im zwielicht der erinnerung

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    Gehört zum Inventar

    • 27.06.2004
    • 3089

    #106
    Zitat von honeybee
    Elvis hat sie während seiner gesamten Karriere getragen - auch in den 70ern. Es wurde berichtet, dass er immer eine Schachtel mit "Zähnen" dabei hatte.
    Interessant. Habe ich bisher noch nicht gelesen (oder überlesen). Erinnerst Du Dich zufällig, wo Du das her hast?
    Ich denke, dass er nie "Kronen", wie wir sie kennen (nämlich mit abgeschliffenem Zahn darunter), hatte.
    Da muss ich Dich enttäuschen, die hatte er auch, wenn auch später. Wann genau, weiß ich nicht, aber auch Fotos Ende der 70er ist eindeutig der obere linke Vorderzahn eine Krone. Und auf einem Foto mit breitem Lächeln entdeckte ich auch eine Brücke im Backenbereich (ich meine auch, links)

    Wir haben ja hier irgendwo den "Elvis und seine Beisserchen" Thread, ich find ihn nur grad nicht. In dem ging es genau darum, ob Elvis schon sehr früh zu Beginn seiner Karriere Kronen bekommen hätte, da dieses Gerücht eben im Umlauf war.
    Vielleicht sollten wir da weiter über dieses Thema reden (vorausgesetzt, wir finden den Thread wieder).
    "Motorboat! Motorboat! Ruadan tua i nur zur Noat!"

    Kommentar

    • honeybee
      Board-Legende

      • 29.01.2017
      • 11757

      #107
      Zitat von allerteuerste
      Interessant. Habe ich bisher noch nicht gelesen (oder überlesen). Erinnerst Du Dich zufällig, wo Du das her hast?.
      Linda Thompson, glaube ich
      Would you sign me an autograph? - Sure, Honey!

      Kommentar

      • honeybee
        Board-Legende

        • 29.01.2017
        • 11757

        #108
        Direkte Fortsetzung:

        "Du hast genug Zeit, eine Entscheidung zu treffen, June. Du brauchst jetzt noch nicht zu reservieren", sagte er und schien zufrieden zu sein, das Kommando zu übernehmen.
        "Aber die Airline sagte, ich solle spätestens zwei Tage im Voraus buchen. Ich habe mich nur daran gehalten."
        "Beruhige dich, Baby, man kann auch eine halbe Stunde vor Abflug buchen. Höre nicht auf die, ich weiß es!"
        Ich wusste nichts über diese New York-Sache. Das war alles neu für mich. Der Gedanke, so weit weg von zu Hause zu sein, ängstigte mich, und ich fand tausend Gründe nicht mitzugehen.
        Zum einen hatte meine Mutter mir erlaubt, zehn Tage in Memphis mit Elvis und seinen Eltern zu verbringen. Ich konnte nicht in die größte Stadt der Welt gehen - ich war ein Kleinstadt-Mädchen. Zudem hatte ich nicht genügend warme Kleidung für den Norden dabei. Elvis konnte ein "Nein" nicht gut akzeptieren, und meine Argumente ebenfalls nicht.
        "June ist wie ich, Elvis. Ich mag auch nicht in diese großen Städte gehen, also lass sie", sagte Lovie zu meiner Verteidigung.
        "Okay, okay. Wenn du nicht mit mir gehen willst, dann bleib wenigstens hier bis ich zurück bin. Dann wirst du Natalie kennen lernen. Sie kommt für einige Tage zu Besuch", sagte Elvis, und dachte, ich wäre begeistert, einen großen Hollywood-Star wie Natalie Wood kennen zu lernen.
        Nick haute so schnell dazwischen, dass mir keine Zeit zum antworten blieb.
        "Warte kurz, Elvis. Wenn June bleibt, werde ich Natalie besser anrufen und ihr sagen, dass sie später kommen soll. Du hast nicht genug Zimmer für uns alle."
        "Mach dir keine Sorgen, Nick! Ich bleibe nicht!" sagte ich und verließ die Küche um in Elvis' Zimmer zu gehen. Mein Blut kochte als ich den Telefonhörer nahm und erneut unsere Flüge reservierte. Elvis und Nick kamen ins Zimmer als ich gerade auflegte. Elvis schickte Nick mit unfreundlichem Ton hinaus.
        "Bitte bleib, Baby. Ich möchte, dass du hier bist wenn ich zurück komme."
        "Ich habe mich bereits entschieden, Elvis. Wenn du abreist, fliege ich nach Hause. Du hast Nick gehört. Hier ist kein Platz für mich und Natalie."
        "Baby, ich habe Natalie nicht eingeladen, Nick war es. Er kann sie anrufen und ausladen. Das ist sowieso alles nur wegen der Publicity - nichts weiter, ich verspreche es."
        "Um ganz ehrlich zu sein, Elvis, ich würde Natalie gerne treffen. Aber hier ist kein Platz für mich und Nick Adams. Wenn er verschwindet, komme ich zurück", antwortete ich wütend.
        "Okay, June, wenn du es so haben willst ", sagte er scharf.
        "Nur so wird es sein", sagte ich noch schärfer.
        Als Elvis das Zimmer verließ, warf ich mich auf das Bett und vergrub mein Gesicht in einem Kissen. Ich war zu wütend um zu weinen. Wir waren freundlich, aber kühl zueinander für den Rest des Tages. Lovie brauchte nicht lange, um zu bemerken, dass etwas zwischen mir und Elvis nicht stimmte.
        "Komm, wir trinken einen Kaffee, kleine Satnin. Lass uns darüber sprechen, was euch zwei bedrückt", sagte sie und streichelte mein Gesicht.
        Ich fragte sie, ob sie das Kleid in Elvis Schrank gesehen habe, und erzählte ihr, dass Nick Natalie eingeladen habe, und ich sprach über seinen Kommentar, dass nicht genug Platz für uns alle da wäre. Nachdem ich nun reden konnte, verlor ich meine Beherrschung und war kurz vorm Weinen.
        "Nick besteht darauf, dass nicht genug Platz für Natalie ist, wenn ich hier bleibe. Er sagte, er würde sie anrufen, um ihr zu sagen, dass sie später kommen solle, nachdem ich abgereist bin. Er sagte immer wieder, dass es in Elvis' Business wichtig sei, auch mit anderen Mädchen gesehen zu werden, und nicht immer nur mit mir. Er denkt, ich sei nicht gut für Elvis' Karriere. Er versucht, sich zwischen uns zu stellen, Lovie, hundertprozentig", sagte ich schluchzend.
        "Komm, komm, kleine Satnin, trockne deine schöne Augen und mach dir keine Sorgen. Ich kümmere mich um Elvis. Ich wünschte, er wäre etwas vorsichtiger in der Wahl seiner Freunde." Sie gab mir ein Tempotaschentuch.
        "Ich glaube nicht, dass Elvis Nick ausgewählt hat, Lovie, ich glaube, Nick hat Elvis ausgewählt."
        "Da kannst du recht haben. Er manipuliert die Leute. Ich wünschte, irgendwer würde mir hier mal hin und wieder etwas erzählen. Ich weiß gar nicht mehr, was hier vor sich geht. Mach dir keine Sorgen, kleine Satnin, Lovie wird alles in Ordnung bringen. Ich verspreche es!"
        Ich war so erschöpft, dass Lovie vorschlug, ich solle in Elvis' Zimmer ein Nickerchen machen. Auf dem Weg dorthin vermied ich es, auf Elvis zu treffen. Nick konnte mich nicht in Tränen aufgelöst sehen; er war wie üblich draußen am Tor. Ich zog mich bis auf die Unterwäsche aus und krabbelte unter die Decke. Zusammengerollt wie ein Baby schlief ich schnell ein. Ich hatte eine ganze Weile geschlafen als Elvis herein kam und mich mit einem Kuss weckte.
        "Ich liebe dich mehr als alles andere in der Welt, Baby. Lass uns nicht miteinander streiten."
        "Ich liebe dich auch, Elvis, und ich hasse Streit."
        Er legte sich neben mich und küsste meine geschwollenen, geröteten Augen mit dem Kommentar, dass meine Augen nun viel blauer leuchten würden. Wir legten unseren Streit bei und verließen eine Stunde später Hand in Hand sein Zimmer. Lovie war so glücklich uns vereint zu sehen, dass sie sich von ihrem Küchenstuhl erhob, zu uns kam und uns beide umarmte und küsste.
        Alles zwischen mir und Elvis war großartig gelaufen, bis Nick in unser Leben stürmte. Ich war fest entschlossen, die Dinge wieder so werden zu lassen wie sie zuvor gewesen waren - indem ich Nick ignorierte. Wie auch immer, eine gute Seite hatte es: er war ein guter Kumpel für Pat. Sie hatte nicht viel Beschäftigung, und ging oft mit ihm zum Tor um mit den Fans zu reden. Sie gab sogar selbst Autogramme.
        Elvis fiel die Decke auf den Kopf, und er suchte nach einem Grund, das Haus zu verlassen. Er rief Nick und Pat herein.
        "Lasst uns schauen was die Konkurrenz macht", schlug Elvis vor. Wir vier sprangen in das pinke Cadillac um zu einem Plattenladen in der City zu fahren. Pat und ich blieben vor dem Schaufenster stehen um uns einige Merchandise-Artikel anzusehen. Nick hing an Elvis' Fersen - er war schlimmer als ein Bluthund - und folgte ihm in die Plattenabteilung des Geschäfts.
        Ich wollte mir etwas Gutes tun und fragte den Verkäufer ob er mir ein kleines Transistorradio zeigen könne, welches ich entdeckt hatte. Es war so groß wie meine Handfläche, lavendelfarben und komplett mit Strasssteinen verziert. Ich sagte "Dankeschön" und gab es direkt zurück. Der Preis war wesentlich höher als die 51 Dollar die ich in meinem Portemonnaie hatte. Wir trafen Elvis bei den Schallplatten und halfen ihm, einige Neuveröffentlichungen heraus zu suchen. Mit mindestens zwanzig neuen Singles (keine einzige von Elvis) und drei Alben verließen wir den Laden.
        In seinem Zimmer hörten wir die Platten an. Er wartete bis mein Lieblingssong "Unchained Melody" lief. Und dann sang er den Song mit - und gab mir ein kleines Päckchen in weißem Papier und einer pinken Schleife.
        "Alles Gute zum Geburtstag, Baby. Ich weiß, dass er erst nächsten Monat ist, aber wahrscheinlich werde ich nicht bei dir sein können."
        "Danke, mein Liebster", ich küsste ihn und drückte das Päckchen an meine Brust.
        Ich wollte bis zu meinem Geburtstag warten um das Geschenk zu öffnen, aber er bestand darauf, dass ich es jetzt auspackte. Es war das kleine Radio mit den Strasssteinen, das ich in dem Geschäft gesehen hatte.
        "Ich habe beobachtet, wie du es dir angesehen hast. Ich hoffe, du magst es", sagte er mit einem breiten Lächeln.
        "Mögen? Ich mag es nicht. Ich liebe es!" rief ich. Ich befreite mich aus seinen Armen und rannte in die Küche, um es Lovie zu zeigen.
        "Ich habe es bereits gesehen, June. Ich war diejenige, die es eingepackt hat. Es ist das putzigste kleine Ding was ich jemals gesehen habe", sie strahlte über das ganze Gesicht.
        Ich stellte es an und erwischte direkt einen Sender der gerade "Hound Dog" spielte. Ich lief zurück zum Schlafzimmer und rief nach Elvis, damit er es hören konnte. Nick das A...loch, erhob sich vom Fußboden und drehte die HiFi-Anlage lauter. Am liebsten hätte ich ihm gesagt, er solle doch wieder hinausgehen um Autogramme zu schreiben - und dass die Fans nicht wählerisch seien und sogar Autogramme von Pat haben wollten. Aber ich hielt meinen Mund und tat so, als sei er gar nicht da. Elvis musste mit mir in den Flur gehen, um das kleine Radio hören zu können.
        Nick brachte noch einige hinterhältige Dinge, immer hinter Elvis' Rücken. Ich versuchte, sie zu ignorieren. Ich habe nie herausfinden können was Nick gegen mich hatte, aber ich war fest entschlossen mehr Charakter zu zeigen als er, und war stets freundlich zu dem kleinen Kerl. Weil Elvis mich darum gebeten hatte.
        Mit einer Fotosession und einigen Interviews, die Colonel Parker arrangiert hatte, wurden unsere letzten beiden Tage in Memphis unerträglich. Wagenladungen voller Reporter und Fotografen kamen, und jeder wollte Elvis' ungeteilte Aufmerksamkeit. Sogar ein Repräsentant von RCA kam und präsentierte Elvis mit einer Goldenen Schallplatte für Love Me Tender. Es war ein richtiger Zirkus! Aber das war eben genau das, wofür der Colonel berühmt war. Elvis nahm das alles hin. Er hatte keine andere Wahl.
        Am Morgen unseres letzten Tages erwachte ich als es dämmerte, und konnte nicht mehr schlafen. Ich schlich mich leise in die Küche um Kaffee aufzusetzen, in der Annahme, ich sei als erstes wach. Aber Lovie war schneller gewesen. In dem Wissen, dass Elvis am Nachmittag nach New York aufbrechen würde, hatte auch sie nicht mehr schlafen können.
        "Das wird wahrscheinlich unsere letzte gemeinsame Mahlzeit sein für eine Weile. Ich möchte es besonders nett haben", sagte sie. Sie plante ein großes Frühstück. Sie überprüfte den Inhalt des Kühlschranks, und holte dann einen frischen Behälter mit Mehl und Maisgrütze aus der Vorratskammer. Wir hatten zum Frühstück sogar noch öfter Maisgrütze gegessen, als Backhähnchen zu Mittag.
        Wie ein echter Südstaaten-Maisgrütze-Esser bohrte Elvis mit dem Löffel ein Loch in den Grützehügel und füllte es mit Margarine auf. Elvis hatte damals noch keinen Sinn für das Wahre. Er erklärte, richtige Butter schmecke abgestanden.
        Lovie stimmte erfreut zu, als ich vorschlug, braune Kartoffeln statt Grütze zu verwenden, und ich half ihr bei der Zubereitung.
        "Ich werde dich vermissen, June. Sobald Nick abreist, möchte ich, dass du zurück kommst. Okay? Wenn du hier bist, mache ich mir nicht so viele Gedanken über Elvis."
        "Machen sie sich keine Sorgen, Lovie. Ich werde zurück kommen. Auch wenn es keinen anderen Grund gibt als sie zu besuchen", sagte ich und küsste sie auf die Wange.
        Als wir unseren zweiten Kaffee getrunken hatten, waren alle erwacht und versammelten sich in der Küche. Elvis warnte seine Mutter vor, dass der Medienrummel gegen 10 Uhr weitergehen würde, und dass wir mit dem Frühstück beginnen sollten, um Unterbrechungen zu vermeiden. Ich ging duschen und machte mich bereit für den Ansturm. Ich packte meinen Koffer und zog die Sachen an, die ich für den Rückflug vorgesehen hatte. Als ich in die Küche zurückkehrte, pfiff Elvis durch die Zähne. Sogar Nick machte mir, sehr zu meiner Überraschung, Komplimente. Ob er es ernst meinte, weiß ich nicht, und es kümmerte mich auch nicht wirklich. Ich wusste, dass er froh war, dass sich unsere Wege trennten, und das beruhte auf Gegenseitigkeit.
        Elvis hatte recht behalten über den Zirkus: um 11 Uhr glich das Haus einem Zoo - es war fast so unerträglich wie am Tag zuvor. Wir bekamen es hin, uns 15 Minuten lang davon zu stehlen, und schlossen uns in Elvis' Badezimmer ein - bevor wir in verschiedene Richtungen aufbrachen.
        Als ich mich im Flugzeug anschnallte, stieß ich einen tiefen Seufzer der Erleichterung aus. Ich vermisste Elvis bereits, aber ich freute mich auf etwas Ruhe und Frieden. Mein Herz litt für Elvis - ich wünschte, er hätte auch etwas Ruhe und Frieden gehabt, aber ich wusste, dass es für ihn kein Entrinnen gab.
        Would you sign me an autograph? - Sure, Honey!

        Kommentar

        • Eleonor
          Foren-Experte

          • 02.05.2017
          • 741

          #109
          Dankeschön!
          Gibts noch ne Fortsetzung von Dir?
          Grüße

          Kommentar

          • honeybee
            Board-Legende

            • 29.01.2017
            • 11757

            #110
            Wenn du möchtest! Schließlich will ich meinen einzigen Fan in diesem Thread nicht enttäuschen

            Ist kein Problem. Die Übersetzung ist eh schon geschrieben. Muss ich nur hier rein kopieren
            Would you sign me an autograph? - Sure, Honey!

            Kommentar

            • honeybee
              Board-Legende

              • 29.01.2017
              • 11757

              #111
              Ein Bild sagt mehr als tausend Worte



              Elvis wollte schon seit längerer Zeit ein professionelles Foto von mir haben. Einige Tage nach meiner Abreise aus Memphis hatte ich einen Termin bei einem Fotografen.
              "Das Foto muss etwas ganz besonderes werden. Ich möchte es meinem Freund schicken", informierte ich den Fotografen, während er die Beleuchtung einrichtete.
              "Zufällig weiß ich wer es ist, June", antwortete er und betrachtete mein Gesicht aus jedem Blickwinkel.
              Es schien, als wenn jeder in Biloxi wusste, wer mein Freund war, ausgenommen die Verstorbenen und die Analphabeten.
              "Welche Art Foto hast du dir vorgestellt, June? Ernst oder mit einem Lächeln?"
              "Nackt!" antwortete ich und lachte, "Es war nur Spaß. Welche Möglichkeiten gibt es noch?"
              "Nun, ich habe niemals jemanden fotografiert, der weint", neckte er mich.
              "Warum nicht? Das könnte interessant sein."
              Er machte zunächst einige ernsthafte Aufnahmen von mir. Dann verließ er den Raum und kehrte mit zwei großen schwarzen Tüchern zurück. Eines legte er um meine Schultern, befestigte es mit einer Sicherheitsnadel und das zweite legte er über meinen Kopf. Abgesehen von einigen Haarsträhnen in meiner Stirn, sah ich aus wie eine Nonne.
              "Fast perfekt!" verkündete er und ging nochmals hinaus. Er kam mit einem Töpfchen Vaseline zurück.
              "Wir brauchen ein wenig Glanz", sagte er und tupfte mir etwas Vaseline auf die Wangenknochen, die Nase und das Kinn.
              "Okay June, glaubst du, du kannst mir ein paar Tränen zeigen?" Ich schaute direkt, ohne zu zwinkern, in die Scheinwerfer - und die Tränen kamen.
              "Großartig! Großartig! Nicht aufhören! Ich würde gerne eine Träne auf deiner Wange erwischen."
              Er drückte, so schnell es ging, den Auslöser. Wir hatten nur ein kleines Problem: mit den Tränen begann meine Nase zu laufen. Ich schnüffelte zwischen den Aufnahmen, und er reichte mir ein Tempotaschentuch. Unnötig zu erwähnen, dass ich nach absolutem Liebeskummer aussah, als ich das Studio verließ.
              Ich kam gerade rechtzeitig zu Hause an, um einen Anruf von Elvis entgegen zu nehmen. Ich schniefte noch immer und er machte sich Sorgen, dass ich mich erkältet haben könnte. Ich erzählte ihm nichts von der Fotosession, stattdessen berichtete ich ihm, dass meine Mutter mit einer großen Überraschung nach Hause gekommen war: mit unserem ersten Fernseher. Sie wollte ihn eigentlich erst zu Weihnachten kaufen, aber als sie gehört hatte, dass Elvis in der Ed Sullivan Show sein würde, hatte sie die Anschaffung vorgezogen. Es war ein kleines schwarz-weißes Gerät - aber er gehörte uns.
              "Gute Neuigkeiten, Baby. Das heißt, du hast die Show sehen können? War ich gut?" fragte er ohne ein Ja oder Nein abzuwarten.
              "Du warst wundervoll! Du warst nur nicht lange genug zu sehen," erklärte ich.
              "Habe ich nervös gewirkt? Wenn du da gewesen wärst, hättest du meine Hand halten können."
              "Als die Show lief, habe ich mir die ganze Zeit gewünscht, ich wäre bei dir gewesen", gab ich zu.
              "Yeah gut, wünschte, du hättest es nicht abgelehnt, Baby. Ich wünschte, du hättest nicht so schnell Nein gesagt. Sei ruhig, Nick! Ich versuche zu telefonieren, wenn es dir nichts ausmacht!" schrie Elvis.
              Ich konnte Nick deutlich im Hintergrund hören, wie er Mr. Magoo imitierte.
              "Du hattest deine Chance, Baby. Du hast sie sausen lassen! Du hast sie sausen lassen!" sagte Mr. Magoo laut genug, so dass ich ihn hören konnte.
              "Bist du zurück in Memphis, Elvis? Ist Nick Adams noch immer bei dir? Falls ja, würdest du ihm sagen, dass er mich am A...lecken kann, bitte?"
              "Verdammt Nick! Halt deine dumme Schnauze! Du hättest mit mir dort sein können, June", in seiner Stimme lag Ärger.
              "Was kann ich noch sagen? Es tut mir leid; ich war nicht bei dir."
              "Naja, vielleicht war es auch besser so. Der Colonel hat es mir schwer gemacht. Er hat herausgefunden, dass du in Memphis warst. Wir müssen uns für eine Zeit ruhig verhalten, Baby. Es tut mir leid."
              Jedesmal, wenn ich den Namen 'Colonel' hörte, schoss mir das Blut in den Kopf. Ich hielt den Hörer, aber sagte kein Wort.
              "Ich habe zu tun was ich zu tun habe, Baby. Entschuldigung. Ich wünschte, du wärst geblieben. Natalie kommt heute Abend."
              "Wie du schon sagst, Elvis - wahrscheinlich ist es besser so."
              "Ich melde mich bei dir, June. Denk dran, ich liebe dich, Baby."
              "Ich liebe dich auch, Elvis. Grüß Natalie von mir." Ich legte auf ohne das Freizeichen abzuwarten. Ich hatte das Gefühl, mit zwei verschiedenen Personen gesprochen zu haben. Ich war wütend.
              Der 'Memphis Commercial Appeal' berichtete, dass Elvis seinen beiden Gästen Motorräder gekauft hatte um Ausflüge damit machen zu können.
              "Großartige Sache", dachte ich sauer.
              Elvis rief an dem Tag an, an dem seine Gäste abreisten, um mir zu sagen, dass er mich liebe. Ich fühlte mich wieder sicher. Wir quatschten über mehrere Stunden ohne ein spezielles Thema zu haben. Die meiste Zeit über versuchte er mich davon zu überzeugen, dass er keine Wahl habe, sondern tun müsse, was der Colonel von ihm verlange. Seine Offenheit und Aufrichtigkeit reichte aus um mich zu beruhigen. Zumindest vorerst.
              Bald erreichte mich der Anruf des Fotografen, dass die Bilder fertig seien. Als ich das Studio betrat, schnappte ich nach Luft. An der Wand hinter der Empfangstheke hing mein gerahmtes Foto in einer Größe von 45 x 60cm.
              "Ich wollte einen 20 x 25 cm- Abzug. Ich kann mir diese Größe nicht leisten!" sagte ich panisch, weil ich dachte, es habe ein Missverständnis gegeben.
              "Dieses ist für mich, June. Ich habe mir die Freiheit genommen, um dich zu überraschen. Wie findest du es?" fragte er ersichtlich stolz auf sein Werk.
              "Es ist schön, sehr schön", ich war noch immer schockiert über die Größe.
              Er wollte das Foto bei einem anstehenden Fotografen-Wettbewerb vorstellen, und mir die Kopien kostenlos überlassen. Er gewann nicht das "Blaue Band" , worauf er gehofft hatte; dafür aber das "Rote Band" für den zweiten Platz. Nach Meinung der Juroren, hätte mein Hals mehr beleuchtet werden müssen, um ein Gleichgewicht herzustellen.
              "Pingelig - sehr pingelig", sagte ich als er mir die Enttäuschung mitteilte.
              Ich lief die zwei Meilen zur Post um Elvis mein Foto zu schicken. Ich sang ein Lied im Rhythmus meiner Schritte. In glücklicher Stimmung rief ich später bei Elvis an, aber er war nicht zu Hause. Er war in Las Vegas, und Lovie wusste nicht, wann er zurück käme. Ich unterhielt mich lange mit ihr am Telefon.
              "Ich wünschte, du wärest bei ihm, June. Ich mache mir Sorgen. Er hat immer noch Kontakt zu diesem kleinen, verschlagenen Nick Adams."
              "Elvis ist ein großer Junge, Lovie. Ich bin sicher, dass er okay ist, und bald zu Hause sein wird", sagte ich beruhigend.
              "Sobald er durch die Tür kommt sage ich ihm , dass er dich anrufen soll, kleine Satnin. Ich liebe dich. Pass auf dich auf."

              Zwei Wochen vergingen, dann eine weitere. Sicherlich würde er an meinem Geburtstag anrufen, dachte ich - aber er tat es nicht. In der ersten Dezember-Woche las ich im Commercial Appeal, dass ein Showgirl aus Las Vegas bei Elvis zu Besuch sei.
              "Ist das auch aus Publicity-Gründen, du untreuer Bastard?" dachte ich bei mir. "Ha!"
              Ich rief Pat an um zu fragen, ob sie von den Neuigkeiten gehört hatte.
              "Ja, habe ich. Es tut mir leid, June. Ich hätte dir nicht davon erzählt. Du kennst meine Einstellung: was du nicht weißt, kann dich nicht verletzen. Vielleicht ist das alles sowieso nur aus Publicity-Gründen. Das Mädchen ist noch nicht einmal hübsch", antwortete sie, und ergriff gleichzeitig Partei für mich und Elvis.
              "Ich finde sie auch nicht hübsch, aber sie ist ein Showgirl. Wahrscheinlich hat sie lange Beine, und du weißt, wie sehr er auf Beine steht", sagte ich genervt und sauer.
              "Yeah, aber June, wahrscheinlich hat er sie eingeladen als sie ihr Bühnen-Make-up trug. Kannst du ihn dir vorstellen, als er sie ohne Make-up gesehen hat? Ha!"
              Would you sign me an autograph? - Sure, Honey!

              Kommentar

              • honeybee
                Board-Legende

                • 29.01.2017
                • 11757

                #112
                Hier das Foto. Man erkennt nicht viel wegen der schlechten Qualität.


                Would you sign me an autograph? - Sure, Honey!

                Kommentar

                • Eleonor
                  Foren-Experte

                  • 02.05.2017
                  • 741

                  #113
                  Der Erzählstiel dieses Buches erinnert mich an an Kitsch-Pilcher-Romane. Dennoch interessant und gerne wieder zu lesen.
                  Danke

                  Kommentar

                  • honeybee
                    Board-Legende

                    • 29.01.2017
                    • 11757

                    #114
                    Dieses Buch ist von einer Frau persönlich geschrieben worden, die sich an Dinge aus ihrem jungen Erwachsenenalter erinnert. Es ist ihre Geschichte - und kein Roman, der von einem professionellen Autor verfasst wurde. Sie hat sich wahrscheinlich nie mit irgendwelchen Stilmitteln beschäftigt. Sie war Näherin, und zwischendurch mal Aushilfe in einem Kosmetik-Salon. Ich will damit nicht sagen, dass sie dumm war! Im Gegenteil, mMn. besitzt sie ein hohes Maß an (emotionaler) Intelligenz. Trotz ihres jungen Alters war sie selbstbewusst und weitsichtig.

                    Bei einigen, die selbst geschrieben haben, liest es sich so - einfach. Macht aber nichts. Sie ist in der Lage Stimmungen rüber zu bringen, und den Leser in die damalige Zeit zu holen. Das reicht aus.
                    Would you sign me an autograph? - Sure, Honey!

                    Kommentar

                    • allerteuerste
                      Gehört zum Inventar

                      • 27.06.2004
                      • 3089

                      #115
                      Zitat von honeybee
                      Die meiste Zeit über versuchte er mich davon zu überzeugen, dass er keine Wahl habe, sondern tun müsse, was der Colonel von ihm verlange.
                      Und das ist ein Punkt, der mir bis heute Rätsel aufgibt.
                      War es wirklich so? War Elvis dermaßen hilflos, unselbstständig, ängstlich, dass er aufs Wort gehrochte?
                      Wurde er erpresst?
                      Oder log er einfach unverschämt? Und benutzte den Colonel als Ausrede, damit er selbst als offen und ehrlich dastehen konnte?

                      Man möchte doch meinen dass kein Manager so blöde ist, die Gans, die goldene Eier legt, zu verärgern, nicht wahr?
                      "Motorboat! Motorboat! Ruadan tua i nur zur Noat!"

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                      • Eleonor
                        Foren-Experte

                        • 02.05.2017
                        • 741

                        #116
                        Wäre es generell denkbar das Elvis durch die Geschichte mit Pricilla abhängig geworden war und erpressbar wurde? Stichwort, Vertuschung?

                        Zeitlich passt das nicht zusammen, ist mir klar.. aber eine Form von Abhängigkeit könnte doch entstanden sein. Warum sonst lässt man so mit sich umgehen?

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                        • honeybee
                          Board-Legende

                          • 29.01.2017
                          • 11757

                          #117
                          Zitat von allerteuerste
                          Und das ist ein Punkt, der mir bis heute Rätsel aufgibt.
                          War es wirklich so? War Elvis dermaßen hilflos, unselbstständig, ängstlich, dass er aufs Wort gehrochte?
                          Keine Ahnung. Insgesamt macht es den Eindruck, auch in späteren Berichten, dass er sich leider nur sehr selten gegen Parker aufgelehnt hat. Ich empfinde das Verhältnis als keines auf Augenhöhe. Ich empfinde Elvis auch nicht als den Arbeitgeber, der er ja eigentlich war. Wenn man so einiges glauben darf, war es eher ein Vater-Sohn-Verhältnis, mit einem sehr strengen Vater (zumindest in den ersten Jahren). Man darf aber auch nicht vergessen, wie jung Elvis noch war. Ihm wurde wohl auch öfter gesagt, dass er sich glücklich schätzen kann mit Parker. Der hatte nun mal einen Super-Ruf und war hoch angesehen in der Branche. Man hat Elvis wissen lassen, dass das Business aus Haien bestehen würde, und dass er nicht überleben würde. Also, mich hätte das beeindruckt als junger unerfahrener Mensch.

                          Wurde er erpresst?
                          Von Parker? Angeblich soll Parker ihm des öfteren gesagt haben, dass er ihn fallen lassen würde, wenn er nicht spurt. Elvis kannte sich vielleicht nicht gut genug im Showbusiness aus (also in vertraglichen Angelegenheiten), um das Risiko einzugehen.

                          Oder log er einfach unverschämt? Und benutzte den Colonel als Ausrede, damit er selbst als offen und ehrlich dastehen konnte?
                          Auch das ist möglich. Er hat sich ja gerne vor den unangenehmen Dingen gedrückt. Aber ich tendiere eher zu der o.g. Variante, da sich das durch das gesamte Verhältnis zog.

                          Man möchte doch meinen dass kein Manager so blöde ist, die Gans, die goldene Eier legt, zu verärgern, nicht wahr?
                          Ich kann mir vorstellen, dass Parker genau wusste, wie weit er gehen kann. Und wenn da so ein Burschi vor dir steht, und immer "Ja, Sir" "Nein, Sir" sagt, weil er zu außerordentlichem Respekt gegenüber Erwachsenen, die zudem viel Ahnung haben, erzogen wurde, kann man die Messlatte fast außer Acht lassen. Elvis musste seine Eltern ja zunächst überreden, dass der Vertrag mit Parker überhaupt zustande kam. Vor allem seine Mutter war dagegen. Jetzt musste er natürlich auch zu seinem Entschluss stehen.

                          Auffällig finde ich einen Bericht aus der Zeit des 68er Specials. Elvis hat ja gemeinsam mit Binder "quer geschossen". Er hat angeblich zu Parker gesagt: "Colonel, Steve Binder hat recht. Und ich möchte es so machen."
                          Aber: Elvis hätte das niemals zu Parker im Beisein von Binder gesagt, "weil er so nicht mit dem Colonel umging". Sollte dieser Bericht der Wahrheit entsprechen, sagt das so einiges.

                          Das ist aber nur meine Sicht auf die Dinge.
                          Would you sign me an autograph? - Sure, Honey!

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                          • honeybee
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                            • 29.01.2017
                            • 11757

                            #118
                            Zitat von Eleonor
                            Wäre es generell denkbar das Elvis durch die Geschichte mit Pricilla abhängig geworden war und erpressbar wurde? Stichwort, Vertuschung?

                            Zeitlich passt das nicht zusammen, ist mir klar.. aber eine Form von Abhängigkeit könnte doch entstanden sein. Warum sonst lässt man so mit sich umgehen?
                            Richtig, der zeitliche Zusammenhang fehlt.

                            Aber angeblich war ihm bewusst, dass er sich wegen der minderjährigen Priscilla erpressbar gemacht hat. Er soll sich Vertrauten gegenüber so geäußert haben.
                            Aber ich glaube nicht, dass Parker dieses Instrument benutzt hat. Das Verhältnis zu Parker war so früh begründet (s.o.), dass er ein so fieses Druckmittel gar nicht brauchte, meine ICH.

                            Man muss dringend die Situation betrachten, in der die Familie Presley steckte. Sie alle waren einfache Leute, und waren froh, ein Dach überm Kopf zu haben und etwas zu essen. Und dann schoss der Elvis plötzlich ab in eine Welt, die ihnen gänzlich unbekannt war. Ich glaube, die hatten alle drei Schiss - und ihnen stand einfach nur der Mund auf.
                            Would you sign me an autograph? - Sure, Honey!

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                            • Eleonor
                              Foren-Experte

                              • 02.05.2017
                              • 741

                              #119
                              Schon wieder dieses Bild von Gefügigkeit.

                              Es müssen sich damals doch auch andere Manager massiv um ihn gerissen, bemüht haben. Wie hat der Colonel es geschafft, einerseits ihn so fremdbestimmt werden zu lassen, andererseits so unanfechtbar zu bleiben. War er so unangefochten DER Musikmanager schlechthin?

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                              • Eleonor
                                Foren-Experte

                                • 02.05.2017
                                • 741

                                #120
                                Zitat von honeybee
                                Richtig, der zeitliche Zusammenhang fehlt.



                                Aber angeblich war ihm bewusst, dass er sich wegen der minderjährigen Priscilla erpressbar gemacht hat. Er soll sich Vertrauten gegenüber so geäußert haben.

                                Aber ich glaube nicht, dass Parker dieses Instrument benutzt hat. Das Verhältnis zu Parker war so früh begründet (s.o.), dass er ein so fieses Druckmittel gar nicht brauchte, meine ICH.



                                Man muss dringend die Situation betrachten, in der die Familie Presley steckte. Sie alle waren einfache Leute, und waren froh, ein Dach überm Kopf zu haben und etwas zu essen. Und dann schoss der Elvis plötzlich ab in eine Welt, die ihnen gänzlich unbekannt war. Ich glaube, die hatten alle drei Schiss - und ihnen stand einfach nur der Mund auf.


                                Der letzte Absatz macht es plausibel.
                                Ob es stimmt, wissen wir nicht, aber man kann sich vorstellen, das eine aus einfachen Verhältnissen stammende Familie, durchaus Angst bekommt, vor Veränderungen oder wieder in den Abgrund zu stürzen.
                                Und Gladys macht einem auf Fotos zumeist sehr ängstlichen Eindruck.

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