meine Interpretation von "I want you, I need you, I love you" ausgestrahlt habe, sondern auch meine sozialkritischen Bemerkungen. Wow! Im Elvis Restaurant spielten die Dempseys, eine artistische 3 Mann Band, so geil den Rock'n'Roll, daß wir nur sprachlos und begeistert zu staunen vermochten. Überhaupt, was da alles an Hochkarätigem gleichzeitig live an der Beale Street spielt, ist atemberaubend.
Jau, und wenn man dann müde wird, soll man schlafen. Ich finde es gar nicht so leicht, mit 7 Stunden Zeitverschiebung die amerikanische Nacht durchzuschlafen. Ist es in Memphis vier Uhr nachts, ist es in Germany 11 Uhr und fast Mittag. Da soll der Schlaf sich gefälligst nicht nach der inneren Uhr richten, sondern nach dem Müdigkeitslevel. Jaja, für Daniel alles kein Problem.
Der 9. August empfängt uns mit noch größerer tropischer Hitze als der Vortag. Es sind fast 40 Grad im Schatten. Zum Glück sind fast überall Klimaanlagen. Heute schließen wir uns einer Stadtführung mit klimatisiertem Bus an. Unsere Führerin, eine 150 kg schwere schwarze fröhliche Frau lacht sich kaputt, als ich stöhne: "Ohne Airkondition ist Leben in dieser Stadt nicht möglich." Zunächst statten wir dem weltberühmten Trödel-Kaufhaus A. Schwab einen Besuch ab. Mr. Schwab begrüßt uns persönlich, und 20 Minuten diskutieren wir über die Angst der Amis, zu Fuß zu gehen. Abram Schwab ist sehr herzlich und trotz des hohen Alters geistig topfit. Anschließend schauen wir uns im großartigen Peabody Hotel die legendäre Entenwanderung an. Dann geht's vorbei am Sun Studio und am Baptist Memorial Hospital, in dem Lisa-Marie geboren, Elvis manchmal behandelt und schließlich sein Tod festgestellt wurde. Im Elvis Presley Trauma Centre werden Menschen behandelt, die es sich eigentlich nicht leisten können. Dann durchqueren wir andächtig das Viktorianische Villenviertel. Wir passieren die Lauderdale Courts Appartments, wo die Presleys nach ihrem Wegzug aus Tupelo kurz lebten. Wir sehen das St. Josef Hospital, in dem Gladys Presley Arbeit fand. Dann wird das eindrucksvolle Danny Thomas' St. Jude Children's Research Hospital besucht. Anschließend betrachten wir die Pyramide von Memphis, in der Veranstaltungen ausgetragen werden. Vorbei geht's am Convention Centre und dem City Hall Building. "Memphis hat zwei Könige", erzählt Kathleen, "Elvis, den König des Rock'n'Roll, und B.B. King, den Meister des Blues." Gut geschützt stehen beide als prächtige Statuen am Mississippi. Und sie lächeln, als wir ihnen in die Gesichter schauen. Dann zeigt uns Kathleen den Ort, an dem Bürgerrechtler Rev. Dr. Martin Luther King erschossen wurde. Hier entstand das Museum für Bürgerrechte, das National Civil Rights Museum. Wir passieren die Fabrik der weltberühmten Gibson Gitarren. Und den Forest Hill Friedhof, auf dem Elvis eigentlich neben seiner Mutter beerdigt werden sollte. Aber nachdem man ihn klauen wollte, entschloß die Stadt sich, zuzustimmen, Elvis und seine Mutter auf Graceland die letzte Ruhe zu gewähren. Heute liegen dort zudem noch Vater und Großmutter. Ebenfalls findet sich dort eine Gedenkplatte an Elvis' Zwillingsbruder. Bei Graceland verlassen Daniel und ich den Bus, um unseren eigenen Gedanken nachzugehen.
Dann lernen wir Mike Freeman kennen, einen prächtigen Kerl und Fan, der heute das Glück hat, Elvis' erstes Haus in Memphis am Audubon Drive zu bewohnen. Mike ist Buchautor und Shuttle-Bus-Fahrer für Sun Records. Wir fahren mit ihm zum Sun Studio, wo wir uns erfrischen. Anschließend besuchen wir in der Beale Street das Polizeimuseum. Den Abend wollten wir am Pool und später wieder auf der Beale Street verbringen, doch der Jetlag läßt ihn uns verpennen.
Am 10.8. besuchen wir zunächst das Rock'n Soul Museum, in dem Memphis zutreffend und sehr unterhaltsam als Wiege des Blues und Rock dargestellt wird. Anschließend suchen wir das schon erwähnte Nationalmuseum für Bürgerrechte auf, in dem faszinierend und bewegend die Entwicklung und der Kampf um dieselben Rechte für Schwarz und Weiß geschildert wird. Vor diesem Museum lernen wir die bekannte Martin Luther King Jüngerin und Dauerdemonstrantin Jaqueline Smith kennen, die die Gesellschaft permanent darauf hinweist, daß noch lange keine volle Integration erreicht wurde. "Jeder 3. Schwarze hat keine Arbeit und keine ordentliche Wohnung." Dann besuchen wir die Chucalissa Indianer Reservation, wo es nicht nur museumsmäßig viel zu sehen gibt, sondern wo wir auch wunderbar mit zwei großartigen Vertretern der Choctaws ins Gespräch kommen. Schließlich durchstreifen wir einen Wald mit außergewöhnlichen Libellen, großen Schmetterlingen und Echsen und so hoch und dicht gewachsenen Pflanzen, daß man meint, man wäre im tropischen Regenwald.
Den Abend verbringen wir an der Beale Street, indem wir mehreren Imitatoren lauschen. Rev. Priestley ist besonders originell und läßt auf der Bühne 30 Ehepaare ihr Ehegelöbnis auffrischen. Im Elvis Presley Restaurant faszinieren dann wieder die Dempseys.
Am 11.8. wohnen wir im New Daisy Theatre den "Conversations on Elvis" bei. Patsy Anderson moderiert ein fröhliches Gespräch zwischen den Fans aus aller Welt und den berühmten Elvis Fans und Freunden Jim Ritz, Ronnie McDowell, Brenda Lee und Charlie Hodge. Über letzteren freute ich mich besonders, da er einer der allerbesten Elvisfreunde ist und ein ganz feiner Kerl, was ich ihm auch sage. Anschließend geht's's ins feudale Kino The Orpheum, wo wir begeistert den Konzertfilm "That's the way it is - second edition" sehen. Danach besucten wir die Gräber auf Graceland. Im Rock'n'Roll Cafe essen wir zu Abend, um uns zu guter Letzt unter die Massen auf der Beale Street zu mischen....achja, aber es tut auch gut, daß es Telefon gibt, und man den Lieben daheim gar nicht so fern ist.
Am 12.8. erleben wir im Elvis Presley Restaurant ein Gospel Life Concert mit Terry Mike Jeffrey und Elvis' altem Background Chor, den fantastischen Jordanaires, und last but not least seiner wunderbaren Sopranistin Millie Kirkham. Anschließend nehme ich im legendären Sun Studio einen song auf CD auf. Es macht Spaß und kostet 30 Dollar. Leider will man Elvis' Entdecker Sam Philipps nicht dazuholen. Um 16 Uhr finden wir uns bei Alfred's auf der Beale Street ein, wo wir die Memphis Mafia Reunion erleben wollen. Zum Glück ohne die bad guys, sondern mit Marianne Cooke, Elvis' lieber Freundin und Krankenschwester, dem Radiomoderator und Elvisfreund George Klein, Elvis' erstem Schlagzeuger DJ Fontana, seinem ersten Gitarristen Scotty Moore, seinem Freund und bodyguard Jerry Schilling und seinem Kumpel Richard Davis. Sie erzählen lebhaft nette Geschichten über Elvis' Humor, Großzügigkeit und Nächstenliebe. Jerry Schilling betont ausdrücklich, daß Manager Col. Tom Parker Elvis sehr verehrte und nie hätte schaden wollen. Am Abend habe ich dann auf der Beale Street Gelegenheit, bis zur Heiserkeit Elvissongs zum Besten zu geben.
Der 13.8. beginnt mit ner Enttäuschung. Die Tour zu Elvis' 160 Kilometer entfernten Geburtsort Tupelo ist ausgebucht, und wir sind nicht dabei. Wir machen einen Einkaufsbummel auf der Main Street. Dann fahren wir mit ner Art Schwebebahn auf die Mississippi Insel Mud Island. Hier besuchen wir das fabelhafte Mississippi River Museum. Anschließend machen wir mit einem "Schaufelraddampfer" eine River Tour. Danach begeben wir uns erstmals in den herrlichen Hotelpool. Dann eilen wir nach Graceland, besuchen die Gräber, essen ein verdammt gutes Eis und schauen auf einer Leinwand Elvis-Film-Ausschnitte. Herrlich ! Am Abend haben wir Gelegenheit in der Beale Street einem Konzert des berühmten Impersonators Doug Church beizuwohnen. Hier treffe ich meine Internet-Bekannte Cricket, die ein berühmter Fan wurde, als sie 1970 in "That's the way it is" mit ihrer Katze auftauchte. Doug Church stellt sie als sein großer Fan vor, wie auch ... Sonny West, den ehemaligen Leibwächter, der sich durch üble Geschichten, Elvis' Lebenswandel betreffend, manchen Feind schaffte. Er sieht so verängstigt aus, daß ich mich entschließe, die Faust in der Tasche zu lassen.
Juchhuuu, am 14.8. finden wir einen tollen Taxifahrer, der uns für einen fairen Preis nach Tupelo bringt. Elvis' Geburtshaus ist hinreißend. Ebenso das tolle Museum, welches die Leihgabe von Elvis' Freundin Janelle McComb birgt. Die Elvis-Kapelle stellt aber alles in den Schatten. Wenige Wochen vor seinem Tod war Elvis noch an dieser Stelle gewesen und hatte seinen Wunsch geäußert, Gott für seinen Lebensweg an diesem Ort mit einer chapel danken zu wollen. In diesem wunderbaren Gotteshäuschen erklingen nun seine Gospels, und es ist, als predige er seine wunderbaren Botschaften.
Mitten in Tupelo liegt eine McDonalds Filiale, zu der viele Fans pilgern. Denn die Räumlichkeiten und Wände sind über und über mit Erinnerungen an den King dekoriert. Herrlich! Zurück in Memphis besuchen wir endlich meine gerade aus London heimgekommene liebe Freundin und Elvis' Cousine Donna Presley Early und ihren knuffigen Mann Buddy, bei denen sich meine Freundinnen Kathy Westmoreland (Elvis' Freundin und Sopranistin) und ihre Managerin und Elvis Expertin Diana Magrann befinden. Selten sind wir jemals so herzlich empfangen worden. Donna hat Vernon's Haus, direkt an Graceland grenzend, in dem Stil restaurieren lassen, wie es zu Elvis' Zeiten gewesen war, und es ist wunderbar. Diana Magrann hat ein paar ihrer Elvis-Gemälde mitgebracht. So etwas Schönes an gemalten Elvis-Portaits hab ich noch nicht gesehen. Ich bin hin und weg. Nach einem wunderbaren Nachmittag lassen uns die Presleys mit einer Riesenstretchlimousine ins Hotel zurückbringen.
Am Abend folgen wir einer Einladung von Mike Freeman in Elvis' 1. Haus in Memphis am Audubon Drive. Er hat es wundervoll in Elvis' Stil wieder eingerichtet. Schon damals (1956/57) hatte Elvis einen tollen Geschmack und ein sehr schönes Zuhause. Mike läßt ne tolle Party steigen, zu der auch Elvis' sympathischer Freund Richard Davis erscheint. Lauthals schimpft dieser über die Lügen der bad guys, die sie in ihren Enthüllungswerken verbreiten. Es werden Elvis' Lieblingsspeisen gereicht, und die musikalische Unterhaltung liefern die einmaligen Dempseys, die sogar in den Pool springen und dort musizieren. Ein Superabend! Ein Wahnsinnstag !!
Am 15. schauen wir wieder bei Sun Records rein und machen ein paar Aufnahmen. Anschließend treten wir unseren Abschiedsbesuch im herrlichen Graceland an. Die Gräber sind fast vollständig zugeschüttet mit Blumen und Geschenken. Und an den Wegen drumherum stehen unzählige große Blumengestecke und Präsente, die die Fans ihrem geliebten Idol mitgebracht haben. Ein überwältigender Anblick. Auch Donna, Buddy, Kathy und Diana zeigen sich sehr bewegt, als wir ihnen am frühen Abend unsere Eindrücke schildern. Donna Presley legt gesteigerten Wert darauf, daß wir morgen zur offiziellen Eröffnung von Vernon's Haus kommen. Obwohl wir eigentlich zu George Klein's Elvisgeschichten mit VIPs in die Uni wollten, sagen wir zu. Bei Donna treffen wir auch sehr sympathische Deutsche. Darunter eine allerliebste 85 jährige.
Bei Einbruch der Dunkelheit versammeln sich Tausende von Fans vor Graceland's musicgate. Sie werden dezent mit Elvissongs beschallt. Bewaffnet sind sie wie jedes Jahr mit Fackeln und Kerzen, um nach einer wunderschönen Andacht feierlich den Fackelzug zu Elvis' Grab anzutreten zum Candlelight Vigil. Es ist sehr bewegend und währt bis in die Morgenstunden des 16. Vor genau 24 Jahren starb Elvis Presley.
Der 16. ist unser letzter Tag, und wir beginnen ihn mit einem Einkaufsbummel. Dann sagen wir Graceland good-bye. Anschließend begeben wir uns zur offiziellen Eröffnung von Vernon's Haus. Es ist sehr feierlich mit großem Medienauflauf. Danach wird ausgiebig chinesisch gespeist. Bevor wir uns dann aufgeregt ins Midsouth Coliseum zum Concert (mit den Originalmusikern) begeben, betrachten wir den großen Vergnügungspark Libertyland, den Elvis ab und zu für sich und seine Freunde nachts mietete. Dann das Konzert ! Es ist riesig! Ein Supersound! Eine fantastische Stimmung! Absolut bewegend! Ein Wahnsinnsausklang unserer Reise! An diesem Abend laufen uns dann auch noch viele Weggefährten der letzten 10 Tage über den Weg. Wir sind immens beeindruckt und in einer unglaublich dankbaren Euphorie. Memphis, was machst du mit uns ? Diese Reise hat sich mehr als gelohnt. Hoffentlich kriegen wir als Rucksacktouristen unsere ganzen Souvenirs mit nach Haus.... Jahaha, es klappt ! Am 18.8. landen wir um 7.20 Uhr in Düsseldorf.....
Ja, es war die Mekkareise, die jeder Fan wenigstens einmal im Leben machen sollte.
Und nun noch ein kleiner Nachtrag:
Ich bin ja ein rosaroter Fan. Und es blieb nicht aus, sich auch in Memphis mit einem
Vertreter der Drogenfraktion zu streiten. Ich bin ja nicht begeistert, wenn Leute meinen, er sei drogensüchtig und fettgefressen gewesen.
Und so begab es sich, dass wir noch ziemlich am Anfang unserer Reise eines Abends gemütlich in einer Kneipe an der Beale Street saßen. Es wurde ein lustiger Elviskaraoke-Abend veranstaltet. Da betraten drei hübsche Damen das Lokal und setzten sich fröhlich an unseren Tisch. Überraschung! Es waren Deutsche! Eine von ihnen, ich weiß nicht mal mehr ihren Namen, war besonders nett, witzig und aufgeschlossen. Ich fand sie ganz sympathisch. Natürlich hatte Elvis die drei in die Stadt geführt. Sie waren von Miami mit dem Leihwagen gekommen. Und besagtes Mädchen (Mitte 30) war ein besonders großer Fan. Und so schwelgten wir in unserer gemeinsamen Elvisverehrung. Doch dann kam's. Schließlich meinte sie mir doch erzählen zu müssen, dass der späte Elvis ja wohl ne Menge falsch gemacht hätte, von wegen Drogen und so, und dadurch ja auch so entstellt ausgesehen habe und schließlich gestorben sei. ....Das war zuviel für meine kleine rosa Seele. Nun regte ich mich auf und versuchte sie von meiner Meinung zu überzeugen. Nix da! Sie fand meine Meinung und mich daneben. Na gut, ich empfand für sie jetzt ebenso. Aus mit der Liebe.
Egal. Memphis ruft nach Aufregung und Abenteuern an jeder Ecke, was scherte mich der Stress mit nem 0815-Fan. In den nächsten Tagen begegneten wir uns zufällig des öfteren. Wir grüßten uns in nem vorwurfsvollen Ton und warfen einander gekränkte Blicke zu - das war's.
Einen Tag vor unserem Heimflug fand das besagte Elviskonzert The Concert mit seinen Originalmusikern im Midsouth Coliseum, Elvis' ‘Wohnzimmer', statt. Es war herrlich! Nach dem Konzert suchten wir die Leute, die sich als Mitfahrgelegenheit angeboten hatten, uns wieder mit zum Hotel zu nehmen. Doch die waren schon weg. Egal. Wir schwelgten in unseren Erlebnissen, und betrachteten die Menschenmassen, wie sie sich entfernten. Bald war kaum noch jemand da. Eine kleine total betrunkene Frau in nem Elviskostüm trat auf uns zu. Sie weinte, sie habe ihren Bus verpaßt, kein Geld mehr und käme hier jetzt nicht weg. Wir winkten ein Taxi herbei, drückten der Fahrerin 20 Dollar in die Hand und baten sie, der Dame beizustehen. Tief schaute ich der Taxifahrerin in die Augen. „Aber bitte mißbrauche nicht den Zustand des Gastes." Die Augen der Fahrerin füllten sich mit Tränen. "Du kannst sicher sein, dass ich die Frau korrekt behandle."
Plötzlich rauschten Donna Presley und Buddy in ihrer vollbesetzten Stretchlimousine an uns vorbei. Sie rissen die Fenster runter und schrien:" Gerhard....hello Gerhard!"
Es erfüllte uns mit viel Freude und es war uns wie ein Abschiedsgruß von dieser schönen Stadt. Bewegt machten wir noch einen Spaziergang um das Midsouth Coliseum. Es war niemand mehr da. Wir schwelgten und schwelgten......"Aber weißt Du Daniel, wenn ich jetzt noch einen Wunsch frei hätte, dann würde ich mir wünschen, dass ich mich mit der streitbaren Deutschen vertragen könnte." Kaum hatte ich dies ausgesprochen, und mein Sohn ist mein Zeuge, da öffnete sich eine der Musikhallentüren, und wer kam da auf uns zugerauscht ? Genau! SIE ! Ich war sprachlos! Wie versteinert vor Ehrfurcht. Ohne zu zögern nahmen wir uns in die Arme. Ich sagte:" Du, es tut mir leid, dass wir uns gestritten haben. Ich hab Dich lieb." Sie:" Ich Dich auch. Du bist ganz in Ordnung. Aber manchmal vielleicht ein bißchen zu hart."
Recht hat sie.
Dann rauschte ein PKW herbei, sie stieg ein und war verschwunden.
Ich hab nichts mehr von ihr gehört. Aber vielleicht erkennt sie mich ja im Internet, und denkt, „oh man, der ist immer noch so drauf“.
Am 7.8.2001 fuhren mein Sohn Daniel (17) und ich als Rucksacktouristen um 5.20 in der Früh mit dem Bus zum Münsteraner Bahnhof. Von hier gelangten wir zügig zum Düsseldorfer Flughafen, dessen immense Ausmaße uns imponierten. Nach wenigen Stunden Wartezeit bestiegen wir das Flugzeug der Continental Airlines und erhoben uns bei fantastischem Wetter erstaunlich zügig in die Lüfte. Der Blick aus dem Fenster war ergreifend. 8 Stunden in den Wolken vergingen mit Schlafen und leckeren Speisen wie im Flug, und schließlich näherten wir uns New York. Das Panorama, das sich uns aus geringer werdender Höhe bot, war umwerfend. Brütende Sommerhitze empfing uns, als wir uns einen Moment außerhalb der Aircondition bewegten. Newark, der Flughafen von New York und New Jersey, ist gigantisch. Doch zunächst litten wir über eine Stunde in der Warteschlange für die "Einwanderungskontrolle und Zollabfertigung". Danach durften wir noch fünf Stunden auf den Anschlußflug nach Memphis warten. In dieser Zeit konnten wir ausgiebig die shopping-miles des Airports und das internationale Flair der Menschenmengen studieren. Wir hatten Gelegenheit uns in Englisch, Französisch und Spanisch zu unterhalten. Sogar das Deutsche sollten wir nicht verlernen. Dann wurde eine einstündige Verspätung des Anschlusses nach Memphis angekündigt. Endlich sollte es weitergehen. Und man verstaute uns in einem recht kleinen Flugzeug aus den 60er Jahren mit einer kleinen Anzahl Mitreisender. "Wenn wir jetzt abstürzen, sterben so wenig, daß es noch nicht mal in den Nachrichten kommt", stöhnte ich. "Wieso", entgegnete Daniel, "ist doch n geiler Abenteuerurlaub." Das beruhigte mich irgendwie. "Meine Damen und Herren", ließ sich der Pilot jetzt vernehmen, "dies Flugzeug hat heute so viel gearbeitet, daß es noch mal gecheckt werden muß. Wir danken für ihre Geduld." Er lud uns ins Cockpit ein. Als ich ihm sagte, den Eindruck zu haben, dass schon Daktari mit dieser Maschine geflogen sei, zeigte er mir den Beleg, daß die Technik nagelneu war. Dann ließ er mich über sein Handy unser Hotel in Memphis anrufen und um Verständnis für unsere erhebliche Verspätung bitten. Natürlich sei sie nicht auf Verschleiß, sondern auf Luftraumüberlastung zurückzuführen, verkündete er amüsiert. Mit drei Stunden Verspätung erhoben wir uns dann in die Nacht, was einen erhebenden Anblick amerikanischer Städte von oben zur Folge hatte.
Kurz nach 2 Uhr Ortszeit landeten wir in, ja, in MEMPHIS. Gegen 3 waren wir im Radisson Hotel in downtown, einem so prächtigen Hotel, daß Daniel zu fragen wagte:" Haben wir ne Erbschaft gemacht, von der ich nichts weiß?"
Nach einem königlichen Frühstück am Morgen des 8. August, bestaunten wir die Beale Street und stolperten in der Union Ave. in Lansky's Klamottenladen. Hier hatte sich schon Elvis eingekleidet. Und damit wirbt Lansky heute gnadenlos. Aber er ist total nett und wir haben ein klasse Gespräch. Ich kauf mir ein cooles Sweatshirt. Wir müssen ihm versprechen, wiederzukommen. Dann bestaunen wir den Mississippi und die Raddampfer. Ich will zur Konzerthalle Midsouth Coliseum, um Karten für das große The Concert am 16. zu kriegen. Also fahren wir mit nem Taxi hin, vorbei am Sun Records Studio, und erstehen die Tickets zum Glück. Danach lassen wir uns zum Elvis Presley Boulevard nach Graceland bringen. "Himmel, was ist die Stadt häßlich", entfährt es uns. Häßliche Höfe, verfallende Häuser und Armut stechen ins Auge. Wir landen auf dem Parkplatz, wo uns schon Elvis' imposante Flugzeuge anlachen. Zunächst besichtigen wir das beeindruckende Heartbreak Hotel. Dann kaufen wir Tickets für die große Graceland und Museen Tour. Ein Kamerateam von einem Memphissender (Fox 13) möchte ein Interview mit mir machen. Unverhohlen beklage ich die Diskrepanz zwischen Arm und Reich in dieser Stadt. Daraufhin erzählt mir der Interviewer, daß so wenig Geld vorhanden sei, daß man an einer Schule den Musikunterricht eingestellt habe. Und er fragt, was wohl Elvis dazu gesagt hätte. "Er hätte geholfen", antworte ich. "Aber schreibt ruhig Graceland eure Probleme", ermuntere ich die Zuseher," Lisa wird euch auch helfen." Ob ich denn auch
Elvissongs singe, fragt der Fernsehmann. Ich bejahe dies, und träller „I want you, I need
you, I love you“ in die Kamera.
Und dann geht's los mit der Graceland und Museen Tour. Details erspar ich mir. Es war sehr bewegend. Daniel war begeistert. "Boh, was hat der toll gelebt. Und was für einen klasse Geschmack!" Als wir uns dem Grab näherten, wurde mir verdammt seltsam zumute. "Es ist wichtiger, Elvis im Herzen zu haben, als ihn hier in Memphis zu suchen", hatte ich auch noch in die Kamera gesprochen. An Elvis Grab, in seinem Meditationsgarten, schüttelte mich die Trauer.
Über die tolle Steinmauer vor Graceland wird immer recht wenig gesprochen. Uns zog's magisch dort hin. Es ist eine wundervolle Mauer, über und über mit Fanbotschaften bedeckt. Ich ließ meine Hände über sie gleiten und fühlte mich allen und Elvis sehr nah. Das geöffnete Musicgate betouchten wir ebenfalls, und ich holte mir (absichtlich) einen schmutzigen Finger von dessen Rost und Öl.
Am Abend tankten wir auf der Beale Street, der heißesten Musikmeile der Welt, den Blues. Ein älterer erstklassiger Bluestrompeter brachte gerade das Mikro wieder in Position, als ich ihn scherzhaft fragte, ob er singen wolle oder ich das übernehmen solle. "Mach du das bitte", forderte er mich auf. Und so improvisierten wir zu unserer Freude und Daniels Belustigung nen abgefahrenen Blues. Auf dem Weg zum Elvis Presley Restaurant schrie mich eine Frau fröhlich an: "Ich hab dich gerade im TV gesehen!" Sie erzählte mir, daß man nicht nur meine Interpretation von "I want you, I need you, I love you" ausgestrahlt habe, sondern auch meine sozialkritischen Bemerkungen. Wow! Im Elvis Restaurant spielten die Dempseys, eine artistische 3 Mann Band, so geil den Rock'n'Roll, daß wir nur sprachlos und begeistert zu staunen vermochten. Überhaupt, was da alles an Hochkarätigem gleichzeitig live an der Beale Street spielt, ist atemberaubend.
Jau, und wenn man dann müde wird, soll man schlafen. Ich finde es gar nicht so leicht, mit 7 Stunden Zeitverschiebung die amerikanische Nacht durchzuschlafen. Ist es in Memphis vier Uhr nachts, ist es in Germany 11 Uhr und fast Mittag. Da soll der Schlaf sich gefälligst nicht nach der inneren Uhr richten, sondern nach dem Müdigkeitslevel. Jaja, für Daniel alles kein Problem.
Der 9. August empfängt uns mit noch größerer tropischer Hitze als der Vortag. Es sind fast 40 Grad im Schatten. Zum Glück sind fast überall Klimaanlagen. Heute schließen wir uns einer Stadtführung mit klimatisiertem Bus an. Unsere Führerin, eine 150 kg schwere schwarze fröhliche Frau lacht sich kaputt, als ich stöhne: "Ohne Airkondition ist Leben in dieser Stadt nicht möglich." Zunächst statten wir dem weltberühmten Trödel-Kaufhaus A. Schwab einen Besuch ab. Mr. Schwab begrüßt uns persönlich, und 20 Minuten diskutieren wir über die Angst der Amis, zu Fuß zu gehen. Abram Schwab ist sehr herzlich und trotz des hohen Alters geistig topfit. Anschließend schauen wir uns im großartigen Peabody Hotel die legendäre Entenwanderung an. Dann geht's vorbei am Sun Studio und am Baptist Memorial Hospital, in dem Lisa-Marie geboren, Elvis manchmal behandelt und schließlich sein Tod festgestellt wurde. Im Elvis Presley Trauma Centre werden Menschen behandelt, die es sich eigentlich nicht leisten können. Dann durchqueren wir andächtig das Viktorianische Villenviertel. Wir passieren die Lauderdale Courts Appartments, wo die Presleys nach ihrem Wegzug aus Tupelo kurz lebten. Wir sehen das St. Josef Hospital, in dem Gladys Presley Arbeit fand. Dann wird das eindrucksvolle Danny Thomas' St. Jude Children's Research Hospital besucht. Anschließend betrachten wir die Pyramide von Memphis, in der Veranstaltungen ausgetragen werden. Vorbei geht's am Convention Centre und dem City Hall Building. "Memphis hat zwei Könige", erzählt Kathleen, "Elvis, den König des Rock'n'Roll, und B.B. King, den Meister des Blues." Gut geschützt stehen beide als prächtige Statuen am Mississippi. Und sie lächeln, als wir ihnen in die Gesichter schauen. Dann zeigt uns Kathleen den Ort, an dem Bürgerrechtler Rev. Dr. Martin Luther King erschossen wurde. Hier entstand das Museum für Bürgerrechte, das National Civil Rights Museum. Wir passieren die Fabrik der weltberühmten Gibson Gitarren. Und den Forest Hill Friedhof, auf dem Elvis eigentlich neben seiner Mutter beerdigt werden sollte. Aber nachdem man ihn klauen wollte, entschloß die Stadt sich, zuzustimmen, Elvis und seine Mutter auf Graceland die letzte Ruhe zu gewähren. Heute liegen dort zudem noch Vater und Großmutter. Ebenfalls findet sich dort eine Gedenkplatte an Elvis' Zwillingsbruder. Bei Graceland verlassen Daniel und ich den Bus, um unseren eigenen Gedanken nachzugehen.
Dann lernen wir Mike Freeman kennen, einen prächtigen Kerl und Fan, der heute das Glück hat, Elvis' erstes Haus in Memphis am Audubon Drive zu bewohnen. Mike ist Buchautor und Shuttle-Bus-Fahrer für Sun Records. Wir fahren mit ihm zum Sun Studio, wo wir uns erfrischen. Anschließend besuchen wir in der Beale Street das Polizeimuseum. Den Abend wollten wir am Pool und später wieder auf der Beale Street verbringen, doch der Jetlag läßt ihn uns verpennen.
Am 10.8. besuchen wir zunächst das Rock'n Soul Museum, in dem Memphis zutreffend und sehr unterhaltsam als Wiege des Blues und Rock dargestellt wird. Anschließend suchen wir das schon erwähnte Nationalmuseum für Bürgerrechte auf, in dem faszinierend und bewegend die Entwicklung und der Kampf um dieselben Rechte für Schwarz und Weiß geschildert wird. Vor diesem Museum lernen wir die bekannte Martin Luther King Jüngerin und Dauerdemonstrantin Jaqueline Smith kennen, die die Gesellschaft permanent darauf hinweist, daß noch lange keine volle Integration erreicht wurde. "Jeder 3. Schwarze hat keine Arbeit und keine ordentliche Wohnung." Dann besuchen wir die Chucalissa Indianer Reservation, wo es nicht nur museumsmäßig viel zu sehen gibt, sondern wo wir auch wunderbar mit zwei großartigen Vertretern der Choctaws ins Gespräch kommen. Schließlich durchstreifen wir einen Wald mit außergewöhnlichen Libellen, großen Schmetterlingen und Echsen und so hoch und dicht gewachsenen Pflanzen, daß man meint, man wäre im tropischen Regenwald.
Den Abend verbringen wir an der Beale Street, indem wir mehreren Imitatoren lauschen. Rev. Priestley ist besonders originell und läßt auf der Bühne 30 Ehepaare ihr Ehegelöbnis auffrischen. Im Elvis Presley Restaurant faszinieren dann wieder die Dempseys.
Am 11.8. wohnen wir im New Daisy Theatre den "Conversations on Elvis" bei. Patsy Anderson moderiert ein fröhliches Gespräch zwischen den Fans aus aller Welt und den berühmten Elvis Fans und Freunden Jim Ritz, Ronnie McDowell, Brenda Lee und Charlie Hodge. Über letzteren freute ich mich besonders, da er einer der allerbesten Elvisfreunde ist und ein ganz feiner Kerl, was ich ihm auch sage. Anschließend geht's's ins feudale Kino The Orpheum, wo wir begeistert den Konzertfilm "That's the way it is - second edition" sehen. Danach besucten wir die Gräber auf Graceland. Im Rock'n'Roll Cafe essen wir zu Abend, um uns zu guter Letzt unter die Massen auf der Beale Street zu mischen....achja, aber es tut auch gut, daß es Telefon gibt, und man den Lieben daheim gar nicht so fern ist.
Am 12.8. erleben wir im Elvis Presley Restaurant ein Gospel Life Concert mit Terry Mike Jeffrey und Elvis' altem Background Chor, den fantastischen Jordanaires, und last but not least seiner wunderbaren Sopranistin Millie Kirkham. Anschließend nehme ich im legendären Sun Studio einen song auf CD auf. Es macht Spaß und kostet 30 Dollar. Leider will man Elvis' Entdecker Sam Philipps nicht dazuholen. Um 16 Uhr finden wir uns bei Alfred's auf der Beale Street ein, wo wir die Memphis Mafia Reunion erleben wollen. Zum Glück ohne die bad guys, sondern mit Marianne Cooke, Elvis' lieber Freundin und Krankenschwester, dem Radiomoderator und Elvisfreund George Klein, Elvis' erstem Schlagzeuger DJ Fontana, seinem ersten Gitarristen Scotty Moore, seinem Freund und bodyguard Jerry Schilling und seinem Kumpel Richard Davis. Sie erzählen lebhaft nette Geschichten über Elvis' Humor, Großzügigkeit und Nächstenliebe. Jerry Schilling betont ausdrücklich, daß Manager Col. Tom Parker Elvis sehr verehrte und nie hätte schaden wollen. Am Abend habe ich dann auf der Beale Street Gelegenheit, bis zur Heiserkeit Elvissongs zum Besten zu geben.
Der 13.8. beginnt mit ner Enttäuschung. Die Tour zu Elvis' 160 Kilometer entfernten Geburtsort Tupelo ist ausgebucht, und wir sind nicht dabei. Wir machen einen Einkaufsbummel auf der Main Street. Dann fahren wir mit ner Art Schwebebahn auf die Mississippi Insel Mud Island. Hier besuchen wir das fabelhafte Mississippi River Museum. Anschließend machen wir mit einem "Schaufelraddampfer" eine River Tour. Danach begeben wir uns erstmals in den herrlichen Hotelpool. Dann eilen wir nach Graceland, besuchen die Gräber, essen ein verdammt gutes Eis und schauen auf einer Leinwand Elvis-Film-Ausschnitte. Herrlich ! Am Abend haben wir Gelegenheit in der Beale Street einem Konzert des berühmten Impersonators Doug Church beizuwohnen. Hier treffe ich meine Internet-Bekannte Cricket, die ein berühmter Fan wurde, als sie 1970 in "That's the way it is" mit ihrer Katze auftauchte. Doug Church stellt sie als sein großer Fan vor, wie auch ... Sonny West, den ehemaligen Leibwächter, der sich durch üble Geschichten, Elvis' Lebenswandel betreffend, manchen Feind schaffte. Er sieht so verängstigt aus, daß ich mich entschließe, die Faust in der Tasche zu lassen.
Juchhuuu, am 14.8. finden wir einen tollen Taxifahrer, der uns für einen fairen Preis nach Tupelo bringt. Elvis' Geburtshaus ist hinreißend. Ebenso das tolle Museum, welches die Leihgabe von Elvis' Freundin Janelle McComb birgt. Die Elvis-Kapelle stellt aber alles in den Schatten. Wenige Wochen vor seinem Tod war Elvis noch an dieser Stelle gewesen und hatte seinen Wunsch geäußert, Gott für seinen Lebensweg an diesem Ort mit einer chapel danken zu wollen. In diesem wunderbaren Gotteshäuschen erklingen nun seine Gospels, und es ist, als predige er seine wunderbaren Botschaften.
Mitten in Tupelo liegt eine McDonalds Filiale, zu der viele Fans pilgern. Denn die Räumlichkeiten und Wände sind über und über mit Erinnerungen an den King dekoriert. Herrlich! Zurück in Memphis besuchen wir endlich meine gerade aus London heimgekommene liebe Freundin und Elvis' Cousine Donna Presley Early und ihren knuffigen Mann Buddy, bei denen sich meine Freundinnen Kathy Westmoreland (Elvis' Freundin und Sopranistin) und ihre Managerin und Elvis Expertin Diana Magrann befinden. Selten sind wir jemals so herzlich empfangen worden. Donna hat Vernon's Haus, direkt an Graceland grenzend, in dem Stil restaurieren lassen, wie es zu Elvis' Zeiten gewesen war, und es ist wunderbar. Diana Magrann hat ein paar ihrer Elvis-Gemälde mitgebracht. So etwas Schönes an gemalten Elvis-Portaits hab ich noch nicht gesehen. Ich bin hin und weg. Nach einem wunderbaren Nachmittag lassen uns die Presleys mit einer Riesenstretchlimousine ins Hotel zurückbringen.
Am Abend folgen wir einer Einladung von Mike Freeman in Elvis' 1. Haus in Memphis am Audubon Drive. Er hat es wundervoll in Elvis' Stil wieder eingerichtet. Schon damals (1956/57) hatte Elvis einen tollen Geschmack und ein sehr schönes Zuhause. Mike läßt ne tolle Party steigen, zu der auch Elvis' sympathischer Freund Richard Davis erscheint. Lauthals schimpft dieser über die Lügen der bad guys, die sie in ihren Enthüllungswerken verbreiten. Es werden Elvis' Lieblingsspeisen gereicht, und die musikalische Unterhaltung liefern die einmaligen Dempseys, die sogar in den Pool springen und dort musizieren. Ein Superabend! Ein Wahnsinnstag !!
Am 15. schauen wir wieder bei Sun Records rein und machen ein paar Aufnahmen. Anschließend treten wir unseren Abschiedsbesuch im herrlichen Graceland an. Die Gräber sind fast vollständig zugeschüttet mit Blumen und Geschenken. Und an den Wegen drumherum stehen unzählige große Blumengestecke und Präsente, die die Fans ihrem geliebten Idol mitgebracht haben. Ein überwältigender Anblick. Auch Donna, Buddy, Kathy und Diana zeigen sich sehr bewegt, als wir ihnen am frühen Abend unsere Eindrücke schildern. Donna Presley legt gesteigerten Wert darauf, daß wir morgen zur offiziellen Eröffnung von Vernon's Haus kommen. Obwohl wir eigentlich zu George Klein's Elvisgeschichten mit VIPs in die Uni wollten, sagen wir zu. Bei Donna treffen wir auch sehr sympathische Deutsche. Darunter eine allerliebste 85 jährige.
Bei Einbruch der Dunkelheit versammeln sich Tausende von Fans vor Graceland's musicgate. Sie werden dezent mit Elvissongs beschallt. Bewaffnet sind sie wie jedes Jahr mit Fackeln und Kerzen, um nach einer wunderschönen Andacht feierlich den Fackelzug zu Elvis' Grab anzutreten zum Candlelight Vigil. Es ist sehr bewegend und währt bis in die Morgenstunden des 16. Vor genau 24 Jahren starb Elvis Presley.
Der 16. ist unser letzter Tag, und wir beginnen ihn mit einem Einkaufsbummel. Dann sagen wir Graceland good-bye. Anschließend begeben wir uns zur offiziellen Eröffnung von Vernon's Haus. Es ist sehr feierlich mit großem Medienauflauf. Danach wird ausgiebig chinesisch gespeist. Bevor wir uns dann aufgeregt ins Midsouth Coliseum zum Concert (mit den Originalmusikern) begeben, betrachten wir den großen Vergnügungspark Libertyland, den Elvis ab und zu für sich und seine Freunde nachts mietete. Dann das Konzert ! Es ist riesig! Ein Supersound! Eine fantastische Stimmung! Absolut bewegend! Ein Wahnsinnsausklang unserer Reise! An diesem Abend laufen uns dann auch noch viele Weggefährten der letzten 10 Tage über den Weg. Wir sind immens beeindruckt und in einer unglaublich dankbaren Euphorie. Memphis, was machst du mit uns ? Diese Reise hat sich mehr als gelohnt. Hoffentlich kriegen wir als Rucksacktouristen unsere ganzen Souvenirs mit nach Haus.... Jahaha, es klappt ! Am 18.8. landen wir um 7.20 Uhr in Düsseldorf.....
Ja, es war die Mekkareise, die jeder Fan wenigstens einmal im Leben machen sollte.
Und nun noch ein kleiner Nachtrag:
Ich bin ja ein rosaroter Fan. Und es blieb nicht aus, sich auch in Memphis mit einem
Vertreter der Drogenfraktion zu streiten. Ich bin ja nicht begeistert, wenn Leute meinen, er sei drogensüchtig und fettgefressen gewesen.
Und so begab es sich, dass wir noch ziemlich am Anfang unserer Reise eines Abends gemütlich in einer Kneipe an der Beale Street saßen. Es wurde ein lustiger Elviskaraoke-Abend veranstaltet. Da betraten drei hübsche Damen das Lokal und setzten sich fröhlich an unseren Tisch. Überraschung! Es waren Deutsche! Eine von ihnen, ich weiß nicht mal mehr ihren Namen, war besonders nett, witzig und aufgeschlossen. Ich fand sie ganz sympathisch. Natürlich hatte Elvis die drei in die Stadt geführt. Sie waren von Miami mit dem Leihwagen gekommen. Und besagtes Mädchen (Mitte 30) war ein besonders großer Fan. Und so schwelgten wir in unserer gemeinsamen Elvisverehrung. Doch dann kam's. Schließlich meinte sie mir doch erzählen zu müssen, dass der späte Elvis ja wohl ne Menge falsch gemacht hätte, von wegen Drogen und so, und dadurch ja auch so entstellt ausgesehen habe und schließlich gestorben sei. ....Das war zuviel für meine kleine rosa Seele. Nun regte ich mich auf und versuchte sie von meiner Meinung zu überzeugen. Nix da! Sie fand meine Meinung und mich daneben. Na gut, ich empfand für sie jetzt ebenso. Aus mit der Liebe.
Egal. Memphis ruft nach Aufregung und Abenteuern an jeder Ecke, was scherte mich der Stress mit nem 0815-Fan. In den nächsten Tagen begegneten wir uns zufällig des öfteren. Wir grüßten uns in nem vorwurfsvollen Ton und warfen einander gekränkte Blicke zu - das war's.
Einen Tag vor unserem Heimflug fand das besagte Elviskonzert The Concert mit seinen Originalmusikern im Midsouth Coliseum, Elvis' ‘Wohnzimmer', statt. Es war herrlich! Nach dem Konzert suchten wir die Leute, die sich als Mitfahrgelegenheit angeboten hatten, uns wieder mit zum Hotel zu nehmen. Doch die waren schon weg. Egal. Wir schwelgten in unseren Erlebnissen, und betrachteten die Menschenmassen, wie sie sich entfernten. Bald war kaum noch jemand da. Eine kleine total betrunkene Frau in nem Elviskostüm trat auf uns zu. Sie weinte, sie habe ihren Bus verpaßt, kein Geld mehr und käme hier jetzt nicht weg. Wir winkten ein Taxi herbei, drückten der Fahrerin 20 Dollar in die Hand und baten sie, der Dame beizustehen. Tief schaute ich der Taxifahrerin in die Augen. „Aber bitte mißbrauche nicht den Zustand des Gastes." Die Augen der Fahrerin füllten sich mit Tränen. "Du kannst sicher sein, dass ich die Frau korrekt behandle."
Plötzlich rauschten Donna Presley und Buddy in ihrer vollbesetzten Stretchlimousine an uns vorbei. Sie rissen die Fenster runter und schrien:" Gerhard....hello Gerhard!"
Es erfüllte uns mit viel Freude und es war uns wie ein Abschiedsgruß von dieser schönen Stadt. Bewegt machten wir noch einen Spaziergang um das Midsouth Coliseum. Es war niemand mehr da. Wir schwelgten und schwelgten......"Aber weißt Du Daniel, wenn ich jetzt noch einen Wunsch frei hätte, dann würde ich mir wünschen, dass ich mich mit der streitbaren Deutschen vertragen könnte." Kaum hatte ich dies ausgesprochen, und mein Sohn ist mein Zeuge, da öffnete sich eine der Musikhallentüren, und wer kam da auf uns zugerauscht ? Genau! SIE ! Ich war sprachlos! Wie versteinert vor Ehrfurcht. Ohne zu zögern nahmen wir uns in die Arme. Ich sagte:" Du, es tut mir leid, dass wir uns gestritten haben. Ich hab Dich lieb." Sie:" Ich Dich auch. Du bist ganz in Ordnung. Aber manchmal vielleicht ein bißchen zu hart."
Recht hat sie.
Dann rauschte ein PKW herbei, sie stieg ein und war verschwunden.
Ich hab nichts mehr von ihr gehört. Aber vielleicht erkennt sie mich ja im Internet, und denkt, „oh man, der ist immer noch so drauf“.

Aber schon diese beiden Sätze lassen mich zweifeln, ob du je in Amerika warst.


...danke Rev.Gerhard und Eva !!

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