"Black Elvis" - Top Five ;-)

Einklappen
X
 
  • Zeit
  • Anzeigen
Alles löschen
neue Beiträge
  • gast-20070627

    #1

    "Black Elvis" - Top Five ;-)

    Man soll ja nie schwarz/weiß Malen ... aber daß der junge Elvis auch stark von der "schwarzen" Musik des Südens beeinflußt war, läßt sich nicht leugnen ... das hat nichts mit "Klau" zu tun, das waren einfach mit seine Wurzeln, die er auch nie zu verbergen suchte ... wobei es meiner Meinung nach weniger seine vermeintlich schwarze Stimme war, sondern welche Lieder er sang und wie er sie interpretierte ... er hat die Musikstile vermischt und so etwas neues hervorgebracht ...
    meine schwarzen Top 5-Elvis Songs sind:

    1. Lawdy Miss Clawdy
    2. Hound Dog
    3. Thats Alright Mama
    4. Mystery Train
    5. Anyway You Want Me

    Bei welchen Songs meint ihr die schwarzen Einflüsse am meisten durchzuhören ?
  • gast-20071202

    #2
    Eine sehr interessante Idee für einen Thread. Wenn ich es so drüber nachdenke, wird mir bewusst, dass ich Elvis nie als "schwarz" empfunden habe, was natürlich einerseits daran liegt, dass ich von Anfang an wusste, wem ich da zuhöre - und derjenige war nun einmal nicht "schwarz". Aber ich werden einmal drüber nachdenken und bei Gelegenheit meine Lieblingstitel noch posten.

    Es wurde auch in dem anderen Thread bereits mehrfach erwähnt und ich denke, MG hat es am treffendsten formuliert:

    Zitat von michael grasberger
    die zeitliche distanz verzerrt anscheinend die perspektive, zumal heute so viele genuin schwarze ausdrucksformen in den weißen pop-mainstream eingesickert sind, dass bald auch hip hop als weiße musik gelten wird...
    Die Zeiten, zu denen Elvis in eine sehr starre, fest etablierte Gesellschaft mit ganz bestimmten Regeln hineinbrach, waren völlig andere als heute. Elvis' Musik war fremd und machte Angst, und was fremd war und Angst machte, war: Schwarz. Ich denke, die Äußerungen "Ich dachte, der Typ sei ein Schwarzer" sind vielmehr so zu verstehen, als dass sie sich unmittelbar auf die Musik bezögen. Elvis war völlig anders, bedrohlich - sprich: fremd - und weiß. Das erzeugte wohl viel eher die Reibungen als eine vermeintlich "schwarze" Stimme.

    Auch dieses Zitat gefällt mir sehr:
    Zitat von Master Sniper
    Und was zum Teufel ist eine "schwarze Stimme"?
    Musik kennt keine Farben, Muster oder Schablonen.
    Nicht nur die Musik kennt keine Farben, sondern auch der menschliche Stimmapparat kennt sie natürlich nicht. Es gibt keine weiße, gelbe, rote oder schwarze Stimme. Anatomisch sind wir alle völlig gleich.
    Zuletzt geändert von Gast; 08.10.2006, 11:39

    Kommentar

    • michael grasberger
      Posting-Legende

      • 16.02.2006
      • 9974

      #3
      hier wären meine top 5:

      TWEEDLE DEE
      I GOT A WOMAN
      MYSTERY TRAIN
      MONEY HONEY
      PATCH IT UP

      "We know that rock'n'roll was not a human invention, that it was the work of the Holy Ghost."
      (Nick Tosches)

      Kommentar

      • gast-20070627

        #4
        Zitat von michael grasberger
        hier wären meine top 5:

        TWEEDLE DEE
        I GOT A WOMAN
        MYSTERY TRAIN
        MONEY HONEY
        PATCH IT UP
        interessante auswahl va. Patch it up ... weil ein Song jenseits der 50er ...

        Kommentar

        • trisi
          Gehört zum Inventar

          • 05.06.2006
          • 2462

          #5
          Long Tall Sally
          Got my Mojo Working
          Rip It Up
          Too Much Monkey Business
          Money Honey
          Baby, in 5 years time we could be walking round the zoo with the sun shining down over me and you

          Kommentar

          • gast-20071202

            #6
            1. It Hurts Me (1964)

            Für mich ganz deutlich die Nummer 1. Nicht, weil es vorher nicht dutzende anderer Titel gegeben hätte. It Hurts Me ist ein Song - vielleicht der Song -, mit dem Elvis eindrucksvollst demonstriert, dass er immer mehr war als jemand, der nur auf einen gerade vorbeifahrenden Zug aufgesprungen wäre, dass seine Musik mehr als nur ein Imitat, dass sie einen unglaublichen Eindruck hinterlassen hatte und tatsächlich geeignet war zu bleiben.

            So muss ein Sänger singen, handwerklich unglaublich gut, wenn auch nicht ganz makellos. Aber darauf kommt's nicht (alleine) an.

            Kommentar

            • Danny
              Kennt sich hier aus

              • 25.09.2006
              • 69

              #7
              Ich habe das mit der "schwarzen Stimme" auch nie so richtig nachvollziehen können, hat aber bestimmt mit der hier im Thread bereits schön dargelegten "späten Geburt" zu tun. Bei einem einzigen Song allerdings würde ich Elvis' Stimme wirklich als "schwarz" bezeichnen wollen, und das wäre:

              Santa Claus Is Back In Town

              Hier geht er stimmlich einfach ab wie ein Zäpfchen, steigert sich in das Lied hinein wie wohl kaum ein weisser Sänger (inkl. Elvis selbst) je zuvor. Ich glaube, dieses Lied war auch der Hauptgrund, warum sein 57er Weihnachtsalbum ziemlich kontrovers aufgenommen wurde. Wie Timothy schon schrieb, sowas hatte das weisse amerikanische (Spiess-)Bürgertum bis anhin noch nicht gehört und das machte Angst. Aber auch in unseren Breitengraden hätten vor nicht allzu langer Zeit nicht wenige Leute Santa Claus Is Back In Town schlicht und ignorant mit "Negermusik" etikettiert.

              Und viel besser bin ich da ja auch nicht. "Schwarz" klingt Elvis für mich am ehesten mit seinen bluesigen Sachen wie:

              Milkcow Blues Boogie
              I Feel So Bad
              Merry Christmas Baby

              oder aber auch bei vielem aus den eher "souligen" Memphis Sessions von 1969. Aus denen ich stellvertretend allerdings auch einen Blues auswähle, um meine Top 5 voll zu kriegen:

              Stranger In My Own Home Town

              Als "Bonus-Track" vielleicht noch dies:

              Auf der neuen BMG-Compilation "Elvis r&b", die sich ja genau auch mit dieser Thematik beschäftigt, findet sich neben den üblichen Verdächtigen wie "Reconsider Baby", "A Mess Of Blues", "Hi-Heel Sneakers" oder "Trouble" das hier für mich völlig unerwartete "Pledging My Love". Und erstaunlicherweise fügt sich das Teil nahtlos in Riege der vermeintlich "schwarzen" Songs ein.

              Kommentar

              • gast-20071202

                #8
                Zitat von Danny
                Ich habe das mit der "schwarzen Stimme" auch nie so richtig nachvollziehen können, hat aber bestimmt mit der hier im Thread bereits schön dargelegten "späten Geburt" zu tun. Bei einem einzigen Song allerdings würde ich Elvis' Stimme wirklich als "schwarz" bezeichnen wollen, und das wäre:

                Santa Claus Is Back In Town

                Hier geht er stimmlich einfach ab wie ein Zäpfchen, steigert sich in das Lied hinein wie wohl kaum ein weisser Sänger (inkl. Elvis selbst) je zuvor. Ich glaube, dieses Lied war auch der Hauptgrund, warum sein 57er Weihnachtsalbum ziemlich kontrovers aufgenommen wurde.
                "Verdammt. - Verdammt verdammt ...!"

                Das sollte meine #2 werden ... :traurig: Jetzt hast du mir einen Strich durch die Rechnung gemacht Egal, dafür ist es das erste echte Danny-Posting in diesem Forum, das ist es mir wert.

                Kommentar

                • Danny
                  Kennt sich hier aus

                  • 25.09.2006
                  • 69

                  #9
                  Oh, sorry...



                  It Hurts Me ist allerdings auch eine verdamt gute Wahl!!!

                  Kommentar

                  • elvisrico
                    Foren-Profi

                    • 26.08.2006
                    • 304

                    #10
                    Das ganze "Gospel-Medley" vom 68er TVSpecial! Gospel ist für mich einfach die Musik der Schwarzen! Musik die sooo sehr mit der Seele verbunden ist, kann ein Weißer(Ausnahme:Elvis Presley) einfach nicht so harmonisch und überzeugend rüberbringen!
                    Das steckt denen einfach in der Seele-dieses Gefühl! Dafür gibt es auch Lieder die weiße Sänger besser interpretieren können! Klar, weiße und schwarze Stimmen kann man nicht sagen. Aber die verschiedenen Interpretationen der Songs, ist schon deutlich spürbar! Da gibt es gewaltige Unterschiede! Bestes Beispiel diesen Sommer: Den U2-Song "One Love"! Ich glaube besser als Mary J. Blidge hätte das eine weiße Stimme(Sängerin), allein vom Feeling her nicht rübergebringen können! Dat soult einfach!!!!!

                    Kommentar

                    • gast-20070627

                      #11
                      @ Timi und Danny: interessante Auswahl und stimulierende Aspekte fürwahr ... allerdings will ich nochmal betonen, daß es nicht um eine vermeintlich schwarze Stimme geht ... Elvis ist für mich auch nie ein Schwarzer gewesen und seine Stimme kann man sowieso nicht kategorisieren ... sondern um die Interpretation durch Elvis, einen bestimmten vibe ...

                      @Timi: was das erste richtige Posting von Danny betrifft, da liegst du falsch ... lies mal in Masters vs. Alternates und rockige Songs der 60er nach ... da gibt es schon ein paar sehr feine Statements von Danny

                      Kommentar

                      • michael grasberger
                        Posting-Legende

                        • 16.02.2006
                        • 9974

                        #12
                        Zitat von Danny
                        Ich habe das mit der "schwarzen Stimme" auch nie so richtig nachvollziehen können, hat aber bestimmt mit der hier im Thread bereits schön dargelegten "späten Geburt" zu tun. Bei einem einzigen Song allerdings würde ich Elvis' Stimme wirklich als "schwarz" bezeichnen wollen, und das wäre:

                        Santa Claus Is Back In Town

                        Hier geht er stimmlich einfach ab wie ein Zäpfchen, steigert sich in das Lied hinein wie wohl kaum ein weisser Sänger (inkl. Elvis selbst) je zuvor.
                        teufel! du hast recht! dreht sich gerade auf meinem plattenteller...man sollte sich das zeug wirklich auch unterm jahr mal anhören.

                        und zu "pledging my love". das war schon ein r&b-hit im original des großen JOHNNY ACE und ist natürlich auch 1977 noch "tiefschwarz" (trotz des superbeschissenen gitarrensounds!)...

                        p.s.: freut mich, dass in letzter zeit so viele echte musikfans dazustoßen!

                        "We know that rock'n'roll was not a human invention, that it was the work of the Holy Ghost."
                        (Nick Tosches)

                        Kommentar

                        • gast-20071202

                          #13
                          2. She Thinks I Still Care (1976)

                          Was beginnt wie eine reguläre Country-Ballade, die der Song in seiner originalen blassen Lesart von George Jones (1962) ja auch ist, ändert sehr schnell seine Richtung in etwas von dem wir annehmen, dass es größer ist als es anfänglich den Anschein hat. Nach einer verhältnismäßig zurückhaltenden ersten Strophe packt Elvis den Song mit etwas, das sich blitzschnell als zehn der am großartigsten von ihm gesungenen Sekunden überhaupt herrausstellt: "Where the mem'ry of her lingers everywhere ..." Hört euch das an, hört es laut, beachtet den Bogen, wie er den Ton hält und ihn sanft wegführt vom leicht gepressten Ansatz, beachtet die sanfte Verzweiflung, mit der er die Phrase ausklingen lässt, das Vibrato, die gottverfluchten Emotionen, die er dort hineinpackt in diese 10 Sekunden und ihr wisst, warum er der King war und ist.

                          Und von da an geht es eigentlich erst so richtig los und man hat den Eindruck, als habe er nun Gefallen an dem Song entdeckt: "Just because I'm not the happy - guy I used to be", das hat schon etwas. Schön phrasiert, aber ein Bogen, nicht abgehackt. Und dann diese Bridge, ein Traum. "Well, if she's happy thinkin' I still need her / Then let that silly notion bring her cheers": Plötzlich hat das Ding Blues und Soul. Hört die kleine Kolloratur auf "cheers", das ist traumhaft. Der folgende Akkordwechsel sorgt regelmäßig für Gänsehaut. "Oh how - could she ever - be so foolish" ist großartig phrasiert. Beim folgenden "Tell me where did she get, Lord, such an idea?" ist traumhaft, wie er aus ebenfalls einer leichten Kolloratur von "idea"übergeht in ein "oh yeah ...". Solche Dinge muss man hören, um es zu begreifen.

                          Es braucht nicht mehr als bis zu dem abschließenden / die letzte entscheidende Strophe einleitenden "Oh Lord!", um zu begreifen, dass das ein Meisterwerk ist, mit definitiv bluesigen, souligen, höchst emotionalen Elementen, die sich Elvis bestimmt nicht bei Bing Crosby oder Dean Martin abgeschaut haben dürfte. Die großartige Geschichte des Songs, die Wendung, das "am Boden zerstört sein", sowie Elvis' gesangliche Umsetzung dieser Stelle ("Just because, Lord, I saw her - and went to pieces ...") sei hier gar nicht erwähnt ...

                          Elvis' Outtput der mittleren 70er Jahre und speziell der Jungle Room Sessions wird häufig unterbewertet, wenn nicht schlicht übersehen. Einer der Songs, die das am allerwenigsten verdient haben ist m. E. She Thinks I Still Care. Das Ding hat Seele.
                          Zuletzt geändert von Gast; 08.10.2006, 16:33 Grund: Formatierung

                          Kommentar

                          • gast-20070627

                            #14
                            Zitat von michael grasberger
                            teufel! du hast recht! dreht sich gerade auf meinem plattenteller...man sollte sich das zeug wirklich auch unterm jahr mal anhören.
                            und wenn du schon dabei bist, zieh dir gleich auch noch I'll be home on Christmas Day rein ... black as night

                            Kommentar

                            • michael grasberger
                              Posting-Legende

                              • 16.02.2006
                              • 9974

                              #15
                              Zitat von gast-20080904
                              2. She Thinks I Still Care (1976)

                              Was beginnt wie eine reguläre Country-Ballade, die der Song in seiner originalen blassen Lesart von George Jones (1962) ja auch ist,


                              ähem!


                              george jones ist ein begnadeter sänger und songwriter, und "she thinks i still care" ist im original ein JAHRHUNDERTSONG. einer der besten countrysongs, die ich je gehört habe.
                              die version von elvis finde ich dagegen etwas fad.

                              "We know that rock'n'roll was not a human invention, that it was the work of the Holy Ghost."
                              (Nick Tosches)

                              Kommentar

                              Lädt...