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Alt 05.08.2014, 17:31
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★ Elvis auf 2 Rädern - Teil 2

Elvis auf 2 Rädern

Teil 2: Die 60er Jahre


Nach der Rückkehr aus Deutschland und dem Ende seines Militärdienstes ging Elvis langfristig nach Hollywood und forcierte seine Karriere als Filmschauspieler. Doch zuvor, im März 1960, verbrachte er gut zwei Wochen daheim in Memphis, und während dieser 15 Tage sah man ihn des öfteren auf seiner schwarzen Duo Glide herum fahren, wobei jedoch nicht seine Freundin Anita Wood (nicht zu verwechseln mit der Schauspielerin Natalie Wood) auf dem Sozius gesichtet wurde, sondern verschiedene andere junge Damen. Obwohl Elvis in Deutschland die Bekanntschaft der erst 14jährigen Offizierstochter Priscilla Beaulieu gemacht hatte, spielte er die Beziehung öffentlich in ihrer Bedeutung herunter und dementierte bei der Homecoming-Pressekonferenz auf Graceland die Schlagzeile „The Girl He left Behind“ (Das Mädchen, das er zurück ließ), was wohl bedeutete, dass Anita Wood noch immer formell Elvis` „Girlfriend“ war. Aber wie auch immer, bei einem dieser Motorrad-Ausflüge wurden Elvis und seine Begleiterin Zeugen eines Verkehrsunfalls, in den ein Jugendlicher verwickelt war, und bei dem sie bis zum Eintreffen der Ambulanz Erste Hilfe leisteten.

Fotos, die in den frühen 60ern von der Duo Glide gemacht wurden, zeigen übrigens eine Neuerung:
An der linken Seite des Lenkers (vom Fahrer aus betrachtet) war nun ein zusätzliches Signalhorn (Hupe) angebracht, das von Hand zu bedienen war und nicht per Knopfdruck wie das übliche Horn, das rechts neben dem Motorblock positioniert war. Auf dem Foto vom Juni 1958 fehlt diese Zusatzhupe noch, was die Schlussfolgerung nahe legt, dass Elvis sie erst nachträglich (vielleicht nach seiner Rückkehr aus Deutschland?) anmontiert hat bzw. hat anmontieren lassen.

Auch an der Westküste sollten fahrbare Untersätze auf zwei Rädern in den nächsten Jahren eine Rolle spielen...


Elvis und seine Faszination für Polizei-Motorräder

Dass Elvis ein leidenschaftlicher Bewunderer der Polizei war und im Laufe der Jahre die unterschiedlichsten Dienstabzeichen (sogenannte Badges) sammelte wie andere Briefmarken, ist unter seinen Fans kein Geheimnis; im „Sincerely Elvis“-Museum gegenüber Graceland kann/konnte man übrigens eine beträchtliche Auswahl bestaunen. Und so ist es alles andere als verwunderlich, dass er im Zeitraum 1961/62 bei Außenaufnahmen zu verschiedenen Filmen auf drei unterschiedlichen Harley-Davidson-Motorrädern der örtlichen Polizei posierte, während er privat noch immer die 1958er Duo Glide fuhr – zumindest in Memphis und Umgebung. Ob er sich für seine Aufenthalte in Hollywood eine Zweit-Harley zulegte, konnte ich bisher noch nicht eindeutig klären.


1955 o. 1956 Harley-Davidson „Hummer“ (?) Police Special
Von Juli bis August 1961 wurde sein insgesamt neunter Film FOLLOW THAT DREAM gedreht. Die Außenaufnahmen entstanden in Crystal River, Florida, wo Elvis Ende Juli eintraf und im Port Paradise Hotel logierte, das sich draußen in einer Lagune der Crystal Bay befand. Drehorte waren u.a. Tampa, Ocala, Yankeetown, Inverness und Bird Creek.
Am Strand von Florida entstand noch im Juli eine interessante Foto-Reihe von Elvis und einer motorisierten Einheit der örtlichen Polizei, die zum damaligen Zeitpunkt mit Leichtmotorrädern der Marke Harley-Davidson, Baureihe 1955 oder 1956, ausgerüstet war, wie das Tank Badge verrät. Um welches Fabrikat es sich dabei genau handelte, konnte ich bis jetzt noch nicht zweifelsfrei klären; möglicherweise handelte es sich um den sogenannten Harley Hummer (benannt nach dem Firmenangestellten Dean Hummer), ein leichtes 2-Zylinder-Motorrad mit 125 cm³ Hubraum, das in den Jahren 1955 bis 1959 hergestellt wurde. Es könnte aber auch eine leistungsstärkere ST 165 gewesen sein; ein solches Modell (nur eben ohne Polizei-Zubehör) hatte sich Elvis ja privat gegen Ende 1955 zugelegt.



Natürlich ließ es sich Elvis in seiner Eigenschaft als Harley-Fan nicht nehmen, auf einem der Bikes Probe zu sitzen, und vielleicht durfte er auch eine kleine Runde damit drehen...
Um welche Polizeieinheit es sich auf den Fotos handelt, kann man am Logo ablesen, das auf dem Benzintank vor dem Tank Badge angebracht ist. Gedreht wurde FOLLOW THAT DREAM in drei Bezirken (Citrus County, Marion County und Levy County), sodass die abgebildeten Polizeimotorräder dem Sheriffs-Büro von einem der drei genannten Bezirke zugeordnet werden können. Relevant für die Harley-Fotos sind die Strand-Szenen, und diese wurden in Marion County gedreht, in Ocala am Silver Springs Boulevard.
Um das genaue Fabrikat zu ermitteln, bestünde theoretisch die Möglichkeit, beim jetzigen County Sheriff von Marion (bzw. einem Mitarbeiter seines Büros) nachzufragen, welche Dienstfahrzeuge anno 1961 verwendet wurden, doch da es ja nicht um ein privates Polizei-Motorrad von Elvis geht, scheint mir der Aufwand ein wenig zu groß.


1958-61 Harley-Davidson Duo Glide Police Special (schwarz/weiß)
Dann gibt es ein Foto, das Elvis auf einer voll ausgestatteten Polizei-Harley der California Highway Patrol samt Funk, Sirene, Blaulicht und Polizei-Logo zeigt. Es entstand im Winter (November oder Dezember) 1961 während der Dreharbeiten zu KID GALAHAD in Idylwild, Kalifornien, was auch Elvis’ pelzbesetzte Jacke erklärt. Im Film spielt Elvis einen Boxer (trainiert vom noch unbekannten Charles Bronson, dem Mann, der später Rot sah!), was schon interessant genug ist, doch die vielen Außenaufnahmen inmitten dieser herrlichen Naturkulisse bereichern den Film meiner Meinung nach außerordentlich. Zu diesem Zeitpunkt seiner Karriere scheute man noch nicht den Extra-Aufwand, um an reizvollen Orten reizvolle Außenaufnahmen mit Elvis & Co. zu drehen, was die entsprechenden Filme in der Regel stets aufgewertet hat, obwohl es sich ja „nur“ um sogenannte B-Movies handelte. Das aber sollte sich nur wenige Jahre später ändern...

Bei der Harley handelt es sich um eine Duo Glide, wobei die Baureihe nicht ganz eindeutig zu ermitteln ist; in Frage dürften die Jahre 1958 bis 1961 kommen. Vielleicht kennt sich jemand noch genauer mit Polizeimotorrädern aus und kann mit der zweifarbigen Lackierung (schwarz/weiß) und den schwarz lackierten Stahlfelgen etwas anfangen.
Zwei Tage vor Weihnachten war der Film jedenfalls im Kasten.




1958-62 Harley-Davidson Duo Glide Police Special (weiß)
Im Spätsommer 1962 begannen die Dreharbeiten zum Film IT HAPPENED AT THE WORLD’S FAIR, dessen Handlung auf der Weltausstellung in Seattle, Washington, spielt. In diesem Zusammenhang wurde Elvis ein drittes Mal auf einem Polizeimotorrad der Marke Harley-Davidson abgelichtet. Ort des Geschehens war aber offenbar nicht Seattle sondern die Umgebung von Culver City in Kalifornien, wo sich die MGM-Studios befanden, und wo die Filmaufnahmen am 27. August begannen und nach der Rückkehr der Filmcrew aus Seattle (wo vom 5. bis zum 16. September unter erhöhtem Sicherheitsaufwand tatsächlich mit Elvis gedreht wurde!) abgeschlossen wurden. Das Foto von Elvis auf der Harley entstand also mutmaßlich Ende August oder in der zweiten Septemberhälfte, denn das Polizei-Logo auf dem Tank ist eindeutig jenes der California Highway Patrol und keines der Polizei von Washington.

Auch hier handelt es sich um eine Harley-Davidson Duo Glide Police Special (man beachte den Duo Glide-Schriftzug am vorderen Kotflügel); als Baureihe kommen auch in diesem Fall die Jahre 1958 bis ca. 1961 in Frage. Ein Beispielfoto der Baureihe 1959 zeigt einen zusätzlichen Suchscheinwerfer auf dem silbernen Vorderrad-Kotflügel sowie eine Handschaltung auf der linken Tankseite; beides fehlt sowohl an der Maschine am KID GALAHAD-Set als auch an jener, mit der Elvis 1962 posierte, woraus man wohl ableiten kann, dass sich der Zeitrahmen um 1960/61 bewegen müsste. Im Unterschied zum zweifarbigen Polizeimotorrad am ‚Kid Galahad’-Set hat diese Maschine weiße Kotflügel und unlackierte Stahlfelgen, was die meisten aber wohl weniger interessieren dürfte. Vielleicht handelt es sich aber um zweckdienliche Hinweise zur Ermittlung des genauen Fabrikats.

Das Foto von 1962 taucht u.a. auch in einer umfangreichen Abhandlung über die Historie des Polizei-Funks auf. Dort wird beispielsweise ein „besonders ungewöhnlicher“ Aufkleber auf dem Windabweiser erwähnt (Civil Defence = Zivilverteidigung bzw. Bürgerwehr), der üblicherweise an den Windschutzscheiben der Transporter von U.S. Mail in den 60er Jahren zu sehen gewesen sei.
Dann wird auch auf das Funkgerät näher eingegangen, aber außer der Information, dass es wahrscheinlich zur ersten Generation der T31-1 PH50-Baureihe von „Transistorized Dispatchern“ gehört, erfährt man leider nichts, was die genaue Baureihe näher eingrenzt.




In den Jahren 1962, 1963 und 1964 ist Elvis erneut mit seiner Duo Glide fotografiert worden – jedes mal trug er dabei das sogenannte Yachting Cap, eine schwarze Skipper-Stoffmütze, bestickt mit einem goldfarbenen maritimen Symbol (möglicherweise vier mit einander verbundene Anker?). Das Cap dürfte spätestens seit dem Film GIRLS! GIRLS! GIRLS! jedem bekannt sein, doch erstmals getragen hat er ein solches schon 1957, wie ein Foto von Elvis auf der Hydra Glide belegt, auf dem er eine weiße Jacke trägt und ein Kind auf dem Arm hält.

Im März 1962, kurz bevor er für Dreharbeiten die Stadt verließ, wurde Elvis in Memphis fotografiert, wie er – auf seiner Duo Glide sitzend – Autogramme schrieb und dabei die beschriebene Kopfbedeckung trug.



Eine ganze Serie von Fotos mit der schwarzen Duo Glide samt Kapitänsmütze/Yachting Cap entstand beispielsweise am 2. April 1963 in Memphis (1400 Bellevue, später Elvis Presley Boulevard), als Elvis sich mit einem Reporter und Fotografen unterhielt. Bevor der Fotograf (vom Commercial Appeal?) mit seinen Aufnahmen begann, bat Elvis seine weibliche Begleiterin (die damals 18-jährige Priscilla Beaulieu!), von einem nahegelegenen Diner oder einer Tankstelle Milch-Shakes zu holen.
Am Tag zuvor war er gerade aus Kalifornien zurück gekehrt, nachdem die Dreharbeiten für „Fun In Acapulco“ abgeschlossen waren. Am 3. April, also einen Tag nach Entstehen der Fotos auf der Harley, fand in Los Angeles die Premiere des Films „It Happened At The World’s Fair“ statt, der am 10. April landesweit anlief.
Diese Foto-Strecke ist übrigens die umfangreichste, die von Elvis und einer Harley in den 60ern gemacht wurde; nur die Wertheimer-Fotos vom 4. Juli 1956 zeigen ähnlich viele Varianten des gleichen Motivs.




The Lady Loves Me - Elvis & Ann-Margret

In der Zeit der Dreharbeiten zu seinem insgesamt 15. Spielfim VIVA LAS VEGAS, gedreht von Juli bis September 1963, agierte Elvis mit seiner hübschen Filmpartnerin Ann-Margret sowohl vor als auch hinter der Kamera, wie wir heute wissen. Wie sich Elvis und die aus Schweden stammende Sängerin und Schauspielerin überhaupt in vielen Dingen sehr ähnlich gewesen sein sollen, verband sie auch die Leidenschaft für das Motorradfahren, und an den Wochenenden während der Dreharbeiten sei sie auf ihrer eigenen Maschine vorbeigekommen, um „sich zu vergnügen und mit den Jungs herum zu albern“, wie Elvis später von Priscilla in ihrem Buch ELVIS UND ICH zitiert wurde. Und so kam es nicht selten vor, dass Elvis und Ann-Margret nach Drehschluss gemeinsame Ausfahrten in die Sierra Nevada oder innerhalb von Las Vegas unternahmen, und das wiederum blieb auch der Presse nicht verborgen. In der Folge entstanden Zeitungsgeschichten, die von einer heimlichen Affäre bis hin zu Hochzeitsgerüchten gingen, und es liegt auf der Hand, dass Elvis` damals noch minderjährige Dauerfreundin Priscilla, die daheim in Memphis treu auf den Mann ihrer Träume wartete, besonders darunter litt, wenn sie davon in den Zeitungen las.

Ann-Margret indessen genoss diese Zeit verständlicherweise, und in ihrer Autobiografie „Ann Margret: My Story“ (Putnam Pub Group, 1994) erinnerte sie sich später an eine witzige Begebenheit, die sich während der Zeit der Innenaufnahmen des Films ereignete:
„Ich erinnere mich, dass Elvis mich einmal nach einem langen Drehtag auf seiner Harley-Davidson nach Hause fuhr. Wir röhrten quer über das MGM-Studiogelände beim Haupttor hinaus und kamen gerade so weit wie Venice und Overland – ungefähr drei Blocks davon entfernt – als seinem Motorrad das Benzin ausging. Es spotzte, stockte und starb ab. Glücklicherweise war an der Ecke eine Tankstelle. Elvis ging hin, kam aber mit etwas verdrossenem Blick wieder zurück.
„Ich habe kein Geld eingesteckt!“, sagte er. „Hast Du ein paar Dollars?“
Ich sah in meinem Geldbeutel und meinen Jackentaschen nach und war ebenso verlegen. „Nichts“, antwortete ich. Innerhalb einer Sekunde brachen wir beide in Gelächter aus. Es war ja auch wirklich zu komisch. Elvis Presley und Ann-Margret, an einer Ecke festklemmend, ohne Benzin und ohne Geld. Obgleich der junge Angestellte Elvis natürlich erkannte, ihn um ein Autogramm bat und schließlich den Tank anfüllte. Wir alle fanden es äußerst komisch.“
Das österreichische Fan-Magazin „Bringin’ It Back“, dem diese Übersetzung entliehen ist, erwähnt der Vollständigkeit halber noch, dass Joe Esposito am Tag darauf die Tankstellen-Rechnung im Auftrag von Elvis beglich...

Bei der von Ann-Margret erwähnten Harley handelt es sich wahrscheinlich um die schwarze `58er Duo Glide, die Elvis zu jener Zeit noch fuhr. Sollte diese These stimmen, dann muss Elvis das Bike von Memphis nach Kalifornien und auch wieder zurück überführt haben, denn die letzten mir bekannten Aufnahmen mit diesem Fabrikat (mindestens zwei) entstanden am 12. Januar 1964, als Elvis zu neuen Plattenaufnahmen im RCA-Studio B in Nashville eintraf (an jenem Tag entstanden die Master-Versionen von Memphis, Tennessee und Ask Me, beide schon 1963 versucht, sowie die Gänsehaut-Ballade It Hurts Me).



Hierbei fällt mir auf, dass ich in keinem der Bücher oder Berichte, die ich bisher über Elvis gelesen habe, irgend etwas darüber erfahren habe, wie so ein Motorrad-Transfer vom Süden an die Westküste (bzw. retour) abgelaufen ist. Besaß Elvis so eine Art Trailer, in dem die Harley auf dem Landweg in einer mehrtägigen Fahrt von Memphis nach Los Angeles gebracht wurde? Wurde dieser Trailer (gefahren von Elvis selbst?) womöglich angemietet, oder wurde die Maschine gar als Luftfracht per Flugzeug überführt? Ich meine, das ist ja doch ein gewisser Aufwand, irgendwie.
Falls jemand so eine Geschichte kennt, dann möge er/sie diese bitte mit uns teilen...

Es ist jedenfalls naheliegend, dass Elvis gegen Ende des Jahres 1964 (so ab Herbst) die neu auf den Markt gebrachte Electra Glide kaufte, auf die ich noch zu sprechen komme. Dass er sich aber schon zuvor für die Nutzung an der Westküste eine neue Duo Glide zugelegt hat, kann ich vorerst nicht ausschließen. Ich habe zwar keine konkreten Infos diesbezüglich, doch möglich wäre es natürlich.

Kommen wir zunächst aber noch zum „Dienstfahrzeug“ von Elvis, das er in VIVA LAS VEGAS fahren durfte/musste…


1960-63 Honda Super Cup Sport C 110



Am regelrechten Boom asiatischer Motorräder, der mit Beginn der 60er Jahre nach Amerika schwappte, kam auch Elvis nun nicht mehr vorbei, und so musste er für die Ausflugsszene mit Ann-Margret auf dem Rollfeld des Las Vegas McCarran Airport – statt eine Harley benutzen zu dürfen - mit einem sogenannten „Reisbrenner“ Vorlieb nehmen, was ich aber keinesfalls abwertend meine.
Dabei handelte es sich um eine Honda Super Cup Sport C 110 (oder auch C 110 Sports Cup), die 1960 erstmals vorgestellt wurde. Die Leistung hatte man von 4,5 auf 5 PS gesteigert. Anfänglich nur mit einem Dreiganggetriebe ausgestattet, verfügten spätere Versionen über 4 Gänge. Gebaut wurde die C 110 bis 1966, doch welches Baujahr die im Film von Elvis benutzte Super Cup hatte, konnte ich bis jetzt noch nicht herausfinden (in Frage kommen ja nur die Baureihen 1960 bis 1963).
Ann-Margret fuhr übrigens auch selbst, und zwar vermutlich eine C 100 mit 50 ccm Hubraum (möglicherweise eine speziell für den amerikanischen Markt produzierte Version mit der Typenbezeichnung CA 100), die bis 1967 gebaut wurde.
Im April 1964 lief Viva Las Vegas in den Kinos an, und die realen Fahrszenen von Elvis und Ann-Margret sind zweifellos eine Bereicherung für den Film. Nichts desto trotz hätte ich mir einen Harley fahrenden Lucky Jackson (alias Elvis) gewünscht, aber was will man machen...
Dabei würde mich natürlich interessieren, wie Elvis selbst darüber dachte, ein fernöstliches Fabrikat in einem seiner Filme zu benutzen, wo er doch privat ein Harley-Enthusiast war.

Kennt jemand vielleicht eine diesbezügliche Äußerung vom King, oder hat mal jemand darüber berichtet, wie er darüber dachte?


1963 Honda CB 77 “Super Hawk”



In seinem nächsten Film Roustabout durfte Elvis erneut beruflich seiner Leidenschaft frönen und höchstpersönlich mit einem Motorrad durch die Gegend fahren. Ich erwähne das höchstpersönlich deshalb, weil er in einem späteren Film (auf den ich noch zu sprechen komme) einem Stunt-Double weichen musste, statt selber zu fahren. Natürlich hätte ich mir auch diesmal einen Harley fahrenden Charlie Rogers (alias Elvis) gewünscht, doch das irgendwie-anders-sein gehörte ja mit zur Film-Rolle. So geriet er in dieser einen Szene gerade deshalb in einen Streit mit ein paar Raufbolden, weil er dahingehend provoziert wurde, ob ein einheimisches (sprich amerikanisches) Motorrad nicht gut genug für ihn sei und er stattdessen ein japanisches Fabrikat fahre.

Gleich am Anfang des Films gibt es ein paar herrliche Fahrstudien vom King zu sehen, die ab März 1964 in der Gegend von Thousand Oaks in Kalifornien gedreht wurden, passend untermalt vom Titelsong „Roustabout“ (hierbei muss ich bedauernd ein Klagelied darüber anstimmen, dass man den viel rockigeren, ursprünglich geplanten Titel „I’m A Roustabout“ letztendlich verworfen und aussortiert hat; erst mit jahrzehntelanger Verspätung wurde er – leider in Mono und etwas tempobeschleunigt, wie mir scheint - doch noch veröffentlicht. Bedauerlicherweise aber nicht im Rahmen der Double Features-CD-Reihe in den Neunzigern (wo er meiner Meinung nach hingehört hätte), sondern erst 2003 isoliert auf der „Second to None“-Compilation.



Das Modell, das Elvis/Charlie im Film verwendet, ist eine rote Honda CB 77 „Super Hawk“, Baujahr 1963. Laut zeitgenössischer Werbung war die Super Hawk „designed for high speed cruising and competition“, wurde als „geschmeidig, sicher und kraftvoll“ beworben, als „die Wahl der Experten“. Sie besaß einen Zweizylinder-Motor mit 4-Gang-Getriebe und einem Hubraum von 305 ccm, der eine Leistung von 27,4 PS entwickelte. Gestartet wurde sie nicht per Kickstarter, sondern mit einem elektrischen Anlasser. Serienmäßig war sie mit einem geraden Lenker ausgestattet; das in „Roustabout“ verwendete Modell hatte hingegen einen Hochlenker.
Im allgemeinen wurden Honda-Motorräder mit dem Slogan „First in Looks and Performance... Lowest in Cost!“ beworben, wobei die Super Hawk mit einem Kaufpreis von 665 Dollar die teuerste Honda war, die man damals kaufen konnte.


Stunt-Motorrad in ROUSTABOUT
In ROUSTABOUT gibt es noch ein weiteres Motorrad, das Elvis alias Charlie Rogers benutzt.
Ein wesentlicher Bestandteil der Filmhandlung ist ja bekanntlich ein Jahrmarkt mit allerlei Attraktionen. Darunter gibt es auch die sogenannte „Wall of Death“, die Todeswand, eine eintrittspflichtige Motorrad-Akkrobatik-Show, die schon im frühen 20. Jahrhundert in den USA für Aufsehen sorgte. Ende der 20er Jahre gelangte die Todeswand auch nach Europa.
Dabei wird die senkrechte hölzerne Wand im Innern einer zylindrischen, nach oben hin offenen Trommel, die üblicherweise vier bis fünf Meter hoch ist und einen Durchmesser von bis zu 10 Metern hat, von einem oder mehreren Kraftfahrzeugen befahren, wobei vor allem Motorräder verwendet werden. In der Frühzeit dieser Unterhaltungsform wurde beispielsweise ein Gespann eingesetzt, bei dem als besonderer Nervenkitzel ein ausgewachsener Löwe im Beiwagen saß!

Wie in Roustabout zu sehen ist, steigen die Zuschauer an außerhalb der Trommel befindlichen Treppen hinauf zu einer Art Aussichtsplattform, von der aus sie von oben in den Kessel schauen und die entsprechenden Vorführungen beobachten, die keineswegs ungefährlich sind und durch Konzentrationsmangel oder Fahrfehler auch schon zu Abstürzen oder regelrechten Abflügen geführt haben.
Bei wikipedia heißt es beispielsweise: „Der Steilwandfahrer startet auf der kreisförmigen Innenplattform. Eine Konus-Schrägung rundum von 45 Grad erlaubt den Übergang und nach Beschleunigen das Einfahren in die lotrechte Wand. In dieser Wand wird nun weiter beschleunigt bis zu einer gleichmäßigen und relativ sicheren Geschwindigkeit, bei der dann verschiedene Kunststücke vorgeführt werden.“



Für das Fahren an der Steilwand wurden wegen ihrer technischen Vorzüge (stabiler Rahmen, gute Kraftentfaltung, Fixierung des Gasdrehgriffs in einer bestimmten Position möglich) vor allem Motorräder der Marke Indian verwendet, beispielsweise eine Indian 750 Scout aus den 20er/30er Jahren, und auch im Film sieht man so ein Modell. Doch jenes Bike, das von Elvis/Charlie Rogers verwendet wird, besitzt nicht den für Indian-Motorräder typischen langgezogenen Tank, sondern einen tropfenförmigen Tank, wie er bei Harley-Davidson üblich war.
Ob dieses Stunt-Bike aber wirklich eine Harley ist/war, kann ich aus den vorliegenden Fotos nicht wirklich ableiten; auch das Logo auf dem Tank kann ich nicht wirklich entziffern. Fest steht, dass auch Harley-Davidson-Motorräder, vor allem Zweitakt-Maschinen aus den 50er Jahren (und später auch aus den 70ern), beim Fahren an der "Todeswand" eingesetzt wurden.

Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit hat Elvis dieses Bike zu keinem Zeitpunkt selbst gefahren, zumindest nicht an der Steilwand. Zum einen fehlte ihm jegliche Erfahrung für so einen Stunt, und zum anderen hätten weder Manager Parker noch die Film-Produktionsfirma (in diesem Fall Paramount) ein so hohes Verletzungsrisiko in Kauf genommen.

Vielleicht könnte jemand, der die Roustabout-DVD besitzt, von jener kurzen Szene ein paar Screenshots machen, wo Elvis tatsächlich selbst mit dem Bike zu sehen ist: Zunächst steht er als Zuschauer am Rand der Steilwand, unterhält sich und studiert dabei genau den Stunt-Fahrer bei seiner Darbietung. Dann beschließt er, es selbst einmal zu versuchen, geht hinunter in den Kessel, setzt sich den Helm auf und steigt auf das Motorrad. Man sieht noch, wie Elvis alias Charlie Rogers kurz nach oben schaut, die Kupplung zieht und den Gang einlegt, bevor der Umschnitt auf das Stunt-Double erfolgt.
Die eigentlichen Fahr-Szenen an der Steilwand, wo Charlie Rogers waghalsig seine Runden dreht und am Ende in Folge von Schwindelgefühl strauchelt und stürzt, sind mit dem legendären US-amerikanischen Steilwand-Fahrer Sonny Pelaquin gedreht worden, und er ist es auch, der auf einem der Kino-Aushang-Fotos (den so genannten Movie Stills) zu sehen ist.

Nach meinem persönlichen Geschmack ist ROUSTABOUT (was im übrigen ein im Amerikanischen gebräuchlicher Ausdruck für einen ruhelosen Zeitgenossen ist, der alle möglichen Arbeiten verrichtet, die unterwegs so anfallen) übrigens der letzte wirklich sehenswerte Elvis-Film, „garniert“ mit einer Gastrolle für die namhafte Schauspielerin Barbara Stanwyck. Die folgenden Filme wirken auf mich größtenteils lustlos produziert, mit überwiegend seichter Handlung, wenig Außenaufnahmen, z.T. billigen Effekten und leider nur wenigen wirklich guten Film-Songs. Das änderte sich erst gegen Ende des Jahrzehnts wieder, wo die Musik wieder besser (moderner) wurde und Elvis mit „Charro“ oder „A Change Of Habit“ schauspielerisch noch einmal ablieferte. Ist aber wie so vieles Geschmacksache...


1964 Yamaha YG1-T (Trailmaster 80)
Nachdem Elvis bereits in VIVA LAS VEGAS und ROUSTABOUT kräftig die Werbetrommel für Motorräder aus japanischer Produktion gerührt hatte, setzte er diesen Trend in seinem nächsten Film GIRL HAPPY (gedreht von Anfang Juni bis Ende Juli 1964) fort und benutzte für eine kleine Spritztour mit seiner Filmpartnerin Shelley Fabares eine Yamaha YG1-T (Trailmaster), Baujahr 1964.
Die Film-Sequenz ist, soweit ich mich erinnere, nur sehr kurz, und das offizielle Aushang-Foto dieser Szene zeigt nur sehr wenig vom Fahrzeug. Möglicherweise könnten Screenshots von der DVD in guter Qualität hilfreich sein, doch ich habe den Film lange nicht mehr gesehen und weiß jetzt nicht genau, ob dort noch mehr von dem Fahrzeug zu sehen ist. Falls nicht, lohnen auch die Screenshots nicht wirklich.



Die Fahrt entlang einer Uferpromenade in Fort Lauderdale, die Rusty Wells alias Elvis und Valerie Frank alias Shelley im Film unternehmen, wurde allerdings nicht im schönen Florida sondern im MGM Studio in Culver City gedreht; die ohne Elvis gemachten Außenaufnahmen in Florida wurden dann per Hintergrund-Projektion hinzu montiert. Dass es auch nur einen einzigen Kino-Besucher gegeben hat, der bei der Premiere des Films im April 1965 die betreffende Szene nicht als billig gemacht empfand, wage ich ernsthaft zu bezweifeln. Ich erwähne das besonders deshalb, weil Elvis ja noch in seinen beiden vorherigen Filmen jeweils realistische Fahrszenen zugebilligt bekam, und die Fahrt mit einem Moped ähnlichen Gefährt stellte wohl kaum ein ernsthaftes Unfall-Risiko dar.

Ich muss ehrlich sagen, dass für mich persönlich der Reiz der Elvis-Filme ab GIRL HAPPY nachlässt, nicht zuletzt auch wegen des „grandiosen“ Einfalls, die Originalgeschwindigkeit des Soundtracks nachträglich zu erhöhen, was nicht zu überhören ist. Wie man bei entsprechenden „Experimenten“ (z.B. mit einem Plattenspieler) hören kann, verliert so manches durchaus gelungene Film-Lied (etwa Girl Happy, Spring Fever oder I’ve Got To Find My Baby) durch die Beschleunigung seinen ursprünglichen Charme. Der letztgenannte Song wurde übrigens für das Soundtrack-Album vollends ruiniert, indem man kurzerhand das Intro und eine ganze Strophe wegschnitt, so dass auch dieser Song keine zwei Minuten lang ist. Zum Glück hat eine vollständige Version (allerdings in miserabler Tonqualität!) ihren Weg auf das Bootleg-Album Legendary Rarities gefunden).

Der Trailmaster 80 von Yamaha wurde nur zwischen 1964 und 1966 hergestellt. Der luftgekühlte Zweitaktmotor hatte einen Hubraum von 81 ccm und entwickelte eine Leistung von 6,2 PS. Mit einer Höchstgeschwindigkeit von 41 mph war dieses Gefährt vergleichsweise harmlos und wog nicht einmal 64 Kilogramm; zum Schutz vor dem Aufsetzen bei Fahrten im Gelände besaß es unter dem Motorblock eine Unterbodenplatte. Zu haben war der Trailmaster seinerzeit für 367 Dollar; heute muss man schon bis zu 2.500 Dollar dafür hinlegen.


Von wegen „im Dutzend billiger“ – Elvis spendiert eine Runde Motorräder!

Die Legende von den neun Harley-Davidson-Motorrädern, die Elvis – angeblich gelangweilt durch die immer anspruchsloser werdenden Musikfilme - eines schönen Tages im Jahre 1965 auf einen Schlag gekauft haben soll, hält sich hartnäckig, seit sie der Buchautor Wolfgang Tilgner in seiner Biografie „Elvis Presley“ (DDR, 1986) aufgriff und scheinbar ungeprüft weitererzählte. Einer näheren Betrachtung hält die Geschichte aber nicht stand; kein Zeitzeuge (weder Priscilla noch die Ex-Bodyguards und späteren Hobby-Enthüllungsjournalisten West/Hebler) erwähnt so viele Harleys in einem Zusammenhang.

Nimmt man es jedoch mit der Marke nicht so genau, dann stimmt die Gesamtstückzahl von neun Motorrädern (je nach Version auch mal zehn, elf oder sogar zwölf!) durchaus, doch es handelte sich hierbei eben nicht um die teuren Kult-Bikes aus Milwaukee sondern um importierte Sportmotorräder des Fabrikats Triumph-Bonneville aus Großbritannien, die Elvis seiner „Memphis-Mafia“ in einem ganz besonderen Anfall von Großzügigkeit spendierte.

Im Zusammenhang mit dem Motorrad-Großeinkauf werden zwei Filme genannt:

In dem berüchtigten Leibwächter-Buch ELVIS WHAT HAPPENED? (erstmals erhältlich in der ersten August-Woche 1977; zuvor schon in Auszügen in einem Revolverblatt veröffentlicht) schreibt der Autor Steve Dunleavy basierend auf den Aussagen von Red West, Sonny West und Dave Hebler beispielsweise:
„(...) Dann kam Tickle Me. Presleys Langeweile zeigte sich nun im Kauf von zehn Motorrädern. Während die Jungs eine tolle Zeit hatten, gerieten die Nachbarn des Presley-Hauses im Perugia Way vor Wut außer sich. Die Memphis Mafia war eine Sache, aber die Memphis Mafia als „Hell`s Angels“ war eine andere. Presley nahm die Motorrad-Affäre ernst und kleidete sich entsprechend, à la Marlon Brando, ganz in schwarzem Leder, mit Sonnenbrille und Sturzhelm.
Der Film hatte kaum den Schneideraum verlassen, als Presley schon Harum Scarum machte (...).“



Hierzu sei angemerkt, dass die Dreharbeiten zu Elvis’ 18. Film „Tickle Me“ (was übersetzt „Kitzle mich“ heißt, aber für die deutsche Synchronfassung in „Cowboy-Melodie“ geändert wurde) von Mitte Oktober bis Anfang Dezember 1964 dauerten; seine Kino-Premiere feierte der Film, der ohne jegliche Außenaufnahmen nur im Studio gedreht worden war, am 28. Mai 1965.
Abgesehen von kleinen Fehlern, die leider auf Kosten der Gesamtglaubwürdigkeit dieses Buches gehen (Brando trat in dem erwähnten Film The Wild One statt „ganz in schwarzem Leder“ lediglich in Lederjacke und Bluejeans auf und statt einem Helm trug er eine Schirmmütze, wie auch Elvis sie bis etwa Mitte der 60er Jahre bevorzugte), ist hier zumindest keine Rede von mehreren Harleys.

Am 15. März 1965 begannen im MGM-Studio in Culver City die Dreharbeiten zu Elvis` 19. Film HARUM SCARUM (Verschollen im Harem), doch die anfängliche Begeisterung ob der vermeintlich anspruchsvollen Rolle wich schnell der Ernüchterung. Priscilla äußerte sich diesbezüglich in ihrem Buch ELVIS UND ICH (Lübbe Verlag, 1986): „Noch immer mit den Dreharbeiten beschäftigt, aber ohne Begeisterung, weil der Film so mittelmäßig war, suchte er Ablenkung auf dem Motorrad – er besaß elf Triumphs und eine Harley; die Triumphs waren für die Assistenten, und die Harley fuhr der Boss. In Leder geschnallt von Kopf bis Fuß, kamen wir uns hart und gnadenlos vor wie eine Bande von Hell`s Angels auf einem Streifzug, wenn wir durch die Tore von Bel Air dröhnten und unsere Motoren mitten in der Nacht aufheulen ließen.
An den Wochenenden brausten wir durch die Santa Monica Mountains und hielten unterwegs an auf ein Bier oder eine Cola. Es war wild und schnell und machte Spaß. Mir machte es soviel Freude, dass ich eine eigene Maschine haben wollte. Trotz seiner Sorge um mich schenkte mir Elvis schließlich zögernd eine Honda Dream 350.
Während er im Studio war, fuhr ich nun allein durch die Gegend und entfloh damit Bel Air, Beverly Hills, Hollywood, der MGM und allen meinen Sorgen.“

In dem Buch „Unknown Stories Behind The Legend“ von Jim Curtin wird die Motorrad-„Kauforgie“ ausführlich geschildert, und ich hoffe, dass die Forums-Userin Mona aus Tschabo`s World of Elvis Presley nichts dagegen einzuwenden hat, wenn ich an dieser Stelle ihre Übersetzung heranziehe:

1965 ließ Elvis eines Tages, als er gerade zu Hause in Memphis war, einen seiner Männer bei einem örtlichen Motorradhändler anfragen, ob dieser Triumph Bonneville Motorräder führe. Ihm wurde gesagt, dass die Motorräder je 1300$ kosteten. Elvis ließ seinen Mann den Händler zurückrufen, um herauszufinden, was sich an Rabatt rausschlagen ließe, wenn er 3 oder 4 Motorräder kaufen würde. Der Handler sagte, dass er niemandem einen Rabatt einräumen könnte, weil die Motorräder importiert seien und deshalb viel Steuern gekostet hätten, die er nun auf den Kaufpreis aufschlagen müsse. Der Bodyguard fragte daraufhin, wieviel es kosten würde, wenn er 12 Motorräder bestellen würde. Der Händler glaubte nicht, dass sich irgend jemand 12 Motorräder leisten könne und sagte das auch dem Bodyguard. Der sagte dem Händler dann, dass die Motorräder für Elvis Presley seien.
Elvis kam persönich ans Telefon und fragte, ob er die Motorräder noch am selben Tag zu seinem Haus geliefert bekommen könnte. Der Händler erklärte Elvis, dass das eine Woche dauern würde, weil die Motorräder noch in Einzelteilen wären und erst per Hand montiert werden müssten. Außerdem müsse er noch seinen Laden leiten und könne deshalb nur zwischen 2 Kunden an den Motorrädern arbeiten. Elvis wollte nicht so lange auf die Motorräder warten und sagte dem Händler, wenn er sie nicht bis zum nächsten Morgen haben könnte, wäre er nicht interessiert. Der Händler geriet in Panik, denn er wollte sich so ein großes Geschäft nicht verderben und sagte Elvis, er würde seinen Laden sofort schließen und beginnen, die Motorräder zusammenzubauen. Er werde sie Elvis am nächsten Tag früh nachmittags liefern. Zu Elvis´ Überraschung wurden alle 12 Triumph Bonnevilles innerhalb von 6 Stunden zu seinem Haus geliefert. Der Händler überbrachte die Motorräder persönlich. Dankbar, dass der Mann ihm so entgegengekommen war, bezahlte Elvis den vollen Preis für alle 12 Motorräder und gab ihm ein extra großes Trinkgeld für die schnelle Lieferung.


Ein Foto, das am 4. April 1965 vor Elvis’ Haus am Perugia Way Nr. 525 in Bel Air, einem Villenviertel in Los Angeles, Kalifornien, gemacht worden sein soll, dokumentiert offenbar die Anlieferung der Triumph-Motorräder, wobei ich mich frage, ob Elvis die Maschinen möglicherweise in L.A. gekauft hat und nicht in Memphis, oder ob er sie sofort von Memphis an die Westküste überführen ließ.
Ob wirklich alle zwölf Maschinen vom gleichen Typ waren, kann ich beim besten Willen nicht sagen (dazu müsste man schon die Kfz-Papiere durchsehen, sofern sie heute noch vorhanden sein sollten), aber aktuell im Trend lag seinerzeit die Triumph T120 Bonneville, Baujahr 1965. Die Bonneville, auch liebevoll „Bonny“ genannt, zählt zu den Motorrad-Klassikern und wurde letztmalig von Triumph-Chef-Designer Edward Turner entworfen. 1959 wurde sie erstmals vorgestellt; ihr Zwillingsmotor hatte einen Hubraum von 650 ccm, der eine Höchstgeschwindigkeit von über 100 mph ermöglichte. Ein typisches Markenzeichen war übrigens das Gummi-Pad an jener Stelle am Tank, wo das Knie des Fahrers ansonsten die Lackierung mit der Zeit abgenutzt hätte.

Wer das Foto genau betrachtet, dem wird übrigens auffallen, dass Elvis eines der Motorräder zu großen Teilen verdeckt, doch es ist immerhin soviel zu erkennen, dass eine Triumph-Bonneville auszuschließen ist...


1965 Harley-Davidson FL/FLH „Panhead“ Electra Glide ?
(oder 1960-64 Harley-Davidson FL/FLH Duo Glide?)



Das gerade angesprochene Foto von der Anlieferung der Triumph-Motorräder zeigt hinter Elvis ganz offensichtlich eine FL aus dem Hause Harley-Davidson, wie Priscilla sie in ihrem Buch erwähnt hat („er besaß elf Triumphs und eine Harley“). Die Frage ist nur, ob es sich dabei um eine neue Duo Glide (neu im Vergleich zur „alten“ 1958er Duo Glide in Memphis) oder um die allererste Electra Glide handelt, die 1965 neu auf den Markt kam und – wie jedes neue Harley-Modell - üblicherweise ab dem Herbst des Vorjahres erhältlich war.
Leider verdeckt Elvis selbst alle relevanten Details der Maschine: man erkennt weder den Tank, noch den Motorblock, noch die Hinterradaufhängung. Somit ist eine genaue Typenbestimmung für den Moment nicht möglich – lediglich die Farbe blau ist zu erkennen. Zwischen 1960 und 1967 verwendete Harley-Davidson den Farbton Hi-Fi Blue, kombiniert mit Birch White (also birkenweiß).

Wenn ich mich nicht täusche, ist ganz rechts am Bildrand der Buddy Seat einer weiteren Harley zu erkennen, aber das ist vorerst nur eine Mutmaßung, denn von zwei Harley-Davidson-Motorrädern zu jener Zeit habe ich nirgends etwas gelesen. Möglicherweise war eine der beiden Harleys nicht von Elvis.

Da ich eine Duo Glide bereits vorgestellt habe und diese in den frühen 60ern keine relevanten Neuerungen erhielt, will ich an dieser Stelle auf die erste Electra Glide eingehen, die ich persönlich für wahrscheinlicher halte und die übrigens deshalb so hieß, weil sie statt des herkömmlichen Kickstarters einen elektrischen Anlasser besaß. Der Fahrer musste das Fahrzeug also nicht mehr antreten (was durchaus anstrengen kann, wenn die Maschine nicht gleich anspringt – siehe die Anekdote mit der KH in Teil 1), sondern konnte es bequem per Knopfdruck starten. Erwähnenswert ist hierbei die Tatsache, dass die erste Electra Glide gleichzeitig die letzte FL war, die mit dem „Panhead“-V-Zweizylinder-Motor (Viertakt) ausgestattet wurde, der bei der Standard-Variante einen Hubraum von 1206 ccm besaß und eine Leistung von 68 PS entwickelte. Nur ein Jahr später wurde dieser ausgetauscht, doch dazu komme ich noch.

Elvis war ja dafür bekannt, in fahrzeugtechnischer Hinsicht stets mit der Zeit zu gehen, und schließlich verfügte er auch über die entsprechenden finanziellen Mittel, um sich in vergleichsweise kurzen Abständen Neufahrzeuge anschaffen zu können.
Vielleicht kennt jemand noch eine andere Aufnahme aus jener Zeit (also von Elvis mit einer Harley im Zeitraum 1964/65), auf der noch mehr von dem Motorrad zu sehen ist.

Interessant wäre unter diesem Gesichtspunkt auch ein Blick in das Foto-Archiv von Charles Nicholas vom „Commercial Appeal“. Er machte nämlich im Frühjahr 1965 die bekannte Foto-Serie in der Art einer Home-Story, die Elvis – in gelber Sportjacke und heller Hose - an verschiedenen Orten auf Graceland zeigt: beim Bass-Zupfen auf der Couch im Wohnzimmer, beim Klavierspielen im Musikzimmer, in einer seiner Limousinen vor dem Eingangs-Portal...
Veröffentlicht wurden diese Farbaufnahmen am 7. März 1965 in der ersten Ausgabe von „Mid-South“, einer neuen Wochenend-Beilage der lokalen Tageszeitung „The Commercial Appeal“.
Schon der Gedanke an eine womöglich damals nicht veröffentlichte Farbaufnahme von Elvis mit seiner Harley versetzt den Harley-Enthusiasten in mir in Verzückung, und natürlich wären dann auch sämtliche Details der Maschine gut sichtbar, da schließlich von Profi-Hand fotografiert.

Meine These, dass Elvis sich Ende 1964/Anfang 1965 von der 58er Duo Glide trennte und diese durch die neue Electra Glide ersetzte, muss allerdings nicht zwingend stimmig sein. Theoretisch könnte er sich (vielleicht schon 1960?) für die regelmäßigen Aufenthalte an der Westküste eine Zweit-Harley zugelegt haben, um das Fahrzeug nicht immer hin und her transportieren zu müssen. Somit könnte es sich bei der von mir vermuteten Electra Glide im April 1965 durchaus um eine „ältere“ Duo Glide der Baureihen 1960 bis 1964 handeln, was ich aber aus den genannten Gründen eher für unwahrscheinlich halte.


1966 Harley-Davidson FLH „Shovelhead“ Electra Glide



Für 1966 wurde der neue, sogenannte „Shovelhead“-Motor bei Harley-Davidson eingeführt, der übrigens unter Bikern so genannt wurde, weil die Zylinderkopfabdeckung auf dem Motorblock an das umgedrehte Blatt einer Schaufel erinnerte. Prompt erschien Elvis während der Dreharbeiten zu seinem 22. Film SPINOUT mit Filmpartnerin Deborah Walley auf einer nagelneuen Harley-Davidson Electra Glide mit Shovelhead-Motor. Die Fotos, die es von Elvis mit dieser Maschine gibt (aufgenommen während einer Spritztour mit der „Memphis-Mafia“ irgendwo in Kalifornien), sind – soweit mir bekannt – in schwarz-weiß, so dass ich über die Farbe lange Zeit keine verbindliche Aussage treffen konnte. Dann aber fielen mir zwei Farbaufnahmen in die Hände, die Elvis (mit Priscilla als Sozius) um die Mitte der 60er Jahre auf einer roten Electra Glide zeigen, wobei ein Foto offenbar zufällig von einem Fan aus einem Auto heraus gemacht wurde, als Elvis an einer Ampel anhalten musste; das andere entstand mutmaßlich beim Verlassen seines Hauses bzw. bei seiner Rückkehr.
Ich bin mir übrigens ziemlich sicher, dass es sich bei der Harley, mit der Elvis – begleitet von Sänger Johnny Rivers auf dessen eigener Maschine - bei einer Motorradtour durch L.A. fotografiert wurde, ebenfalls um die 1966er Electra Glide handelt. Auch in diesem Fall verdanken wir die „Beweisfotos“ einem Fan, der – als er die berühmten Biker hinter sich erblickte – durch die Heckscheibe fotografierte.
Im übrigen fällt auf, dass der Sitz der Maschine, ein sogenannter Buddy Seat, offenbar aus rotem statt aus weißem Leder war (man beachte den Grauton auf den s/w-Fotos, der sich deutlich von den weißen Gepäckbehältern abhebt), zumindest auf der abgesteppten Sitzfläche, denn die seitliche Umrandung auf dem einen Foto mit Priscilla schimmert irgendwie metallisch.



Zu dieser Maschine gibt es übrigens eine kleine Anekdote, datiert auf die Zeit der Dreharbeiten zu SPINOUT von Anfang Februar bis Anfang April 1966. Deborah Walley erinnerte sich einmal daran, dass sie während einer gemeinsamen Harley-Spritztour entlang der Küste bei Malibu einen halb verhungerten Hund am Straßenrand entdeckten. Elvis hielt an, nahm den Deutschen Schäferhund auf seiner Maschine mit und kümmerte sich dann den ganzen Nachmittag liebevoll um den Vierbeiner, dem er somit höchstwahrscheinlich das Leben gerettet hatte. Später gab er den Hund in die Hände von Deborah, genauer gesagt, er fuhr ihn in seinem Rolls Royce (!) zum Haus der Schauspielerin, die ihn dann die nächsten Jahre in ihre Obhut nahm.
Ob es sich dabei um den schwarzen Rolls Royce „Phantom“ oder den weißen „Silvercloud“ (was ich vermuten würde) gehandelt hat, lässt sich nicht genau sagen, aber letztlich ist es auch sekundär, da es hier ja vor allem um Motorräder geht.
Spinout lief übrigens Mitte September 1966 in den Kinos an, aber das nur am Rande.


Die Honda-Familie



Ca. 1966/67 grassierte bei den Presleys offenbar ein regelrechtes Honda-Fieber: nein, nicht nur Elvis, auch Priscilla und seine drei Stiefbrüder David, Bill und Rick Stanley (zu jener Zeit noch Heranwachsende und seit der Hochzeit ihrer Mutter Dee mit Elvis’ Vater Vernon praktisch auch Presleys) besaßen dank Elvis’ Großzügigkeit allesamt ein Honda-Modell. Das Familienoberhaupt fuhr eine schwarze Honda CA77 Dream, Baujahr 1965 (?) (das A stand für speziell für den amerikanischen Markt produzierte Maschinen; das japanische Modell für den Inlandsverkauf hieß nur C77), seine angehende Verlobte und spätere Ehefrau das mutmaßlich gleiche Modell in weiß (möglicherweise aber auch das leistungsschwächere Modell CA72 mit 250 statt 305 ccm).
Die genauen Typenbezeichnungen für die drei „Minis“, die Ricky, David und Billy erhielten, habe ich bis jetzt noch nicht ermitteln können, ich bleibe aber am Ball.

Ob auch Vernon eine Honda bekam, entzieht sich leider meiner Kenntnis, aber die Vorstellung, wie sie alle zusammen auf dem Anwesen von Graceland mit ihren Hondas herum kurven, Elvis voran, lässt mich doch ein wenig schmunzeln...

Von der schwarzen Honda Dream hat sich Elvis offenbar nicht mehr getrennt. Auf der Inventarliste von 1977 fehlt sie zwar, doch sie wurde später von Angestellten beim Aufräumen auf dem Dachboden der rückwärtigen Stallungen wiederentdeckt, wo Elvis sie wohl irgendwann hatte verstauen lassen. Heute ist sie im Elvis Presley Automobile Museum gegenüber von Graceland zu besichtigen, wo sie symbolisch dafür steht, dass Elvis nicht nur Harley-Davidson fuhr. Wie das Graceland-Foto übrigens belegt, verwendete Elvis den Sturzbügel offenbar nicht. Dieser hat ja die Funktion, im Falle eines Unfalls/Sturzes die Knie/Beine des Fahrers vor größeren Verletzungen zu schützen, und Elvis hielt das für den „Offroad“-Gebrauch auf seinem Grundstück anscheinend für übertrieben...
Als ich seinerzeit selbst durch das Auto-Museum stöberte (das war noch in den Neunzigern), da konnte ich es gar nicht verstehen, dass man statt einer weiteren Harley die „olle“ Honda neben die beiden Electra Glides und den Chopper platzierte. Heute habe ich durchaus Verständnis dafür.




1967 Harley-Davidson Electra Glide?
Von einer weiteren Harley ist mir nur ein einziges, leider nicht datiertes „Beweis-Foto“ bekannt. Es zeigt Elvis auf einer offenbar blau-weißen Electra Glide mit der typischen Lackierung für die Baureihen 1966, 1967 oder 1970. Ein 1966er Modell würde ich persönlich ausschließen, da Elvis in jenem Jahr bereits ein rot-weißes Modell fuhr. 1968 und 1969 nahm Harley-Davidson eine horizontale Farbtrennung am Tank vor (also oben Farbe x, unten Farbe y), sodass diese beiden Baureihen ausscheiden. Ein 1970er Modell kommt ebenfalls nicht in Frage, da Elvis zu jener Zeit unübersehbare Kotletten trug, auf dem erwähnten Foto aber nicht.
Kommt nach dem Ausschlussverfahren also nur ein 1966er oder 1967er Modell in Frage. Ein weiterer Unterschied, der im Vergleich mit der rot-weißen Electra Glide auffällt, ist der durchgängig farblose Windabweiser. Wie wir gesehen haben, war die Windschutzscheibe (das sogenannte Wind Shield) der anderen Maschine im unteren Bereich - passend zum Farbton des Fahrzeugs – rot getönt.
Allerdings sieht man auf dem Foto, dass hinter Elvis eine weitere Electra Glide fährt. Leider ist die Qualität aber nicht ausreichend, um den Typ oder wenigstens die Farbe zu bestimmen. Möglicherweise lenkt Priscilla die zweite Harley, oder aber ein „Memphis-Mafioso“ (vielleicht Charlie Hodge?).

Auf einem ausgedehnten Motorrad-Streifzug im Februar 1967 – möglicherweise mit dieser Maschine? - entdeckten Elvis und seine frischgebackene Verlobte Priscilla Beaulieu am Horn Lake in der Nähe des Ortes Walls in Mississippi eine zum Verkauf stehende Ranch, die er im Frühjahr kaufte und - in Anlehnung an sein Anwesen Graceland - „The Circle G“ nannte. Das 63 Hektar umfassende Areal samt Wohnhaus lag acht Kilometer südlich von Memphis entfernt. Hier verbrachte Elvis nach seiner Hochzeit mit Priscilla am 1. Mai 1967 einen Teil der Flitterwochen. Anfang der 70er Jahre beschloss Elvis, die kostspielige Ranch samt begonnener Rinderzucht und hochwertiger technischer Ausrüstung wieder zu verkaufen; 1974 wechselte sie den Besitzer.




1966 Harley-Davidson Electra Glide
In seinem 25. Spielfilm “Clambake” (gedreht ab Ende März 1967 in Los Angeles) mimt Elvis den Sohn eines texanischen Öl-Millionärs, der ein unausgefülltes Leben im Luxus führt und nach der Zufallsbekanntschaft mit einem Wasserskilehrer in Miami beschließt, kurzerhand mit diesem die Identität zu tauschen, um den Beweis zu erbringen, dass auch er auf eigenen Füßen stehen kann. Das Verwirrspiel beginnt, als Elvis sich in seine gutaussehende Schülerin (gespielt von Shelly Fabares) verliebt, die freimütig zugibt, sich einen reichen Mann angeln zu wollen.
In meinen Augen zählt der Streifen zwar nicht gerade zu den Höhepunkten in Elvis’ filmischem Schaffen, doch erwähnenswert ist er an dieser Stelle dennoch, da mit dem erwähnten Tausch der Identität auch ein Tausch des fahrbaren Untersatzes einher geht. Während also der „falsche“ Millionärssohn (gespielt von Will Hutchins) den kirschroten Sportwagen von Elvis übernimmt (eine 1959er Corvette Stingray von Chevrolet), erhält jener eine chromblitzende Harley-Davidson Electra Glide!

Leider konnte ich bisher nicht in Erfahrung bringen, ob es sich hierbei um eine Film-„Requisite“ handelt oder um Elvis’ Privatmaschine. Die Lackierung ist zumindest nicht mit jener Electra Glide identisch, die er zu dieser Zeit privat fuhr, und deshalb würde ich – nicht zuletzt auch aus versicherungstechnischen Gründen – auf eine Leihgabe von United Artists tippen.



Hinsichtlich des Baujahres bin ich mir ebenfalls nicht ganz sicher; in einem englisch-sprachigen Internet-Forum äußerte jemand die Vermutung, dass es sich um ein frühes 1966er Electra Glide-Modell handeln könnte. Das ab dieser Zeit gebräuchliche Tank Badge deutet tatsächlich darauf hin, obwohl der Harley-Davidson-Schriftzug unkenntlich gemacht wurde, um keine kostenlose Werbung zu betreiben. Offenbar wurde die Originallackierung bewusst verfälscht bzw. verfremdet, denn weder 1965 noch 1966 war eine solche üblich. Allerdings ist vorstellbar, dass die an sich neuwertige Electra Glide für die Verwendung im Film absichtlich auf gebraucht getrimmt wurde.
Da ich auf den mir bekannten Fotos die Ventilabdeckung nicht deutlich genug erkennen kann, vermag ich leider auch nicht, das Jahr vom Motor abzuleiten (ein „Panhead“ würde 1965, ein „Shovelhead“ 1966 bedeuten).
Bedauerlicherweise wurden die Außenaufnahmen in Miami ohne Elvis (dafür mit einem Double) gemacht, sodass es auch von dieser Gelegenheit keine authentischen Farbaufnahmen von Elvis auf einer fahrenden Harley-Davidson gibt. Soweit ich mich erinnere, ist Elvis nur bei Standsequenzen auf der Harley zu sehen; an Stellen, wo er angeblich beim Fahren gezeigt wird, wurde ganz offensichtlich mit Hintergrund-Projektion gearbeitet, wo Elvis also auf dem fixierten Fahrzeug sitzt und eine bewegte Hintergrundkulisse den Eindruck entstehen lassen soll, es würde sich um eine tatsächliche Fahrt handeln. Natürlich wirkt das Ganze primitiv und entbehrt nicht einer gewissen Situationskomik, doch gerade hier hätte es sich wirklich angeboten, mit etwas mehr Aufwand realistische Fahr-Szenen vom Harley-erprobten Hauptdarsteller vor der reizvollen Kulisse Floridas in den Film einzubauen. Elvis selbst, so könnte ich mir denken, hätte das gewiss als willkommene Abwechselung empfunden. Etwas später, im Film STAY AWAY, JOE, durfte er dann doch noch mal mit einem Motorrad fahren – nur leider war es diesmal keine Harley sondern eine schrottreife Importmaschine...

Verwunderlich scheint mir übrigens der Umstand, dass man diesmal keine Single aus dem Filmsoundtrack ausgekoppelt hat, wo sich doch der vergleichsweise rockige Titelsong – vielleicht gekoppelt mit Hey, Hey, Hey - in Kombination mit einem passenden Cover von Elvis auf der Harley angeboten hätte...
Guitar Man, die letztendliche Single, war zwar als sogenannter Bonus-Track mit auf dem Soundtrack-Album, fand aber im Film (zum Glück, muss man fast sagen) keine Verwendung und wurde daher auch nicht mit einem Film-Motiv auf der Hülle beworben. Dass aber auch in diesem Fall ein viel ansprechenderes Cover mit Elvis auf einer Harley-Davidson den kommerziellen „Erfolg“ (in den USA leider knapp an den Top 40 vorbei, in England immerhin in den Top 20) etwas vergrößert hätte, will ich einmal tollkühn behaupten...


Triumph-Motorrad in Stay Away, Joe
Wie wir gesehen haben, hat Elvis im Frühjahr 1965 wohl so ziemlich jeden in seinem engsten Umfeld mit einem Triumph-Motorrad aus britischer Produktion beglückt, während er selbst bei der Harley blieb. Im Oktober und November 1967, bei den Dreharbeiten zu seinem neuen Film Stay Away, Joe, erhielt Elvis nun selbst die Gelegenheit, bei Außenaufnahmen in Arizona (Cottonwood und Sedona) sein Geschick im Umgang mit einer für die Offroad-Nutzung konzipierten Triumph unter Beweis zu stellen. Nur handelte es sich jetzt nicht um ein fabrikneues Fahrzeug, sondern um eine, man möchte schon sagen, schrottreife Gebraucht-Maschine, die Joe Lightcloud alias Elvis im Film benutzt. Das genaue Fabrikat habe ich noch nicht ermitteln können, aber ich arbeite daran.



Leider sind die Außenaufnahmen in Arizona, drei der vier Film-Songs (außer „Dominic“) und der Gastauftritt von Katy Jurado (unvergesslich in „High Noon“) für mich die einzigen Highlights des Streifens, dessen Handlung leider ein sehr fragwürdiges Bild der Reservatsindianer zu jener Zeit zeichnet. Bemerkenswert ist hierbei die Tatsache, dass Elvis zum zweiten Mal nach 1960 (Flaming Star) einen Halbblut-Indianer spielt (nun aber nicht vom Stamm der Kiowa, sondern einen Navaho), wo er ja selbst von mütterlicher Seite her Indianerblut in seinen Adern hatte (Ur-Ur-Ur-Großmutter Morning Dove White gehörte dem Stamm der Cherokee an), aber das sei nur am Rande erwähnt.



1963-65 Harley-Davidson FL/FLH Duo Glide
Die folgende Harley ist mit Vorsicht zu betrachten, da der einzige Bezug zu Elvis ein Foto ist, das am Film-Set von „Live A Little, Love A Little“ (Film Nr. 28, Premiere in der letzten Oktober-Woche 1968) gemacht wurde und Elvis mit Charlie Hodge (ist das im Hintergrund Joe Esposito mit Sonnenbrille?) vor einer FL oder FLH stehend zeigt, die praktisch jedem gehört haben könnte.
Möglicherweise hilft das Tank Badge weiter, denn das hier zu sehende wurde lediglich für die Baureihen 1963, 1964 und 1965 verwendet, womit es sich um eine „Panhead“-Duo Glide oder eine frühe Electra Glide handeln dürfte.
Wie wir wissen, hatte sich Elvis spätestens 1966 die neue „Shovelhead“-Electra Glide gekauft, und somit liegt die Vermutung nahe, dass die abgebildete „alte“ Maschine einem der „Memphis-Mafiosi“ (vielleicht Joe, vielleicht Charlie?) oder überhaupt keinem aus der Presley-Gruppe gehört haben könnte.



Vielleicht ist aber an dieser Stelle die Erinnerung des Filmmusik-Komponisten Billy Strange angebracht, da dieser für Elvis u.a. den Song „A Little Less Conversation“ geschrieben hat, den Elvis just für „Live A Little, Love A Little“ aufnahm, und der sehr viele Jahre später als Remix ein großer Hit wurde.
Billy Strange teilte mit Elvis die Leidenschaft für das Motorradfahren; gemeinsam unternahmen sie mit ihren Harleys Spritztouren durch die Hollywood Hills, wobei die einzige Zeit, in der Elvis seinen kreischenden Fans entkommen konnte, die frühen Morgenstunden waren: „Für gewöhnlich rief Elvis mich gegen 2 oder 3 Uhr früh an und sagte: ‚Hey Billy, let´s go for a ride’. All die anderen Stunden des Tages wurde er von Hunderten von Mädchen verfolgt, also würde ich ihn daheim in seinem Haus in Beverly Hills treffen, um dann gemeinsam für ein paar Stunden bis zum Sonnenaufgang in der Gegend von Hollywood herum zu fahren. Elvis liebte seine Harley, und er sagte mir, dass er sich darauf wirklich frei fühlte. Wieder zurück, war er dann glücklich. Schließlich hatte er auch eine wunderschöne Frau und eine kleine Tochter, die er anbetete.“
Nur am Rande: als Autor bzw. Co-Autor der Ballade „Memories“ (für das NBC-TV Special), des Film-Liedes „Charro“ (Titelsong zum gleichnamigen Western) oder der Blues-Nummer „Clean Up Your Own Backyard“ (verwendet im vorletzten Film „The Trouble With Girls“) war Billy Strange übrigens für drei weitere, wie ich finde, außerordentlich interessante Elvis-Songs verantwortlich.

Um welche Harley es sich nun bei Billys Erinnerungen handelte, ob um eine Electra Glide oder womöglich schon um den Chopper, konnte ich bisher noch nicht herausfinden.


Am Ende des Jahrzehnts gab es noch eine nicht unwesentliche Neuerung im Hause Harley-Davidson, auf die ich kurz eingehen möchte, weil sie in Bezug auf Elvis und seine künftigen Harleys relevant ist. 1969 wurde nämlich das Traditionsunternehmen aus Milwaukee gemeinsam mit Aermacchi offiziell von der American Machine and Foundry (AMF) übernommen; seither trugen alle Motorräder die Markenbezeichnung AMF Harley-Davidson. Wer also künftig ein Foto von Elvis mit einer noch unbekannten Harley aufstöbert, auf der hintereinander AMF Harley-Davidson auf dem Tank steht, der weiß sofort, dass es sich um ein Baujahr ab 1972 handelt. Steht das AMF-Kürzel isoliert unter dem Harley-Davidson-Schriftzug, wurde die Maschine im Zeitraum 1969 bis 1971 gebaut. Fehlt der Zusatz AMF, ist die Harley vor 1969 gebaut worden...


Unter Vorbehalt


Wie schon in Teil 1 möchte ich auch hier zum Abschluss noch auf zwei „Mystery“-Bikes eingehen, die Elvis für die 60er Jahre zugeschrieben werden, aber (noch) nicht eindeutig nachgewiesen sind:


1963-65 Harley-Davidson FL/FLH Duo Glide (rot/weiß)
Im Hard Rock Cafe in Hollywood wird/wurde vor ein paar Jahren eine rot-weiße „Panhead“ Duo Glide ausgestellt, versehen mit der schlichten Plakette: „Elvis’ Harley“. Das Tank Badge verrät eine Baureihe zwischen 1963 und 1965, womit es sich bei dem Farbton um ein sogenanntes Hi-Fi Red handeln müsste, das bis 1965 bei Harley-Davidson verwendet wurde. Das ist aber auch schon alles, was ich bislang zu dieser Maschine sagen kann. Das Fehlen der Windschutzscheibe und der Gepäck-Taschen/-Behälter unterscheidet das Bike zunächst einmal von den übrigen „Hogs“, die Elvis fuhr, aber da beides nicht zur Grundausstattung von Harley-Davidson gehörte sondern als Extra gegen Aufpreis verkauft wurde, könnte es auch in diesem Fall so gewesen sein, dass die Zubehörteile einfach abgenommen wurden, um die Harley besser zur Geltung zu bringen.
Ein Foto von Elvis mit dieser Harley ist mir bisher nicht bekannt.




1966 (?) Harley-Davidson Electra Glide (blau/weiß)
Für die späten 60er Jahre wird Elvis noch eine weitere Electra Glide zugeschrieben, die aber bislang nur durch ein einziges Foto – ohne Elvis! – belegt ist. Die Aufnahme soll (laut Sandi Miller?) ca. 1969 in Westwood Village, Kalifornien, entstanden sein, wo Elvis eine Zahnarztpraxis aufgesucht haben soll. Ob es sich tatsächlich um eine weitere Harley von Elvis handelt, lässt sich ohne ein wirkliches „Beweisfoto“ (also mit Elvis auf oder vor der Maschine) bzw. ohne nähere Informationen nicht verbindlich sagen; das Tank Badge auf der Electra Glide lässt jedenfalls eine Baureihe zwischen 1966 und 1971 erkennen, die Art der Tanklackierung ist typisch für 1966.
Die Qualität der Aufnahme ist leider nicht sehr gut, aber entsprechend dem Harley-Davidson Farbkatalog kommen als Farbtöne Hi-Fi Blue (gebräuchlich von 1960 bis 1967), Indigo Blue Metallic oder Crystal Blue (beide 1966-68) in Frage, jeweils kombiniert mit Birch White (birkenweiß).
Als Auffälligkeiten wären beispielsweise die in gleicher Farbe lackierten Gepäckbehälter (derjenige hinter dem Sozius mit seitlichen Haltegriffen) zu nennen oder die kegelförmigen rückwärtigen Blinkleuchten und das Logo oberhalb des seitlichen Gepäckkoffers. Vielleicht helfen diese Dinge weiter, um die genaue Baureihe zu ermitteln.
Da ich also für den Moment praktisch keine Fakten zu dieser Maschine anbieten kann, weiß ich auch nichts über ihren weiteren Verbleib zu berichten.
Dass es sich überhaupt um eine Harley von Elvis Presley handelt, halte ich persönlich für fraglich, solange ich kein anderes Foto finde, auf dem der Fahrer (also Elvis) mit zu sehen ist.



Soweit meine "Forschungsergebnisse" zu den 60ern.
Was jetzt noch verbleibt, ist eine Zeitreise in die 70er Jahre...

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Originalthema Elvis auf 2 Rädern - Teil 2

Geändert von Mike (10.08.2014 um 20:00 Uhr)
Alt Alt 05.08.2014, 17:31
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