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Alt 14.08.2014, 11:08
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★ Elvis auf 2 Rädern - Teil 3

Elvis auf 2 Rädern

Teil 3: Die 70er Jahre

Die 70er Jahre standen bei Harley-Davidson wie schon erwähnt im Zeichen der Fusion mit AMF; 1970 wurde überdies ein neues Markenzeichen kreiert. Nachdem der Rennfahrer Mert Lawwill beim Sandbahn-Rennen die Sieg-Plakette der AMA für Harley-Davidson gewonnen hatte, entwarf Willie G die Zahl „1“ in den Farben der amerikanischen Flagge, die an sämtlichen Motorrädern angebracht wurde.

Ich beginne das Jahrzehnt aber zunächst mit einer Harley, die zwar schon in der zweiten Hälfte der 60er Jahre gebaut wurde, mit der Elvis aber – meines Wissens nach - erstmalig 1971 dokumentiert wurde.


1966 Harley-Davidson “Shovelhead” Chopper
Als 1969, gegen Ende der Flower Power Ära, das avantgardistische Road-Movie "Easy Rider" mit Peter Fonda, Dennis Hopper und Jack Nicholson in den Hauptrollen ins Kino kam - unterlegt mit zeitgenössischer Rock-, Folk- und Country-Musik - , wurde das Thema Motorradfahren zu einem völlig neuen Begriff. Der im Film verwendete Chopper, ein von allem unnötigen Beiwerk wie Windschutzscheibe, Vorderrad-Kotflügel, großem Scheinwerfer, klobigen Blinkern, Sturzbügel oder dem großen Sitz befreites (= "chopped off") Bike mit Hochlenker, verlängerter Telegabel, viel Chrom und hoher Sitzbanklehne, war zwar keine Weltneuheit, wurde aber nun einer breiten Öffentlichkeit bekannt und fand bald viele Bewunderer und Nachahmer.
Elvis in diesem Zusammenhang einen Vorreiter des Chopper-Fahrens zu nennen, wäre wohl etwas vermessen, aber zu dem Zeitpunkt, als praktisch jeder junge Amerikaner mit einem Motorradführerschein auch einen Chopper fahren wollte, hatte Elvis seinen Fuhrpark bereits um eine solche Maschine erweitert.

Der Elvis-Chopper, wenn man so will, war Baujahr 1966 und wurde dementsprechend vom seinerzeit neu eingeführten „Shovelhead“ Motor angetrieben. Der tropfenförmige Tank (wie er beim Sportster-Modell verwendet wurde) und der Hinterrad-Kotflügel trugen eine auffällige Lackierung in rot und schwarz, und die Telegabel war der besseren Optik wegen um 4 bis 6 Zoll (das entspricht etwa 10 bis 15 cm) verlängert worden. Diese Verlängerung war im Vergleich zu anderen Choppern eher geringfügig, aber dennoch wirkungsvoll.

Laut einem englischsprachigen Artikel erwarb Elvis den Chopper irgendwann in den späten 60er Jahren, doch das ist ziemlich vage. Rein von der Vorstellung her würde es natürlich gut ins Bild vom coolen Rocker passen, wenn wir uns den King so um 1968 herum, mit Charro-Vollbart und Zigarre im Mundwinkel, auf so einem Gerät vorstellen, wie er an der Westküste die Highways unsicher macht, oder welchen Eindruck dieses Bike wohl im NBC-TV Special gemacht hätte (passenderweise eingesetzt zum sogenannten Road Medley mit Nothingville/Big Boss Man/Guitar Man usw.), oder wenn Elvis statt Peter Fonda die Hauptrolle..., ähm, doch solange kein Foto auftaucht, das den 60er-Jahre-Elvis auf dem Chopper zeigt, bleibt es nur eine Vorstellung.
Auskunft über den genauen Zeitpunkt der Anschaffung gibt in der Regel der Kaufvertrag, Näheres zum Fahrzeug selbst steht für gewöhnlich in der Zulassung – beide Dokumente müssten dem Elvis Presley Estate vorliegen, da der Chopper Teil des Nachlasses von Elvis war. Leider hatte ich noch nicht die Gelegenheit, diese Papiere zu sichten und auszuwerten, so dass ich über den genauen Kaufzeitpunkt vorerst noch nichts sagen kann. Ich weiß auch nicht, ob diese Papiere zusammen mit dem Bike im Automuseum ausgestellt sind. Damals in den Neunzigern stand der „Shovelhead“ Chopper auch woanders als heutzutage, da konnte man ihn nicht von nahem sehen.



Aber egal, wer irgendwann irgendwo die Gelegenheit bekommt, diese Kfz-Papiere einzusehen, der möge sie bitte gut leserlich fotografieren und hier einstellen, damit wir die derzeitigen Fragezeichen durch Fakten ersetzen können. Gleiches gilt auch für alle anderen Motorräder, die Euch auf der einen oder anderen Wanderausstellung (oder beim nächsten Memphis-Besuch) unter die Augen kommen: macht bitte auch Fotos von den Dokumenten, falls solche mit dem Bike ausgestellt werden (Danke!).

Gekauft hat Elvis den Chopper jedenfalls bei „Super Cycles“, dem Motorradgeschäft von Ron Elliot in Memphis, wo er für gewöhnlich alle seine Motorrad-Einkäufe getätigt haben soll (1975 hat er dort auch die drei neuartigen Trikes erworben, wie es heißt, doch das ist wieder ein anderes Thema).

Möglicherweise fuhr Elvis den Chopper anfangs auch tatsächlich in Memphis, doch recht bald ließ er ihn an die Westküste überführen, wo er ihn dann nutzte, wenn er Ferien in einem seiner Häuser machte oder beruflich in Kalifornien zu tun hatte (beispielsweise 1970 zu den Dreharbeiten für den Film „That’s The Way It Is“ oder 1972 für Plattenaufnahmen, z.B. „Burning Love“ oder „Always On My Mind“).
Falls Elvis den Chopper wirklich schon 1970 in seinem Besitz hatte, bestünde sogar die Möglichkeit, dass im Zuge der Dreharbeiten für den Dokumentarfilm bewegte Farbaufnahmen gemacht wurden – beispielsweise wie jene, in denen Elvis in seinem rassigen schwarzen Lincoln in den Filmstudios ankommt und den Wachmann grüßt.
Am 31. Mai 1971 entstanden die ersten (mir bekannten) Fotos von Elvis auf dem Chopper, die vor seinem Haus am Hillcrest Drive Nr. 1174 in Beverly Hills, einem Villenviertel in Los Angeles, von Fans gemacht wurden, als er zu einer Spritztour aufbrach und durch das Grundstückstor fuhr. Auch die Rückkehr wurde im Bild festgehalten.



Später holte er den Chopper zurück nach Memphis, wo er ihn jedoch nicht mehr allzu häufig benutzte. Hierbei seien übrigens zwei sehr außergewöhnliche Fotos erwähnt, die 1975 vor Graceland gemacht wurden. Sie zeigen, wie Elvis – in seinem zu dieser Zeit obligatorischen hellblauen Jogginganzug mit Applikationen in rot und weiß – mit dem Chopper das Grundstück verlässt bzw. nach seiner Rückkehr die Auffahrt hochkommt. Außergewöhnlich daran ist die nicht zu übersehende Windschutzscheibe (!), die auf einem Chopper nun überhaupt nichts zu suchen hat und (Sorry, Elvis!) ziemlich uncool rüberkommt – fehlt nur noch der weiße Halbschalen-Sturzhelm dazu...
Zu seiner Entschuldigung sei aber gesagt, dass sich Elvis in jener Zeit mit einem Augenleiden herumschlug, das ihm schwer zu schaffen machte und seine Sehkraft zunehmend beeinträchtigte. Und die Gesundheit geht eben vor...
Letztlich war der Reiz des Neuartigen aber irgendwann verflogen, und Elvis kehrte wieder zu den Annehmlichkeiten der überschaubareren und leichter zu handhabenden „Hogs“ zurück, also zur Electra Glide, die Harley-Davidson im Laufe der Jahre zum wahren „King of the Highway“ machte – bei voller Ausstattung (also mit Frontverkleidung, den drei Gepäckkoffern und natürlich vollgetankt) mit einem Gesamtgewicht von weit über sechs Zentnern!

Aus welchem Grund auch immer wurde der Chopper, nachdem er ausgedient hatte, nicht verkauft oder verschenkt, sondern landete in der Garage hinter Graceland, wo er nach Elvis’ Tod unter einem Berg von Fahrrädern „wiederentdeckt“ wurde, was natürlich gewisse Spuren auf der Lackierung hinterlassen hatte. Obwohl der Chopper noch keine 500 Meilen auf dem Tacho hatte, wurde er gründlich überholt und für eine Wanderausstellung ausgewählt, nachdem Elvis’ Onkel Vester Presley (der „Hüter“ des Music Gate) den entscheidenden Tipp gegeben hatte, dass irgendwo auf dem Anwesen noch der Chopper abgestellt war und ein interessantes Exponat für die Ausstellung wäre – niemand sonst (nicht einmal Elvis’ Cousin Billy Smith, der ungezählte Motorrad-Ausflüge mit Elvis unternommen hatte) konnte sich noch daran erinnern. Heute ist er in all seiner chromblitzenden Pracht im Elvis Presley Automobile Museum gegenüber von Graceland zu bestaunen. Ob wohl schon jemandem, der davor stand, aufgefallen ist, dass der Chopper zwei Rückspiegel hat? Elvis jedenfalls, das belegen Fotos, ist stets nur mit einem (und zwar dem linken) gefahren...


1971 AMF Harley-Davidson Sportster (?)
Eine interessante Information geht übrigens aus den offiziellen Scheidungspapieren von Elvis und Priscilla hervor, die am 15. August 1972 von beiden unterzeichnet wurden (hierbei ist mir aufgefallen, dass sie offenbar eigene Kugelschreiber/Füllfederhalter benutzten und nicht den gleichen). In dieser insgesamt 12-seitigen Vereinbarung wird aufgeführt, welche Vermögenswerte Elvis’ künftige Ex-Frau (vollzogen wurde die Scheidung bekanntlich erst Anfang Oktober 1973) erhalten wird. Neben einem Barvermögen in Höhe von 100.000 Dollar (die sie in zwei Hälften erhielt – die eine innerhalb von fünf Tagen nach Vertragsunterzeichnung, die restlichen 50.000 Dollar vor oder spätestens am Tag der Scheidung) und der Hälfte des Erlöses aus dem Verkauf von drei gemeinsam genutzten Häusern im Bundesstaat Kalifornien wurden Priscilla auch zwei Luxus-Limousinen (ein Mercedes, Baujahr 1971, und ein `69er Cadillac Eldorado) sowie ein Harley-Davidson-Motorrad zugesprochen. Leider ist für das Motorrad keine genaue Typenbezeichnung angegeben, nur das Baujahr 1971.
Ich will nicht ausschließen, dass die Vermögenswerte für Priscilla noch nachträglich nach oben korrigiert wurden, denn gemessen an heutigen Promi-Scheidungen kam sie ja vergleichsweise schlecht weg, muss man sagen, aber Genaueres weiß ich dazu leider nicht zu berichten.

Einer Legende zufolge soll Priscilla im Verlaufe ihrer Ehe mit Elvis ihrem Mann sieben (!) Harley-Davidson-Motorräder geschenkt haben, wobei „geschenkt“ mutmaßlich bedeutet, dass sie mit ihrer Kreditkarte von Elvis’ Konto abgebucht hat. Anders kann ich mir das nicht vorstellen, denn Priscilla verdiente ja als Mrs. Elvis Presley kein eigenes Geld, soviel ich weiß. Demzufolge hat sie wohl auch die Vergoldung jenes Klaviers, das sie Elvis mal „geschenkt“ hat und das zeitweise in Graceland zu besichtigen war (bevor es nach Nashville in die Country Music Hall Of Fame kam), von dessen Geld bezahlt, nehme ich an, und womöglich auch die Karatestunden bei Mike Stone...
Aber Elvis war ja selbst so dermaßen großzügig (seine Neider nennen das gern verschwenderisch), dass das wohl kaum ins Gewicht gefallen sein dürfte.
Wie es weiter heißt, sollen diese sieben Harleys mit der Gravur „For Elvis, love, Priscilla” versehen sein (und zwar auf dem Rahmen unter dem Sitz), und der bekannte amerikanische Showmaster Jay Leno soll sechs dieser Maschinen im Laufe der Jahre in seinen Besitz gebracht haben, die letzte für angebliche zweieinhalb Millionen US-Dollar!

An dieser Stelle könnte ich jetzt einfach zum nächsten Motorrad übergehen, doch ich will nicht verschweigen, dass Jay Leno (bzw. seine Pressesprecherin) diese abenteuerliche Geschichte im Fernsehen bereits dementiert hat. Ja, er sammelt Motorräder (und Oldtimer übrigens auch), ja, er besitzt auch Harleys – aber eben keine, die mal Elvis gehört hat!



Ich erwähne diese Legende übrigens deshalb, weil es ja theoretisch sein könnte, dass Priscilla ein solches Motorrad im Zuge der Scheidung zurück gefordert hat, aber da die ganze Geschichte offenbar nur ein Ammenmärchen ist, kann man das wohl ausschließen. Außerdem wissen wir alle noch aus der Kinderzeit: geschenkt ist geschenkt – wiederholen ist gestohlen! Somit nehme ich an, dass es genau anders herum war, dass Priscilla eine Harley zugesprochen wurde, die sie selbst geschenkt bekam. Aber was für eine Maschine war es denn nun? Das Harley-Davidson-Sortiment des Jahres 1971 umfasste mehr als ein Dutzend verschiedener Modelle!

In Frage kommen meiner Meinung nach eher die „spritzigen“ Modelle, die für eine zierliche Frau wie Priscilla besser geeignet waren als eine schwere FL oder FLH. Somit handelte es sich (vermutlich) um eine 900er Sportster (XLCH o. XLH); die Sprint-Modelle (ERS, SS o. SX) und die leistungsschwächeren Modelle Rapido (125 ccm), Baja (100 ccm) und Leggero (65 ccm) würde ich ebenso ausschließen wie das Servi Car, ein „Dreirad“ mit Vorderrad und Hinterachse.

Möglicherweise hilft ein Foto weiter, das die etwa 4-jährige Lisa Marie (demzufolge 1972) zeigt, wie sie auf einer Sportster (oder einem Chopper?) herum turnt. Nun weiß ich aber nicht, ob das Foto in Kalifornien aufgenommen wurde oder auf einem der Grundstücke von Elvis, womit es sich dann wohl eher um eine Harley von Elvis handeln müsste.

Ganz neu auf dem Markt war übrigens die FX Super Glide, die mit einer ungewöhnlichen Sitzbank-Einschalung auffiel, die nach hinten spitz zusammen lief und ein wenig an eine Rennmaschine erinnerte. Auch dieses Bike wäre denkbar, doch auf dem erwähnten Foto mit Lisa Marie gibt es mehrere Abweichungen, beispielsweise einen anders geformten Benzintank.


1971 AMF Harley-Davidson FL/FLH Electra Glide



Im Frühsommer 1972 geriet Elvis mit einer neuen Harley ungewollt in die lokalen Schlagzeilen, als er während einer Spritztour durch Memphis mit einer schönen Unbekannten fotografiert wurde. Dies ereignete sich am 30. Juni 1972 an der Kreuzung South Parkway und Elvis Presley Boulevard. Es war deshalb etwas pikant, weil Elvis formell noch immer ein verheirateter Mann war, obwohl sich Priscilla bereits von ihm getrennt hatte und nach Kalifornien gegangen war. Lange wurde über die Identität des Mädchens spekuliert, doch erst viele Jahre später lüftete die Mutter der Unbekannten, als sie das Foto in einer Sonderausgabe des Commercial Appeal 1999 wiederentdeckte, ein trauriges Geheimnis: die Frau auf dem Sozius war ihre damals 20-jährige Tochter Mary Kathleen „Kathy“ Selph, die von Elvis an jenem Tag nach Hause gebracht wurde, als ein Fotograf des Commercial Appeal ein paar Aufnahmen (mindestens vier) machte. Die Tochter des stellvertretenden Feuerwehr-Chefs von Memphis arbeitete als Sängerin und Tänzerin in einem Club namens „Whirlaway“, wo sie jemandem aus dem Umfeld von Elvis wegen ihrer Ähnlichkeit mit Priscilla aufgefallen war. Nachdem Kathy und Elvis miteinander bekannt gemacht wurden, trafen sie sich eine Weile, doch keine drei Wochen nach der Aufnahme des Fotos, am 18. Juli 1972, kam die junge Frau bei einem tragischen Verkehrsunfall ums Leben. Um üble Gerüchte und einen Presserummel zu vermeiden, bewahrten die Eltern des Mädchens lange Zeit Stillschweigen. Wie sich ihre Mutter später erinnerte, hatte Elvis zu Kathys Beisetzung einen wirklich schönen Blumenstrauß im Namen der Presley-Familie geschickt und er selbst habe sich, so die Vermutung von Peggy Selph Cannon, mit einer einzelnen großen Orchidee verabschiedet („Ich hatte sofort das Gefühl, dass sie von Elvis kam“).



Bei der entsprechenden Maschine handelt es sich um eine weiße 1971er AMF Harley-Davidson FL/FLH Electra Glide. Erkennbar ist das zum Einen an dem Tank Badge für die Baureihen 1966 bis 1971 sowie an der in jenem Jahr neu eingeführten Tank-Gestaltung (je ein gebogener schwarzer Streifen oberhalb und unterhalb des HD-Logos). Dieses Design gab es auch als sogenannte „Sparkling America“-Variante (siehe die 1971 neu eingeführte FX 1200 Super Glide), wobei der obere Streifen blau und der untere rot war. Wie Farbfotos belegen, waren an Elvis’ Harley beide Streifen schwarz; auf dem unteren befand sich das neue AMF-Logo.
Die Baureihe 1972 kommt aus zwei Gründen nicht in Frage: erstens fand ein anderes Tank Badge Verwendung und zweitens war die 1972er Electra Glide die erste mit einer Scheibenbremse, während an Elvis’ Maschine eindeutig eine Trommelbremse zu erkennen ist.
Gut vorstellbar, dass der King – um im Trend zu bleiben, wenn man so will – sich wenig später auch eine scheibengebremste Electra Glide zugelegt hat, doch eindeutig belegen lässt sich das bisher noch nicht.
Die technischen Daten (FL Standard) waren im wesentlichen bei allen Electra Glides dieser Zeit identisch: Ausgestattet mit einem V-Zweizylinder-Viertaktmotor (2 Ventile pro Zylinder) mit 1206 ccm Hubraum, der eine Leistung von 58 PS entwickelte und mit Luft gekühlt wurde; besaß die Maschine eine Viergang-Schaltung und konnte auf maximal 164 km/h beschleunigen (das entspricht knapp 102 mph, also Meilen in der Stunde). Der Benzintank fasste 19 Liter, das Gesamtgewicht betrug 340 kg!
Das letzte mir bekannte Foto von Elvis mit dieser Electra Glide wurde mutmaßlich im März 1973 vor Graceland aufgenommen. Andererseits gibt es aber – zumindest für den Moment – keinen Hinweis auf ein neues Motorrad vor dem Herbst 1974, sodass theoretisch die Möglichkeit besteht, dass Elvis die `71er Electra Glide noch länger gefahren ist.
Schlauer wären wir mit Sicherheit, wenn der heutige Besitzer der Maschine bekannt wäre, sofern das Bike „überlebt“ hat und nicht auf einem Schrottplatz endete. Er sollte auch die Fahrzeugpapiere in seinem Besitz haben, und diese könnten womöglich einige Fragen beantworten.
Auch von einer Ausstellung habe ich bisher nichts gehört oder gelesen, auf der die `71er Electra Glide gezeigt würde.
Aber wer weiß – vielleicht taucht die Maschine irgendwann doch noch auf...




Elvis als „Streifenpolizist“ – mehr Fragen als Antworten

Irgendwo wurde mal erwähnt, dass Elvis in Memphis gelegentlich mit einer Polizei-Harley, originalgetreu ausgestattet mit Blaulicht, Sirene usw., unterwegs gewesen sein soll, doch da ich bisher keinerlei Infos über ein privates Polizei-Motorrad finden konnte (geschweige denn ein Foto), nehme ich an, dass es sich – wenn überhaupt - nur um kurze Spritztouren auf einem regulären Fahrzeug der örtlichen Polizei von Memphis gehandelt hat, da Elvis vielleicht den entsprechenden Cop entweder persönlich kannte oder dieser ein heimlicher Elvis-Fan war und ihm einfach einen Gefallen tat.
Die meisten von Euch kennen bestimmt das bekannte Foto von Elvis und der Memphis-Mafia aus dem Dezember 1970, wie sie stolz ihre gerade erhaltenen Sheriffs-Plaketten in die Kamera halten. Hierbei handelte es sich um einen Stern für Deputy Sheriffs, also Hilfspolizisten, im Bezirk Shelby, der allerdings „nur“ ehrenhalber verliehen wurde und deshalb, so ist zu vermuten, mit keinen wirklichen Machtbefugnissen verbunden war. Das sollte sich wenige Jahre später ändern. Am 13. Juli 1973 wurde Elvis von Roy C. Nixon, dem amtierenden Polizeichef von Shelby County, offiziell zum Deputy Sheriff von Shelby, also zum Bezirks-Hilfs-Sheriff, ernannt. Fortan war Elvis legitimiert, für die Einhaltung der Gesetze des Landes und des Bundesstaates Tennessee innerhalb des Bezirkes Shelby einzutreten, also tatsächliche polizeiliche Amtshandlungen wie beispielsweise Verkehrskontrollen vorzunehmen und dabei „harmlose Autofahrer anzuhalten und abzukanzeln, weil sie die Geschwindigkeitsvorschriften übertreten hatten“, wie Buch-Autor Wolfgang Tilgner 1986 in seiner Elvis-Biografie wenig schmeichelhaft schrieb.
Im Februar 1976 ernannte ihn das Memphis Police Department, also die örtliche Poilzeibehörde, offiziell zum Police Captain der Reserve. Damit war er “regulär eingesetzt und bevollmächtigt, (...) um die Anordnungen der Stadt Memphis und das Strafrecht des Staates Tennessee durchzusetzen.“

Für diese Zeit, also ab Sommer 1973, läge es tatsächlich im Bereich des möglichen, dass Elvis mit einer Polizei-Harley durch die Straßen von Memphis fuhr und nach dem rechten sah.
Wenn man bedenkt, wie minutiös die Fans von Elvis alle seine Schritte überwacht und so ziemlich jeden Aspekt seines Privatlebens im Bild festgehalten haben (vor allem beim Verlassen seines jeweiligen Anwesens bzw. bei seiner Rückkehr), so fällt es einem schwer zu glauben, dass kein einziger von ihnen Elvis in seiner Funktion als Gesetzeshüter abgelichtet haben soll. Ich meine, vielleicht gibt es ja doch so einen Schnappschuss, der Elvis in den 70ern auf einer Polizei-Harley zeigt – man müsste es nur finden...
Interessant wären auch die Umstände für derartige Einsätze. Durfte Elvis die Polizei-Harley mit nach Hause nehmen oder musste er dafür erst auf das Polizeipräsidium fahren und die Maschine hinterher wieder dort abliefern? Gab es eine Kleiderordnung, die Elvis das Ausüben polizeilicher Aktivitäten nur in Uniform erlaubte (ein solches Foto von Elvis in der Uniform eines Police Captain samt Mütze gibt es zwar – nur eben keines mit einer Harley), oder war es ihm gestattet, in zivil zu agieren?
Fragen über Fragen...


Elvis ist Augenzeuge eines spektakulären Motorrad-Stunts

Dass Elvis bei seinen Konzerten vor Tausenden von Menschen auftrat, war für ihn schon lange zur Normalität geworden; dass aber er selbst einer von Tausenden war, die sich versammelten, um einem anderen zuzusehen, stellte eine seltene Ausnahme dar. Dies geschah am 8. September 1974 bei einem aufsehenerregenden Stunt des legendären Motorrad-„Artisten“ Evel Knievel, der mit einem außerordentlich waghalsigen Sprung über den Snake River Canyon im US-Bundesstaat Idaho etwa 12.000 Schaulustige anlockte (andere Quellen sprechen von bis zu 30.000!) – unter ihnen nicht nur Elvis, sondern auch die Hollywood-Stars John Wayne, Dustin Hoffman und Steve McQueen, wobei letzterer ebenfalls ein begeisterter Motorradfahrer war und in seiner persönlichen Sammlung auch mehrere Triumph-Modelle besaß, die er sogar bei richtigen Rennen fuhr!



Evel Knievel hatte schon zuvor mit halsbrecherischen Motorad-Stunts für Aufsehen gesorgt, und die Gefahr, sich dabei ernsthaft zu verletzen, kannte er nur zu gut. Seine bevorzugte Marke war – man ahnt es schon – Harley-Davidson und das Modell seiner Wahl eine XR-750, der die Sportster zu Grunde lag. So war es eigentlich nur naheliegend, dass der berühmte Motorrad-Hersteller aus Milwaukee mit dem berühmt-berüchtigten Stuntman im Show-Kostüm (übrigens samt Cape wie bei Elvis!) für sich Werbung machte – oder war es umgekehrt?! – und ihn in den 70er Jahren bei seinen Rekordversuchen größtenteils sponserte.
Für den Stunt, dessen Augenzeuge wie gesagt auch Elvis war, benutzte Knievel, damals 34 Jahre alt, jedoch kein Motorrad im herkömmlichen Sinne, sondern ein eigens angefertigtes, über 150.000 Dollar teures, sogenanntes „Sky-Cycle“, das zwar Räder aber auch einen Raketenantrieb hatte und in seiner zylindrischen Form mehr einer Rakete glich, zumal es von einer Startrampe per Knopfdruck abhob. Knievel selbst hatte sich übrigens kaum eine 50:50-Chance für das Gelingen der Canyon-Überquerung gegeben, nachdem keiner der Testläufe erfolgreich war und jedermann in seinem Umfeld ihm davon abriet, es zu versuchen. Er hatte aber, so Knievel, nun einmal sein Wort gegeben, den Stunt zu wagen, und so machte er es einfach. „Als ich auf den Startknopf schlug, dachte ich nur: Gott, hier komme ich!“, so Knievels Erinnerung.
Der Stunt ging dann tatsächlich schief, da sich der Landefallschirm bereits beim Start unplanmäßig geöffnet hatte und starker Gegenwind das Vehikel zurück in den Canyon drückte und schließlich zum Absturz brachte. Knievel hatte Glück im Unglück und trug nur geringfügige Verletzungen davon.

Ob Elvis zu dem Event passenderweise mit seiner Harley nach Idaho fuhr, ist mir leider nicht bekannt (wohl eher unwahrscheinlich), und darüber, ob es im Vorfeld oder nach dem Stunt zu einer Begegnung zwischen ihm und Evel Knievel kam, kann ich nur spekulieren; an Gesprächsstoff hätte es den beiden Harley-Enthusiasten sicher nicht gemangelt...
Am Rande sei noch erwähnt, dass es nur zwei Möglichkeiten gab, dieses Live-Spektakel mitzuverfolgen. Entweder man zahlte Eintritt und sah sich den Stunt samt Rahmenprogramm auf Großbildleinwand in einer geschlossenen Konzerthalle an („Big Screen Closed Circuit TV“) - beispielsweise im Portland Coliseum, wo der Einlass eine Stunde vor „Show Time“ um 13 Uhr Ortszeit erfolgte (versprochen wurde vollmundig „The most exciting two hour telecast ever“) - oder man fuhr, wie Elvis, direkt zum Ort des Geschehens, wo – so vermute ich mal – ebenfalls ein paar Dollar zu entrichten waren. Zu Hause konnte man die Show damals nicht miterleben – sie wurde weder im Fernsehen noch im Radio übertragen.

Als kurios könnte man übrigens den Umstand bezeichnen, dass ausgerechnet am Tag des Canyon Jumps Präsident Gerald Ford seinen republikanischen Amtsvorgänger Richard Nixon (der wegen der „Watergate“-Affäre im Monat zuvor zurück getreten war, um einem Amtsenthebungsverfahren zuvor zu kommen) amnestierte bzw. begnadigte, während sich seine beiden Söhne – wie Elvis – vor Ort in der Nähe von Twin Falls in Idaho den Stunt von Evel Knievel anschauten...

Das i-Tüpfelchen wäre natürlich ein Foto von Elvis bei diesem Event oder – noch besser – ein gemeinsames mit Evel „Daredevil“ Knievel – kennt jemand vielleicht so eines? Ist dem/der einen oder anderen vielleicht bekannt, ob aus dem Umfeld von Elvis irgend welche Einzelheiten über diese Reise nach Idaho überliefert wurden? Ich meine, er ist doch bestimmt von einigen seiner Leute begleitet worden...


1975 AMF-Harley-Davidson FL/FLH Electra Glide
Am 22. Oktober 1974 kaufte sich Elvis – möglicherweise aus den Einnahmen seiner jüngsten Tournee und dem anschließenden Lake-Tahoe-Gastspiel, das er eine gute Woche zuvor beendet hatte - nachweislich eine neue Harley. Dabei handelte es sich um eine nagelneue 1975er AMF Harley-Davidson FL/FLH Electra Glide (# 2A 108 68H5). Der Tank und beide Kotflügel waren in schwarz lackiert, während der Sitz und die zwei Seitengepäck-Koffer – beides in weiß – einen auffälligen Kontrast bildeten. An den Seitenflächen des Tanks schlängelte sich ein Streifenband in den Nationalfarben rot-weiß-blau entlang.

Von dieser Electra Glide sind mir bisher zwei Fotos mit Elvis bekannt: eines zeigt ihn mit seinem Cousin Billy Smith als Sozius beim Verlassen von Graceland, vermutlich 1975. Das zweite „Beweisfoto“ zeigt ein ähnliches Motiv (Elvis nähert sich, die Auffahrt herunter kommend, dem Music Gate), wobei er diesmal allein und mit Helm unterwegs ist. Die entlaubten Bäume im Hintergrund und Elvis’ scheinbar wattierte Jacke samt Kapuze deuten offenbar auf eine kalte Jahreszeit hin (Winter 1974/75 oder 1975/76?).

Die Maschine hat zum Glück für uns Fans „überlebt“ und wird gegenwärtig (zumindest war es vor ein paar Jahren so) in einer Niederlassung von Southeast Harley-Davidson in Bedford Heights, Ohio, ausgestellt. Dort konnte/kann der Besucher ganz dicht an das Bike heran treten, und ein Blick auf den Tacho verrät einen Kilometerstand von 2982 Meilen.



Vor allem von dieser Maschine wäre der Kaufvertrag unter Umständen sehr aufschlussreich, denn man würde erfahren, ob Elvis für diese Harley ein „älteres“ Modell (etwa die lilienweiße `71er Electra Glide?) in Zahlung gegeben hat, was ich jetzt mal annehmen würde, obwohl es ja nicht immer so war.

Für das Jahr 1976 ist auch eine nette Anekdote überliefert, die ich an dieser Stelle zum Besten geben will, ohne mir ganz sicher zu sein, ob es auch tatsächlich um die `75er Electra Glide geht; es könnte sich ebenso gut um ein aktuelles `76er Modell handeln, auf das ich noch genauer eingehen werde.
Hier aber erst mal die Geschichte, die aus dem Buch „Unknown Stories Behind The Legend“ von Jim Curtin stammt. Dieses Buch hatte ich schon in Teil 2 erwähnt, und da man mit alten Traditionen nicht brechen soll, möchte ich auch diesmal auf eine Übersetzung zurück greifen, die von der Forums-Userin Mona (Tschabo`s World of Elvis Presley) vorgenommen wurde, und die hoffentlich auch diesmal nichts dagegen hat:

1976 entschieden sich eines Tages 3 Polizisten, Elvis zu folgen, der gerade mit seinem Motorrad durch die Gegend fuhr. Als sie ihn aus dem Verkehr rechts ran winkten, fragte Elvis, was los sei und ein Officer sagte ihm, dass sie ihm folgen und ihn beschützen wollten. Elvis fragte, wovor sie ihn beschützen wollten und sie antworteten: "Nichts Besonderes. Wir wollen einfach nur sicher gehen, dass Ihnen nichts passiert. Wenn Sie uns brauchen sollten, sind wir direkt hinter Ihnen." Elvis sagte, er könne auf sich selbst aufpassen und dass er ihren Schutz nicht brauche. Dann raste er mit seinem Motorrad davon, mit 140 mph. Die Polizisten waren beleidigt, dass Elvis ihr Schutzangebot abgelehnt hatte. Sie jagten ihn und hofften, dass sie ihn erwischen würden, damit sie ihm einen Strafzettel wegen Geschwindigkeitsüberschreitung ausstellen könnten, aber sie erwischten ihn nie mehr.

Tja, so war er eben, der King. Er konnte schneller fahren, als die Maschine eigentlich her gab (sowohl die `75er Electra Glide als auch das `76er Nachfolgemodell konnten maximal auf 135 km/h (das entspricht etwa 84 mph) beschleunigen; die standardmäßige Geschwindigkeitsanzeige auf dem Tacho endete bei optimistischen 120 mph. Entweder hat Elvis also einen geheimen Zusatz-Power-Knopf betätigt, oder aber es waren 140 km/h statt mph gemeint, denn in der Praxis kann man eigentlich immer ein paar km/h mehr aus der Maschine heraus kitzeln, als in den Papieren steht.
Allerdings dürfte das Unfall-Risiko erheblich gewesen sein, mit Höchstgeschwindigkeit einigen Streifenpolizisten davon zu fahren, die es obendrein ja nur gut gemeint hatten.
Die Geschichte an sich gefällt mir aber irgendwie („Ich kann selbst auf mich aufpassen...“)...

Ich selbst hatte leider nicht die Möglichkeit, mir diese Maschine in Ohio anzusehen, und so weiß ich auch nicht, ob dort der Kaufvertrag vielleicht sogar mit ausgestellt ist (die Zulassung und ein „Beweisfoto“ sollen dort zu sehen sein).


1976 AMF-Harley-Davidson FLH Electra Glide 1200 "Liberty Edition" / "Liberator" Fairing
1976 war das Jahr, in dem Elvis erstmals Motorräder mit Frontverkleidung (im englischen fairing genannt) fuhr. Diese Verkleidung gab es schon seit den späten 60er Jahren, doch bisher hatte er stets darauf verzichtet und sich mit einem klassischen Windabweiser/Windschutzschild begnügt.

Gehen wir ein paar Jahre zurück: 1973 ging bei Harley-Davidson eine telefonische Anfrage von Craig Vetter ein, der sich erkundigte, ob Interesse an einer neuartigen Frontverkleidung für die FLH-Modelle bestünde, an der er gerade tüftelte. Die Vetter Fairing Company hatte sich bereits durch die sogenannten Phantom- und Windjammer-Verkleidungen einen Namen gemacht, und als man bei Harley-Davidson grünes Licht gab, wurde ein Prototyp gebaut, der nach ersten Tests im Januar 1974 von Willie G. persönlich in Augenschein genommen wurde. Noch im gleichen Jahr akzeptierte Dave Caruso von Harley-Davidson die Produktion des Liberator mittels Zuliefer-Vertrag, und ab Herbst 1974 konnte die Serienherstellung beginnen. 1975 begann der Verkauf des Liberator, der einen Stückpreis von 349 Dollar hatte. In Las Vegas sorgte der spektakuläre Liberator, der wahlweise in weiß oder schwarz mit gelben Seitenstreifen erhältlich war, dann erstmals für Furore.
Elvis, der es sich leisten konnte, hinsichtlich technischer Neuerungen und innovativer Designs immer auf dem neuesten Stand zu sein, fand auch am Liberator Gefallen, der ja nun wahrlich eine spektakuläre Optik bot.
Das Basis-Modell für Elvis’ Liberator war die 1976er AMF-Harley-Davidson FLH Electra Glide 1200 in der sogenannten „Bicentennial Liberty Edition“. Aus Anlass des 200-jährigen Jubiläums der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung wurde die Electra Glide mit verschiedenen Accessoires versehen.



Die Standard-Variante war mit dem sogenannten „BatWing“ Fairing ausgestattet, einer Frontverkleidung, die Dean Wixom bereits 1965 entworfen hatte. Auf ihr war ein großer Weißkopfseeadler auflackiert (aufgeklebt?), der das Harley-Davidson-Logo in seinen Klauen hielt, darüber die Jahreszahl 76 in den Nationalfarben. Auf dem „Liberator“ war dafür gar kein Platz, deshalb verblieb nur der Tank als Platz für ein solches – natürlich viel kleineres – Motiv. Auf das Logo unter dem Adler wurde wegen des Platzmangels verzichtet, stattdessen wurde eine Banderole mit dem Harley-Davidson-Schriftzug darüber gelegt. Das Tank Badge war das gleiche wie seit 1972, nun erstmals in Gold statt in Silber. Darunter wurden noch zwei kleinere Embleme („Made in USA“ und „Est. 1903“) platziert. Das gleiche Motiv, nur noch etwas kleiner und aus Metall, war auch am Öltank angebracht. Die Spiegelrückseite war mit einem goldenen Adler verziert und einer Banderole, in die „Live to Ride – Ride to Live“ und „Harley-Davidson“ eingraviert waren. Eine ähnliche Verzierung trug auch die Abdeckung der Lenker-Verschraubung. Elvis’ Harley besaß die zuletzt genannten Verzierungen zwar nicht, war aber trotzdem ein wahres Schmuckstück. Ein dritter Gepäck-Koffer hinter dem Sozius vervollständigte den imposanten Look der Maschine.



Bis Anfang 1977 waren bereits mehrere tausend Liberator-Einheiten fertiggestellt worden, wobei ein beträchtlicher Teil noch gar nicht ausgeliefert war. Am 26. Januar 1977, etwa um Mitternacht herum, kam es zu einem Großbrand auf dem Vetter-Gelände, bei dem sämtliche Gussformen und viele bereits fertig verpackte Liberators unwiederbringlich zerstört wurden. Die Produktion des Liberator wurde im Frühjahr 1977 eingestellt, und somit wurden alle zu diesem Zeitpunkt im Umlauf befindlichen Exemplare – natürlich auch das von Elvis – langfristig zu einem Sammler-Objekt.
Wieviele dieser Verkleidungen insgesamt hergestellt wurden, ist nicht genau zu belegen; die höchste bekannte Serien-Nr. ist die 5615, ihr heutiger Besitzer ein gewisser Glenn Lotz. Craig Vetter selbst (er besitzt übrigens den Liberator mit der kleinsten bekannten Serien-Nr. 1062) bezweifelt allerdings, dass angesichts der Brandschäden tatsächlich über 5.000 Stück zum Verkauf kamen.

Es liegt auf der Hand, dass Elvis den „Liberator“ mit besonderem Stolz und entsprechend häufig fuhr.
Schließlich boten die seitlichen Ablagefächer Platz für ein modernes Bord-Soundsystem, das dem Fahrer und seinem Sozius erlaubte, während der Fahrt Musik zu hören, was den Fahrgenuss natürlich enorm steigerte.
Die ersten mir bekannten Aufnahmen mit dem Liberator stammen vom 3. April 1976, als Elvis mit einer jungen, mir unbekannten Dame (ich nenne sie mal „Lady in Pink“) zu einer Spritztour von Graceland aus aufbrach und dabei mehrfach mit der neuen Harley dokumentiert wurde: angefangen dabei, wie er die Auffahrt herunter kommt (gefolgt von einem Begleiter in einem der Trikes), beim Passieren des Music Gate, beim Befahren des Elvis Presley Boulevard, beim Halten an einer Ampel aus einem Auto heraus usw. – mir sind mindestens zehn verschiedene Motive bekannt, alle in Farbe, und damit handelt es sich um die drittgrößte Harley-Foto-Serie von ein und demselben Anlass (Wertheimer machte am 4. Juli 1956 mindestens 12 Fotos von Elvis und der KH; der Lokalreporter, der Elvis am 2. April 1963 mit der Duo Glide ablichtete, drückte mindestens 11 mal auf den Auslöser).
Da er – so mutmaße ich - Anfang des Jahres noch mit dem 1975er Electra Glide-Modell gefahren ist, dürfte er den Liberator erst seit kurzem in seinem Besitz gehabt haben, schätze ich.


1976 AMF Harley-Davidson FLH Electra Glide 1200 / "BatWing" Fairing
Das mutmaßlich letzte Motorrad, das Elvis in seinem Leben bewegt hat, war eine weitere 1976er Electra Glide, lackiert in rot und weiß, die mit einer sogenannten „BatWing“-Frontverkleidung ausgestattet war und eine recht markante Rückenlehne für den Sozius besaß. Die technischen Daten waren im wesentlichen mit denen des „Liberator“ identisch; eine Neuerung war bei beiden Electra Glides ein vergrößerter Tank, der nun 25 statt 19 Liter Fassungsvermögen hatte.
Ich persönlich kenne nur eine einzige Aufnahme von Elvis auf dieser Maschine, doch leider sind kaum Details auf dem s/w-Foto zu erkennen. Das entscheidende Indiz ist der Windabweiser, der bei der „BatWing“ gewölbt ist, beim „Liberator“ hingegen nicht.
Ich gebe aber die Hoffnung nicht auf, dass irgendwann doch noch ein „vernünftiges“ (Farb-)Foto von Elvis mit seiner rot-weißen „BatWing“-Harley auftaucht...



Das eben beschriebene Foto soll am 10. Mai 1976 aufgenommen worden sein und Elvis „auf seiner neuen Harley“ zeigen. Zu sehen ist er mit Helm, Lederjacke und – man ahnt es schon – Zigarre bzw. Zigarillo und bricht offenbar zu einer Spritztour von Graceland aus auf. Ob er allein oder mit Sozius fährt, kann man nicht erkennen.


Elvis-Fan Karin Signer aus Lausanne in der Schweiz flog im Herbst 1976 in der Hoffnung nach Memphis, einen Blick auf Elvis erhaschen zu können. Mit viel Glück kam es während ihres Aufenthaltes dort zu einer nächtlichen Begegnung mit Elvis, der mit seiner neuen Harley eine kurze Ausfahrt unternommen hatte und vor seiner Rückkehr nach Graceland einen Zwischenstopp an einer nahegelegenen Tankstelle einlegte. Hier einige Auszüge aus den Erinnerungen von Karin, wie sie im Juli 1994 in der Nr. 8 des österreichischen Fan-Magazins „Bringin’ It Back“ abgedruckt wurden:

(...) Seit über 8 Stunden lauerte ich vor den Music Gates von Graceland. Meine ganze und ausschließliche Tätigkeit bestand darin, die Ausfahrt zu beschatten. (...)
„Sie sind hinten hinausgefahren!“ [, rief jemand.] Sie hatten sicherlich gewusst, dass wir auf ihn lauerten und sich deshalb entschieden, mit ihren Motorrädern die hintere Ausfahrt zu benutzen und den Elvis Presley Boulevard hinunter zu brausen. Elvis, als erster, war trotz der Entfernung leicht zu erkennen. Obwohl er sich aus seinem eigenen Grundstück durch den Hintereingang hinaus geschummelt hatte, waren an seinem Motorrad beide Blinker eingeschaltet – er war nicht zu übersehen. Es schien, als wolle er trotz seiner Flucht die Aufmerksamkeit aller auf sich lenken. Ein paar andere Jungs eskortierten ihn mit ihren Maschinen.
„Da ist Elvis!“, schoss es mir durch den Kopf. „Da ist er, seine eigene Straße hinunterfahrend!“
Ich konnte nicht fassen, ihn gesehen zu haben – von weit, weit weg, aber immerhin: Ich hatte ihn nie zuvor gesehen! Ein paar der Fans sprangen hektisch in ihre Autos und verfolgten die Motorräder. Der Rest von uns blieb zurück, da wir dachten, es wäre nicht fair, ihn kreuz und quer durch die Stadt zu jagen. (...)
Wir warteten die längsten 15 Minuten meines Lebens (...). Da nicht viel Verkehr war, hörten wir die Motorräder nach einer Weile zurück kommen. Nachdem wir auf den Boulevard gelaufen waren, stellten wir fest, dass er zur Vicker`s Tankstelle abgezweigt war. „Los, fahren wir hin und treffen ihn!“, riefen alle. (...) Ich war ein wenig skeptisch. Ob ich ihn dann nicht erst recht verpassen würde?
„Yeah, geht nur hinunter! Ich bin sicher, er wird eine Weile bleiben!“, beruhigte uns Harold. „Mach dir keine Sorgen, Karin!“
Auf diese Weise ermutigt, setzten auch wir uns in den Wagen und erreichten die Tankstelle in einer Zeit, die vollkommen zu Unrecht nicht im Guiness Book Of Records verzeichnet ist. Später habe ich erfahren, weshalb Harold Elvis’ Verhalten vorhersagen konnte: Elvis hatte seinen eigenen Benzinvorrat in Graceland und absolut keinen Grund, eine Tankstelle aufzusuchen – ausgenommen den Fall natürlich, dass er ein paar Fans sehen wollte.
(...) Er begann zu plaudern und zu scherzen, was uns alle wunderbar entspannte. Sehr schnell war die staunende Ehrfurcht vor dem Superstar gewichen und wir standen um ihn herum wie um einen guten, alten Freund.
(...)




Ein Fan fragte ihn nach der Sheriffplakette auf seiner Brust, worauf er uns erzählte, dass er Deputy Sheriff von Tennessee, ehrenhalber, sei.
(...) Er war bestens aufgelegt und schien unsere Gegenwart zumindest ebenso zu genießen wie wir die seine. Irgendeiner aus der Memphis-Mafia warnte ihn: „Laß uns gehen, Elvis, es wird voll hier!“. Elvis schüttelte energisch den Kopf und entgegnete: „Nein, ich möchte noch eine Weile bleiben. Außerdem haben diese Leute mitgeholfen, Eure Motorräder zu bezahlen, also bleiben wir noch.“
(...) „Jetzt möchte ich, dass ihr euch mein neues Motorrad anseht! Ich habe es erst seit ein paar Monaten!“. Es war eine Harley-Davidson und das war für mich als Laien auch schon alles, was ich verstand, als Elvis anfing, die Details dieser Maschine wortreich zu erläutern. Sie war wunderschön, das konnte ich erkennen. Elvis lobte den Mann, der die Maschine bemalt hatte, in höchsten Tönen: „Er hat großartige Arbeit geleistet, alles Handarbeit!“ Wir stimmten zu, dass das Motorrad ein Glanzstück war und seine Augen strahlten so voller Freude, dass man die Straßenbeleuchtung ohne weiteres abdrehen hätte können. So war uns seine Reaktion auf das, was nur wenige Momente später geschah, durchaus verständlich: Einer aus seiner Truppe dachte wohl, es sei komisch, als er sich gerade in diesem Augenblick auf Elvis` Harley setzte. Der forderte ihn auf, sofort runterzusteigen, aber einer der Fans kramte plötzlich eine Kamera hervor, um ein Foto zu machen. Stirnrunzelnd bedachte Elvis den Mann auf der Harley mit einem finsteren Blick und bemerkte trocken: „Lächle – es könnte dein letztes Foto sein!“ Alle rundherum lachten (...)
Viel zu früh entschied Elvis schließlich, dass es Zeit für ihn wäre, zu fahren, und für uns, ein wenig zu schlafen. Er machte sich fertig, setzte sich auf seine Harley und startete die Maschine. (...)


Zwei Dinge sind an Karins Erlebnis im nachhinein zu bedauern: Zum einen erwähnt sie keine Details der Harley (nicht einmal die Farbe), und zum anderen zeigen auch die Erinnerungsfotos (zumindest die mir bisher bekannten), die wohl hauptsächlich David Stanley mit Karins Fotoapparat gemacht hat, nicht das kleinste Teil der Maschine – was umso ärgerlicher ist, da es sich um Farbfotos in recht guter Qualität handelt!
Anhand der vorliegenden Informationen kann ich die besagte Harley leider nicht zweifelsfrei identifizieren. Vermutungen wurden geäußert, dass es sich um den „Liberator“ handelte, mit dem er und Linda Thompson in der Nacht des 4. Oktober 1976 bei ihrer Rückkehr nach Graceland in womöglich der gleichen Nacht (weil in dem gleichen Outfit wie auf den Tankstellen-Fotos) fotografiert wurden. Karins Bemerkungen wie „wunderschön“, „Glanzstück“ oder jene von Elvis selbst, der von „Handarbeit“ sprach, könnten meiner Meinung nach auch auf die rot-weiß lackierte Electra Glide zutreffen, die rein optisch einen größeren Eindruck auf einen weiblichen Betrachter gemacht haben dürfte, als das Schwestermodell in schlichtem Schwarz mit gelben Seitenstreifen. Das wiederum bleibt aber nur eine Vermutung, denn die speziellen Details auf dem Tank des „Liberator“ waren durchaus auch ein Blickfang, wobei ich nicht sicher weiß, ob diese von Hand aufgemalt oder einfach nur aufgeklebt und überlackiert wurden...
Ebenfalls erstaunlich ist, dass Karin in ihrer Geschichte keine weibliche Begleiterin von Elvis erwähnt. Sollte dies ein Indiz dafür sein, dass Elvis in dieser Nacht nicht mit Linda unterwegs war, dann könnte es sich womöglich doch um die rot-weiße Harley gehandelt haben.

Ein gewisser Larry Blong beschrieb ebenfalls diese nächtliche Zusammenkunft an Vicker's Tankstelle in Memphis, wobei er sie konkret auf den 4. Oktober 1976 datiert. Auch er spricht leider nur allgemein von einer Harley, ohne Auffälligkeiten zu beschreiben, die auf ein bestimmtes Fabrikat hindeuten könnten. An einer Stelle findet sich lediglich folgende Bemerkung:
"Im Gespräch mit dem in Memphis ansässigen Alan Wade (ich glaube, so war sein Name) sagte dieser, (dass derjenige, der) Elvis das Gemälde auf seine Harley gemalt hat, einen fantastischen Job gemacht (hätte)." Von einem größeren Bildnis, das man ein Gemälde nennen könnte, kann weder beim "Liberator" noch bei der "BatWing" die Rede sein, es sei denn, man versteht den Weißkopfseeadler mit der "Harley-Davidson"-Banderole am Tank des "Liberator" als ein solches. Larry erwähnt in seinen Erinnerungen übrigens auch Lisa Marie, die offenbar ihre Herbstferien in Memphis verbrachte.
Angeblich, so berichtet Larry weiter, sei in dieser Nacht auch gefilmt worden; die Rede ist von etwa 15 Minuten Footage in Farbe, und Ausschnitte daraus seien vorübergehend auf YouTube zu sehen gewesen ("Elvis verkleidet als Polizist"). Ich selbst habe derartige Filmaufnahmen nie gesehen und kann daher auch keine Mutmaßungen darüber anstellen, ob dort die Harley zu sehen ist oder nicht.
Für den Moment jedenfalls deutet alles auf die schwarze Electra Glide hin...



Anders als z.B. beim Reiten oder dem Karate-Sport verlor Elvis nie das Interesse am Motorradfahren, und so wurde er in den letzten Monaten seines Lebens mehrfach in und um Memphis auf einer seiner Harleys gesichtet; Anfang Mai 1977 wurde Elvis u.a. auch dabei beobachtet, wie er mit einem seiner Motorräder auf dem Gelände von Graceland herum kurvte.

„Elvis liebte seine Eltern und sprach mit mir bei verschiedenen Gelegenheiten über seine Mutter. Ich weiß, dass er sie wirklich sehr vermisste. Er wollte mir zeigen, wo er geboren wurde und verschiedene andere Orte, die mit seiner Vergangenheit zu tun hatten, und so fuhren wir oft mit seinem Motorrad in der Stadt umher oder Richtung Tupelo“, erinnerte sich Ginger Alden später in einem Interview.

An eine Ausfahrt Ende Juli erinnerte sich beispielsweise Julia Butler, ein fanatischer Elvis-Fan, wie folgt:

Das letzte Mal sah ich ‚Elvis at home’ im Juli 1977. Nachdem wir bei den letzten drei Konzerten seiner letzten Tournee gewesen waren, reisten Teresa und ich nach Memphis.
Zuerst sahen wir Lisa Marie in einem weißen Cadillac ankommen; sie würde ihre Ferien hier verbringen. Wir vermuteten, dass Elvis diese Nacht nicht ausgehen würde, also entschlossen wir, früh zu Bett zu gehen. Um 2 Uhr 30 morgens begaben wir uns ins Hotel, nicht ohne vorher jemanden instruiert zu haben, uns anzurufen, falls irgendetwas passieren sollte.
Nach fünf Minuten klingelte das Telefon uns jedoch aus den Federn und eine Stimme sagte:
„Er ist gerade mit seinem Motorrad rausgefahren!“
In wilder Hektik zogen wir uns wieder an und hetzten nach Graceland. Gerade rechtzeitig, um Elvis zurückkehren zu sehen; aber er fuhr nicht nach Hause, sondern an den Gates vorbei. Ginger Alden war hinter ihm und Billy Smith war auf einem weiteren Motorrad. Elvis trug einen dunkelblauen Trainingsanzug mit weißen Streifen an den Beinen, eine Lederjacke, dazu einen Sturzhelm und Brillen.
Nach einer weiteren Stunde war er wieder da. Diesmal rollte er auf seinem Motorrad langsam die Auffahrt hinauf und lächelte den wenigen Leuten, die ausgeharrt hatten, zu. Ich werde nie erfahren, wo er in dieser Stunde war, aber es war das letzte Mal, dass ich Elvis sah – und das werde ich nie vergessen.

(Ich hoffe sehr, dass man es mir nicht verübelt, wiederholt aus der „Bringin’ It Back“-Magazin-Reihe zu zitieren, diesmal aus der Nr. 7, aber ich halte derartige Augenzeugenschilderungen für eine unverzichtbare Bereicherung. Wenn ich nur auf die Geschichte hinweise, und der Leser ist nicht im Besitz des genannten Magazins, dann ist der Lesefluss gestört und die ganze Sache irgendwie unrund. Ich versteht bestimmt, wie ich das meine.)

Auch bei dieser Geschichte haben wir leider wieder das Problem, das weder Farbe noch andere Fahrzeug-Details genannt werden, sodass sich nicht sagen lässt, ob Elvis auf der schwarzen oder der rot-weißen Electra Glide unterwegs war. Letztlich ist das auch nicht entscheidend, aber mich persönlich interessiert es schon, wann Elvis mit der einen und wann mit der anderen „Hog“ gefahren ist.

Am frühen Abend des 11. August wurde Elvis dabei fotografiert, wie er allein auf seiner schwarzen Electra Glide nach Graceland zurückkehrte, nachdem er auf dem Forest Hill-Friedhof - kurz vor dem Todestag seiner Mutter Gladys - frische Blumen an ihr Grab gebracht hatte. Offenbar hatte er nicht den direkten Rückweg genommen, denn wie das eine Foto zeigt, kam er aus der entgegen gesetzten Richtung zurück.


Die letzte Fahrt

Am Abend des 14. August 1977, drei Tage vor dem Start einer neuen, 12-tägigen Tournee und deshalb wohl etwas angespannt, suchte Elvis nach eigenem Bekunden ein wenig Abwechslung und beschloss, gemeinsam mit seiner Freundin Ginger eine Motorradspritztour auf der „Harley Hog“ zu unternehmen; als Begleitung schlossen sich sein Leibwächter Al Strada, sein Cousin Billy Smith und dessen Frau Jo an.

Billy erinnerte sich später: "Wir fuhren hinaus zum dry run, wie Elvis es nannte: nördlich auf den Elvis Presley Boulevard, hinunter zur Brooks Road, rechts der Brooks Road auf die Interstate 55 in südlicher Richtung bis zum Shelby Drive, von dort zurück zum Elvis Presley Boulevard und wieder nach Graceland. So unberechenbar und sprunghaft wie er war, saß er auf dem Motorrad und schüttelte seinen Kopf. ‚Genug, ich glaube, wir stellen sie besser wieder ab. Ich bin zu wild und verletzlich.’"



Paul MacLeod, Besitzer des Elvis-Museums “Graceland Too” in Holly Springs, Mississippi (eine Art allumfassendes Elvis-Archiv), hielt sich nach eigener Aussage im August 1977 seit ein paar Wochen in Memphis auf und besuchte Nacht für Nacht das Music Gate vor Graceland. „Ich kannte alle Wächter, die damals Dienst taten, und ich war morgens, mittags und nachts dort und begleitete sie bei ihren Runden.“
Ausgestattet mit einer Super 8 Film-Kamera sowie einer 35-Millimeter-Minolta-Kamera samt Stativ und einem starken Objektiv mit einer Brennweite von 400 Fuß, will McLeod auch diese letzte Spritztour auf 8mm gebannt haben. „Nun, das war, bevor er starb. Ich erwischte ihn in jener Nacht, als er dieses Motorrad fuhr, eine rote und verchromte Harley Davidson Electra Glide – die gleiche, die sie in diesem Museum ausstellen. Ginger Alden, dieses Mädchen, das den größten Entertainer der Welt tot auffand, saß hinter ihm auf der Maschine.“ Die tatsächliche Existenz eines solchen, bislang unveröffentlichten Videos ist umstritten, doch Paul MacLeod bleibt beharrlich dabei, dass er im Besitz des letzten Video-Films von Elvis vor seinem Tod ist. „Es handelt sich dabei um etwa 90 Sekunden Footage, die Elvis zeigen, wie er mit seiner Freundin auf seinem Motorrad die Auffahrt herunter kommt“, so die ergänzende Aussage von Elvis Aaron Presley MacLeod, dem Sohn von Museumsleiter Paul. Das Videoband soll übrigens gut verschlossen an einem sicheren Ort lagern, bis das Copyright dafür angemeldet ist und das Band sicher kopiert wurde.
Da diese Äußerungen jedoch schon vor mehreren Jahren gemacht wurden, ohne dass bisher ein derartiges Video irgendwo zu sehen war, kann erneut darüber spekuliert werden, ob es überhaupt eine solche Aufnahme gibt, und wenn ja – in welcher Qualität.

Aber wie auch immer, es sollte das letzte Mal gewesen sein, dass Elvis eine Ausfahrt mit einem Motorrad unternahm, ein allerletzter Ritt auf einer Harley, denn nur zwei Tage später ging die Nachricht vom plötzlichen Ableben des King of Rock`n`Roll um die ganze Welt...


Theoretisch müssten die Kfz-Papiere (Kaufvertrag, Fahrzeugbrief, Zulassung) für die beiden Electra Glides, die Elvis zum Zeitpunkt seines Todes in seinem Besitz hatte, dem Elvis Presley Estate vorliegen – ebenso wie jene vom Chopper, das sagte ich ja schon. Alle drei Maschinen gehörten zum Nachlass, und aus ihnen gehen sowohl der Kaufzeitpunkt, der Preis als auch technische Details hervor, und wir wüssten dann auch, ob Elvis jeweils eine „alte“ Harley in Zahlung gegeben hat und wenn ja, welche.
Hat da jemand vielleicht ein paar Zusatz-Infos?


Das letzte Fahrzeug Marke Harley-Davidson, das Elvis meines Wissens nach kaufte, war übrigens ein kobaltblaues Golf Cart, das er seiner inzwischen fast neunjährigen Tochter Lisa Marie zum letzten gemeinsamen Weihnachtsfest 1976 schenkte. Lisa, die seit der Trennung der Eltern bei ihrer Mutter Priscilla in Kalifornien lebte, konnte damit allein auf dem Gelände von Graceland herum fahren, wenn sie ihren Vater während der Ferien in Memphis besuchte – letztmalig im August 1977. Der Motor war entsprechend gedrosselt, so dass sie relativ gefahrlos damit umher brausen konnte, ohne auf ihren Aufpasser „Onkel David“ (einer von Elvis’ Stiefbrüdern) angewiesen zu sein. Obendrein hatte Elvis in großer Schrift ihren Namen („Lisa“) auf das Cart lackieren lassen.
Auf Fotos sieht man, wie sie andere Kinder in ihrem Gefährt mitnimmt und beim Herumfahren auf dem weitläufigen Anwesen offenbar viel Spaß hat. Wann die Bilder gemacht wurden – etwa im August 1977? – kann ich nicht mit Sicherheit sagen.
Auch Elvis selbst liebte es, mit einem Harley-Davidson-Golf Cart kreuz und quer über sein Anwesen zu jagen und dabei die Grenzen der Schwerkraft auszuloten. Es gibt viele Fotos, die ihn entweder allein oder in Begleitung von Priscilla, später auch Linda Thompson oder Billy Smith zeigen.
Als Elvis 1977 starb, besaß er nicht weniger als sechs Golf Carts der Marke Harley-Davidson; eines ist heute im Elvis Presley Automobile Museum gegenüber von Graceland ausgestellt.
Das alles erwähne ich aber nur am Rande, da ein Golf Cart bekanntlich mehr als zwei Räder hat...


Harley-Eskorte bis zur letzten Ruhestätte

Als man den verstorbenen King am Nachmittag des 18. August 1977 zu seiner (vorerst) letzten Ruhestätte auf den unweit von Graceland gelegenen Forest Hill Friedhof überführte, wurde der Leichenwagen nicht nur von einem Konvoi aus 16 weißen Cadillacs begleitet, sondern auch zehn Harley-Davidson-Motorräder der örtlichen Polizei flankierten die Limousine mit dem Sarg. Dabei fuhren drei Beamte in Pfeilspitzenformation vor dem Konvoi, je zwei direkt neben dem Leichenwagen und weitere drei auf der dem Bürgersteig zugewandten rechten Seite, wo sich Trauernde und Schaulustige entlang der gesamten Wegstrecke in mehreren Reihen hintereinander versammelt hatten.
Viele Polizeibeamte, die an der Strecke als Sicherungskräfte postiert worden waren, grüßten den sich heran nähernden Leichenwagen spontan mit einem Ehrensalut bei abgesetzter Mütze, was eine besondere Geste des Respekts für den einstigen Deputy Sheriff von Shelby County war.

Nachdem der Trauerzug mit engen Freunden und Angehörigen die Einfahrt zum Friedhof passiert hatte, folgte an dessen Ende noch eine kleine Abordnung der berühmt-berüchtigten Hell`s Angels, die auf ihren Harley-Choppern dem King die letzte Ehre erwiesen, während ein Sozius noch Fotos zur persönlichen Erinnerung machte.
Zu sehen sind diese bewegenden Filmaufnahmen u.a. in der NDR-Dokumentation „Elvis- Ein amerikanischer Tod“, die 1978 erstmals gesendet wurde.



Eine der zehn erwähnten Polizei-Harleys, so heißt es, wird im American Police Motorcycle Museum in Meredith, New Hampshire, unweit von Laconia, ausgestellt (Stand: Sommer 2013).
Angeblich führte diese Maschine den Trauer-Konvoi an, doch Fotos vom 18. August 1977 beweisen, dass nur zwei der Polizei-Harleys eine weiße Frontverkleidung wie das Bike in der Ausstellung hatten, und das Fahrzeug an der Spitze hatte definitiv keine. Die beiden in Frage kommenden Harleys fuhren direkt neben dem Leichenwagen her: die eine auf der rechten Seite (in Fahrtrichtung) am Ende (farbiger Cop), die andere auf der linken Seite als Erste (weißer Cop). Beide scheiden meiner Meinung nach aber aus, da sie weiße statt schwarze Seitengepäckbehälter besaßen und – viel entscheidender – ein abweichendes Polizei-Logo auf der Frontverkleidung trugen!
Mag sein, dass es eine möglicherweise unangebrachte Haarspalterei meinerseits ist, aber da wir nun mal eine Vergleichsmöglichkeit haben, bin ich im Zweifel immer für die Wahrheitsfindung. Sorry.
Die Polizei-Harley in Meredith ist somit - ich sage das sehr vorsichtig und unter Vorbehalt - möglicherweise nicht am 18. August 1977 als Begleitschutz von Elvis Presley zu dessen letzter Ruhestätte eingesetzt worden, doch als Vergleichsmodell zum Zwecke der Veranschaulichung hat dieses Bike auf jeden Fall seine Daseinsberechtigung in der Ausstellung. Sicher ist nur, dass die Aussage „the motorcycle (...) led Elvis Presley’s funeral procession“ mit Fotos nicht zu belegen ist.



Der gesamte Fuhrpark, darunter auch die drei Motorräder, verblieben 1977 vorerst in den Garagen/Carports hinter dem Haupthaus. Zum Zwecke der Bestandsaufnahme fuhr man sie später ins Freie, wo sie auch fotografiert wurden, denn bis November 1977 musste Elvis’ Vater Vernon für das Hinterlassenschaftsgericht in Memphis eine ausführliche Inventarliste von Graceland erstellen. Auf dieser fallen mehrere fehlerhafte Eintragungen auf (beispielsweise wurde aus der Electra Glide eine Electric Light, oder das Baujahr des schwarzen Ferrari lautete 1967 statt 1975). Ich glaube, man kann erahnen, wie sehr die ganze Verantwortung auf Vernon Presley lastete, der sich als testamentarisch bestimmter Nachlassverwalter um so viele Dinge kümmern musste, wo er doch lieber – das ist zu vermuten - in aller Stille um seinen Sohn getrauert hätte und überdies ein schwaches Herz hatte.

Anfang Juni 1982, mit der Eröffnung Gracelands als Museum (sowohl Vernon Presley als auch Elvis’ Großmutter Minnie Mae waren inzwischen verstorben), konnten Fans dann erstmals die Motorräder bei einem Rundgang durch das Anwesen bestaunen; das Elvis Presley Automobile Museum innerhalb des „Graceland Visitor Center“ genannten Besucher-Zentrums auf der anderen Seite des Highway wurde erst später eröffnet und beherbergt seither natürlich auch die Motorräder.


Welche Harley wäre wohl Elvis’ nächste gewesen?

Zu den letzten neuen Harley-Modellen, die noch zu Elvis` Lebzeiten auf den Markt kamen, gehörten zum einen die 1977er Harley Davidson FXS Low Rider, zu deren auffälligsten Merkmalen ein Lenker im Drag-Style, eine Metallic-Lackierung oder die in weiß beschrifteten Reifen gehörten, als auch der sogenannte 1977er XLCR Café Racer, das zweite von Willie G entworfene Custom Bike. Ob der Low Rider, an und für sich ein sehr formschönes Bike, wirklich in Betracht zu ziehen ist, scheint mir fraglich, da Elvis ja praktisch nicht für Sportster-Varianten jeglicher Art zu begeistern war. Der Cafe Racer kommt meiner Meinung nach noch viel weniger in Betracht, da er ein sehr gewöhnungsbedürftiges Design hatte und offenbar auch für den Geschmack der breiten Käuferschicht etwas zu radikal war, denn wegen zu geringer Nachfrage wurde die Produktion bereits im Folgejahr wieder eingestellt.
Zuguterletzt wurden die Modell-Reihen Super Glide, FLH Electra Glide und die drei Sportster-Varianten (XLH, XLCH und XLT) als limitierte 1977er Confederate Editions angeboten. Hierbei war die Grundfarbe grau-metallic, und den Tank zierte die sogenannte Rebellen-Fahne der Konföderierten aus dem amerikanischen Bürgerkrieg, die oberhalb des blauen Tank Badges positioniert war. Diese Flagge (auch Southern Cross, also Kreuz des Südens, genannt) war auch an der „BatWing“-Frontverkleidung sowie an den Gepäckbehältern angebracht, und den vorderen Kotflügel schmückte das angedeutete Kordelgeflecht vom Ärmel eines Südstaaten-Generals.
Wegen der öffentlichen Zurschaustellung eben dieser Südstaatenflagge, die bis heute mit rassistischen Tendenzen assoziiert wird, war die Confederate Edition nicht unumstritten und wurde relativ schnell wieder aus dem Verkaufskatalog genommen. Speziell von der „Confederate“ Electra Glide wurden lediglich 44 Stück produziert, von der XLCH Sportster 45 Exemplare und von der XLT Sportster sowie der FLHS jeweils gar nur 15, was diese Fahrzeuge heute zu begehrten Sammler-Objekten macht. Nur die Super Glide und die XLH Sportster erreichten Produktionszahlen im dreistelligen Bereich, doch von keiner wurden mehr als 300 Stück gebaut.



Da Elvis es stets vermied, in der Öffentlichkeit politisch Stellung zu beziehen (man denke da beispielsweise an die Pressekonferenz im Juni 1972 vor den Auftritten im Madison Square Garden in New York, wo er einer Frage zum Vietnamkrieg auswich), könnte man mutmaßen, dass er – um nicht ungewollt zu polarisieren - wohl Abstand davon genommen hätte, sich dieses Bike zu kaufen; andererseits war Elvis nun mal ein Sohn des Südens, und die Textzeile „In Dixieland that’s where I was born“ in der American Trilogy war, obwohl nicht seiner eigenen Feder entsprungen, autobiographisch.
Ich stelle mir gern vor, dass es trotz aller Bedenken diese „Confederate“ Electra Glide gewesen wäre, mit der sich Elvis – vielleicht nach der August-Tour 1977– belohnt hätte, doch wäre er wirklich schon bereit gewesen, sich von einer der beiden wunderschönen `76er Electra Glides zu trennen, die noch nicht einmal ein Jahr alt waren?!
Leider werden wir auf diese Frage nie eine Antwort erhalten, wir können nur spekulieren...


Unter Vorbehalt

Wie ich es bereits in den ersten beiden Teilen gemacht habe, möchte ich auch an dieser Stelle noch auf einige „Mystery“-Bikes eingehen, die in Wanderausstellungen gezeigt werden/wurden und mit dem Vermerk „owned by Elvis“ versehen sind/waren, ohne dass mir Fotos/Dokumente bekannt sind, die Elvis entweder als Besitzer oder wenigstens als Fahrer der jeweiligen Maschine dokumentieren.
Um ehrlich zu sein, macht mich die doch recht große Anzahl der Harleys, die Elvis gehört haben sollen, etwas skeptisch, und mir reicht es nicht, eine „Original Elvis-Harley“ als solche zu akzeptieren, nur weil so eine Maschine aufpoliert auf einem Sockel präsentiert wird und im Hintergrund ein paar Plattenhüllen, Poster oder diverse Kitsch-Artikel von Elvis die Authentizität untermauern sollen.
Ich persönlich benötige ein Foto (ein echtes, wohlgemerkt!), das Elvis auf, an, vor oder hinter der entsprechenden Maschine zeigt (meinetwegen auch beim Schrauben darunter) oder mindestens eine Erwähnung/Beschreibung der Maschine aus verlässlicher Quelle. Ein stichhaltiger Beweis wäre natürlich der Kaufvertrag oder die KfZ-Zulassung, doch diese Papiere bekommt man nur in den seltensten Fällen zu Gesicht – und schließlich ist nicht bei allen tatsächlichen Elvis-Harleys der Verbleib zu eruieren.
Meine Chronistenpflicht ist es aber, diese angeblichen oder auch tatsächlichen Harleys aus dem Besitz von Elvis Presley wenigstens zu erwähnen. Über die Echtheit kann ich aus der Fernbetrachtung natürlich keine Aussage treffen.


1970-75 (?) AMF Harley-Davidson Sportster



In einer Filiale des Hard Rock Cafe in Downtown Miami, Florida, wurde vor ein paar Jahren eine in hell- und dunkelblau lackierte Sportster mit hoher Sozius-Rückenlehne ähnlich des 1966er Chopper ausgestellt, die Elvis gehört haben soll. Einen Hinweis auf das Baujahr liefert die Zahl „1“ auf der Getriebe-Einheit; dieses neuartige Logo in den Farben der amerikanischen Flagge wurde erst 1970 eingeführt, wie ich anfangs schon angemerkt hatte.
Ein „Beweisfoto“ mit Elvis könnte für Klarheit sorgen, aber ein solches ist mir bisher nicht bekannt.


1976 AMF-Harley-Davidson Electra Glide 1200 (schwarz/blau)
1998 präsentierte die „Pioneer Auto Show“ in Murdo im US-Bundesstaat South Dakota „Elvis Presley’s personal Harley-Davidson“. Die im Motorcycle Room ausgestellte Maschine ist eine 1976er AMF Harley-Davidson Electra Glide 1200 (ccm) und hatte einen Tachostand von 1.200 Meilen; zugelassen war sie angeblich noch immer auf den Namen Elvis A. Presley, wie es hieß („The title is still in the name Elvis A. Presley“). Aktueller Besitzer war ein gewisser Dave Geisler.
Die Maschine – wahlweise mal mit, mal ohne Windschutzscheibe ausgestellt - wurde/wird in einer Art Glasvitrine präsentiert, so dass der überneugierige Fan nicht Hand anlegen kann – dekoriert mit einem gemalten Elvis-Portrait im Hintergrund und mehreren Plattenhüllen sowie einem Original-Seidenschal aus der Show in Rapid City während der Juni-Tournee 1977. Erwähnenswert wäre u.a. die interessante Lackierung in schwarz und blau, vermutlich Handarbeit. Hierbei darf ich noch einmal an die Inventarliste von 1977 erinnern: dort tauchen nur zwei Electra Glides Baujahr `76 auf, und beide wurden bereits vorgestellt! Ein Ausschlusskriterium ist das sicher nicht, und man bedenke, dass auch kein moderner Cadillac dort auftaucht, obgleich Elvis zu Beginn des Jahres (womöglich schon Ende 1976?) einen prächtigen, zweifarbigen 1977er Cadillac Seville in silbergrau und bordeaux nachweislich kaufte und auch fuhr, bevor der Wagen wenig später seinen Besitzer wechselte.
Natürlich wäre ein „Beweisfoto“ von Elvis mit dieser speziellen Harley über jeden Zweifel erhaben, und wer weiß – vielleicht zeigt dieses s/w-Foto, das ich persönlich der rot-weißen BatWing Electra Glide zugeschrieben habe, am Ende den King auf dieser schwarz-blauen Electra Glide?!



Ich möchte jedenfalls alle Elvis-Fans, die zufällig die besagte Ausstellung in Murdo besucht haben (bzw. die Harley in einer Wanderausstellung irgendwo anders gesehen haben) bitten, uns mitzuteilen, was auf den Dokumenten zu lesen ist, die innerhalb der Vitrine ausgestellt sind/waren. Handelt es sich etwa um den Kaufvertrag und/oder die Zulassung? Hat jemand diese Tafeln im Detail fotografiert und kann nähere Auskünfte geben? Auf den mir vorliegenden Fotos sind die Dokumente leider unleserlich.


1976 AMF Harley-Davidson Sportster
Im Sommer 2003 wurde in England, genauer gesagt, in der Beatles-Heimstadt Liverpool, eine Ausstellung unter dem Titel „Fingerprints of Elvis“ eröffnet, mit der nicht zuletzt auch der Einfluss des King auf die Entwicklung des sogenannten Mersey Beat-Sounds in Großbritannien in den frühen 60er Jahren gefeiert werden sollte. Hauptattraktion war eine schwarze 1976er AMF Harley-Davidson Sportster, die Elvis’ Stiefbruder David Stanley in einem Interview im Vorfeld der Ausstellungseröffnung als „owned by Elvis“ bezeichnete. Etwas ausführlicher antwortete er auf eine entsprechende Frage: „Ich denke, mein Lieblings-Ausstellungsstück ist das Harley-Davidson-Motorrad. Ich verbrachte viel Zeit damit, zusammen mit Elvis Motorrad zu fahren – mit diesem speziellen, das hier ausgestellt ist, bin ich damals sehr oft gefahren. Wissen Sie, wir waren ein Haufen Jungs, die alle gern mit dem Motorrad herumfuhren – wenn man sich so etwas ansieht, kommen eine Menge Erinnerungen wieder hoch.“
Aus dieser Aussage ist meiner Meinung nach zu entnehmen, dass Elvis zwar dieses Bike offenbar gekauft hat, doch gefahren ist wohl vor allem David damit. Denkbar wäre auch, dass Elvis seinem „brother-in-law“ die Sportster schlicht und einfach „spendiert“ hat (komisch nur, dass David dies in dem Interview nicht erzählte...).
Zumindest ist mir – bisher – kein Foto bekannt, das Elvis auf einer `76er Sportster zeigt; meines Wissens nach gibt es überhaupt kein Foto, das Elvis auf irgend einer Sportster zeigt – die einzige Ausnahme dürfte der Chopper sein, ansonsten fuhr Elvis – wenn er Harley fuhr - konsequent die Hogs.



Zusätzliche Werbe-Ankündigungen wie „his last Harley-Davidson“ / „Elvis’s last motorbike“ oder “thought to be his last and favourite motorbike - which he often had shipped from Memphis to California to ride” lassen mich jedoch an der Authentizität zweifeln. Allein schon das “häufige Verschicken von Memphis nach Kalifornien” bereitet mir Kopfzerbrechen, denn beruflich hatte Elvis seit den Aufnahme-Sessions für das TODAY-Album im März 1975 in LA nicht mehr an der Westküste zu tun; sein letztes Anwesen in Beverly Hills (das er im Zuge der Scheidung von Priscilla zwecks Güterteilung hatte veräußern müssen) wurde im Juni 1975 verkauft. Die 1976er Sportster hätte er aber frühestens im Herbst bzw. Ende 1975 kaufen können. Wohin also hätte er sie dann „häufig“ transportieren sollen???
Elvis soll mit dieser Sportster auch in Memphis herumgefahren sein, und angeblich habe er mit Ginger „just days before he died“ eine letzte Fahrt mit diesem Bike unternommen.
Ich sage es offen: wenn ein Foto auftaucht, dass Elvis (mit oder ohne Ginger) auf dieser Sportster zeigt, wäre ich wohl von der Echtheit überzeugt; ansonsten kann ich mir Elvis anno 1976/77 nicht auf dieser kleinen Maschine vorstellen – schon gar nicht mit Ginger als Sozius.


Am Ende dieser Betrachtungen sehe ich all die genannten Bikes vor mir und frage mich, warum noch niemand bei Elvis Presley Enterprises auf die Idee gekommen ist, diese – ich nenne sie mal so - Elvis Presley’s All Time Motorbike Collection als Matchbox-Serie auf den Markt zu werfen. Ich bin zwar kein Kind mehr und hätte nichts davon, aber wäre es nicht eine Möglichkeit, kleine Spielzeugauto-Fans auf den „richtigen“ Weg zu bringen, damit aus ihnen einmal große Elvis-Fans werden, die nach uns das Andenken an den King hochhalten?! Meinetwegen könnte man sich auch nur auf die Harleys beschränken (also Elvis Presley’s All Time Harley-Davidson Motorcycle Collection) – angeboten im Store von Graceland Harley-Davidson am Elvis Presley Boulevard?!
Nur mal so ein Gedanke…


Ich hoffe, dass ich bei meinen Darlegungen nichts Wesentliches ungewollt unterschlagen oder fehlerhaft dargestellt habe. Ergänzungen/Korrekturen Eurerseits sind ausdrücklich erwünscht, sofern Ihr die betreffende Quelle mit erwähnt, falls möglich.
Leider stand mir die umfangreiche Elvis-„Bibel“ „Elvis Day By Day“ nicht zur Verfügung, so dass mglw. darin befindliche Infos wie bspw. Kauf-/Verkaufsdaten, Kaufpreise, genaue Fabrikatbeschreibung, Farbe o.ä. eine willkommene Bereicherung wären.

Ich hoffe sehr, dass es mir gelungen ist, meine persönliche Begeisterung für Elvis Presley und seine Motorräder auf den einen oder anderen von Euch zu übertragen, oder dass ich zumindest ein entsprechendes Interesse wecken konnte.
Dass ich einen gewissen Stolz verspüre, der Erste zu sein, der sich dieser sehr komplexen Thematik im Detail angenommen hat, werdet Ihr mir hoffentlich nicht verübeln...


Als Bonus gewissermaßen habe ich noch einen weiteren Teil vorbereitet, bei dem sich jeder, der Lust dazu hat, einbringen kann...

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Entnommen dem Originalthema http://www.elvisnachrichten.de/showthread.php?t=27645

Geändert von Mike (16.08.2014 um 23:18 Uhr)
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Alt Alt 14.08.2014, 11:08
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