"Ihr killt den nächsten Elvis"

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  • allerteuerste
    Gehört zum Inventar

    • 27.06.2004
    • 3086

    #31
    Sprüche dieser Art, die sich eher auf Persönliches beziehen, sind nicht nur persönliche Meinungen, sondern auch ausgesprochen kurzsichtige.
    Man, in dem Fall Lennon, beurteilt aus seiner eigenen Glashaussituation heraus, ohne Berücksichtigung historischer Fakten und ohne einen Gedanken an die Zukunft.

    Jetzt, hier und heute, ist man jung, gesund und laut, und meint, das ginge ewig so weiter, obwohl ein Blick auf seine Mitmenschen einem verraten würde, dass dem nicht so ist. Dass eigentlich jedem die Wucht der eigenen Verachtung ("hach, der ist ja alt") trifft. Dieses kognitive Dilemma löst der Jungmensch meist mit Realitätsverleugnung und Schuldzuweisung - an andere.

    Die sind dann irgendwie selbst an ihrem älter und reifer werden schuld, wenn sie aufgrund ihrer eigenen persönlichen Weiterentwicklung nicht (mehr) tun können oder wollen, was Jungspund sich so von ihnen wünscht, nämlich die Perseveration des Status Quo, einen Dauerlutscher sozusagen.

    Und wehe dem Elvis oder jedem anderen, der dann nicht mehr rocken mag! Und das, obwohl er sich diesbezüglich klar und deutlich ausgedrückt hatte (sinngemäß, gibt's keinen Rock mehr, mache ich etwas anderes). Aber Fans sind Rosinenpicker, und sehen und hören von ihrem Idol nur das, was sie sehen und hören wollen. Well, die meisten. Wenn nicht, dann wird das Idol vom Sockel gestoßen.

    Nicht wirklich erstaunlicherweise passierte Lennon & Co aber das Gleiche: auch sie blieben nicht ewig "The Beatles", nicht wahr? Wann "starben" die? Für viele sogar perfiderweise in dem Moment, in dem ausgerechnet der große laute, aber wenig weise, Sprücheklopfer dem Hormonrausch erlag.
    "Motorboat! Motorboat! Ruadan tua i nur zur Noat!"

    Kommentar

    • Tafka S.
      Posting-Legende

      • 22.06.2005
      • 9755

      #32
      Entschuldige, allerteuerste, dass ich das erst jetzt entdeckt habe, aber wenn diese Gedanken von Dir sind, dann sage ich nur: Wow!
      Da hat sich aber jemand mal richtig Gedanken gemacht, und da das Ganze auch noch einen Sinn ergibt, sage ich Danke dafür!

      Besonders interessant finde ich dies hier:

      Jetzt, hier und heute, ist man jung, gesund und laut, und meint, das ginge ewig so weiter, obwohl ein Blick auf seine Mitmenschen einem verraten würde, dass dem nicht so ist. Dass eigentlich jedem die Wucht der eigenen Verachtung ("hach, der ist ja alt") trifft. Dieses kognitive Dilemma löst der Jungmensch meist mit Realitätsverleugnung und Schuldzuweisung - an andere.
      Wie könnte man den Wahrheitsgehalt leugnen!?

      Kommentar

      • allerteuerste
        Gehört zum Inventar

        • 27.06.2004
        • 3086

        #33
        Tafka S,

        Danke. Und es sind meine Gedanken.


        Mir fällt da ein Satz ein, den Mick Jagger vor ein paar Jahrzehnten anlässlich der MSG Konzerte zu Elvis abließ. Sinngemäß, dass Elvis (mit 37) doch ein "alter" Mann sei. Dabei ist Jagger nur acht Jahre jünger!
        Und als wesentlich älterer, und wirklich alter Mann, immer noch im Geschäft.

        Ich fand dies Meiungsäußerung damals extrem dumm und gehässig, obwohl Jagger garantiert sehr intelligent ist. Dieses Urteil hat auch nichts mit Musik oder mit der Beurteilung künstlerischer Qualitäten zu tun.
        Und ist, vor allem auf lange Sicht, wirklich extrem dumm, denn er konnte ja nicht wissen, wie lange er selbst gefragt sein oder inwiefern er sich selbst musikalisch verändern würde.
        Solche Äußerungen vergiften das Klima, in dem man sich selbst später bewegen wird.

        Hier sprach voll der Neid, im milden Falle einfach der "Showman", der meint(e), Flegelhaftigkeit sei überzeugender als eigene Leistungen.
        Eine Unhöflichkeit, die Elvis allerdings nie an den Tag legte.

        Von daher sagen solche Sprüche sehr viel über den Sprücheklopfer, aber nur sehr wenig über den Besprochenen aus.
        "Motorboat! Motorboat! Ruadan tua i nur zur Noat!"

        Kommentar

        • Tafka S.
          Posting-Legende

          • 22.06.2005
          • 9755

          #34
          Zitat von allerteuerste
          Tafka S,

          Danke. Und es sind meine Gedanken.
          Dachte ich's mir doch!

          Mir fällt da ein Satz ein, den Mick Jagger vor ein paar Jahrzehnten anlässlich der MSG Konzerte zu Elvis abließ. Sinngemäß, dass Elvis (mit 37) doch ein "alter" Mann sei. Dabei ist Jagger nur acht Jahre jünger!
          Und als wesentlich älterer, und wirklich alter Mann, immer noch im Geschäft.
          So ist es. Würde man den Herrn Jagger heute zu seinem Spruch von damals erneut befragen, sähe er dies vermutlich mit ganz anderen Augen. Und anders als Elvis (der mit 40 ja nicht mehr wirklich auf Rocker machte), mimt der Mick ihn noch mit über 70!
          Laut der These von Morrison ist er also schon viel zu alt für einen Rockstar, da über 27 (Elvis war da in gewisser Weise cleverer und hängte den Rocker als Hauptberuf schon mit 23 an den Nagel - als er nämlich zum Militär ging, wo er laut Lennon starb und - nach einer wundersamen Metamorphose - als Familienunterhalter zurück kehrte).

          Ich fand dies Meinungsäußerung damals extrem dumm und gehässig, obwohl Jagger garantiert sehr intelligent ist. Dieses Urteil hat auch nichts mit Musik oder mit der Beurteilung künstlerischer Qualitäten zu tun.
          Und ist, vor allem auf lange Sicht, wirklich extrem dumm, denn er konnte ja nicht wissen, wie lange er selbst gefragt sein oder inwiefern er sich selbst musikalisch verändern würde.
          Solche Äußerungen vergiften das Klima, in dem man sich selbst später bewegen wird.

          Hier sprach voll der Neid, im milden Falle einfach der "Showman", der meint(e), Flegelhaftigkeit sei überzeugender als eigene Leistungen.
          Ja, auch hier kann ich Dir nur zustimmen. Und die von Dir angesprochene "Flegelhaftigkeit" war ja praktisch ein Markenzeichen von Jagger - und auch von Richards und Jones (dessen Ersatzmann Taylor sowie Watts und Wyman waren, glaube ich, aus anderem Holz, während Ronny Wood auch wusste, wie man sich flegelhaft benimmt).
          Heute, als greise (und weise?) Herren machen sie natürlich einen gesitteteren Eindruck als in ihrer Sturm- und Drangzeit, wenngleich ich es nicht wirklich gut finde, dass sie immer noch weiter machen. Sie hätten schon vor Jahren mit Würde abtreten sollen, aber sollen sie halt ihren Spaß (und mörderisch hohe Einnahmen ) haben...

          Eine Unhöflichkeit, die Elvis allerdings nie an den Tag legte.

          Von daher sagen solche Sprüche sehr viel über den Sprücheklopfer, aber nur sehr wenig über den Besprochenen aus.
          Das sehe ich ganz genau so, allerteuerste. Denn auch wenn Elvis im Bekanntenkreis mal etwas stichelte über diesen oder jenen Kollegen, vermied er öffentlich jedwede Herabstufung von Künstlerkollegen. Ein Umstand, der Charakter verrät und leider viel zu selten gewürdigt wird.

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