D.J. Fontana in Deutschland - Interview mit Elvis' Schlagzeuger
(Andreas Warmuth) aus Graceland Nr. 75
D.J. Fontana an dieser Stelle vorzustellen, dürfte sich wohl erübrigt haben. Jeder kennt den sympathischen Schlagzeuger, der Elvis durch die ersten 15 Jahre seiner gigantischen Karriere begleitet hat. Sein Name steht auf den Covers unzähliger Elvis-Platten.
Die Stage-Shows, die Ed-Sullivan-Shows, bis hin zum 68er Comeback, er war bis 1968 bei allen markanten Geschehnissen in Elvis' Karriere dabei. Wie er damals aussah, ist vor allem den neueren Fans nicht so bekannt, denn oft ist er auf den heute bekannten Videos von Elvis' ersten TV-Shows bis zum (hohen) Haaransatz hinter seinem Schlagzeug versteckt. Obwohl er mit seiner Arbeit wesentlich zu dem uns bekannten Elvis-Sound beitrug, blieb er dadurch immer etwas im Hintergrund.
Anders war das am Wochenende vom 16. bis zum 18. November 1990. In diesen drei Tagen war er nämlich auf Europatournee. Nachdem er am 16. in der Schweiz bei einem Fan-Treffen aufgetreten war, fand man ihn am 17. 11. im "Sportheim" von Bad Nauheim, wo sich an diesem Tag ca. 350 Elvis-Fans aus allen Teilen Deutschlands trafen. Bevor D.J. jedoch an diesem Tag sein schlagzeugerisches Können unter Beweis stellte, konnte ich, zusammen mit einigen wenigen anderen Fans, das folgende Interview mit ihm aufzeichnen:
Frage: Vielleicht können Sie uns etwas über Ihre Arbeit und die Zeit, die Sie mit Elvis verbracht haben, erzählen.
D.J.: Oh, das geht schon einige Jahre zurück, etwa 1954-1955. Sie hatten bereits einige Platten mit ihm herausgebracht. Diese original SUN-Sachen. Ich kam dann ca. 6 Monate später dazu und blieb dann auch eine Weile, weil ich einfach nichts Besseres zu tun hatte. Er kam ca. drei mal zum "Louisiana Hayride" ...und ich arbeitete mit der Hayride-Besetzung ... und dann mussten wir ihm (mit einem Schlagzeuger) aushelfen in einer Nacht. Danach ging er für vier Tage nach Texas. Longview, Kilgore Taloe... diese Namen sagen Ihnen vielleicht nichts, aber da spielte sich das ab. Dann kam er nach Shreveport zurück und sagte: "Wir gehen hoch zur Ost-Küste", und dann fragten sie mich, ob ich mitwolle. Ich entschied mich dafür, mitzugehen. So bin ich dann für 12 oder 15 Jahre mit ihnen zusammen geblieben. Manchmal ist es halt schwer, einen Job zu finden, bei dem man auch bleiben kann.
Frage: Wissen Sie irgend etwas über unveröffentlichtes Material... (Ich hatte das Wort "unveröffentlicht" noch nicht ganz ausgesprochen, da fiel er mir schon mit einem energischen NO! ins Wort.) ...und wenn nicht, wie erklären Sie es sich dann, dass keiner von Elvis' langjährigen Freunden mehr etwas über das unveröffentlichte Material weiß, das fast monatlich auf neuen Bootlegs erscheint?
D.J.: Viele Bootlegs bestehen aus Outtakes, die oftmals in Kalifornien aufgenommen wurden. Dort haben wir eine Menge Stoff aufgenommen. Und diese Sachen verschwanden einfach durch den Hinterausgang. "RCA Victor" wusste also gar nicht, dass es diese Sachen überhaupt gab. So kamen die Bootlegger an das ganze Material. Zwar sandten sie RCA die fertigen Master-Aufnahmen, aber die Toningenieure ließen ja ständig das Band mitlaufen. Die kostete es ja nichts, wenn das Band ständig lief. Diese Sachen passierten also, und als dann der unglückliche Umstand dazukam, dass ein Mann wie Elvis so früh in seiner Karriere starb, da dachten sie sich, "Mit solchen Aufnahmen können wir 1.000.000 Dollar machen. Ich kann mich aus der Hintertür davomachen und das ganze Material mitnehmen". Und "Victor" wusste überhaupt nichts davon. Victor weiß noch nicht einmal, was sie in ihren Archiven haben. Die wissen es tatsächlich nicht.
Frage: Ger Rijff hat ja jetzt die Archive durchsucht. Wissen Sie davon?
D.J.: Sie fanden unzählige Bänder, die sogar verstreut in verschiedenen Kisten waren. Sehen Sie, das meine ich. Sie sollten mit dieser Arbeit unbedingt weitermachen.
Frage: Sie können sich also an keine einzige Aufnahme erinnern, bei der Elvis, z.B., vielleicht sogar in Graceland, neue Songs probiert hat?
D.J.: Bei den Proben lief das Band nie. Erst wenn man für die eigentlichen Aufnahmen vorbereitet war, nahm man auf. Und diese "Zwischentakes" behielten sie, und keiner wusste davon. Außer den Ingenieuren, die zum Hinterausgang damit verschwanden. Ich kenne diese Leute, möchte sie jedoch nicht namentlich nennen (lacht). Die haben noch einen Haufen Stoff, das kann ich versichern. Wir haben in Kalifornien eine Menge aufgenommen. Wir haben ja normale Sessions und Film-Soundtracks dort gemacht. Und irgendjemand, irgendwo, hat diese Sachen. Und sie geben uns das von Zeit zu Zeit. Sie können das jetzt nicht mehr so oft machen. Ihnen wurden die Hände durch Gesetze gebunden. Wenn jetzt jemand mit Bootleg-Tapes erwischt wird, geht er ins Gefängnis. So endet es dann. Aber sie machen es trotzdem. Was sie tun ist, sie befördern die Sachen nach England oder andere fremde Märkte. Und von dort kommen die Sachen dann wieder in die Staaten.
Frage: Haben Sie welche davon?
D.J.: Nein, ich wünschte, ich hätte welche.
Frage: Oh, draußen in der Halle kann man sie kaufen.
D.J.: Ach Bootleg-LPs meinen Sie. Natürlich habe ich Bootlegs. Jeder hat sie. Ich habe einen Freund in Baltimore, der sammelt solche Sachen nur noch.
Wissen Sie, als diese Sache ihren Höhepunkt erreichte, da kam das FBI zu mir nach Hause. (Anm. D.J. meint damit wohl die Jahre 1980-1985, als mit dem Bootleg-Set "Behind closed doors" und den anderen LPs, die damals auf dem Audifön-Label erschienen, die ersten größeren Mengen der uns heute hinreichend bekannten Filmsessions ans Licht kamen. Damals wurden LKW-Ladungen mit Bootlegs vom FBI beschlagnahmt. Die Hersteller dieser Platten sollen teilweise noch heute im Gefängnis sitzen). Sie kamen zu allen nach Hause. Sie fragten mich, ob ich Bootleg-Bänder besitze, und ich sagte im Spaß: "Ja, jede Menge. Holt sie euch." Ich wolltemich mit denen nicht anlegen. Sie wollten einfach verschiedene Leute überprüfen, und sie wussten nicht, wo die Quellen waren. Also gingen sie zu jedem. Zu den "Jordanaires", zu mir nach Hause. Sie waren überall.
(Andreas Warmuth) aus Graceland Nr. 75
D.J. Fontana an dieser Stelle vorzustellen, dürfte sich wohl erübrigt haben. Jeder kennt den sympathischen Schlagzeuger, der Elvis durch die ersten 15 Jahre seiner gigantischen Karriere begleitet hat. Sein Name steht auf den Covers unzähliger Elvis-Platten.
Die Stage-Shows, die Ed-Sullivan-Shows, bis hin zum 68er Comeback, er war bis 1968 bei allen markanten Geschehnissen in Elvis' Karriere dabei. Wie er damals aussah, ist vor allem den neueren Fans nicht so bekannt, denn oft ist er auf den heute bekannten Videos von Elvis' ersten TV-Shows bis zum (hohen) Haaransatz hinter seinem Schlagzeug versteckt. Obwohl er mit seiner Arbeit wesentlich zu dem uns bekannten Elvis-Sound beitrug, blieb er dadurch immer etwas im Hintergrund.
Anders war das am Wochenende vom 16. bis zum 18. November 1990. In diesen drei Tagen war er nämlich auf Europatournee. Nachdem er am 16. in der Schweiz bei einem Fan-Treffen aufgetreten war, fand man ihn am 17. 11. im "Sportheim" von Bad Nauheim, wo sich an diesem Tag ca. 350 Elvis-Fans aus allen Teilen Deutschlands trafen. Bevor D.J. jedoch an diesem Tag sein schlagzeugerisches Können unter Beweis stellte, konnte ich, zusammen mit einigen wenigen anderen Fans, das folgende Interview mit ihm aufzeichnen:
Frage: Vielleicht können Sie uns etwas über Ihre Arbeit und die Zeit, die Sie mit Elvis verbracht haben, erzählen.
D.J.: Oh, das geht schon einige Jahre zurück, etwa 1954-1955. Sie hatten bereits einige Platten mit ihm herausgebracht. Diese original SUN-Sachen. Ich kam dann ca. 6 Monate später dazu und blieb dann auch eine Weile, weil ich einfach nichts Besseres zu tun hatte. Er kam ca. drei mal zum "Louisiana Hayride" ...und ich arbeitete mit der Hayride-Besetzung ... und dann mussten wir ihm (mit einem Schlagzeuger) aushelfen in einer Nacht. Danach ging er für vier Tage nach Texas. Longview, Kilgore Taloe... diese Namen sagen Ihnen vielleicht nichts, aber da spielte sich das ab. Dann kam er nach Shreveport zurück und sagte: "Wir gehen hoch zur Ost-Küste", und dann fragten sie mich, ob ich mitwolle. Ich entschied mich dafür, mitzugehen. So bin ich dann für 12 oder 15 Jahre mit ihnen zusammen geblieben. Manchmal ist es halt schwer, einen Job zu finden, bei dem man auch bleiben kann.
Frage: Wissen Sie irgend etwas über unveröffentlichtes Material... (Ich hatte das Wort "unveröffentlicht" noch nicht ganz ausgesprochen, da fiel er mir schon mit einem energischen NO! ins Wort.) ...und wenn nicht, wie erklären Sie es sich dann, dass keiner von Elvis' langjährigen Freunden mehr etwas über das unveröffentlichte Material weiß, das fast monatlich auf neuen Bootlegs erscheint?
D.J.: Viele Bootlegs bestehen aus Outtakes, die oftmals in Kalifornien aufgenommen wurden. Dort haben wir eine Menge Stoff aufgenommen. Und diese Sachen verschwanden einfach durch den Hinterausgang. "RCA Victor" wusste also gar nicht, dass es diese Sachen überhaupt gab. So kamen die Bootlegger an das ganze Material. Zwar sandten sie RCA die fertigen Master-Aufnahmen, aber die Toningenieure ließen ja ständig das Band mitlaufen. Die kostete es ja nichts, wenn das Band ständig lief. Diese Sachen passierten also, und als dann der unglückliche Umstand dazukam, dass ein Mann wie Elvis so früh in seiner Karriere starb, da dachten sie sich, "Mit solchen Aufnahmen können wir 1.000.000 Dollar machen. Ich kann mich aus der Hintertür davomachen und das ganze Material mitnehmen". Und "Victor" wusste überhaupt nichts davon. Victor weiß noch nicht einmal, was sie in ihren Archiven haben. Die wissen es tatsächlich nicht.
Frage: Ger Rijff hat ja jetzt die Archive durchsucht. Wissen Sie davon?
D.J.: Sie fanden unzählige Bänder, die sogar verstreut in verschiedenen Kisten waren. Sehen Sie, das meine ich. Sie sollten mit dieser Arbeit unbedingt weitermachen.
Frage: Sie können sich also an keine einzige Aufnahme erinnern, bei der Elvis, z.B., vielleicht sogar in Graceland, neue Songs probiert hat?
D.J.: Bei den Proben lief das Band nie. Erst wenn man für die eigentlichen Aufnahmen vorbereitet war, nahm man auf. Und diese "Zwischentakes" behielten sie, und keiner wusste davon. Außer den Ingenieuren, die zum Hinterausgang damit verschwanden. Ich kenne diese Leute, möchte sie jedoch nicht namentlich nennen (lacht). Die haben noch einen Haufen Stoff, das kann ich versichern. Wir haben in Kalifornien eine Menge aufgenommen. Wir haben ja normale Sessions und Film-Soundtracks dort gemacht. Und irgendjemand, irgendwo, hat diese Sachen. Und sie geben uns das von Zeit zu Zeit. Sie können das jetzt nicht mehr so oft machen. Ihnen wurden die Hände durch Gesetze gebunden. Wenn jetzt jemand mit Bootleg-Tapes erwischt wird, geht er ins Gefängnis. So endet es dann. Aber sie machen es trotzdem. Was sie tun ist, sie befördern die Sachen nach England oder andere fremde Märkte. Und von dort kommen die Sachen dann wieder in die Staaten.
Frage: Haben Sie welche davon?
D.J.: Nein, ich wünschte, ich hätte welche.
Frage: Oh, draußen in der Halle kann man sie kaufen.
D.J.: Ach Bootleg-LPs meinen Sie. Natürlich habe ich Bootlegs. Jeder hat sie. Ich habe einen Freund in Baltimore, der sammelt solche Sachen nur noch.
Wissen Sie, als diese Sache ihren Höhepunkt erreichte, da kam das FBI zu mir nach Hause. (Anm. D.J. meint damit wohl die Jahre 1980-1985, als mit dem Bootleg-Set "Behind closed doors" und den anderen LPs, die damals auf dem Audifön-Label erschienen, die ersten größeren Mengen der uns heute hinreichend bekannten Filmsessions ans Licht kamen. Damals wurden LKW-Ladungen mit Bootlegs vom FBI beschlagnahmt. Die Hersteller dieser Platten sollen teilweise noch heute im Gefängnis sitzen). Sie kamen zu allen nach Hause. Sie fragten mich, ob ich Bootleg-Bänder besitze, und ich sagte im Spaß: "Ja, jede Menge. Holt sie euch." Ich wolltemich mit denen nicht anlegen. Sie wollten einfach verschiedene Leute überprüfen, und sie wussten nicht, wo die Quellen waren. Also gingen sie zu jedem. Zu den "Jordanaires", zu mir nach Hause. Sie waren überall.

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