Elvis in der DDR

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  • gast-20090715

    #46
    Zitat von TheKing
    .... dann ist es doch statthaft, wenn Del hier schreibt "sogenannte" Elvisfans.
    Was du und andere hier nicht mehr zu lesen bekommen, war mehr als frech, provokant, ja denunzierend.... Und DAS finde ich -einem ehemaligen DDR-Bürger gegenüber oder sonstwem- weniger "statthaft"!
    Zuletzt geändert von Gast; 11.01.2009, 18:26

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    • Jesse
      Board-Legende

      • 03.01.2007
      • 21508

      #47
      Zitat von TheKing
      Ich zumindest habe immer die Bilder vor Augen, wie die Menchen Schlange stehen und nichts haben, also inzwischen weiß man, dass es für harte Währung oder durch Beziehung doch mal was gab. Aber wie frei man sich zum Beispiel als Evisfan outen durfte, das vermag ich nicht zu beantworten. Immerhin repräsentierte der U.S. Amerikaner den Klassenfeind, den Kapitalismus. Und wenn es eben so fraglich ist, wie sehr men ein Elvisfan sein durfte in der DDR, dann ist es doch statthaft, wenn Del hier schreibt "sogenannte" Elvisfans.
      Wie sehr wir Elvisfans sein durften in der DDR, das dürfte in diesem Thread ja nun ausführlich erklärt worden sein und für mich zeigt sich ein Elvis Fan nicht dadurch, dass er es nach aussen trägt. Deshalb ist dieses "sogenannte" wohl völlig fehl am Platze. Damals war es mir wichtig, es zu zeigen, aber letztendlich ist entscheidend, wie sehr Du es in Deinem Herzen fühlst und trägst, nicht wieviel Platten oder Bücher Du von ihm hast. Tief in mir habe ich mich ihm immer verbunden gefühlt. Das erste Bild, das ich von ihm hatte, wohlgemerkt aus einer Ostzeitschrift habe ich noch heute im Rahmen bei mir zu stehen. Mein Zimmer war tapeziert mit Postern und Bildern von ihm, dass meinem Vater manchmal der Atem stockte, wenn er herein kam. Rosa gestrichene Wände hatte ich und rosafarbene Gardinen, an der Decke Sterne und eine USA-Flagge an der Wand, weil ich damals glaubte, das würde Elvis gefallen. Und ich hatte mir selbst eine Elvis Tasche und ein Elvis-Shirt genäht, damit lies man mich draussen herum laufen, niemand nahm es mir weg oder verbot es mir. In meinem Kassettenrecorder lief Elvis und sogar in der Schule durfte ich Vorträge über ihn halten und seine Musik spielen. Damit konnte ich gut leben. Gerne hätte ich die schönen Dinge aus dem Westen gehabt, den ganzen Kitsch, den ich heute links liegen lasse, aber ich war nicht unglücklich, weil ich es nicht hatte. Darauf, was ich besass, war ich stolz und glücklich darüber, dass ich es hatte. Wir hatten schon unsere eigenen kleinen Freiheiten und arangierten uns mit unserer Welt.

      Die Menschen standen Schlange und hatten nichts? Was hatten wir nicht? Gut ich bin in einer Großstadt aufgewachsen, da war wohl vieles leichter als woanders. Was ich als Kind zum Leben brauchte hatte ich, immer. Später dann kamen Wünsche, die schlechter zu realisieren waren, aber die Aussage, dass wir nichts hatten, ist einfach falsch.


      Jesse

      Until the twelfth of never, I'll still be loving you ...




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      • Beetle
        Fühlt sich hier wohl

        • 23.01.2008
        • 92

        #48
        Sehr gut beschrieben.

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        • TheKing
          Board-Legende

          • 19.06.2006
          • 20721

          #49
          Vielleicht war die Leidenschaft zu Elvis ja noch etwas stärker, weil er ja noch unerreichbarer schien, eben jenseits des eisernen Vorhanges...
          Ohne Worte!

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          • An Evening Prayer
            Gehört zum Inventar

            • 01.07.2007
            • 4935

            #50
            Zitat von TheKing
            ... eben jenseits des eisernen Vorhanges...
            Mensch king, wir haben doch nicht hinter dem Mond gewohnt und ja wir haben den "Kalten Krieger" abgöttisch geliebt .
            Oma 2011 - 13.04.2011*Julian-Paul
            Oma 2012 - 21.06.2012*Louis Emilio
            Oma 2012 - 27.12.2012*Danilo-Jayden

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            • Jesse
              Board-Legende

              • 03.01.2007
              • 21508

              #51
              Ich wollte nur klarmachen, dass es der Zuneigung keinen Abbruch tut und auch nicht wirklich wichtig ist, was und wieviel Fanartikel man besitzt. Auch wenn ich lange Zeit nur eine Schallplatte und eine Kassette hatte, diese rauf und runter dudelte, so war Elvis doch für mich nicht weniger präsent als für andere. Stück für Stück trug ich meine Habseligkeiten zusammen und hielt sie in Ehren, das Wenige, was ich hatte war für mich sehr sehr kostbar. Am allerwichtigsten aber war das, was ich tief in mir empfand. Unerreichbar war Elvis sowieso, weil er bereits tot war, als ich Fan wurde. Heute bin ich froh, dass das nicht in meinen fanatischen Anfangszeiten geschah.

              Jesse

              Until the twelfth of never, I'll still be loving you ...




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              • gast-20090715

                #52
                Zitat von TheKing
                Nur eines ist klar, die DDR war keine schöne Sache, oder?
                Ist es das?

                Nur dies: Ich hatte es immer warm und genug zu essen! Und wenn etwas fehlte, waren es z.B. Zeit und/oder Geld, selbst auch nur dorthin zu reisen, wo man mich ließ, oder eben auch nur Geld, um das bezahlen zu können, was sich mir in der DDR an ELVIS-Memorabilia bot.

                Kommt das dir oder auch irgendwem nicht irgendwie bekannt vor?

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                • TheKing
                  Board-Legende

                  • 19.06.2006
                  • 20721

                  #53
                  Zitat von Laser- Freak
                  Ist es das?

                  Nur dies: Ich hatte es immer warm und genug zu essen! Und wenn etwas fehlte, waren es z.B. Zeit und/oder Geld, selbst auch nur dorthin zu reisen, wo man mich ließ, oder eben auch nur Geld, um das bezahlen zu können, was sich mir in der DDR an ELVIS-Memorabilia bot.

                  Kommt das dir oder auch irgendwem nicht irgendwie bekannt vor?

                  Also ich stelle mir ein Leben unter den damaligen Umständen nicht so schön vor. Wenn man nicht frei und offen sagen kann, was man denkt und man nicht weß, ob der Nachbar nicht ein IM von der Stasi ist. Diese ganze Verlogene Kacke da. Und die Medien gleichgeschaltet, Neues Deutschland und Aktuelle Kamera usw. Bauzen etc.

                  Ich finde es peinlich und schlimm, dass nach dem Nazireich, gleich wieder ein so ejeliges System auf deutschem Boden entstanden ist, wo sich diese Eigenschaften durchgestezt haben. Die grundsätliche Idee von der klassenlosen Gesellschaft finde ich natürlich toll..klappt leider nicht, mit den Menschen, die wir so haben....also nicht, dass ihr denkt ich finde unseren Turbokapitalismus super..das ist auch die Seuche, klar...ich verstehe nur nicht, wenn DDR-Bürger ihr System dann noch toll finden...aber ihr wißt das natürlich besser als ich, ich war nicht einmal dort. Wenn ihr sagt:"Hey, es war unser leben und das war eigentlich okay für uns!" Dann wundert es mich zwar und ich frage mich warum dann "Wir sind das Volk!" und Mauerfall, aber ich glaube Euch das natürlich sofort...es ist interessant...mein Bild von der DDR ist ja auch nur über unsere Medien entstanden...was weiß ich schon, wie Euer Leben war...schön nur, dass wir in Sachen Elvis genauso fühlen!
                  Ohne Worte!

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                  • gast-20090715

                    #54
                    Und was wissen Menschen heutzutage über ihre Nachbarn? Und was interessiert angebliche Meinungsfreiheit, wenn sie nicht erfragt wird? Führt das Ausleben dieses Rechts darüber z.B. nicht auch bloß dazu, dass die Menschen nach irgendwelchen Wahlen nicht weniger unzufrieden sind, als sie es vorher waren!?

                    Ich sehe noch immer keine Unterschiede....
                    Zuletzt geändert von Gast; 11.01.2009, 21:30

                    Kommentar

                    • TheKing
                      Board-Legende

                      • 19.06.2006
                      • 20721

                      #55
                      Zitat von Laser- Freak
                      Und was wissen Menschen heutzutage über ihre Nachbarn? Und was interessiert angebliche Meinungsfreiheit, wenn sie nicht erfragt wird? Führt das Ausleben dieses Rechts darüber z.B. nicht auch bloß dazu, dass die Menschen nach irgendwelchen Wahlen nicht weniger unzufrieden sind, als sie es vorher waren!?

                      Ich sehe noch immer keine Unterschiede....
                      Interessant. Für Dich gibt es keinen erlebbaren Unterschied? Allerhand! Das hätte ich nie gedacht.
                      Ohne Worte!

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                      • gast-20090715

                        #56
                        Zitat von TheKing
                        Für Dich gibt es keinen erlebbaren Unterschied? Allerhand! Das hätte ich nie gedacht.
                        Ich sagte nicht, dass es keine gibt!

                        Einige der Mauerfallbefürworter und "Wir sind das Volk"-Rufer übrigens haben die Unterschiede nicht nur erlebt, sondern sind daran längst zerbrochen! (Die andere Seite der Medaille.)

                        So oder so...Man sollte jedenfalls aufhören, den damaligen DDR-Bürgern bzw. dem System posthum jeden Zwang wie Mangel einzureden, dass es quasi zwangsweise zum Glücklichsein reichen musste, wenn man ihnen -den Menschen- nun gewisse Dinge frei Haus oder gar vor die Füße wirft/werfen kann.

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                        • Yvonne
                          Gehört zum Inventar

                          • 03.06.2004
                          • 3005

                          #57
                          Ich wuchs ja auch in einem kleinen Ort der DDR auf
                          und sicherlich waren die Zeiten anders als sie beispiels-
                          weise mein Vater in seiner Jugend erlebte, der 1958
                          zum morgendlichen Appell im Internat noch öffentlich dafür
                          abgemahnt wurde, dass er heimlich die verbotene Elvis-Musik
                          gehört hatte.

                          Aber auch uns wurde immer wieder nahegelegt - wenn auch
                          nicht kontrolliert - westliches Fernsehen und Radio
                          zu meiden. Wir wurden aus der Schule nach Hause geschickt,
                          wenn wir T-Shirts vom „Klassenfeind“ trugen und unsere
                          Federtaschen mussten von Tintenkillern und Weststiften
                          befreit werden. Ja, so habe ich das - zumindest in den
                          ersten Schuljahren - noch erlebt. Ich kann nicht sagen,
                          dass ich eine unglückliche Kindheit oder Jugend hatte,
                          aber dass es da noch eine andere Welt gab, sah man über
                          die verbotenen Fernsehsender und man nahm sie mit Augen
                          und Nase aus den Paketen wahr, die manchmal eintrafen.
                          Dass es in der DDR nicht alles gab, kann man so tatsächlich
                          nicht sagen. Wohl aber, dass man einfach nur Pech hatte,
                          wenn es da keine „Beziehungen“ gab ...

                          Ich verfluche diese DDR-Zeit ganz bestimmt nicht, aber
                          diese auferlegten Zwänge und Einschränkungen (damit meine
                          ich jetzt nicht die auf die Anzahl der Familienmitglieder
                          abgezählten Apfelsinen, die man bekam), über die man sich
                          mit zunehmendem Alter immer mehr bewusst wurde und die bei
                          nur jeder denkbaren Gelegenheit mit kaum noch zu ertragenden
                          sozialistischen Phrasen übertüncht werden sollten, schon.
                          Posting © Yvonne. Alle Rechte vorbehalten.
                          Kein Kopieren, Korrigieren und Kritisieren ohne Erlaubnis!

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                          • gast-20090203

                            #58
                            und hast du was vom tode elvis mitbekommen.....um mal langsam wieder auf den pfad zurückzukommen

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                            • Yvonne
                              Gehört zum Inventar

                              • 03.06.2004
                              • 3005

                              #59
                              Stimmt .... das wollte ich eigentlich auch noch anfügen.

                              Nein, ob darüber im Fernsehen berichtet wurde, daran kann ich
                              mich nicht mehr erinnern. Von meinem Vater weiß ich aber, dass
                              auf jeden Fall über den DDR-Rundfunk sofort eine Meldung darüber
                              kam, die sich zunächst auch nur auf die Nachricht selbst beschränkte.
                              Bewusst wahrgenommen habe ich aber die fassungslosen Gesichter
                              meiner Eltern.
                              Posting © Yvonne. Alle Rechte vorbehalten.
                              Kein Kopieren, Korrigieren und Kritisieren ohne Erlaubnis!

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                              • gast-20090708

                                #60
                                Zwar stamme ich nicht aus der DDR aber dieses Thema interessiert mich auch sehr. Ich habe ein wenig gegooglet um irgendwelche Informationen zu finden, aber wirklich nichts gefunden. Zwei Seiten fand ich ganz interessant. Bei dieser Seite



                                ist im Prinzip nur dieser Satz passend zum Thema:

                                In der Kommunistischen Volkszeitung wurde zum Tode von Elvis Presley kommentiert, er sei gestorben da er zuviel gefressen hatte.

                                und diese Seite



                                fand ich einfach nur sehr interessant (bezüglich Zensur) zu lesen, wobei mir dieser Abschnitt besonders auffiel:

                                Ich arbeitete als Schüler in den Sommerferien in der Hörerpostabteilung bei DT64, wo ich einer heute ausgestorbenen Gattung diente: den Radiogrüßen. Ich destillierte aus den unzähligen Karten und Briefen die entsprechenden Grüße heraus und brachte sie für den Moderator in eine abwechslungsreiche Form. Klaus grüßte Petra. Viele liebe Grüße erhielt der Schatz von Gabi. Und tausend Grüße gingen an den lustigen Uwe.
                                Mitten in dieser wichtigen Arbeit starb Elvis Presley, so dass sich bei mir auf dem Schreibtisch mit der entsprechenden Verspätung des Postwegs zig Beileidsbekundungen stapelten. Eine Briefkarte fand ich besonders kreativ und nahm sie in meine tägliche Grußliste auf. Ein schwarzes Kreuz in dreidimensionaler Kavalierperspektive mit geschnörkelten Initialen A B. Dazu der Text: „Wir grüßen die Alice-Bresley- Gang in der Karl-Liebknecht-Straße.“ Ich korrigierte unter Beibehaltung des Originaltextes sanft den Namen des Verstorbenen, ohne Überheblichkeit, weil ich wusste, dass man nicht überall die „Bravo“ von der Oma geschmuggelt bekam.
                                Doch unerfahren wie ich dennoch war, übersah ich, daß es in der DDR keine 'Gang' geben könne, die zudem den Namen eines Sängers trug, der noch nicht ganz vom dekadenten Image der 50er Jahre befreit war. Was schließlich in die Kategorie Unverzeihlich eingestuft wurde, war der Umstand, dass sich dies alles in einer Karl-Liebknecht-Straße abspielte. Gang - Elvis Presley - Karl Liebknecht - eine unzumutbare Wörterkonstellation. Der Gruß flog mit der Verachtung des Werktätigen Volkes aus der Sendung.

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